Der Hungermarsch „Wandern für die andern – Kindern eine Zukunft geben“ konnte 20.000 Euro verbuchen

Markus Kördt, der “Spendenspeed” aus Menden im Sauerland (Mitte), übergab wieder eine Spende von fast 5.000 Euro für chilenische Kinder an Karl Meyerer,den Sprecher des Hauensteiner Freundeskreises. Links im Bild ist Pastoralassistentin Melanie Müller.

HAUENSTEIN. Der Mut, trotz Corona-Einschränkungen den Hungermarsch „Wandern für die andern – Kindern eine Zukunft geben“ nicht ausfallen zu lassen, und die Beharrlichkeit, mit der der Hauensteiner Freundeskreis dieses Ziel verfolgte, haben sich gelohnt: „Wir haben bisher Spenden in Höhe von 20.000 Euro erhalten – viel mehr als erwartet und ein richtig tolles Ergebnis“, konnte der Sprecher des Freundeskreises, Karl Meyerer, am Sonntagabend nach einem ersten Kassensturz feststellen.

Der Erlös des Hungermarsches fließt seit mehr als 40 Jahren an die Kinderheimstiftung in Chile und macht dort einen maßgeblichen Teil des Budgets aus. Deshalb war es „mehr als wichtig“, so Meyerer, den Hungermarsch auch in etwas anderer Form durchzuführen. Man traf sich nicht wie in den vergangenen Jahrzehnten am Winterkirchel, sondern feierte den Gottesdienst, der im Zentrum des Hungermarsches steht, auf dem Vorplatz der Christkönigskirche.

Dort hatten unter Einhaltung der Abstands- und sonstigen Hygieneregeln rund 250 Teilnehmer Platz. Sie erlebten einen beeindruckenden Gottesdienst, den Pfarrer Ulrich Nothhof zelebrierte, bei dem die Kommunionkinder Liselotte, Jule, Feline, Josha und Luis die Fürbitten vortrugen und den Instrumentalisten des Dahner Generationenchors musikalisch begleiteten.

Im Gottesdienst berichteten zwei Spendensammler über ihre Motivation, alljährlich für die Kinder in den chilenischen Kinderheimen zu „betteln“: Da war zum einen Helga Grunwald aus Dahn, die in den Achtzigerjahren, als der Hungermarsch noch mehr als heute eine Gemeinschaftsaktion Dahn/Hauenstein war, auf die große Hilfsaktion aufmerksam geworden war und seither „mitmacht“.

Helga Grunwald berichtete während des Hungermarsch-Gootesdienstes von ihren Erlebnissen und ihrer Motivation, alljährlich für Kinder in Chile Spenden zu sammeln.

Sie lebte einige Jahre in Chile, habe dort die Heime besucht und gesehen, „wie groß die Not dort ist“ und dass die Spenden dort sinnvoll verwendet würden, berichtete sie. Nicht weniger als 25 Spendenkarten mit jeweils 13 Spendern hat sie in den letzten vier Wochen in Dahn füllen können. Insgesamt rund 5.000 Euro konnte sie so für die gute Sache sammeln. „Ich muss ja nicht nur betteln“, erzählte sie, „manche stecken mir einfach einen Geldschein zu, weil sie wissen, wofür ich stehe“.

Ebenfalls fast 5.000 Euro hatte Markus Koerdt aus Menden im Siegerland dabei. Er berichtete über seine seit Jahren geübte Praxis, über Sponsoren Spendengeld bei Langstrecken- und Ultraläufen zu sammeln. Nun fielen ja heuer diese Laufevents weitgehend Corona zum Opfer. Die regionale Presse habe deshalb Kontakt mit ihm aufgenommen und gefragt, wie denn bei allen Absagen das „Seelenleben“ des „Spendenspeeds“, wie Koerdt im Sauerland genannt wird, aussehe.

Es erschien ein großer Artikel, in dem Markus Koerdt unter anderem so zitiert wird: „Ich denke an die Kinder in Chile, die nicht ein paar Wochen lang auf etwas verzichten, sondern mehrere Jahre.“ Der Artikel hatte Wirkung, machte Geld bei Sponsoren locker, Freunde unterstützten ihn, beim Stammgriechen wurde eine Spendenbox aufgestellt. So kamen zunächst 1.980 Euro zusammen. Nicht genug für Markus Koerdt: „Du kannst Pater Raphael und die Kinder nicht im Stich lassen. Du musst dir was einfallen lassen“, sagte er sich.

Beim Hungermarsch-Gottesdienst trugen Kommunionkinder unter der Leitung von Pastoralassistentin Melanie Müller die Fürbiotten vor.

Und er ließ sich etwas einfallen: Er plante einen Ultralauf von Winterberg nach Menden, 110 Kilometer lang. Die Presse unterstützte ihn, es gab Spendenzusagen über 3.000 Euro. Im Juni lief er die Strecke, die Sponsoren spendeten, sodass sich seine Spendensumme auf 4.980 Euro erhöhte, die er während des Gottesdienstes übergeben konnte: „Meine Laufaktionen funktionieren nur, weil mir die Menschen vertrauen, dass ihr Geld ankommt“, sagte er.

Vor dem Gottesdienst hatte Karl Meyerer berichtet von „anderen Sonnenstrahlen, die glücklich machen“: So hat eine Hauensteiner Läufergruppe 300 Euro gespendet, weil der „Lebenslauf“ ausfiel. Kinder aus der Grundschule spendeten weitere 330 Euro. „Gerade jetzt in der Corona-Zeit, die alles verändert hat, ist Hilfe besonders nötig“, stellte er fest. Meyerer  grüßte die Teilnehmer von Pater Raphael, den Präsidenten der Kinderheimstiftung: „Wir sind dankbar, dass wir euch als Partner haben, an die wir uns anlehnen können“, habe Pater Raphael dankbar per Mail geschrieben.

Die Folkband „Folks of Glen Queich“ aus der Wasgaugemeinde spielte nach dem Gottesdienst ohne Gage, sie spielte irische Lieder für chilenische Kinder und unterhielt damit die Teilnehmer des Hungermarschs, die noch bei einem kleinen Imbiss und guten Gesprächen verweilten. (fjs)