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Markus Koerdt, der „Spenden-Speed“ erlief 2.663 Euro für die Kinderheime

Foto; Markus Koerdt aus Menden im Sauerland (links) hat bei einem individuellen Marathonlauf fast 2.700 Euro für den Hauensteiner Freundeskreis der chilenischen Kinderheimstiftung erlaufen. Das Foto entstand beim Hungermarsch 2020, als Koerdt wie in den Jahren zuvor seine Spende an Karl Meyerer (rechts), den Sprecher des Freundeskreises, übergab. (fjs)

HAUENSTEIN. Die Monate der Corona-Pandemie sind auch eine Zeit, in der sich Gruppen, die sich ehrenamtlich für Projekte in Afrika oder Südamerika einsetzen und versuchen, mit eigenen Aktionen Spenden zu akquirieren, äußerst schwertun. Da kommt für den Hauensteiner Freundeskreis der chilenischen Kinderheimstiftung eine Nachricht aus dem Sauerland wie gerufen: Markus Koerdt, der „Spenden-Speed“ aus Menden, erlief bei seinem individuellen „Mai-Marathon“ die Summe von 2.663 Euro für die Kinderheime.

Normalerweise nimmt Markus Koerdt an vielen verschiedenen Wettbewerben im In- und Ausland teil, so an Städte-Marathons ebenso wie am 101 Kilometer langen „Hollenmarsch“ in Bödefeld, an der „100-Kilometer-Nacht von Flandern“ in Turnhout/Belgien oder an den „4daagse“ von Njimwegen/Holland, wo an vier Tagen insgesamt 200 Kilometer gelaufen werden. Und vor jeden Lauf suchte und fand er Sponsoren, die zumeist pro gelaufenen Kilometer einen festen Betrag versprachen.

Weil in diesem Jahr bisher keine Läufe stattfinden konnten, machte der „Spenden-Speed“ wieder sein eigenes Ding: „Die Kinder in Chile sind in der jetzigen Corona-Krise mehr denn je auf Spenden angewiesen“, sagte sich Koerdt und organisierte seinen eigenen Marathon, genau 42,195 Kilometer in und rund um seine Heimatstadt. Den Spenden-Marathon hatte er über die Presse publik gemacht und jene Sponsoren gefunden, die für die stolze Spendensumme aufkamen. „Sogar während des Laufs gingen über das Smartphone noch Spendenzusagen ein“, berichtete der Dauerläufer, der sein Ziel an der Kirchenpforte der Mendener St. Vincenz-Kirche nach 4 Stunden und 40 Minuten erreichte.

Koerdt ist seit 2013 Stammgast beim Hungermarsch, der seit 40 Jahren als Sternmarsch zum Winterkirchel führt: Auch im vergangenen Jahr, als der Freundeskreis wegen Corona die Aktion „Wandern für die andern“ in anderer Form durchführte, konnte er beim Gottesdienst vor der Christkönigskirche 5.000 Euro übergeben, unter anderem das Ergebnis seines individuellen 110-Kilometer-Laufes von Winterberg nach Menden. Und auch in den Jahren zuvor hatte der Postbeamte immer einen Scheck mit einer beachtlichen vierstelligen Summe präsentieren.

Koerdts Lauf-Spende wird dringend benötigt: Die Corona-Pandemie macht auch den sieben Häusern der Kinderheimstiftung zu schaffen. Wie Pater Raphael, der Präsident der zum Orden der Steyler-Missionare zählenden Stiftung im Osterbrief mitgeteilt hatte, hätten sich Kinder und Beschäftigte mit dem Virus infiziert. Und: Der auch in Chile verordnete Lockdown hätte zu einem erhöhten Personalbedarf geführt und dazu, dass in jedem Haus ein „Gesundheitsbeauftragter“ installiert werden musste. Und zu allem seien auch die Preise in vielen Bereichen gestiegen. Die Folge; „Wir geben fast doppelt so viel Geld aus wie in normalen Zeiten“, schrieb der Pater.

Einerseits also deutlich höhere Ausgaben in Chile. Und andererseits fielen beim Hauensteiner Freundeskreis Einnahmen weg: Die gesamten Erlöse von den Verkaufsständen an den örtlichen Märkten wie Kerwe und Frühlingsfest, beim Kräuter-, Keschde- und Weihnachtsmarkt brachen weg. Da war es ein Segen, dass die abgespeckte Hungermarsch-Version 2019 möglich wurde und dass als feste Größe die Patenschaften für feste Einnahmen sorgen. Und weil auch das Kindermissionswerk in Aachen die Hauensteiner Spenden um 15 Prozent aufstockt, konnten insgesamt 2020 57.500 Euro nach Chile fließen.

Ob’s 2021 wieder eine so „großartige Summe“ sein wird? Das stehe „in den Sternen“, sagen die Verantwortlichen um Lioba Uhl und Sprecher Karl Meyerer: „Aber eines ist gewiss: Wir sind eine große Familie und geben unser Bestes, damit die Kinder in Chile auch in schwierigen Zeiten eine Zukunft haben.“ Und zu dieser großen Familie zählt auch der Sauerländer Markus Koerdt, der auch künftig Kilometer um Kilometer abspulen wird, um Spenden für die Zukunft der Kinder zu erlaufen.  (fjs)

Info: Spendenkonto Kinderheimstiftung Chile, VR Bank Südliche Weinstraße-Wasgau
IBAN DE13548913000071066703




Auf dem Rundweg im Queichtal wollten sie 100 Kilometer am Stück laufen

HAUENSTEIN. Unlängst haben die Hauensteiner Alexander Memmer und Stephan Riffel bei ihrer „Streets of Verbandsgemeinde“-Tour zusammen mit Sebastian Haag in knapp zehn Stunden alle 165 Straßenkilometer der Verbandsgemeinde Hauenstein per Fahrrad abgefahren. Am Samstag stellte sich das Duo mit dem Projekt „Queich 100“ einer neuen spektakulären Herausforderung: Auf dem Rundweg im Queichtal wollten sie 100 Kilometer am Stück, zwanzig Runden à fünf Kilometer, laufen. Aber nur einer kam ins Ziel…

Wir trafen Alex und Steph am Samstagmorgen gegen 8.30 Uhr am ersten Querweg unterhalb des Parkplatzes Farrenwiese. Dort hatten Anke Müller und Jana Köer einen Verpflegungstisch mit Getränken und Obst, mit Energy-Balls und Bananenbrot, mit Gels und –ja- mit Gummibärchen für die Läufer aufgebaut. Und die hatten bereits viereinhalb Stunden und runde 40 Kilometer in den Beinen. Die Stimmung im Team, zu dem sich für ein paar 5-Kilometer-Runden zur Queichquelle und zurück auch „Gastläufer“ Alexander Keller gesellt hatte, war nach dem ersten Marathon bestens. Eine Pause gab’s nicht, dafür ein paar Worte Flachs und die freundliche Einladung, doch einfach mitzulaufen…

Um vier Uhr waren sie gestartet, die Dunkelheit durchbrachen Stirnlampen. „Es war nicht ganz unproblematisch, denn an den Weihern im Queichtal war die Krötenwanderung im vollen Gang. Da musstest du schon sehr aufpassen“, berichteten die beiden Läufer. Dennoch: „Ganz gemütlich und entspannt“ lief man in die Morgendämmerung hinein, der aufkommende Tag sorgte für eine willkommene, mentale Zäsur. Aber es lagen da ja noch satte 60 Kilometer vor ihnen. Das Geläuf ist „nicht ideal“, wie sie konstatieren. Der überaus beliebte Spazierweg ist mal geschottert, mal sandig, auch mal festgefahren, nur hier und da ist’s angenehmer Waldboden.

Nun ist es ja nicht so, dass Stephan, 41 Jahre alt, Vater von drei Kindern und Vertriebsleiter bei Interunion, und der 30-jährige Alexander, der als Flugdatenbearbeiter bei der Deutschen Flugsicherung beschäftigt ist, ausgewiesene Ultraläufer sind. Aber sie stellen sich nicht alltäglichen Herausforderungen und setzen alles daran, sie zu bestehen. „Vor rund vier Wochen hat Steph mir die Idee präsentiert. Ich habe spontan zugesagt, weil es sich einfach cool anhörte und es ja sonst keine Laufevents gibt“, lacht Alexander, der als Läufer öfter mal unter den Top Ten in den Läufen der Region auftaucht. Er ist eher auf Strecken zwischen zehn und zwanzig Kilometern zuhause, hat aber 2019 auch den Amsterdam-Marathon absolviert. Zuletzt habe er die Frequenz „ein bissel erhöht“, aber sich nicht gezielt auf die 100 Queich-Kilometer vorbereitet.

Wobei: Um ein Gefühl für die Länge der Strecke zu bekommen, habe er zusammen mit Stephan Riffel, der pro Woche rund 100 Kilometer läuft, einen „Marathon“ nach Bruchweiler eingeschoben. „Das hat problemlos geklappt. Also war die ,Queich 100‘ fix“, berichtet Stephan Riffel. Das Projekt traf im Freundeskreis auf Interesse. Es fanden sich Hobbyläufer, die zwei, drei Runden mitliefen. „Das hat für Abwechslung auf dem langen Weg gesorgt: Man konnte quatschen, erzählen, wurde abgelenkt und neu motiviert“, beschreibt das Ultra-Duo die Hilfe durch das halbe Dutzend Gastläufer, von denen –ganz nebenbei- Christian Stöbener „mal eben seinen ersten Marathon aus den Füßen schüttelte“, wie Alex Memmer erzählt.

Ihn traf’s bei Kilometer 55: Schon nach etwa 23 Kilometern habe sich ein leichter Gelenkschmerz bemerkbar gemacht, der bis zu Kilometer 55 zu einem stechenden Schmerz –dem sogenannten Läuferknie- ausartete. Die Hoffnung, dass sich die Pein wieder verziehen würde, trog. „Auch eine Pause half nichts. Beim Stehen war der Schmerz zwar weg, aber nach wenigen Schritten war er wieder da. Ich musste abbrechen“, war Alexander Memmer traurig. Nach dem „Ausstieg“ begleitete er den Kollegen Riffel auf dem Fahrrad, motivierte, munterte auf.

Das war auch nötig. „Nach Alex‘ Ausscheiden hatte ich ein tiefes Tief. Noch 45 Kilometer, schaffst du das?“, habe er sich gefragt. Die Anfeuerung von außen half schließlich. Aber die letzten beiden Runden seien „die Hölle gewesen“, erzählt Stephan. Der Körper habe rebelliert und signalisiert „Ich will nimmie.“ Der Kopf habe sich aber durchgesetzt. „Und als ich auf den letzten Metern vor dem Ziel meine Kinder, die auf mich warteten, sah, die Crew und die Gastläufer, dann war da das Gefühl, es geschafft zu haben, einfach unbeschreiblich“, schildert Stephan Riffel , der sich seit einigen Wochen vegan ernährt und sich sehr fit dabei fühlt, die letzten Meter vor dem Ziel, das er gegen 17 Uhr erreichte.

Und wie fühlt man sich am Morgen nach einer solchen Tortur? Er habe nicht sonderlich gut geschlafen und sei früh wach geworden, erzählt er. Der Körper spüre sehr wohl die Belastung, er fühle sich „leer und ausgelaugt“ an, aber er habe keinerlei Schmerzen. Auch bei Alexander Memmer war am Tag nach der „Challenge“ der Schmerz verflogen. „Ich fühle mich wohl“, sagte er lapidar. Und dann musste doch die Frage kommen, was nach „Streets of Verbandsgemeinde“ und nach „Queich 100“ als nächstes folgt. „Eine Idee haben wir noch nicht“, sagt Alex, „aber wir liefern etwas“, ergänzt Steph. Man darf gespannt sein.




„Namenssteine“ informieren über den Namen besonders markanter Felsen

HAUENSTEIN. Immer wieder macht sich der Verkehrsverein Hauenstein um die Herausarbeitung heimatgeschichtlicher Zusammenhänge verdient. Auf Initiative von Walter Meyer wurden kleine Sandsteinfindlinge mit Gravur, sogenannte „Namenssteine“, gesetzt, die Einheimische und Gäste über den Namen besonders markanter Felsen informieren.

Im Queichtal hat man nach dem Wolfsfelsen, der unter Einheimischen wegen seiner doch recht schiefen Statik auch „Eben-fällt-er“ genannt wird, jetzt für den Stephanturm einen solchen „Namensstein“ gesetzt: Hier wurde auch der im Ort ebenfalls geläufige und an der Form des Felsens orientierte Namen „Kamel“ graviert. Der Stephansturm besteht eigentlich aus zwei Türmen, dem Großen und dem Kleinen Stephansturm. Nach dem Felsinformationssystem des Deutschen Alpenvereins beträgt die Felshöhe maximal 54 Meter.

Er ist ein beliebter Kletterfelsen, an dem 21 Routen verschiedener Schwierigkeitsgrade beschrieben sind. Am Namenssstein wurde auch eine neue Ruhebank aufgestellt, die den Blick auf das imposante Massiv des Stephansturms, das unlängst frei geschnitten wurde, richtet. Im Queichtal sollen noch zwei weitere Namenssteine für den Hauensteiner Turm und den Burghalder aufgestellt werden.

„Viele kennen sich in der Umgebung ja nicht so gut aus und können mit den überlieferten Namen nicht mehr so viel anfangen“, beschreibt der pensionierte Polizeibeamte Meyer den Zweck seines Engagements. Und Meyer denkt auch an den Nachwuchs: „Auch den jüngeren Hauensteinern sollen die Namen geläufig werden.“ Damit diese tradierten Namen nicht vergessen werden, hat Meyer bereits „Orientierungssteine“, die die Gewannenamen tragen, beispielsweise im Dümpel und am Kirchwoog, aufgestellt. Auch die Bäche wie der Gillenbach oder der Steinbach wurden so markiert.

Walter Meyer finanziert die Steine sämtlich über Spenden, die er für diesen heimatkundlichen Zweck einsammelt, und hat dabei bislang kaum eine Fehlbitte geleistet. Der frühere PWV-Vorsitzende hat in den zurückliegenden Jahren immer wieder durch verschiedene Aktionen zur Aufwertung der Wanderlandschaft rund um Hauenstein beigetragen. Zuletzt hat er die Spazierwanderwege der Ortsgemeinde Hauenstein erarbeitet.(fjs)




Mutter und Sohn mit dem DFB-Ehrenamtspreis ausgezeichnet

HAUENSTEIN. Das kommt so oft nicht vor: Mit Lore und Udo Memmer vom SC Hauenstein wurden Mutter und Sohn mit dem DFB-Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Neben der Anerkennung gab’s eine vom DFB-Präsidenten unterzeichneten Urkunde sowie eine schicke DFB-Uhr.

42 ihrer mittlerweile 70 Lebensjahre hat Lore Memmer als Wirtin des Clubhauses des Sportclubs in der Speyerstraße verbracht, hat Spielergenerationen kommen und gehen sehen, Als sie 1979 hinter dem Tresen anfing, war der Sportclub aus der Schuhgemeinde tief in die B-Klasse gefallen. Es folgte der steile Aufstieg bis in die Regionalliga, als die Clubwirtin mehr als einmal um das Mobiliar der Gaststätte fürchten musste, weil die weit angereisten Fans der Gäste aus Essen, Bielefeld oder Oberhausen jeden Funken Anstand vermissen ließen. Erfolge wurden bei „de Lore“ ebenso gefeiert, wie man auch bittere Niederlagen –wie zuletzt der Abstieg aus der Verbandsliga- gemeinsam bewältigte.

Oft hat sie die Teams bekocht, viele Kicker haben bei ihr manche Nacht zum Tag gemacht. Aber, so stellt sie fest: „Es ist nicht mehr so, wie es einmal war.“ Die Bindung an den Verein habe nachgelassen und manchen der Spieler der ersten Mannschaft habe sie kaum kennen gelernt. Aus ihren Erzählungen wird mehr als einmal Wehmut über vergangene Zeiten deutlich. Dennoch: „Wenn es die Gesundheit zulässt und wenn die Helferinnen und Helfer weiter so gut mitarbeiten, dann kann ich noch ein paar Jährchen weitermachen“, sagt sie und lacht.

„Mutter, du bist 70! Langsam kannst du an den Ruhestand denken“, greift die mahnende Stimme von Sohn Udo ein, der als Fußballer, Platzwart, Trainer, Schiedsrichter und Funktionär eine ähnlich lange Karriere wie Lore hinter sich hat. In der E-Jugend des SCH begann der 51-Jährige mit dem Kicken, kickte als Aktiver in der 1b des SCH –„Das war die letzte Meistermannschaft des SCH“-und in Bundenthal.

Als 14-Jähriger verdiente er sich ein Taschengeld damit, den Platz zu zeichnen, als 16-Jähriger wurde er Schiedsrichter, pfiff später sieben Jahre Spiele der Verbandsliga, war in der Oberliga als Assistent dabei. Ein Highlight seiner Schiri-Karriere war ein Spiel um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft zwischen dem FCK und Carl-Zeiss Jena, bei dem er als Assistent des Bundesliga-Referees Volkmar Fischer eingesetzt war.

13 Jahre lang war er Jugendtrainer beim SCH, coachte unter anderem die C-Jugend in der Verbandsliga, der damals höchsten Spielklasse. Aktive Mannschaften trainierte er in Bundenthal –auch dort war er Meistertrainer- und in Völkersweiler. Beim SCH baute er mit Jennifer Frank die Damenmannschaft auf, immer noch aktiv ist er als Trainer der Damenmannschaft des VfB Annweiler.

Seit mehr als 20 Jahren ist Udo Memmer im Vorstand des SCH aktiv, war Beisitzer zu Regionalligazeiten, war vier Jahre lang Jugendleiter und war seit 2017 zusammen mit der so früh verstorbenen Steffi Graf und Christoph Keller Teil des dreiköpfigen Führungsteams des Traditionsvereins, den er mittlerweile als alleiniger Vorsitzender führt.

 

Der Ehrenamtspreis

Seit 1997 verleiht der DFB in Zusammenarbeit mit seinen Landesverbänden jährlich den “DFB-Ehrenamtspreis”. Jeder Verein hat hierbei die Möglichkeit, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Auszeichnung vorzuschlagen. Die Ehrenamtsbeauftragten der Kreise und Bezirke wählen anschließend 265 Preisträgerinnen und Preisträger – eine/n aus jedem Fußballkreis – aus.

Kreisbeauftragter ist Lothar Witt aus Weselberg. Wie er auf Anfrage mitteilte, wurden in den letzten Jahren Tim Brödel (Rodalben), Erna Hauff (Bruchweiler, Kunigunde Schäfer (Hinterweidenthal), Thomas Seiler (Donsieders), Marko Haack (Martinshöhe) und Andreas Langenberger (Rumbach) mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet.




Der sagenumwobenen Teufelstisch die am meisten fotografierte Felsformation im Wasgau-Felsenland

HINTERWEIDENTHAL. Er ist die wohl die am meisten fotografierte Felsformation im Wasgau-Felsenland, er zierte nicht nur Werbeposter für das gesamte Tourismus-Land Rheinland-Pfalz, sondern auch Briefmarken der Post, zuerst 1947, zuletzt 2014. Jetzt kann man den sagenumwobenen Teufelstisch in atemberaubenden dreidimensionalen Einstellungen bewundern.

Denn:  Der Fels bei Hinterweidenthal wurde von der Deutschen Gesellschaft für Geologie (DGGV) für ein besonderes Jubiläumsprojekt ausgewählt. Er wurde von einer Arbeitsgruppe der Uni Bonn unter der Leitung von Dr. Gösta Hofmann in einem aufwendigen neuen digitalen Verfahren dreidimensional aufgezeichnet und auf der Seite  https://digitalgeology.de/der-teufelstisch verfügbar gemacht. Der Teufelstisch ist der erste von insgesamt 30 Geotopen in ganz Deutschland, die die DGGV aus Anlass ihres 175-jährigen Bestehens der Öffentlichkeit unter der Bezeichnung „30 Geotop 3D“ präsentieren will – 29 weitere werden dem Teufelstisch also folgen.

Zur Sache: Geotope und Geotourismus
Der Hinterweidenthaler Teufelstisch, der 2009 auf Platz sieben der deutschen Naturwunder gewählt worden war, war schon war 2006 mit dem Prädikat Nationaler Geotop ausgezeichnet worden. Als Geotope werden Orte bezeichnet, die besondere erdgeschichtliche Erscheinungen sichtbar werden lassen und so Einblicke in die Erdgeschichte erlauben. Das können „Aufschlüsse“ wie Sandgruben oder Steinbrüche sein, Quellen, Höhlen, geohistorische Objekte wie Stollen oder Felsenkeller oder eben wie der Teufelstisch Gesteins- oder Landschaftsformen an der Erdoberfläche, die durch natürliche Vorgänge entstanden sind.

Auch für den Tourismus spielen Geotope eine Rolle: So sind sich Touristiker einig, dass sie Potenzial besitzen, um die Attraktivität einer Landschaft zu steigern, gerade in einer Zeit, in der man vielerorts auf sanften und naturbezogenen Geo-Tourismus setzt. Diesen Ansatz verfolgt man in der Urlaubsregion Hauenstein beispielsweise mit dem Dimbacher Buntsandsteinweg, der dem Wanderer mit zwölf geografisch-geologische Informationstafeln Erläuterungen zur Landschaft gibt.

Wie der Projektleiter in einem kurzen Statement erläutert, diene das Projekt als Beispiel, wie zu den alt hergebrachten Instrumenten der Geologie wie etwa Hammer und Lupe nun auch Drohnenfotografie und Laserscanner treten. Es zeige den Brückenschlag zwischen klassischer und moderner Geologie auf: Seine Arbeitsgruppe schoss mehr als 600 Drohnenaufnahmen von dem Felsen. Mit Hilfe einer Software wurden daraus 154.000 Punkte ermittelt und zu 2,5 Millionen „Faces“ hochgerechnet, aus denen dann die dreidimensionale Präsentation entstand: Der Teufelstisch lässt sich nun am Rechner hoch aufgelöst drehen und wenden, umrunden und überfliegen, von unten und von oben betrachten, vergrößern und verkleinern.

14 Meter ist der Teufelstisch hoch, man hat ein Gewicht von 284 Tonnen errechnet. Der Buntsandsteinfelsen erhielt seine charakteristische Form durch Erosion: Die bis zu 3,50 Meter starke verkieselte harte „Tischplatte“ liegt auf einer etwa 11 Meter hohen weicheren Dünnschichtlage, die wesentlich anfälliger für Verwitterung und Erosion ist. Der oben aufliegende Block schützte den Rest der noch vorhandenen Dünnschichten vor weiterer Abtragung, sodass die charakteristische Tischform entstand, die im Wasgau gar nicht so selten ist: So gibt’s ja auch den Salzwooger und den Eppenbrunner Teufelstisch. Mehr als 20 solcher Pilzfelsen, alle allerdings wesentlich kleiner, hat man im Wasgau gezählt.

Die skurrile Form des Felsens hat die Phantasie der Menschen angeregt. Und einer alten Sage verdankt der Fels auch seinen Namen: Der Teufel habe den Pfälzerwald durchquert und habe müde und hungrig nach einem geeigneten Rastplatz gesucht. Als die Suche erfolglos blieb, habe er voller Wut einige Felsbrocken ergriffen und sie zu einem Tisch aufeinandergestellt. Darauf habe er dann gespeist. Nachdem die Rast beendet war, habe er den Tisch stehen lassen und sei weitergezogen. Am nächsten Morgen erblickten die Menschen im Tal das Werk und vermuteten: “Hier muss der Teufel gespeist haben”.

 




Aktion Afrika stellt Soforthilfe für Hospital zur Verfügung

HAUENSTEIN. Ein dringender Hilferuf aus Kenia erreichte am Wochenende den Hauensteiner Verein „Aktion Afrika“: Schwester Genovefa aus dem Zentrum „St. Joseph Shelter of Hope“ schilderte Probleme, die derzeit dem zu dem Zentrum gehörenden Hospital zu schaffen machen. In einem „Umlaufbeschluss“ einigte sich der Vorstand der „Aktion Afrika“, sofort 5.000 Euro als Soforthilfe zur Verfügung zu stellen, die dabei helfen sollen, die größten Löcher zu stopfen.

„Die Situation ist schlimm. Wir sind mit vielen Problemen konfrontiert“, schrieb Schwester Genovefa. Und die Herausforderungen seien deshalb besonders groß, weil es in den staatlichen Krankenhäusern seit jetzt vier Monaten Streiks gibt. Das habe zur Folge, dass zahllose Kranke im Hospital im „Shelter of Hope“ Hilfe suchen: „Die Zimmer sind alle voll belegt, die Patienten liegen auf den Fluren und sogar in einem Zelt“, berichtete die Ordensfrau in einem Telefonat am Samstag.

Viele Patienten werden wegen Corona behandelt. Viele Betten seien aber auch mit Verletzten und Schwerverletzten belegt, die auf der wegen ihrer dramatischen Unfallträchtigkeit berüchtigten und an Voi vorbeiführenden Nationalstraße A 109 zwischen Mombasa und Nairobi verunglückt sind. „Jeden Tag werden drei bis vier Patienten in kritischem Zustand eingeliefert“, berichtet Schwester Genovefa.

Die Crux: Viele der Kranken und der Unfallopfer besäßen keine Versicherung, seien „arm und hilfsbedürftig“ und könnten „nicht einmal einen Cent bezahlen“, wie die Schwester mitteilte. „Also geben wir am Ende Geld aus, ohne Einnahmen zu haben.“ Und so falle der Kauf von Medikamenten und medizinischen Hilfsmitteln und auch die Bezahlung der Mitarbeiter zunehmend schwer.

Vertieft wird die finanzielle Misere dadurch, dass die Filteranlage des Brunnens im „Shelter of Hope“ defekt ist. „Der Brunnen liefert nur sehr wenig Wasser. Es reicht für das Hospital und die weiteren Einrichtungen des Zentrums bei weitem nicht aus“, berichtet Schwester Genovefa. Deshalb müsse man derzeit Wasser in großen Tanks hinzukaufen. „Und das ist sehr teuer“, heißt es in einer Email der Ordensfrau.

Bei der sehr kostspieligen Behebung der Filterprobleme will die „Aktion Afrika“ zusammen mit dem Landauer Hungermarsch helfen. „Aber jetzt gilt es erst einmal, die aktuellen Probleme zu lösen“, sagen die Verantwortlichen des Vereins, die sich am Samstag sehr schnell über die Hilfe einig werden konnten. Am Montag wurde die Überweisung beauftragt. „Ihr seid unsere Engel. Möge euch Gott eure Hilfe tausendfach vergelten“, antwortete Genovefa auf die Nachricht aus Hauenstein.

Ansonsten berichtet Schwester Genovefa über schöne Fortschritte beim „Gääße unn Hiehner“-Projekt. „Dies ist ein fortlaufendes und sehr gutes Projekt, das vielen armen Menschen helfen kann, sich selbst zu helfen.“ Auch für sie persönlich habe das Projekt positive Folgen: „Ich mache es gerne. Wenn ich mit den Hühnern zusammen bin, fühle ich mich gut und habe keinen Stress“, schrieb sie in einem ausführlichen Rechenschaftsbericht über das Projekt.

„Wir sind sehr froh, dass wir der Schwester in dieser Notsituation spontan helfen können“, sagt Alfred Busch, der Vorsitzende des Vereins. Man sei überaus dankbar, dass sich auch während der Corona-Pandemie viele bereitfanden, für die Menschen in Afrika zu spenden. Auch wenn die Pandemie manches Projekt ausbremse, sei man „durch die Hilfe vieler Mitmenschen in die Lage versetzt, zumindest dabei zu helfen, die laufenden Kosten für Schulen, im Gesundheitswesen, für Stipendien und anderes aufzukommen.“ Und da sei man immer auf Spenden angewiesen, zumal im vergangenen Jahr alle eigenen Aktionen wie der Weihnachtsmarkt oder das Benefizkonzert, die helfen, Gelder zu erlösen, ausfallen mussten.

 

Info: Spendenkonto, Volksbank Südliche Weinstraße – Wasgau,

IBAN DE86 5489 1300 0071 8473 06    

 




Sowas ärgert den Bürger

HAUENSTEIN. Am Dienstagabend hatte sich ein Hauensteiner bei der Presse gemeldet: Seit 14 Tagen läge an der L495 zwischen Hauenstein und Lug, ein totes Wildschwein – unmittelbar am Straßenrand.

„Und seither versuche ich, Zuständige zu erreichen, die dafür sorgen, dass der Tierkörper beseitigt wird“, klagte er. Und plötzlich ging es ganz schnell: Am Mittwochmorgen begann unsere telefonische Recherche, gegen Mittag war die Sau geborgen. Zufall? Oder hat die Pressenachfrage den Zuständigen Beine gemacht? Egal! Hauptsache: Die tote Sau ist weg.

Der Hauensteiner, der in der Zeitung nicht genannt werden will, berichtete über seine vergeblichen Mühen der vergangenen Tage: Er habe mit einem Jäger gesprochen, habe eine Polizeistreife auf den Tierkadaver aufmerksam gemacht, habe bei der Kreisverwaltung angerufen. „Alles ohne Erfolg, das Tier wurde nicht abgeholt und liegt immer noch da“, sagte er am Dienstagabend. Auf der Landesstraße unweit der Kuppe am Luger Stich sei auch ein gelber Pfeil aufgezeichnet, der wohl die Lage des Kadavers markiert. Mittlerweile war das Tier am Hals aufgebrochen und –wohl von einem anderen Wildtier- auch mehrfach bewegt worden, hatte der Rheinpfalz-Leser beobachtet.

Erster Ansprechpartner sei am 23. Februar ein ihm bekannter Jäger gewesen. Ihm habe er die Umstände geschildert. „Er teilte mir mit, dass die Pfeilmarkierung auf der Straße deutlich mache, dass der Fall in Arbeit sei.“ War er aber nicht. Die Sau lag auch noch eine Woche später. Er habe deshalb am 02. März einer dreiköpfigen Polizeistreife im Ort die Geschichte erklärt. „Man werde das klären“, habe er erfahren. „Geschehen ist aber erneut nichts. Deshalb habe ich mich bei der Kreisverwaltung gemeldet.“

Die Auskünfte von dort am vergangenen Freitag: Es sei ja momentan recht kalt, sodass der Verwesungsprozess nicht sehr schnell einsetze und deshalb kein akuter Handlungsbedarf bestehe. Aber: Wenn das Tier am Wochenende noch liege, solle er sich erneut melden. Das hat der verärgerte Bürger dann doch nicht getan, sondern hat sich an die Presse gewandt: „Vielleicht kommt man dann in die Spur.“

Es folgte am Mittwochvormittag unser Anruf bei der Dahner Polizei: Das übliche Procedere sei, dass bei einem Wildunfall mit einem toten Tier der Jagdpächter und/oder die Straßenmeisterei verständigt würde, damit das Tier abgeholt werden kann, stellte Polizeihauptkommissar Walter Dezember zunächst fest. Das Einsatztagebuch der Inspektion weise am fraglichen Datum und am fraglichen Ort auch einen nächtlichen Wildunfall aus. Die Beamten hätten am Morgen den „Fall“ an die Frühschicht übergeben. Was dann geschehen sei, ließ sich am Mittwoch nicht rekonstruieren. Die betreffenden Beamten seien in der Freischicht.

PHK Dezember führte auch aus, dass auch das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde in solchen Fällen zuständig sei. Dort sei aber bisher keine Meldung über einen Kadaver an der L495 eingegangen, teilte der zuständige Mitarbeiter Thomas Walter auf Anfrage mit. Er werde sich sofort mit der für die Beseitigung zuständigen Straßenmeisterei in Dahn in Verbindung setzen, um die Angelegenheit voranzubringen. Auch dort hatten wir schon den Fall geschildert: Eine Mitarbeiterin teilte mit, dass sie zwar einen Auftrag zur Beseitigung eines Tierkörpers herausgegeben habe, der betreffe aber nicht die L495. Das werde sie sofort veranlassen. Gegen 14 Uhr meldete unser Informant Vollzug: „Das Wildschwein ist abgeholt.“

Die Vorgehensweise und die Zuständigkeiten bei der Beseitigung und Entsorgung von Wildkadavern sind übrigens in einem „Leitfaden“ des Landesuntersuchungsamtes haarklein beschrieben. Demnach gehört der Kadaver eines „Fallwildes“ dem Jagdpächter, der allerdings nicht verpflichtet sei, den Kadaver zu entfernen. Die Rückfrage bei mehreren Jägern ergab, dass gerade im Kreis Südwestpfalz die Jäger die Beseitigung von bei Unfällen getöteten Wildtieren nicht mehr übernähmen. Das habe man lange aus Kulanzgründen getan. Weil der Kreis aber auf die Jagdpacht eine Jagdsteuer erhebe, habe man diesen Service eingestellt, war aus Jagdkreisen zu hören.




Ein Kloster wird neu gegründet

Blick auf das Kloster Lage in Rieste im Bistum Osnabrück. Hier wurde erstmals seit 63 Jahren wieder ein Kloster der Franziskaner-Minoriten gegründet. (Foto: Kloster/frei)

HAUENSTEIN. Es kommt in diesen doch recht glaubens- und kirchenfernen Zeiten nicht oft vor, dass ein Kloster neu gegründet wird. Jetzt ist es doch geschehen: In Rieste in Niedersachsen haben die Franziskaner-Minoriten einen neuen Konvent gegründet – zum ersten Mal seit 63 Jahren. Leiter des Klosters Lage, dem zunächst vier Brüder aus drei Kontinenten angehören, ist ein Hauensteiner: Bruder Bernhardin M. Seither ist der „Guardian“, der „Hausobere“ der Gemeinschaft.

„Mit aller Kraft wollen wir uns bemühen, der Kirche frohes, menschenzugewandtes Gesicht zu zeigen!“, so beschreibt Bruder Andreas Murk, der Provinzialminister der deutschen Ordensprovinz der Franziskaner-Minoriten, die Zielsetzung des Kloster-Neustarts. Und dieses „frohe und menschenzugewandte Gesicht“ – genau das verkörpert Bruder Bernhardin in seiner ganzen Art, auf Menschen zuzugehen und mit ihnen umzugehen – in und außerhalb der Kirche. Seine freundliche Nähe zu den Menschen lässt den Ordensbruder auch in den von ihm zelebrierten Gottesdiensten lebendig werden. Deshalb wird er immer wieder angefragt, Tauf- oder Hochzeitsgottesdienste in seiner Heimatgemeinde zu zelebrieren.

Bruder Bernhardin ist 56 Jahre alt. Er war 2011 als „Spätberufener“ zum Priester geweiht worden und war noch im gleichen Jahr zum „Ordenschef“ der deutschen Franziskaner-Minoriten gewählt worden. Als Provinzialminister hatte er seinen Dienstsitz im Franziskanerkloster in Würzburg, von wo aus er die Ordensgemeinschaft mit ihren fünf Klöstern leitete. 2019 übernahm er mit der Wahl zum Guardian des Kölner Minoritenklosters eine neue Aufgabe. Jetzt also zog es ihn wieder ein Stückchen weiter nach Norden, in das Bistum Osnabrück: „Würzburg- Köln – Lage: Noch zwei Umzüge, dann bin ich an der Nordsee“, lacht der Ordensmann im Rheinpfalzgespräch.

Im Kloster Lage mit seiner Wallfahrtskirche St. Johannis, das in seinen Ursprüngen aus dem 13. Jahrhundert stammt und in dem zuletzt Schwestern aus dem Dominikanerorden lebten, ist jetzt eine sehr internationale Gemeinschaft zuhause. Neben Bruder Bernhardin gehören auch Bruder Jesmond Panapparambil aus Indien, Iosif-Mihai Sabau aus Rumänien und Richard-Francis Chimfwembe aus Sambia zu dem Konvent. „Diese internationale Ausrichtung ist eine besondere Herausforderung“, sagt Bruder Bernhardin, „weil mit den unterschiedlichen Nationalitäten auch verschiedene Mentalitäten zusammenkommen“.

Ihm helfe bei der Bewältigung dieser Herausforderung ein Wort des jüdischen Theologen Martin Buber, der darauf hingewiesen habe, dass Gemeinschaft immer werdende Gemeinschaft sei: „An Gemeinschaft muss man immer arbeiten, da gibt es Höhen und Tiefen. Es wird eine Herausforderung bleiben, wie jedes Gemeinschaftsleben eine Herausforderung ist.“ Im Übrigen, so betont Bruder Bernhardin, seien sie “ganz normale Männer, die bereit sind, etwas Neues zu wagen“.

Die Mitbrüder sind dem Hauensteiner nicht unbekannt. Als Provinzialminister hatte er viele internationale Kontakte. „Und dabei habe ich Bruder Jesmond und einen weiteren Bruder aus Indien zum Sprachkurs nach Würzburg eingeladen. Bruder Iosif habe ich bei einer Konferenz in Rumänien getroffen und Bruder Richard-Francis bei der Visitation in Sambia und bei Generalkapiteln kennengelernt.“

Für die Mitbrüder sei zunächst noch die deutsche Sprache eine Herausforderung: „Aber auch das werden wir schaffen. Und wenn sie mit Deutsch durch sind, dann folgt als zweite Etappe Hääschdnerisch“. Und gewiss werde er seinen kleinen Konvent auch mit der Pfälzer Heimat bekannt machen, wie er das schon mit vielen Ordensbrüdern gemacht habe. „Guri Pälzer Koschd werd´s uff alle Fäll immer wirrer gäwwe!“, sagt Bernhardin.  Außer „Pälzer Koschd“ wird es in der Küche überhaupt international zugehen, weil sich die Brüder selbst versorgen und die verschiedenen Arbeiten im Haus und Hof untereinander aufteilen.

Aufgabe der der Ordensmänner ist es unter anderem, die Pilger zu begleiten, die als Wallfahrer nach Lage kommen. Sie bieten seelsorgerliche Gespräche und die Beichte an und wollen in der Pfarrei aktiv sein. Wenn das coronabedingte Beherbergungsverbot wieder aufgehoben ist, kann man im Kloster übernachten: Sechs Gästezimmer und zwei Ferienwohnungen soll es geben, in denen „Kloster auf Zeit“ erlebbar ist oder einfach Urlaub mit der Familie gemacht werden kann.  Dabei sei ihm und den Mitbrüdern die aktive Hinwendung zu den Menschen wichtig, betont Bernhardin: „Das Tor des Klosters wird immer offen sein, auch um deutlich zu machen: Wir sind für die Sorgen und Nöte, aber auch für die Freuden der Mitmenschen da. Sie alle sind uns herzlich willkommen.“

Herzlich willkommen fühlt sich auch Bruder Bernhardin im nördlichen Osnabrücker Land: „Wir wurden mit großer Herzlichkeit aufgenommen“, berichtet er. Und einige haben auch Brot und Salz gebracht, das traditionelle Geschenk für Menschen, die ein neues Haus beziehen, Symbol dafür, dass es ihnen im neuen Heim gut gehen solle.

 

Zur Person:

Bernhardin M. Seither wuchs in Hauenstein auf, besuchte die Hauptschule, sattelte die Mittlere Reife an der Berufsfachschule in Rodalben auf und absolvierte danach eine Ausbildung zum Krankenpfleger am Rodalber Krankenhaus: „Ich wollte etwas machen, wo ich mit Menschen zu tun habe, wo ich Menschen helfen kann“. Die Nähe zur Kirche und zum Glauben bot ihm schon in jungen Jahren Orientierung: Er war Messdiener, arbeitete in der Hauensteiner KJG mit, zeichnete für viele Aktivitäten verantwortlich. Nach seiner Zeit in Rodalben war er als Paulusbruder in Deidesheim und in Völkersweiler tätig, wo er sich um Kranke, Alte und Behinderte kümmerte. Er arbeitete zwischenzeitlich auch im Vincentius-Krankenhaus in Speyer. 1996 war Bruder Bernhardin in den Orden der Franziskaner-Minoriten eingetreten und hatte 2006 in Lantershofen das Theologiestudium begonnen. 2011 war er in Würzburg zum Priester geweiht worden. (fjs)




Was muss die Verbandsgemeinde Hauenstein tun, wenn sie nach 2022 noch existent sein soll

HAUENSTEIN. Wenn die Verbandsgemeinde Hauenstein auch noch nach 2022 existent sein soll, dann muss sie–und das war ständig geäußerte Überzeugung im Rat- nach Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Kommunen suchen und vor allem auch ihre Verwaltung zukunftsfest aufstellen. Der Umbau der Verwaltung sollte –und auch das wurde seit April vergangenen Jahres immer wieder so kommuniziert- auf einem „Gutachten“ der Kommunalberatung basieren, das zum 30. September vergangenen Jahres avisiert war.

Allein: Ein Gutachten liegt immer noch nicht auf dem Tisch des Rathauses. Und es machte doch hellhörig, als der seit Anfang November amtierende Bürgermeister Patrick Weißler im Rheinpfalz-Gespräch verlauten ließ, dass er nicht vor März/April mit der Fertigstellung des Gutachtens rechne. Das gab Anlass, bei der dem Gemeinde- und Städtebund angegliederten Kommunalberatung nachzufragen, wo denn die Gründe für die Verzögerung lägen. Die Antwort aus Mainz verblüffte: „Die Kommunalberatung war nicht beauftragt ein Gutachten zu erstellen. Wir haben auch bis jetzt noch keinen Auftrag, dies zu tun.“ Was lief da falsch?

Zunächst: Die äußerst knappe Antwort aus Mainz ließ im Ansatz einen Skandal wittern. Die Wahrheit ist freilich trivialer. Die Mail aus Mainz machte zunächst lediglich ein Missverständnis offenbar. In den Ratssitzungen des vergangenen Jahres, in denen es um Stellenbesetzungen im Rathaus, um die viel diskutierte Wiederbesetzungssperre und um die ständig zitierte „zukunftsfähige“ Organisation der Verwaltung ging, immer die Vokabel „Gutachten“, fiel und auch bei Presseberichten immer wieder –unwidersprochen- dieser Terminus –zuletzt beim Jahresgespräch mit Bürgermeister Patrick Weißler- verwendet wurde: Es ist wohl so, dass damit zunächst lediglich ein „Personalentwicklungskonzept“ gemeint war, dass man aber auch im Rat von Gutachten sprach und von einem umfänglichen Ergebnis ausging.

Das Protokoll der Ratssitzung vom 29. April formuliert es so: Für den gesamten Stellenplan werde ein „Personalentwicklungskonzept aufgesetzt“, das unter anderem einen „aktualisierten Organisationsplan für die gesamte Verwaltung“, „Einsparungs-und Verbesserungsvorschläge“ von Abteilungsleitern und Mitarbeitern sowie eine „Umsetzungsperspektive“ enthalten und  „bis spätestens 30.09. des Jahres dem Rat zur weiteren Befassung“ vorgelegt werden soll. Dazu kam es nicht zu diesem Zeitpunkt, dazu kam es bis heute nicht.

Den weiteren Ablauf stellt Bürgermeister Weißler, der erst zum 02.November sein Amt antrat, auf Rheinpfalz-Anfrage so dar: Die Kommunalberatung habe am 14. Mai ein Angebot über 9.900 Euro vorgelegt, das eine Personalbedarfsermittlung inklusive Soll-Ist-Vergleich beinhaltete. Die Vorarbeiten dazu sollten „hausintern“ bis zum 31.07 geleistet werden. Dieser Termin sei aber zum einen „aufgrund der Urlaubszeit“ nicht gehalten worden. Der Rückzug des bisherigen Amtsinhabers Werner Kölsch, die vorzubereitenden und durchzuführenden Neuwahlen und die „Interimszeit“ hätten weitere Kräfte gebunden.

Zu vermuten ist freilich auch, dass auch die nach der Wiederbesetzungssperre personell nicht optimal besetzte Verwaltung ein Faktor für die Verzögerung war. Intern habe es –so Weißler- auch die „Losung“ gegeben: „Keine Vorgriffe auf Prozesse ohne Involvierung des neuen Chefs.“ Mitte November erkrankte dann auch der Büroleitende Beamte Gerold Bernhart, dessen Arbeitsbereich aufgefangen werden musste.

Kommentar

Sprache stellt manchmal Fallen. Im Fall der Neuorganisation der Verwaltung der VG Hauenstein war seit April 2020 von einem Gutachten die Rede, das es möglich machen werde, die Verwaltung zukunftsfest aufzustellen. Die Wortmeldungen in den Ratssitzungen des vergangenen Jahres -„Alles auf den Prüfstand stellen“ oder „Das Gutachten ist die Grundlage aller weiteren Entscheidungen zur Personalstruktur“- machten deutlich, dass man im Rat einen großen Wurf von dem für 30.09. angekündigten Gutachten der Kommunalberatung erwartete.

Jetzt aber stellt sich heraus, dass wohl von einem „Gutachten“ gesprochen wurde, dass aber lediglich ein „Personalentwicklungskonzept“ gemeint und in Mainz beauftragt war. Dass auch dieser weniger komplexe Teil noch nicht vorliegt, spricht nicht für die Konsequenz, mit der bei allen hinderlichen Faktoren im Rathaus an dieser entscheidenden Aufgabe gearbeitet wurde.

Der neue Bürgermeister Patrick Weißler hat gut daran getan, den Ablauf des Verfahrens detailliert zu rekonstruieren. Manche Fragen bleiben trotzdem offen, beispielsweise die, warum es so unendlich lang dauern musste, bis die Begrifflichkeit geklärt war und warum die Deadline so grandios verfehlt wurde. Diese Fragen zu klären, wird auch Aufgabe des Rates sein und sie sind nur zu klären mit bedingungsloser Transparenz – auch gegenüber der Öffentlichkeit.

Jetzt soll das umfängliche Gutachten also endlich erstellt werden. Und wenn es vorliegt, dann müssen sich Rat und Verwaltung sputen, die Empfehlungen der Kommunalverwaltung umzusetzen. Die Entscheidung darüber, ob die Verbandsgemeinde Hauenstein weiter selbständig bleiben kann, rückt näher, Tag für Tag. Da ist keine Zeit mehr zu verlieren.

Für 09. Dezember war dann eine Ratssitzung angesetzt, bei der über die Wiederbesetzung einer Stelle im Personalbereich beraten werden sollte. Wohl unter anderem als Vorbereitung auf diese Sitzung wurde nach einem „Zwischenstandsgespräch mit der Kommunalberatung“, am 28. November ein „Inselgutachten“ –auch hier also „Gutachten“- für den fraglichen Personalbereich erstellt, das am Tag der Sitzung vorgelegt und per Mail an die Ratsmitglieder verschickt wurde.

Im Rat gab’s keine Mehrheit für die Stellenausschreibung, in nichtöffentlicher Sitzung habe er die Ratsmitglieder in Sachen Kommunalberatung auf den neuesten Stand gebracht, teilte Weißler mit.  Deren bis dahin erbrachte Leistung wurde mittlerweile abgerechnet: 3.150 Euro plus Fahrtkosen seien dafür aufzuwenden. Für weitere 4.500 Euro beauftrage Weißler jetzt auch die Kommunalberatung, die gesamte Personalbedarfsberechnung zu komplettieren.

Am 11. Dezember war dann auch auf Nachfrage des Bürgermeisters auch ein Angebot der Kommunalberatung über ein komplexes Organisationsgutachten eingegangen. Dafür würde die Kommunalberatung 21.000 Euro berechnen. Ihre Leistung beschreibt sie auf der Homepage so: „Wir unterstützen Sie bei der Konzeption, Einführung und Umsetzung von Prozessmanagement in ihrer Verwaltung oder geben Ihnen Impulse für die Optimierung und Erweiterung bestehender Ansätze.“

Am Dienstag dieser Woche teilte Weißler mit: „Das Gutachten habe ich angefragt, weil ich Unstimmigkeiten zwischen Rat und Verwaltung feststellte, die sich in der anhaltenden Wiederbesetzungssperre zeigen. Man redete aneinander vorbei.“ Er wolle jetzt „den großen Aufriss“, sagte Weißler. Am Montagabend hatte er die Fraktionssprecher zu einer Besprechung eingeladen und über den Sachstand informiert. Ergebnis der Beratung sei gewesen, dass man dieses große Gutachten, das viele am 30.09. erwartet hatten, nun per Umlaufbeschluss auf den Weg bringen wolle. Wann es vorliegen wird, ist offen…

 




Im Kloster sind Kontaktbeschränkungen Teil des Alltags

Foto: Schwester Mirjam darf im kleinen Klosterladen des Hauensteiner Karmelklosters derzeit keine Kunden bedienen. Auf Bestellung können aber Motivkerzen, Spruchkarten und anderes abgeholt werden.(fjs)

HAUENSTEIN. Der Konvent im Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen in Hauenstein lebt in strenger Klausur. Die aktuell acht Ordensschwestern im Alter von 51 bis 86 Jahren verlassen das Kloster nur in Notfällen –beispielsweise für einen Arztbesuch. Für sie sind die durch Corona bedingten Kontaktbeschränkungen per Ordensregel Teil des Alltags. Leben die Schwestern deshalb auf einer Insel? Oder wirkt die Pandemie auch in ihre so zurückgezogen lebende und ganz dem Gebet geweihten Gemeinschaft hinein?

„Wir leben als Gemeinschaft in unserer Klausur, gehen nicht nach draußen. Und unser Alltag mit Gebet und Arbeit läuft ja im Kloster selbst auch unbeeinflusst weiter“, informiert die Priorin des Klosters, Schwester Elia vom Erbarmen Gottes. „Und wir sind glücklich und dankbar, dass wir auch in den vergangenen Wochen und Monaten täglich die Messe mitfeiern durften und dass nun auch wieder Gläubige von draußen teilnehmen dürfen“, berichtet sie.

Aber sie sähen auch die Bilder von „draußen“, hörten die Berichte. „Und wir spüren auch, dass uns das Virus berührt, alles ist anders, ruhiger, stiller“, sagt sie. Die sonst um diese Zeit üblichen Gruppenbesuche der Kommunionkinder beispielsweise seien bereits im vergangenen Jahr ausgefallen und würden auch in diesem Jahr wohl nicht zustande kommen. Überhaupt gebe es deutlich weniger Kontakte nach „draußen“.

Zur Sache: Gottesdienst im Karmel

Während in der Pfarrei St. Katharina von Alexandrien mit den Kirchengemeinden Hauenstein und Schwanheim/Lug zunächst bis zum Ende des Monats keine öffentlichen Gottesdienste angeboten werden, besteht in der Kapelle des Karmelklosters die Gelegenheit, mit den Ordensschwestern eine Heilige Messe mitzufeiern: Seit 11. Januar dürfen wieder knapp 20 angemeldete Personen an der Eucharistiefeier teilnehmen.

Die aktuelle Dienstanweisung des Bistums vom 05. Januar betont aber die besondere Schutzwürdigkeit der klösterlichen Gemeinschaft mit ihren oft betagten Mitgliedern. Und sie weist auch darauf hin, dass sich das Virus –bedingt durch das Gemeinschaftsleben in einem Konvent – schnell ausbreiten kann. Damit der Kontakt zwischen dem Zelebranten und dem Konvent auf „das absolute Minimum reduziert“ werden kann, beschreibt Speyer sehr klare und eng definierte Regeln für den zelebrierenden Priester. So soll der gemeinsame Aufenthalt in der Sakristei vermieden werden, die Kommunion wird den Schwestern in einem geschlossenen Ziborium in den Schwesternchor gebracht, wo eine Ordensschwester die Kommunion an die Mitschwestern austeilt.

Die Öffentlichkeit ist bei den Gottesdiensten der klösterlichen Gemeinschaft zugelassen. In der im rechten Winkel zum Schwesternchor angelegten Karmelkapelle sind die Plätze, die unter der Wahrung der Abstandsregeln möglich sind, markiert. „Teilnehmen können aber nur Personen, die sich mit den notwendigen Kontaktdaten angemeldet haben. Ohne Anmeldung und ohne Mund-Nasen-Maske können wir niemanden in die Kirche lassen“, berichten die Schwestern, die mit Bedauern auch die Regel einhalten müssen, dass in den Gottesdiensten Gemeindegesang nicht möglich ist. „Die musikalische Gestaltung ist auf maximal eine Einzelstimme zu begrenzen. Instrumentalisten, aber keine Blasmusiker, dürfen den Gottesdienst mitgestalten“, heißt es in der Dienstanweisung aus Speyer. (fjs)

Das rührt auch daher, dass der Klosterladen derzeit „nur bedingt“ geöffnet hat. Hier, an der Pforte des Klosters werden unter anderem jene Motivkerzen, die die Schwestern im Kloster kunstvoll verzieren, angeboten. Es sind beispielsweise Tauf- und Kommunionkerzen oder Kerzen, die sich für viele Anlässe zum Verschenken anbieten.

Aufgrund der Corona-Bestimmungen muss der kleine Laden, der auch künstlerische Spruchkarten und Devotionalien anbietet, geschlossen bleiben. Aber die Waren könnten, so berichtet Schwester Mirjam, die sich den Pfortendienst mit Schwester Stefana teilt, auch telefonisch (06392-1430) bestellt und abgeholt werden. Außerdem habe man eine kleine Auswahl an Motivkerzen auf einem Wagen gerichtet, der ins Freie gefahren werden kann, damit die Kunden dort auswählen können.

Stichwort Bestellungen: „. Und wir spüren in diesem Jahr einen deutlichen Rückgang an Bestellungen von Osterkerzen, die in den Pfarreien in der Osternacht geweiht werden“, berichtet die Priorin. „Ob in diesem Jahr wieder die Osternacht gefeiert werden kann? Wie Erstkommunion begangen wird? Wir wissen es nicht.“ Weil die Zahl der Gottesdienste im vergangenen Jahr überall maßgeblich reduziert worden sei, wurde die Osterkerze aus dem Jahr 2020 auch kaum entzündet, ist also „wie neu“, sodass manche Pfarreien lediglich die Jahreszahl verändern wollen: Aus 2020 mach 2021.

Einen deutlichen Rückgang erlebt das Kloster auch bei der Nachfrage nach Hostien aus den Pfarreien. In den Jahren zuvor waren die Schwestern des Konvents in der Hostienbäckerei beteiligt, per anno bis zu sechs Millionen des Brotes, das in der Messe konsekriert und bei der Kommunion den Gläubigen gereicht wird, zu backen. Beliefert werden nicht nur die Pfarreien im Bistum Speyer, sondern auch in bayrischen Bistümern wie München, Passau und Regensburg. Auch hier schlagen die nicht stattfindenden Gottesdienste durch: „Wir haben das überschlagen: Die Bestellungen sind etwa um die Hälfte zurückgegangen.“, sagt Schwester Elia. (fjs)