43 Jahren Dienst als Erzieherin und „Chefin“ auf dem Hauensteiner Zimmerberg

Foto: Nach 43 Jahren als Leiterin der Kita St. Hedwig wurde Rita Hammer sehr herzlich in den Ruhestand verabschiedet. Zum Abschied gab’s eine Wellnessliege samt “Zubehör”. Mit “ihrer” Rita durften auch die Kinder probeliegen. (ran)

HAUENSTEIN. „Ich heiße Rita – und leite eine Kita“. Seit 1976 konnte sich Rita Hammer so gereimt vorstellen. Seit Anfang April  freilich ist es damit vorbei. In einer herzlichen Feier wurde die Leiterin der Kita „St. Hedwig“ in den Ruhestand verabschiedet – nach 43 Jahren Dienst als Erzieherin und „Chefin“ auf dem Hauensteiner Zimmerberg. Eine Erfolgsgeschichte.

Ihre Anfänge im „Kindergarten“ waren eher skurril: „Es waren 60 Kinder da und keine ausgebildete Erzieherin“, erinnert sich die gebürtige Hauensteinerin, die in Landau heimisch geworden ist. „Ich hatte gerade meine Ausbildung in Speyer abgeschlossen. Also  war ich mit 21 Jahren Leiterin. Nur hat’s mir keiner gesagt“, beschreibt sie die pragmatische Lösung des damaligen Pfarrers Otto Ernst: „Offiziell bin ich nie zur Leiterin der Einrichtung ernannt worden.“

43 Jahre, bis zum vergangenen Freitag, leitete sie die Kita, die sich mit Rita Hammer in der Verantwortung ein ganz besonderes Profil erarbeitete. Und deren Weg durch mehr als vier Jahrzehnte geprägt wurde von vielen „Meilensteinen“, die ihre Mitarbeiterinnen in einem „Portfolio“, das sie bei der Verabschiedung überreichten, in Erinnerung riefen: „Es wird dir   sicher manches Lächeln ins Gesicht zaubern“, war sich Ritas Stellvertreterin und Nachfolgerin Andrea Gerst sicher.

Einige der ganz besonderen Meilensteine in einer „guten, erfüllenden, manchmal auch anstrengenden Zeit“, wie die scheidende Kita-Leiterin ihre Dienstjahre beschreibt, müssen erwähnt werden: Beispielweise der große Umbau 1992, der mit einem finanziellen Aufwand von 1,6 Millionen Mark aus dem schlichten Zweckbau der frühen Sechzigerjahre ein funktionales und den gewachsenen Ansprüchen der Zeit entsprechendes Gebäude machte. Ab 1996 konnte in der Kita ein Mittagessen angeboten werden – damals eher eine Ausnahme. Zunächst nahmen zehn Kinder das Angebot wahr, heute werden 40 Essen zubereitet.

Thema Essen: Unter dem Slogan „Kita isst besser“ setzt man auf dem Zimmerberg einen Schwerpunkt auf gesunde Ernährung. „Damit wollen wir bei den Kindern eine Basis  für bewusstes Ernährungsverhalten und einen gesunden Lebensstil schaffen“, beschreibt Rita Hammer diesen Aspekt ihrer Arbeit, die, wie sie immer wieder betont, von einem „tollen Team“ mit zwölf pädagogischen und drei Mitarbeitern im hauswirtschaftlichen Bereich mitgetragen wurde. „Regional, saisonal und frisch“, so sei die Küche in der Kita zu beschreiben. 5.000 Euro Preisgeld war der Deutschen Gesellschaft für Ernährung diese beispielhafte Gesundheitsprävention wert.

Zur Gesundheit zählt auch regelmäßige Bewegung: Schon 2006 erhielt die Kita das Siegel „Bewegungskindergarten“: „Bewegung ist ein wichtiger Motor der kindlichen Entwicklung“, weiß Rita Hammer. „Fast jeden Tag, oft mehrmals am Tag“ seien die Kinder im Freien, spielen und bewegen sich dort. „Ein Segen“ sei das „Riesenaußengelände“ mit rund 6.000 Quadratmetern Fläche, mit eigenem Wald, Wasserspielplatz, Kletterwand und Bolzplatz. „Unsere Angebote in Bewegung und Spiel unterstützen die ganzheitliche Entwicklung der Kinder“, weiß sich Rita Hammer einig mit ihren –nun ehemaligen- Mitarbeitern, zu denen übrigens auch ein „Naturtrainer“ zählt, der die Kinder einmal pro Woche in den Wald begleitet.

Die Kita arbeitet auch mit einer französischen Muttersprachlerin. Und so konnten die Kinder ihrer scheidenden Rita auch in französischer Sprache „Tous les jours Dimanches“ („Alle Tage sollen Sonntage sein“) wünschen. Und auch gebetet wurde in deutscher und französischer Sprache. „Die religiöse Erziehung ist bei uns Prinzip“, sagte Rita Hammer.

„Alle hier im Hause haben dich sehr lieb“, hatten die Kleinen in ihrem „Lied zum Ruhestand“ über „die Rita“ gesungen. Und dieser Satz beruht auf Gegenseitigkeiten. „Mir war es in all den Jahren wichtig, dass sich die Kinder bei uns angenommen und geliebt fühlen – so, wie sie sind“, beschreibt sie ihr pädagogisches Credo, das sie durch die Jahrzehnte begleitet hat. Das gelte auch für die Eltern, die „uns ja ihr Liebstes anvertrauen“: Und das sei ein guter Weg, auch im Umgang mit den Erwachsenen: „Ich habe viel Wert auf gute Kontakte und gute Zusammenarbeit mit den Eltern gelegt und gemeinsam mit ihnen viel erreicht.“

Und so könne sie sich auf den Ruhestand richtig freuen: „Mir wird die Arbeit mit den Kindern fehlen, die bis zum letzten Tag große Freude gemacht hat. Nicht vermissen werde ich aber den Wust an bürokratischer Arbeit, der von uns verlangt wird.“ Im Ruhestand wolle sie es zunächst mit Loriot halten: „Ich möchte einfach nur so da sitzen.“ Dass das sehr gemütlich gelingt, dafür hatten die Mitarbeiterinnen, der Träger und die Eltern gesorgt: Als Abschiedsgeschenk gab’s eine feine Wellnessliege samt „Beilagen“, die das „Faulenzen“ angenehm machen.

Rita Hammers weiterer Plan für den Ruhestand: Nach einer ersten „Phase des Faulenzens“ wolle sie „den Tag neu strukturieren“, sich um „Garten und Gatten“ kümmern, wolle „laufen und wandern“ und „die Natur erleben“, bei uns, in den Bergen oder an der Nordsee… (ran)