Am 23. März 1945 endete der Krieg für die Schuhgemeinde Hauenstein

1. April 2020
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HAUENSTEIN. Frankreichs Präsident Macron hat die Corona-Krise als „Krieg“ beschrieben. Krieg, das war für die Generationen vor uns brutale und brachiale Gewalt mit unsäglichem Leid. 160 junge Hauensteiner starben auf dem Schlachtfeldern Europas, das Schicksal von weiteren 76 Vermissten wurde nie geklärt. An den Fronten dauerte der von den Nazis angezettelte brutale, unmenschliche Alptraum bis zum 8. Mai 1945. Am 23. März 1945 endete er für die Schuhgemeinde. Berichte von Zeitzeugen beschreiben diesen und die folgenden historischen Tage.

Auf dem Kreuzel wehte die weiße Fahne, die Panzer­sperren an den Ortseingängen waren geöffnet: Ohne Widerstand konnten die ersten ameri­kanischen Einheiten Hauenstein einnehmen, am 25. März richteten die Amerikaner in der Wasgaugemeinde eine Kommandantur ein, besetzten Hauenstein damit auch offiziell und machten der Nazi-Herrschaft ein Ende.

Am 23. März, einem sonnigen Freitag, waren die Amerikaner von Wilgartswiesen her mit ihren Jeeps in den Ort gekommen. In der Streich hatten sie den verstorbe­nen Heinrich Knoth sen., der mit seinen beiden Söhnen in der Stein­bach in verlassenen Wehrmachts­fahrzeugen nach Lebensmitteln ge­sucht hatte, als „Führer” rekrutiert. Von ihm liegt ein Augenzeugenbe­richt vor:

„Ein Soldat, der sagte, dass er aus Österreich stamme, fragte mich in deutscher Sprache, ob noch Solda­ten hier seien. Ich sagte nein. Ich musste mit meinen Buben auf einen Jeep aufsitzen und den Soldaten den Weg in den Ort zeigen. Der deutsch ­sprechende Soldat erklärte mir, dass jeder Widerstand schwere Folgen haben würde. An der Panzersperre an der Mühle, die glücklicherweise offen war, flatterte bereits die weiße Fahne.” Im Ort angekommen, durf­ten die beiden Buben absteigen, der Jeep wendete, um nun eine ganze Kolonne in den Ort zu geleiten.

Knoth berichtete weiter: „Die Einwohner standen an den Straßen und betrachteten die fremden Sol­daten mit ängstlicher Neugier. Schussbereit saßen die Amerikaner in ihren Fahrzeugen, doch als sie merkten, dass niemand Widerstand leistete, wurden sie rasch freundli­cher und verteilten Zigaretten und Kaugummi.” Die Jeeps rollten schließlich weiter zur Fabrik der Gebrüder Schwarzmüller in die Turnstraße, dem heutigen Schuhmuseum, wo damals ein Lazarett eingerichtet war, und nahmen die Soldaten dort gefangen.

Am Palmsonntag schließlich traf eine größere Einheit in Hauenstein ein. Sie wurde, wie der verstorbene Dr. Karl Naab in einem unserem Mitarbeiter vorliegenden Manu­skript berichtet, von Peter Stein aus Mayen begrüßt. Ortskommandant war ein junger amerikanischer Hauptmann, dem man als Quartier das spätere Haus Piberhofer am Marktplatz zuwies. Dr. Naab: „Unzufrieden mit seiner Unterbringung, beauftragte er seinen Feldwebel, für ihn das schönste Haus im Dorf auszusuchen. Die Wahl fiel auf mein Haus, in dem wir damals mit vier anderen Fami­lien wohnten. Wir hatten eine Stun­de Zeit, um das Haus zu räumen.” „Unzugänglich und arrogant” sei er gewesen, der erste Ortskommandant von Hauenstein, der schon nach zehn Tagen abgelöst wurde und we­nig später vor München fiel.

Die Amerikaner machten sich um­gehend an eine Neuorganisation des öffentlichen Lebens in der Gemein­de: Eine Zusammenarbeit mit Bür­germeister Wetzler lehnte man ab. Wohl durch ein Missverständnis – ge­meint war wohl Hermann Seibel, den die Nazis 1933 abgesetzt hatten- wurde der frühere Bürgermeister Josef Seibel als Bürgermeister ein-, aber nur 14 Tage später wieder ab­gesetzt.

Naab berichtet weiter: „Wir Männer wurden dazu beordert, die gröbsten Kriegsschäden zu beseiti­gen. Zunächst mussten die Bombent­richter in der Straße zum Bahnhof beseitigt werden. Als wir uns bei dieser Arbeit gegenseitig ansahen, mussten wir feststellen, dass kein ein­ziges Mitglied der NSDAP bei dieser Arbeit dabei war. Wir waren uns ei­nig, dass es so nicht bleiben durfte.”

Und es blieb nicht so: Nach dem Abzug der Amerikaner wurde Hauenstein vorübergehend einem franzö­sischen Kommando unterstellt. Ein Bürgerrat wurde gebildet und Prälat Sommer „als angesehenste und poli­tisch unbelastete Persönlichkeit” wurde aufgefordert, Vorschläge für die neue Gemeindeverwaltung zu machen: Der Schuhfabrikant Franz Seibel wurde als Bürgermeister ein­gesetzt. Seine wichtigste Aufgabe war es, wie Karl Naab lapidar fest­stellt, „für die Ernährung der Bevöl­kerung zu sorgen”. (ran)

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Schwerverletzter Motorradfahrer nach Verkehrsunfall auf B48
B48, Rinnthal-Johanniskreuz (ots) - Am Sonntagmorgen kam es zu einem folgenschweren Verkehrsunfall auf der B48 zwischen Rinnthal und Johanniskreuz. Ein 30-jähriger Motoradfahrer befuhr als letzter einer Dreier-Gruppe die B48 von Rinnthal kommend in Fahrtrichtung Johanniskreuz. Aus bislang ungeklärten Gründen kam der Motorradfahrer in einer langgezogenen Linkskurve nach rechts von der Fahrbahn ab und kollidierte anschließend mit einem Felsvorsprung. Der Fahrer wurde hierbei schwer verletzt und musste mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Die B48 war zur Unfallaufnahme eine Stunde in beide Fahrtrichtungen gesperrt. An dem Motorrad entstand wirtschaftlicher Totalschaden in Höhe von 12000 Euro. (Polizeidirektion Landau)