100 Jahre SCH

HAUENSTEIN. So fulminant und so abwechslungsreich, wie die eigene Geschichte war, so feierte der SC Hauenstein am Sonntag im proppenvollen Bürgerhaus sein 100-jähriges Bestehen: 250 Minuten lang blickte man zurück auf eine bemerkenswerte Vereinshistorie mit all ihren Höhen und Tiefen. Und man würdigte die Leistungen von ungezählten Ehrenamtlichen, die diesen Verein mit ihrer Arbeit geprägt haben.

Markus Kuntz, viele Jahre Präsident und später Geschäftsführer des SCH, vom aktuellen  Vorstandsvorsitzenden Christoph Keller, der zusammen mit seinen Mitvorsitzenden Steffi Dums und Udo Memmer den Festakt moderierte,  zur „SCH-Legende“ geadelt, ließ zunächst in einer mit vielen Bildern und Originaldokumenten unterfütterten Präsentation die facettenreiche Geschichte des Sportclubs Revue passieren (wir berichteten am Freitag, 22.03.).

Kuntz erzählte von den bescheidenen Anfängen auf einem Sportplatz, der ein Gefälle von 3,60 Meter und aus Holzstämmen zusammengezimmerte Tore aufwies, ebenso wie über die Tiefen in der B-Klasse und über die Höhen, in Ober- und Verbandsliga und beispielsweise auch im Pokal, wo das legendäre Match gegen den 1. FC Saarbrücken (1964: 3:6 n.V.) oder die knappe 1:2-Niederlage gegen Bayer Leverkusen 2016 zu jenen Ereignissen zählen, die „auf ewig ihren Platz in der Vereinshistorie haben werden“, wie Kuntz ausführte.

Kuntz‘ detaillierten Ausführungen lauschten Akteure und Protagonisten aus vielen Jahrzehnten SCH-Geschichte: Für die Gründergeneration stand Hans Naser, Sohn des Gründungsvorsitzenden Fritz Naser. Die Jungen, die den Kampf um den Klassenerhalt in der Verbandsliga noch nicht aufgegeben haben, waren ebenso da wie die „alten Kämpen“ aus den und die Generation ehemaliger Spieler, die jetzt Mitverantwortung im Verein übernommen haben. Und es fehlten nicht jene Spieler, die dem SCH überaus erfolgreiche Jahre in Ober- und Regionalliga bescherten.

Foto: Beim Festakt zum hundertjährigen Bestehen des SC Hauenstein ehrte Jürgen Veth vom SWFV Markus Kuntz, Carl-August Seibel, Udo Memmer, Christoph Keller, Hans Reck, Thomas Schächter und Alexander Seibel mit Ehrennadeln des Verbandes. (ran)

Ulrich Harde schilderte aus der Perspektive eines Beteiligten sehr launig und kurzweilig den Aufstieg des Vereins, der in einer beispielhaften Jugendarbeit gründete. Er erzählte augenzwinkernd von den umkämpften Spielen in der Jugend-Südwestliga unter Bernd „Sandmann“ Rubeck, wo oft zum Mittagsgeläut der Christkönigskirche der Schiedsrichter zum entscheidenden Elfmeterpfiff genötigt wurde. Und er ließ an den Erlebnissen in den großen Regionalligastadien in Aachen, Münster oder in Essen teilhaben. Ein kleiner Film hatte zuvor an das SCH-Highlight erinnert, als die „Zimmermänner, Schlosser, Drucker, Postangestellten und Studenten aus dem Dorf gegen die Vollprofis aus der Stadt“ –wie Harde sein Team beschrieb- antraten und vor 10.000 Zuschauern RWE ein 2:2 abtrotzten. .

Drei Jahre kickte der SCH mit Außenverteidiger Ulrich Harde in der Regionalliga mit einer  anderen Fußballwelt und Fans, mit denen „einige Scharmützel“ auszutragen waren und vor denen sich manches Geschäft in Hauenstein schützte, indem es einfach schloss… In Hardes Vortrag, der übrigens im Festbuch nachzulesen ist, wird vom „SCH-Geist“ erzählt, der Mannschaft und Umfeld prägte, und viel von dem „verschworenen Haufen“ berichtet, der die Erfolge unter Trainer Wendelin Guster und „Manager“ Jürgen Lejeune erreichte.

Eine weitere Perspektive brachte Carl-August Seibel, 19 Jahre lang Präsident und nach wie vor Hauptsponsor, in die Festveranstaltung ein. Im SCH-Trikot beschrieb er die „einzigartige emotionale Seite“ des Fußballs, der „Höhen und Tiefen, Siege und Niederlagen, Freude und Trauer, Jubel und Zorn, Dankbarkeit und Stolz“ erleben lässt. Den Vorsitz habe er als „Fußballlaie“ übernommen und habe das Amt nur „dank eines guten Teams um mich herum“ ausfüllen können. „Selbstdarstellung liegt mir fern, für mich zählt Herzblut und Engagement“, konstatierte er. Und er habe „beim SCH so viel erlebt, was ich nicht missen möchte“, sagte Seibel und versprach: „Ich bleibe dabei, weil ich auch stolz bin auf den SCH als Fußballverein und als gesellschaftliche Institution in Hauenstein.“

Für die Ortsgemeinde gratulierte Ortsbürgermeister Bernhard Rödig: Er nannte den SCH eine „sportliche, soziale und kulturelle Institution mit toller fußballerischer Karriere“ und hob die Jugendarbeit hervor: Sie nutze „dem Verein und uns allen“. Bürgermeister Werner Kölsch bescheinigte dem SCH, dass er es verstanden habe, „Tradition und Fortschritt in einem gesunden Verhältnis“ zu pflegen. Für den Landkreis gratulierte der Kreisbeigeordnete und MdL Christof Reichert: Der SCH sei ein „Aushängeschild der Region“.

Auch Landtagsmitglied Alexander Fuhr, Gerhard Schreiner vom Sportkreis Südwestpfalz, Rainer Bieling vom Sportbund Pfalz und Jürgen Veth vom SWFV schlossen sich der Gratulationscour ebenso an wie zahlreiche Vereine aus dem Dorf und Fußballclubs aus der Nachbarschaft.

Der Saal des Bürgerhauses war dem Anlass entsprechend überaus ansehnlich dekoriert – unter anderem mit Fußballschuhen aus früherer Hauensteiner Produktion, vom „Grouße Hermann“ etwa oder vom „Pohle Guschdav“. Für einen stimmigen musikalischen Rahmen sorgten Oli Dums und Markus Lutz-Lewandowski mit Titeln wie „The Boxer“ oder „Annie’s Song“. Reißenden Absatz fand die Jubiläumschronik, die 390 Seiten umfasst und ein schillernd farbiges Bild der SCH-Geschichte zeichnet.