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Die Wiedereröffnung des Deutschen Schuhmuseums noch völlig offen

HAUENSTEIN. Einstimmig vergab der Ortsgemeinderat Hauenstein am Dienstabend den Auftrag für die Stahl- und Metallbauarbeiten am derzeit laufenden Umbau des Deutschen Schuhmuseums. Die Arbeiten, die einen neue Eingangssituation für das Museum und einen neuen Platz für den Weltrekordschuh schaffen, werden von der Bornheimer Firma FW Glashaus zum Angebotspreis von 247.400 Euro ausgeführt.

Dem Beschluss war, wie Bürgermeister Michael Zimmermann auf Anfrage bestätigte, im vorgelagerten nicht öffentlichen Teil eine intensive und kontroverse Diskussion vorausgegangen. Nach einer noch danach beantragten Auszeit, die die Fraktion der Wählergruppe Schöffel in Anspruch nahm, fiel der Beschluss letztlich ohne jede weitere Diskussion und ohne Gegenstimme, wobei das Bauchgrimmen der Räte bis auf die Zuhörerstühle vernehmbar war.

Denn: Im vergangenen Jahr hatte der Rat eine Ausschreibung für dieses Gewerk aufgehoben. Das Architekturbüro arnold + partner war von einem Schätzpreis von 162.000 Euro ausgegangen. Das günstigste Angebot, das im vergangenen Jahr eingegangen war, belief sich aber auf rund 260.000 Euro, eine Summe, mit der der Rat nicht einverstanden war, weshalb er eine neue, diesmal beschränkte Ausführung beschloss.

Die Hoffnung, dadurch wesentlich günstigere Preise zu erzielen, erfüllte sich aber nicht: Nur drei Bieter gaben ein Angebot ab, wobei das jetzt akzeptierte Angebot letztlich gerade mal 13.000 Euro niedriger ausfiel als das günstigste Angebot der ersten Ausschreibung. Die höheren Kosten seien nach Angaben der Planer den seit dem vierten Quartal 2020 massiv gestiegenen Preisen im Bausektor geschuldet. Weiter steigende Materialkosten sowie Baumaterialknappheit als Folge der Corona-Krise ließen nicht erwarten, dass bei einer weiteren Neuausschreibung günstigere Angebote zu erhalten wären. Erwähnenswert: Eines der jetzt abgegebenen drei Angebote lag mit 524.000 Euro um mehr als hundert Prozent über dem günstigsten Angebot aus Bornheim.

„Traurig, dass es so gelaufen ist“ kommentierte der Ortsbürgermeister die Fakten: „Der aufgerufene Preis gefällt niemand, aber wir haben keine Alternative, ohne das gesamte Museumskonzept in Frage zu stellen.“ Mit dem Beschluss unterstreiche der Rat aber die „Bedeutung des Museums für unsere Gemeinde, die durch den Schuh groß geworden ist und durch ihn dazu gemacht wurde, was sie heute ist.“ Und so habe man den Beschluss zwar wegen der hohen Kosten mit „geballter Faust in der Tasche“ gefasst, aber es sei ein einmütiges „Bekenntnis zu unserem Vorzeigeobjekt Museum“, sagte er gestern.

Die letzte aktuelle Kostenermittlung für die bauliche Umgestaltung und Sanierung des Gebäudes lag bei 582.000 Euro. Darin war das jetzt vergebene Gewerk allerdings noch mit 162.000 Euro enthalten. Die Mehrkosten belaufen sich also nun auf rund 85.000 Euro. Einsparungen bei anderen Gewerken in Höhe von rund 19.000 Euro eingerechnet, verteuert sich das Projekt mit der Auftragsvergabe nun auf 648.000 Euro. Aber: Weitere Gewerke wie die Dachsanierung sind noch offen. Und dabei muss mit weiteren Kostensteigerungen gerechnet werden. Abzüglich der Fördergelder bleibt bei der Gemeinde ein Eigenanteil von aktuell 218.000 Euro.

Museum: Wiedereröffnung noch völlig offen

Das Deutsche Schuhmuseum in der Turnstraße ist derzeit geschlossen. Der Rat hat nun einen maßgeblichen Auftrag für die Neugestaltung des Eingangsbereichs, der als gläserner Kubus im südöstlichen Bereich des Bauhausgebäudes angegliedert wird, vergeben. Auch im Innern laufen die Arbeiten zu einer grundsätzlichen Neugestaltung der Ausstellung. Wie der stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrates, Gerhard Seibel, gestern auf Anfrage mitteilte, sei man innen soweit, dass in den nächsten Tagen mit der Bestückung der Vitrinen begonnen werden könne. Ein Termin zur Wiedereröffnung des Museums, die ursprünglich für Anfang April geplant war, sei aber auch wegen der noch laufenden Arbeiten am Gebäude noch völlig offen.

 

 




Ein Amselpaar brütete auf der Leiter

HAUENSTEIN. Da hat sich das Amselpaar wohl den passenden Gastgeber ausgesucht. Die Singvögel, auch unter dem Namen Schwarzdrossel bekannt, haben sich für ihr Brutgeschäft ausgerechnet bei einem „schwarzen Mann“ eingenistet. Auf der Terrasse des Hauensteiners  Martin Würz, der das ehrbare Handwerk des Schornsteinfegers in dritter Generation ausübt, haben sie ihr Nest gebaut, gleich vier Eier gelegt und ziehen nun den hungrigen Nachwuchs groß.

Und es gibt noch einen Bezug von diesen „Schwarzdosseln“ zum Schornsteinfegerhandwerk: Als Reminiszenz an die Kaminkehrer-Tradition der Familie hat Martin Würz die Leiter, die der Großvater von Haus zu Haus getragen hatte, unter dem Dach des Freisitzes als Dekoration drapiert. Und auf den Sprossen liegt das Kehrbesteck, die Kehrleine und der Leinstern, der den Ruß von den Kaminwänden fegt. Und genau dorthin hat das Pärchen aus Ästen und Moos sein Nest gebaut.

„Wir waren zunächst überrascht, weil auf dem Boden der eigentlich geschützten Terrasse immer mal wieder Material lag, das dort nicht hingehörte“, berichten Martin und Michaela Würz. Bis man den Flugverkehr des Amselpaares bemerkte, mal genauer nachforschte und dann das Nest auf Leiter und Kehrbesteck entdeckte. Als das schwarzgefiederte Männchen und das braune Weibchen ausgeflogen waren, schaute man einmal nach, was sich im Nest getan hatte.

Das füllte sich, wie Martin und Michaela entdeckten, nach und nach und mit einigem Abstand mit letztlich vier der grünen und mit schwarzen Punkten gefleckten Eier. Das Amselpaar bebrütete fleißig und mit großem Eifer die Eier, bis schließlich vier zunächst noch nackte Amselkinder geschlüpft waren. Nach und nach wuchs der Flaum, dann die Federn und der Hunger, der sich in weit aufgesperrten Schnäbeln äußert und die Vogeleltern zu ständiger Futtersuche zwang und zwingt. Und so wachsen die Jungvögel heran – und der Tag, an dem sie flügge werden und das Nest verlassen können, scheint näher zu rücken.

Noch einmal zurück zu den Gastgebern: Martin Würz übt –wie gesagt- sein Handwerk schon in dritter Generation aus, ist Meister seines Fachs und seit 2013 als Bezirksschornsteinfeger in seinem Kehrbezirk im Dahner Tal unterwegs. Dort war auch schon sein Großvater Alois, der in Münchweiler zuhause war, tätig gewesen. Auch Martins jung verstorbener Vater Franz war Teil der schwarzen Zunft, die seit alters her auch den Ruf eines Glücksbringers genießt. Franz Würz war in der Region auch als engagierter Georgspfadfinder bekannt. Sein Sohn Martin erlernte das Handwerk bei seinem Vater und erwarb nach dessen Tod den Gesellenbrief bei Meister Jakob Wenrich.

 




Der Jugendzeltplatz im Hauensteiner Stopper blieb über die Pfingsttage leer

Der Jugendzeltplatz im Hauensteiner Stopper

HAUENSTEIN. Normalerweise ist die Zeit um Pfingsten die erste „Hoch“-Zeit für Zeltlager. In diesem Jahr blieb Jugendzeltplatz im Hauensteiner Stopper –trotz der diesmal längeren Schulferien- auch über die Pfingsttage leer. Nicht zum ersten Mal: Auch 2020 wurden keine Zelte auf dem weitläufigen Wiesengelände am Ortsausgang Richtung Lug aufgebaut. Ob bei weiter sinkender Inzidenz 2021 die eine oder andere Jugendgruppe zum Zelten in den Stopper kommen kann?

Markus Pohl, der für den Jugendzeltplatz verantwortliche Beigeordnete der Ortsgemeinde, berichtet im Rheinpfalz-Gespräch, dass für den Platz im Stopper mehrere konkrete Buchungsanfragen eingegangen seien. „Aber wir wissen zum gegebenen Zeitpunkt nicht, ob, wann und unter welchen Bedingungen wir den Zeltplatz tatsächlich öffnen können.“ Zum 25. Juni sei eine Jugendgruppe mit 40 Personen angemeldet, der unter Vorbehalt zugesagt worden sei. Auch für die Monate Juli und August lägen feste Buchungsanfragen für bis zu 200 Zeltgästen vor.

Ob das alles so zustande kommen wird, das ist für den Beigeordneten noch völlig offen: Es stellen sich momentan noch mehr Fragen, als es Antworten gibt. „Dürfen wir mehr als eine Gruppe auf den Zeltplatz lassen? Wie ist die Benutzung der Sanitärräume zu regeln? Wie differenziert muss ein Hygieneplan aussehen?“, nennt Pohl einige der noch offenen Baustellen. Sicher sei nur, dass der „organisatorische Aufwand bedeutend größer als bisher“ sein werde

Eine weitere Unwägbarkeit sei, ob der Veranstalter überhaupt genügend Teilnehmer für sein geplantes Zeltlager gewinnen kann. „Das ist momentan noch ein Hin und Her, ein Kommen und Gehen. Es wurden schon Gruppen an- und wieder abgemeldet, weil, wie die Veranstalter mitteilen, die Anmeldungen der Kinder und Jugendlichen ausgeblieben sind. Alles ist derzeit unsicher“, berichtet Markus Pohl von einem Prozess, der derzeit mit (zu) vielen Unbekannten vorbereitet werden will. Sicher ist nur: „Wenn es möglich sein wird, dann werden wir den Zeltplatz öffnen.“

Im vergangenen Jahr war der Platz, auf dem 2019 beispielsweise die Deutsche Waldjugend ihr Bundeslager mit über 500 Teilnehmern oder 2018 die Jugendfeuerwehren aus Baden-Württemberg ihr Landeslager mit knapp 300 Jugendlichen durchgeführt hatten, „gut gebucht“, wie Pohl mitteilte: Insgesamt 23 –zum Teil sehr große- Gruppen waren fest angemeldet. So wollte unter anderem ein Stamm der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg aus Schwerte (Ruhrgebiet) ihr Sommerlager mit rund 150 Teilnehmern im Stopper abhalten, auch Gruppen der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) aus Walldorf (80 Kinder und Jugendliche), dem Main-Taunus-Kreis (90) und aus Kaiserslautern (90) wollten nach Hauenstein kommen. Corona machte es unmöglich. Ob es heuer anders wird?

 

 




die Sanierung des Hauensteiner Wasgaustadion kann gefördert werden.

HAUENSTEIN. In der vergangenen Woche haben die Bundestagsabgeordneten Anita Schäfer (CDU) und Angelika Glöckner (SPD) mit der Mitteilung überrascht, dass die Sanierung des Hauensteiner Wasgaustadion, die mit einer Summe von 1.555.000 Euro veranschlagt sei, mit einem Zuschuss des Bundesinnenministeriums in Höhe von 699.750 Euro gefördert werden könne. Was steckt dahinter? Und: Wird damit auch ein Kunstrasenplatz im Wasgaustadion, das als Schulsportanlage in der Trägerschaft des Kreises steht, möglich?

Zum Hintergrund: Die Notwendigkeit der Sanierung der leichtathletischen Anlagen des Wasgaustadions ist unumstritten und seit spätestens 2018 Beschlusslage. Dafür waren rund 220.000 Euro veranschlagt worden. Den vor allem vom SC Hauenstein, aber auch von anderen Vereinen der VG Hauenstein seit vielen Jahren geforderten Einbau eines Kunstrasens im Wasgaustadion dagegen hatte der Bauausschuss des Landkreises im November vergangenen Jahres vor allem aus ökologischen Gründen abgelehnt (Rheinpfalz vom 17. November 2020). Die Entscheidung hatte in Hauenstein die Emotionen hochkochen lassen und die Forderung laut werden lassen, die Entscheidung des Bauausschusses noch einmal zu überdenken.

Zumal hohe Fördermöglichkeiten für solche Projekte publik wurden: Ein Kunstrasen könnte aus damals neu aufgelegten Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen“ mit einer Quote von 55 Prozent gefördert werden könnten. Aus Fördertöpfen des Landes könnten weitere 25 Prozent fließen, sodass der Kreis mit einer Gesamtförderung von 80 Prozent rechnen könne.

Jetzt also die Mitteilung aus Berlin zu diesem Komplex. Wie die Pressestelle des Landkreises auf Anfrage mitteilte, habe der Kreis im Rahmen des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ einen Förderantrag samt Projektskizze eingereicht. Der Antrag gehe von Kosten für die Sanierung des Stadions in Höhe von brutto 1,55 Millionen Euro aus. Rund 1300 weitere Kommunen hätten für das Bundesprogramm den Finger gestreckt. Umso mehr freue man sich, dass der Kreis bei diesem „stark überzeichneten“ Programm zum Zuge komme. Ein formeller Förderbescheid liege aber bisher noch nicht vor, wie Pressesprecher André Schattner mitteilte.

In der veranschlagten Summe von 1,55 Millionen Euro sei die Überarbeitung der vorhandenen leichtathletischen Anlagen enthalten: Die 400-Meter-Rundenbahn soll demnach von sechs auf vier Laufbahnen reduziert werden. Insgesamt werde die Anlage „in ihrer Ausstattung den aktuellen sportlichen Bedürfnissen der Schüler, Sportler und Jugendlichen angepasst“. So seien, um die Bundesjugendspiele zu ermöglichen, eine Doppelweitsprunggrube mit Dreisprunganlage, eine Kugelstoßanlage sowie eine Hochsprunganlage vorgesehen.

Durch den Wegfall der zwei Laufbahnen werde Platz geschaffen für ein Streetballfeld, das „das sportliche Angebot noch erweitern und gezielt bei der Jugendarbeit eingesetzt werden“ könne. Für das Großspielfeld, dessen Naturrasen derzeit von Ehrenamtlichen des SC Hauenstein gepflegt wird, sei im Förderantrag als „Maximal-Ausführung“ eine Kunstrasen-Variante beantragt, „damit der Antrag den aus unserer Sicht größtmöglichen Sanierungsumfang abdeckt“, wie die Kreisverwaltung mitteilt.

Das weitere vom Bundesinnenministerium vorgesehene Förderverfahren sieht nun vor, dass das Projekt in einer Vorstellungsrunde dem Projektträger Jülich, der als Dienstleister im Auftrag des Bundes die Umsetzung und die Betreuung des Förderprogramms bearbeitet, im Detail erläutert werden muss. Dabei müsse auch die Beschlusslage des Bauausschusses zum Rasenplatz an- und besprochen werden. Sowohl aus den Fraktionen der CDU als auch aus der SPD war dazu zu hören, dass man sich mit der durch die Fördermitteilung aus Berlin neu entstandenen Situation beschäftigen werde. Bei der CDU steht eine Fraktionssitzung Mitte Juni an. Dabei werde man sich mit den neuen Gegebenheiten befassen, teilte Christof Reichert mit. Auch die SPD wolle, wie Kreistagsmitglied Andreas Wilde informierte, vor dem Hintergrund, dass eine neue bewertende Gegenüberstellung von Naturrasen und Kunstrasen sowie zur Pflege und Instandhaltung des bestehenden Rasenplatzes vorliege, die Angelegenheit neu sichten und bewerten.

Über das weitere Antragsverfahren werden die Kommunen, deren Projekte gefördert werden sollen, noch weitere Informationen erhalten. Ein Termin für die Vorstellung werde vom Fördergeber kurzfristig vergeben. Abschließend teilt der Kreis mit: „Eine Aussage zum Planungsstand, Ausführungszeiten oder dem Baubeginn kann daher noch nicht getroffen werden. Ausschreibung und Umsetzung hängen bei einer Projektförderung auch vom Vorliegen des Bescheids ab.“

 




Der Langerkopf als Standort von Windkrafträdern

HAUENSTEIN. Der Langerkopf als Standort von Windkrafträdern ist wieder in aller Munde, seit die Landesregierung von ihrem 2015 verkündeten strikten Windkraft-Stopp für den Pfälzerwald abgerückt ist und Windräder auf „belasteten Flächen“ zulassen will. „Belastet“ ist der ehemalige Militärstützpunkt ohne Zweifel. Und das hat den Verbandsgemeinderat Hauenstein schon 2017 abseits aller Windkraftdiskussionen zu einer Resolution mit der Forderung veranlasst, das Gelände „rückstandslos“ zurückzubauen.

Im Rat war damals von „verheerenden Zuständen“ und einem „Saustall“ die Rede gewesen und davon, dass das Trinkwasser für die Wilgartswiesener Annexe Hofstätten nicht ohne Grund mit Aktivkohle gefiltert werden müsse. Deshalb forderte der Rat damals auch die zuständige Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (BImA) auf, kontaminiertes Erdreich zu entfernen und einen Bodenaustausch durchzuführen. Das war vor vier Jahren. Was ist seither geschehen? Wir haben nachgefragt.

In ihrer Antwort auf unsere Anfrage teilt eine Sprecherin der BImA nun mit, dass die Maßnahme „im Wesentlichen“ abgeschlossen sei: „Aktuell steht lediglich noch die Untersuchung von drei kleinräumigen Verdachtsflächen an.“ Dass Rückbau-Erwartungen vor Ort und vertragliche Vereinbarungen zum Rückbau auf anderen Ebenen zwei Paar Stiefel sind, wird allerdings in den weiteren Ausführungen deutlich.

Denn: Hatte man in der Verbandsgemeinde auf einen „rückstandslosen“ Rückbau gehofft, so weist die BImA nun darauf hin, dass der Bund zwar „entsprechend seiner Verpflichtung nach den vertraglichen Regelungen mit dem Land Rheinland-Pfalz die Aufbauten vollständig zurückgebaut“ habe. Aber: „Zur Beseitigung der Bodenplatten und Verkehrsflächen ist der Bund nach dem Vertrag nicht verpflichtet.“ Diese seien deshalb nicht vollständig, sondern „nur insoweit zurückgebaut (worden), als dies im Zusammenhang mit Rückbaumaßnahmen fachtechnisch angezeigt oder notwendig war“.

Und in Bezug auf die im Rat und auch von der Initiative Pro Pfälzerwald geäußerte Kritik, dass nur sehr oberflächlich gearbeitet wurde, dass kontaminierte Flächen einfach „übererdet“ worden seien, weist die Bundesbehörde darauf hin, dass an zwei Stellen ein Bodenaustausch stattgefunden habe. In einem Bereich sei „sehr gering belastetes Gestein im Erdreich belassen und übererdet“ worden. Davon gehe aber „keine Gefährdung mehr“ aus.

Insgesamt seien „bei den fachgutachterlich begleiteten Rückbauarbeiten einige lokal begrenzte Bodenverunreinigungen festgestellt“ festgestellt worden. Die erforderlichen Maßnahmen seien „in Abstimmung mit den Umweltbehörden unter Beachtung des Abfall- und Umweltrechts durchgeführt“ worden. Drei weitere „nur kleinräumige“ Verdachtsflächen seien untersucht. Hier müsse noch das Ergebnis der Analysen abgewartet werden.

Erst wenn diese Ergebnisse vorliegen und die sich daraus möglicherweise ergebenden Maßnahmen abgeschlossen sind, werde „die förmliche Rückgabe der Liegenschaft an die Landesforstverwaltung“ erfolgen: „Sie ist nach dem Abschluss aller mit dem Rückbau zusammenhängenden Maßnahmen vorgesehen.“  Eine Renaturierung der Flächen durch den Bund sähen die vertraglichen Regelungen mit dem Land Rheinland-Pfalz nicht vor, teilt die BImA-Sprecherin weiter mit

Bisher seien Rückbaukosten in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro entstanden und damit rund 400.000 mehr als ursprünglich veranschlagt. Die noch laufenden Untersuchungen und daraus gegebenenfalls resultierende weitere Maßnahmen würden „nach derzeitigem Kenntnisstand weitere Kosten von maximal rund 15.000 Euro verursachen“

Die Aussagen der BImA werden vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium weitgehend bestätigt. Die erforderlichen Maßnahmen seien „aus bodenschutzrechtlicher Sicht abgeschlossen. Hierbei wurde den Grundsätzen der Gefahrenabwehr entsprochen“. Auch seien alle erforderlichen Maßnahmen im Vorfeld mit den Konversionsaltlasten-Arbeitsgruppen (KoAG), an denen unter der Leitung der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) unter anderem die Kommunen und die Fachbehörden beteiligt sind, abgestimmt worden.

Eine Sprecherin des Mainzer Ministerium führte weiter „grundsätzlich“ aus, dass es sich bei der Altlastenbeseitigung „bodenschutzrechtlich um Gefahrenabwehrmaßnahmen“ handele. Das bedeute, dass „der Aushub von belastetem Erdreich bis hin zu einem von der Oberen Bodenschutzbehörde festgelegten Sanierungszielwert zu erfolgen“ habe. Damit sei es möglich, dass Restmengen von verunreinigtem Bodenmaterial mit tolerablen Schadstoffkonzentrationen, von denen keine Gefährdung ausgeht, im Untergrund verbleiben könnten.

Das Ministerium teilte auf Anfrage weiter mit, man mit der formellen Rückgabe des Geländes an die Forstverwaltung noch im Sommer rechne.

 

 




Der Gemischte Chor des MGV Hauenstein übt digital

HAUENSTEIN. Es fängt alles an wie in einer ganz normalen Singstunde. Die einen sind früh da, andere kommen sehr knapp. Man begrüßt sich, ein Sänger lässt sich entschuldigen, Chorleiterin Julia Dauenhauer erläutert das Programm und bald beginnt eine stimmlockernde und stimmbildende Übung.

Es ist eigentlich wie immer. Nur: Der Gemischte Chor des MGV Hauenstein übt nicht leibhaftig und nicht im Proberaum, sondern schon seit Anfang März digital – über PC, Laptop und Smartphone, aus dem Wohn- oder Arbeitszimmer und der Küche und über die Plattform Zoom. Das kommt im Chor sehr gut an, aber nicht alle teilen die Begeisterung.

Am Mittwoch dürfen wir per Gastzugang „Mäuschen“ spielen. 23 Sängerinnen und Sänger haben sich über Zoom zusammengeschaltet. Die Damen sind deutlich in der Überzahl, nur vier Männer machen mit. Julia Dauenhauer, die dem Chor in normalen Zeiten physisch leitet, ist die Initiatorin der Video-Probe und die Moderatorin der „Sitzung“. „Ich hatte meine Zweifel, ob diese Form der Probe gut geht und ob sie den Leuten etwas geben kann“, hatte sie im Vorgespräch mit der Rheinpfalz eingeräumt.

Jetzt, nach einigen Wochen, kann sie feststellen: „Ich bin froh, dass wir den Versuch gewagt haben“, sagt sie. Die Sängerinnen und Sänger zögen mit, und dass „immer gut die Hälfte des Chores dabei ist und sich die meisten regelmäßig zuschalten“, das wertet sie auch als Beleg dafür, dass es „Spaß macht, auch in dieser Form zu singen“.

Das Organisatorische ist recht einfach. Julia Dauenhauer hat den Teilnehmern den Zugangslink per Email zugeschickt. Die Sängerinnen und Sänger schalten sich nach und nach zu und erscheinen auf dem Bildschirm als kleine Bildtafeln in einer „Galerie“. Die Chorleiterin, die vom heimischen Wohnzimmer aus agiert und von Mama und Schwester unterstützt wird, ist –bei Bedarf- groß im Bild. Sie gibt die Stimmübungen vokal und mit Keyboardunterstützung vor.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind stummgeschaltet und sind weder für die Chorleiterin noch für andere zu hören. Nur sie, ihre Gesangsstimme, ihr Keyboard und ihre Tipps –„Da müssen wir auf ein schlankes A achten“ oder „Hier bitte keine Atempause“- sind zu hören. Die stummen Bilder aber beweisen: Der Chor ist dabei, man singt, man übt, ist konzentriert. Irgendwie passend zur Zeit übt man eine neue Version von „We shall overcome“ ein, pflegt später mit „Bleibe bei uns, Herr“ auch das Repertoire.

Und das läuft genauso ab wie in den „analogen“ Singstunden: Jede Stimme wird einzeln vorgegeben, per Stimme und/oder per Keyboard, einmal oder mehrfach, am Bildschirm singen Sopran und Alt und die Männer abwechselnd, ehe mit Keyboardbegleitung stimmig gesungen wird. Wobei: Auch hier hört jeder nur sich. Das hat freilich Nachteile: „Schade, dass wir nicht hören, wie es im mehrstimmigen Satz klingt. Der Chorklang fehlt halt“, sagt Stephanie Baron, die zusammen mit ihrem Mann Bernhard an der digitalen Singstunde teilnimmt. „Mir fehlt schon auch die stützende Stimme der Nachbarin, die mir über Stellen hinweghilft, wo ich nicht so sicher bin“, stellt Elisabeth Reichert fest, die noch nicht so lange im Chor singt.

Einig ist man sich unter den Sängerinnen und Sängern, dass diese Form der Chorprobe in der gegebenen Corona-Situation ein probates Hilfsmittel ist. „Man trainiert seine Stimme und übt das Repertoire“, sagt Stephanie Baron. Und es sei gut, dass „wir uns in dieser Form treffen und uns sehen können“, meint sie. Das zeige auch, ergänzt Elisabeth Reichert, „dass es weitergeht: Der Termin Mittwoch, 20 Uhr, Singstunde steht – trotz Corona, trotz Kontaktbeschränkungen. Es ist ein kleines Stückchen Normalität.“

Das ist auch wichtig für die Chorleiterin, wenn sie an die Zeit nach der Pandemie denkt. „Wenn keine Proben stattfinden, dann geht uns auch der eine oder andere verloren, der sich innerlich vom Chor verabschiedet. Dann fällt es, wenn das Leben sich wieder normalisiert, umso schwerer, das Chorleben wieder zu reaktivieren. Mit der digitalen Probe haben wir immerhin ein Stück Chor, das weiter existiert und funktioniert“, sagt sie, wobei schon leises Bedauern mitschwingt, wenn sie feststellt, dass die „älteren Herren halt fehlen“.

„Die digitale Probe ist schon eine gute Möglichkeit, das Hobby trotz Corona weiter auszuüben“, stellt denn auch Peter Kopper, der Vorsitzende des MGV und einer der fehlenden älteren Herren, fest. „Aber: für mich ist es das nicht“, gesteht er. Gerade den älteren Mitsängern fehle zuweilen auch die Erfahrung und/oder das Equipment, um digital zu proben. „Nicht jeder kann und nicht jeder will“, sagt er und kommt auf den Punkt: „Es fehlt halt auch das Danach“, formuliert er und spielt damit auch auf die soziale Komponente des Singens im Chor an, ein Aspekt, den das digitale Üben eben nur marginal bieten kann.

 

 




Vorbereitungen laufen das Bad unterhalb des Backelsteins je nach Corona-Lage schon Anfang Mai zu eröffnen

HAUENSTEIN. Ob, wie und wann die Freibäder in die Badesaison 2021 starten können, das steht noch in den Corona-Sternen. Gleichwohl werden in Hauenstein die Vorbereitungen getroffen, das Bad unterhalb des Backelsteins je nach Corona-Lage schon Anfang Mai zu eröffnen. „Wir können dabei auf die guten Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr bauen“, sagte Ortschef Michael Zimmermann.

Im vergangenen Jahr hatte das Bad –trotz Corona und trotz einer gegenüber den Vorjahren deutlich verspäteten Eröffnung im Juni- ein zufriedenstellendes Ergebnis eingefahren. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen und stehen im Ergebnis mit 26.000 Besuchern deutlich besser als erwartet da“, konstatierte der Ortsbürgermeister. War man zu Beginn der Badesaison noch von Corona bedingten Mehrausgaben von 40.000 Euro ausgegangen, so wurden im Saldo lediglich zusätzliche Ausgaben in Höhe von 10.000 Euro errechnet, zumal es auch Einsparungen bei der Aufsicht und bei den Unterhaltungsmaßnahmen gab, wie Jochen Kerner von den Werken mitteilte.

Überraschend: Was die Zahl der Besucher angeht, war das Jahr 2020 trotz der Corona-Einschränkungen „nicht das schlechteste der vergangenen Jahre“, so Kerner: 2014 seien weniger Besucher ins Bad gekommen. Eine Schlussrechnung für das vergangene Jahr liege allerdings noch nicht vor.

Derzeit werde das beliebte Bad „ausgewintert“, teilte Zimmermann mit. Die Saison 2021 werde man mit dem gleichen Hygienekonzept fahren, das sich im vergangenen Jahr bewährt habe. Das Bad soll täglich von 10 bis 19 Uhr seine Pforten öffnen. Gleichzeitig dürfen sich 500 Badegäste auf dem weitläufigen Gelände aufhalten. Damit das eingehalten werden kann, findet eine Eingangs- und Ausgangszählung statt.

Eine Anmeldung, wie sie in anderen Bädern praktiziert wurde, ist nicht notwendig. Es gibt auch keine Beschränkung der Aufenthaltsdauer im Bad. Das Schwimmerbecken ist in drei Bahnen eingeteilt, in denen sich gleichzeitig und mit gebotenem Abstand insgesamt höchstens 36 Schwimmer bewegen dürfen. Das Nichtschwimmerbecken kann, wie es im Konzept heißt, „ganz normal unter Einhaltung des Abstandsgebotes“ genutzt werden kann.

Die Eintrittspreise bleiben unverändert. Im vergangenen Jahr hatte man aber auch den Verkauf von Dauer- und Familienkarten verzichtet. Sie werden für die Saison 2021 wieder angeboten. Der Verkauf startet aber erst dann, wenn Klarheit über die Öffnung des Bades herrscht. Auch für Inhaber von Dauerkarten gilt das Prinzip der Schlange. Sie müssen sich wie alle anderen Badegäste in die Warteschlange einreihen.

Im laufendem Jahr sind im Schwimmbad Investitionen in Höhe von 69.000 Euro vorgesehen. Unter anderem soll ein energetisches Konzept erstellt werden, für das Kinderbecken soll ein Sonnensegel beschafft werden und am Kiosk soll eine Überdachung installiert werden. Nach den Plänen wird das Bad 2021 einen Verlust von 265.000 Euro einfahren.




Vorarbeiten zum Bau eines Brief- und Paketverteilzentrum in Hauenstein haben begonnen

HAUENSTEIN. Im Interkommunalen Gewerbegebiet Wilgartswiesen/Hauenstein tut sich (endlich) was. Die Deutsche Post hat mit den Vorarbeiten zum Bau eines Brief- und Paketverteilzentrum begonnen.

Auf dem rund 4.700 Quadratmeter großen Post-Baugelände ist das Grobplanum erstellt. In einem nächsten Schritt werden Abwasserleitungen und Zuleitungen unter anderem für Wasser verlegt, wie Heinz-Jürgen Thomeczek von der Frankfurter Pressestelle des Unternehmens berichtet. „Wetterbedingt“ verzögere sich der Bau. War man zunächst davon ausgegangen, dass man das Gebäude im Frühjahr beziehen könne, so rechne man mit der Inbetriebnahme nun erst „im Spätsommer“, so der Pressesprecher. An der Baustelle werden die Unternehmen Peter Groß Bau aus Pirmasens im Tiefbau sowie die Firma Linnebacher-Bau aus Neunkirchen im Hochbau tätig sein.

In dem geplanten Gebäude, in dem rund 35 Postbedienstete arbeiten werden, werden die bisherigen Verteilzentren Annweiler und Hauenstein zusammengelegt. Die bisherigen Standorte in der Hauensteiner Hauptstraße und in der Bahnhofstraße in Annweiler werden aufgegeben. In dem neuen Gebäude werden Briefsendungen, die aus dem Briefzentrum Karlsruhe  angeliefert werden, und Pakete, die aus Bruchsal kommen, weiter bearbeitet,  für die Zustellung an die Adressaten fertiggemacht und schließlich zum überwiegenden Teil von „Verbundzustellern“, die sowohl Brief- als auch Paketpost ausliefern, zugestellt.

Wie der Postsprecher weiter mitteilte, umfasse der geplante Neubau eine Fläche von 786 Quadratmetern. Der „Betriebsfläche Brief“ stünden 275 Quadratmeter zur Verfügung, der „Betriebsfläche Paket“ 379 Quadratmeter, auf der wöchentlich rund 7500 Paketsendungen bearbeitet werden. Zu den insgesamt also 654 Quadratmeter großen Betriebsflächen kommen weitere 132 Quadratmeter, die Umkleide- und Sanitärräume, einen Multifunktionsraum und weitere Sozialräume aufnehmen werden. Über die Höhe der Investitionen wollte die Post keine Auskunft geben.

Das Gelände der Post liegt oberhalb des Regenrückhaltebeckens, das im Zuge der Erschließung des rund 62.000 Quadratmeter großen Gewerbegebietes errichtetet wurde. Von der Zufahrt zum Bahnhof Hauenstein-Mitte ist es durch einen Grünstreifen getrennt.

Das künftige Postgebäude wird über eine noch zu errichtende Stichstraße, die am Wendehammer vor dem Regenrückhaltebecken abzweigt, angefahren. Die Straße wird etwa 45 Meter lang sein und eine Investition in Höhe von rund 80.000 Euro erforderlich machen.

Wie Ortsbürgermeister Michael Zimmermann mitteilte, werde die Stichstraße deswegen notwendig, weil man sich der Zusage verpflichtet fühle, Ziel und Quellverkehr nicht über die Falkenburgstraße ins Gewerbegebiet zu leiten. Die Kosten, die nicht förderfähig sind, wurden in den Grundstückspreis eingerechnet. Zimmermann informierte auch darüber, dass die Post in den diversen Vorgesprächen die Absicht geäußert habe, den Liefer- und Zustellverkehr zunehmend mit Elektromobilen abzuwickeln. Ob diese ursprüngliche Absicht noch zum Tragen kommt, nachdem die Post die Eigenproduktion dieser Fahrzeuge eingestellt hat, sei allerdings offen. (ran)




Im Jahr 2021 keine Holzernte im Gemeindewald Hauenstein

HAUENSTEIN. Im Gemeindewald Hauenstein wird es im Jahr 2021 keine Holzernte geben. Warum man so vorgeht und weshalb der Forstwirtschaftsplan für das laufende Jahr trotzdem einen Gewinn abwirft, darum ging es in der Sitzung des Ortsgemeinderates am Mittwochabend.

Revierförster Gerald Scheffler berichtete vor dem Rat zunächst über den wider Erwarten positiven Abschluss des vergangenen Jahres und stellte sowohl für die Holzernte als auch für die Waldpflege im Jahr 2021 schlicht fest: „Wir setzen ein Jahr aus.“ Maßnahmen zur Wegeunterhaltung und zur Verkehrssicherung werden nur bei Bedarf durchgeführt.

Den Verzicht auf Holzeinschlag begründete der Förster mit dem Preisverfall auf dem Holzmarkt, der durch Sturm- und Käferholz „überschwemmt“ sei. Das habe zu einem erheblichen Preisverfall geführt. So sei für Fichtenholz, das schon mit bis zu 120 Euro pro Festmeter gehandelt worden war, derzeit lediglich rund 25 Euro zu erzielen. Im Schlepptau der Fichte sei auch der Preis für die Kiefer in die Knie gegangen. „Wir sollten diesen Markt nicht noch zusätzlich befüttern und Mengen zurückhalten“, sagte Scheffler, zumal mit dieser Maßnahme ja „kein Kapitalverlust“ verbunden sei.

Weil kein Holz eingeschlagen und verkauft wird, sind –bei einem finanziellen Aufwand unter anderem für Löhne, Sachkosten und Beförsterung von rund 11.500 Euro- nur geringe Erlöse in Höhe von 650 Euro zu erwarten. So schließt der Plan –eigentlich-  mit einem negativen Betriebsergebnis von 10.900 Euro ab. Weil aber der Gemeindewald FSC-zertifiziert ist, fließe, wie Scheffler ausführte, 2021 einmalig die Nachhaltigkeitsprämie, die sogenannte „Bundeswaldprämie“, in Höhe von über 19.000 Euro. So lotst der Wald 2021 unter dem Strich ein Plus von rund 8.300 ins Gemeindesäckel.

Scheffler betonte, dass es wegen der Klimaänderung immer mehr darauf ankomme, die Wälder Richtung Klimaresistenz umzubauen. „Wir müssen auch künftig von hohen Sommertemperaturen und wenig Regen in der Vegetationsphase ausgehen“, sagte er und betonte, dass die Forstwirtschaft die Veränderungen „hellwach“ beobachten und entsprechend begleiten müsse.

Zahlen aus dem vergangenen Jahr: Es wurden 522 Festmeter Buche und Kiefer aus einem Einschlag in der Steinhohl unweit der Queichquelle vermarktet, wofür ein Verkaufserlös von rund 34.000 Euro erzielt wurde. Weitere Maßnahmen wurden auf der Ökokontofläche am Mischberg und zur Bestandspflege im Vorderpferch durchgeführt. Der Weg im Queichtal wurde für 4.400 Euro wiederhergestellt. Nicht zuletzt: Eine Spende von Edeka-Schopfer ermöglichte die Pflanzung von 150 Bäumen und Sträuchern am Neding, die unter Anleitung eine AG der Realschule erledigte.

Für 2020 hatte der Forstwirtschaftsplan ein Minus von knapp 1300 Euro erwartet. Unter dem Strich steht freilich ein Plus von 2500 Euro, sodass sich das Betriebsergebnis gegenüber der Planung um 3.800 Euro verbesserte. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, kommentierte Bürgermeister Michael Zimmermann die Zahlen. Der Rat segnete den Plan einstimmig ab.

 




Verbandsgemeinde Hauenstein senkt Umlagesatz von 28 Prozent auf 24 Prozent

HAUENSTEIN. Es war nicht anders zu erwarten: Der Rat der Verbandsgemeinde Hauenstein folgte am Dienstagabend einstimmig der Empfehlung des Hauptausschusses und beschloss, per Nachtragshaushalt den Umlagesatz von bisher 28 Prozent um vier Punkte auf 24 Prozent zu senken. Was macht diesen Schritt, der die Umlage auf ein historisches Tief senkt und die Handlungsspielräume der Ortsgemeinden erweitert, möglich?

Vor dem Rat hatte Kämmerer Roger Hammer über die maßgeblichen Finanzdaten aus dem abgelaufenen Jahr 2020 informiert. War man bei Planerstellung noch von einem Finanzfehlbetrag in Höhe von 111.000 Euro ausgegangen, so errechnete der Kämmerer für das vergangene Jahr nach den vorläufigen Abschlussdaten bei den ordentlichen Zahlungen einen Überschuss. Das verbesserte Ergebnis sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass wegen der zum Teil noch unbesetzten Stellen deutlich geringere Personalkosten anfielen. Auch unter Berücksichtigung der Tilgungsleistungen aus Darlehensverpflichtungen weist der Abschluss eine freie Finanzspitze von rund 445.000 Euro aus.

Zusammen mit Kassenbestandsmitteln von Ende 2019 über 525.000 Euro ergab das für 2021 einen positiven Kassenbestand von 970.000 Euro, von dem allerdings noch zweckgebundene Leistungen, Rück- und Ausgleichszahlungen abzuziehen sind. Letztlich blieben, so der Kämmerer, freie Mittel in Höhe von 753.000 Euro zur Verfügung. Bürgermeister Patrick Weißler konstatierte, dass diese Zahlen eine Senkung des Umlagesatzes „problemlos um maximal um vier Punkte“ möglich machten. Und das sei auch als Signal nach Mainz und als Beleg für die eigene Finanzstärke zu verstehen. Ähnlich argumentierte Bernhard Rödig: Die Senkung unterstreiche die Finanzstärke der VG Hauenstein und mache sehr deutlich, dass „wir hier sehr wohl in der Lage sind, unsere Geschäfte selbstständig zu führen“.

Markus Pohl (CDU) stellte für die „Arbeitsgemeinschaft“ CDU, SPD, Grüne fest, dass vor dem Hintergrund freier Mittel in Höhe von über 750.000 Euro eine Senkung um vier Punkte „ein vernünftiges Ergebnis“ darstelle. Es gebe „theoretisch sogar noch weiteren Spielraum“, räumte er ein und diktierte ins Protokoll, dass man im Oktober die Finanzentwicklung erneut bewerten solle, um dann „eventuell über einen neuen Nachtrag“ zu entscheiden. Der jetzige Schritt jedenfalls gebe den Ortsgemeinden Planungssicherheit.

Manfred Seibel, Beigeordneter und Sprecher der Grünen, kommentierte, dass man im Bundesland lange suchen müsse, um eine Verbandsgemeinde zu finden, die in der Lage sei, ein Haushaltsjahr mit einem derart niedrigen Umlagesatz abwickeln zu können. „Und die Senkung ist nicht Folge eines Ausnahmejahres, sondern Ergebnis einer nachhaltigen und soliden Haushaltsführung“, sagte er, forderte aber dazu auf, auch künftig „nicht sorglos zu wirtschaften, sondern auch weiter jeden Euro zweimal umzudrehen.“

Auch Andreas Wilde SPD) wollte den Beschluss über einen „historischen Tiefstand“ des Umlagesatzes als „Signal nach Mainz“ interpretieren. Er belege, dass man in den letzten Jahren „gut gearbeitet“ habe. Und Hermann Rippberger (FW VG) wollte sich den Seitenhieb Richtung PS-Land nicht verkneifen: „Andere legen Überschüsse an, unser Weg, es an die Ortsgemeinden zurückzugeben, ist dagegen der richtige Weg.“ Er unterstrich, dass dieser Beschluss den Ortsgemeinden, die „nicht mit Geld gesegnet“ seien, zugutekommen werde. Das betonte auch Michael Zimmermann (CDU), der Hauensteiner Ortsbürgermeister: „Es ist schön, dass wir das Geld an die Ortsgemeinden zurückgeben, die es ja auch erwirtschaften.“

Die angestrebte Umlagesenkung sorgt in den Ortsgemeinden in der Tat für deutlich größeren finanziellen Spielraum. Ein Prozentpunkt Umlage entspricht knapp 100.000 Euro: So muss Hauenstein 180.000 Euro weniger an die Verbandsgemeindekasse überweisen, in Schwanheim bleiben ebenso wie in Hinterweidenthal rund 60.000 Euro mehr im Gemeindesäckel, in Wilgartswiesen sind‘s 37.000 Euro, in Spirkelbach 25.000 Euro, in Lug 21.000 Euro und Darstein und Dimbach können knapp 7.000 Euro mehr in der Kasse behalten. (ran)