Touristikerin mit Herzblut

24. März 2017
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HAUENSTEIN. Sie ist Touristikerin mit Herzblut: Seit drei Jahren leitet Sonja Spieß das Hauensteiner Tourist-Info-Zentrum (TIZ) in der Schuhmeile und ist seither mit spürbarer Freude und unermüdlich am Rühren, um die Urlaubsregion noch attraktiver zu machen.

Wir besuchen die gelernte Reiseverkehrskauffrau, die in Gossersweiler lebt, an einem kalten Wintermorgen. Über Perspektiven für den Tourismus in der Urlaubsregion wollen wir miteinander reden. Unser Gespräch wird oft unterbrochen: Potenzielle Urlaubsgäste rufen aus ganz Deutschland an und informieren sich über Einzelheiten zu Pauschalangeboten oder speziellen Wandermöglichkeiten für Gruppen, Kunden der Schuhmeile, die eher zufällig vorbeikommen, wollen mit Prospektmaterial versorgt werden, sogar Anfragen nach dem Weihnachtsmarkt 2017 müssen beantwortet werden. Sonja Spieß macht das mit großer Freundlichkeit, mit Professionalität und mit viel Geduld.

Zwischendurch berichtet sie von der Stuttgarter Touristikmesse CMT, wo sie am Gemeinschaftsstand der Pfalz ein paar Tage präsent war: „Das Wandern steht nach wie vor intensiv im Focus“, berichtet sie von ihren Messeerfahrungen. Es seien heuer nur „wenige Prospektabgreifer“ unter den 235.000 Besuchern gewesen, die Besucher sprächen mit „sehr konkreten Vorstellungen“ am Stand vor: „Wir konnten viele gute Gespräche zu sehr detaillierten Anfragen führen. Da war schon intensive Beratung möglich“, fasst sie zusammen.

Ein besonderes Bonbon habe die Messe dadurch gebracht, dass Schuhkönigin Dana I. bei einem Interview mit dem SWR auf der Messe-Showbühne die Vorzüge der Urlaubsregion präsentieren konnte: „Eine tollere Werbung hätten wir nicht bekommen können“, bilanziert Sonja Spieß. Für die Urlaubsregion trommeln werde man auch auf der Saarmesse in St. Ingbert und beim Mannheimer Maimarkt, wobei man dort über Partner vertreten sein werde.

„Gute Werbung“ sei die Couponwerbung im Reiseteil der „Rheinpfalz am Sonntag“ gewesen. Binnen weniger Tage seien 300 Prospektanfragen eingegangen. Hervorragende Resonanz erfahre auch die im Januar geschaltete Anzeigenwerbung in den Amtsblättern des Linus-Wittich-Verlags, die sehr weit streuten: Wir erleben im TIZ gleich mehrere telefonische Anfragen mit, die Näheres zu dem dort integrierten Pauschalangebot „Wanderlust“ einholen wollen.

Und so sei denn –bei allem Hype ums Internet, Facebook und Co. – die Nachfrage nach gedrucktem Infomaterial ungebrochen. Die Regale im TIZ sind mit einer Fülle von Prospektmaterial gefüllt. Da tut Beratung gut. Ein Kunde aus dem Saarland ist interessiert am Angebot für Radler und Biker: Sonja Spieß weist den Weg durch die Prospektflut: Ein Flyer weist auf die Strecken des erweiterten MTB-Parks mit den beiden recht anspruchsvollen Touren 11 und 12 in der Urlaubsregion Hauenstein hin, ein anderer zeigt den Weg zum „Mountainkike-freundlichen Gastgeber“. Wer es gerne gemütlicher angehen lässt und ausgebaute Fahrradwege den kniffligen Single-Trails vorzieht, dem kann Sonja Spieß mit der „Südwestpfalz-Radkarte“ und der Karte „Radwandern“ helfen, die „Touren entlang Rhein, Wein und Wald“ zeigt.

„Man merkt, dass die Nachfrage nach dem MTB-Park allmählich anzieht“, stellt sie fest. Positiv fände sie, wenn ein E-Bike-Verleih da wäre, wenn außer Wolfgang Seibels Roller- und Bike-Shop auch noch weitere Anlaufstellen für Reparaturen am Fahrrad parat stünden. Einige „Leistungsträger“ hätten sich bereits gut auf die neue Zielgruppe eingestellt, bieten abschließbare Unterstellplätze und Platz für die Reinigung der Bikes an. Mit Reinhold Wieser und Frank Schmitt stehen zwei „Guides“ bereit, die sich um die Wege kümmern: Vier Termine für geführte Touren seien 2017 geplant.

„Etwa 20 Prozent der Nachfragen beziehen sich aufs Radfahren und Biken“, berichtet sie. Nach wie vor werde aber die Urlaubsregion als „Wanderparadies“ wahrgenommen: „70 Prozent der Interessenten fragen nach Wandertouren“. Und da sei man mit den sieben Premiumwanderwegen, die mit dem Slogan „Sieben auf einen Streich“ beworben werden, „bestens aufgestellt“. Alle drei Jahre wird das Zertifikat überprüft: „Dann stehen die Wege auf dem Prüfstand. Und dieser Blick von außen ist uns ganz wichtig!“

Dass das bislang alles problemlos über die Bühne ging, das sei auch das Verdienst der Wanderpaten, die die Beschilderung kontrollieren, Hindernisse wegräumen und gucken, dass nichts das Wandererlebnis schmälert: „Ihre Leistung ist unbezahlbar“, lobt Sonja Spieß, die selbst begeisterte Wanderin ist, das runde Dutzend der „Kümmerer“.

Gerne würde die Urlaubsregion noch deutlicher als „Schuhdestination“ herausarbeiten. „Noch mehr Betrieb in der Schuhmeile“, wünscht sie sich, und „mehr Flair, noch mehr Einkaufserlebnis.“ Um dabei voranzukommen, müssten „alle Akteure an einem Strang ziehen, um das vorhandene Potenzial ins rechte Licht zu rücken“.

Weitere Idee: Die Urlaubsregion sollte sich noch mehr als bisher als Destination qualifizieren und nach außen verkaufen, in der der ökologische Fußabdruck des Touristen möglichst klein ausfällt. „Mit vier Bahnstationen, unseren zumeist inhabergeführten Betrieben und unseren naturnahen Angeboten, die wenig Ressourcen verbrauchen, haben wir dazu die besten Voraussetzungen“, nennt sie eine „Urlaubsphilosophie der Zukunft“, die auch für Anbieter zunehmend interessant werden dürfte.

Bereits im Ortsgemeinderat Hauenstein war ein anderer Vorschlag andiskutiert worden: Unter dem Slogan „Hauenstein blüht auf“ sollte sich die Urlaubsregion hübsch machen. Sonja Spieß hat auch eine „Kirchenführung“ ins Gespräch gebracht. Und: Das TIZ sieht sie als „Tor zwischen Biosphärenreservat Pfälzerwald und Deutscher Weinstraße“. Es gelte hier, neue Netzwerke zu knüpfen und bestehende zu pflegen, zu kooperieren statt zu konkurrieren (ran)

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