Bombenangriff auf das Hauensteiner Jugendheim – 75 Jahre danach

17. März 2020
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HAUENSTEIN. Dieses Ereignis ist Teil des kollektiven Gedächtnisses Hauensteins, auch wenn die meisten Augenzeugen nicht mehr leben: Zum 75. Mal jährte sich der Tag, an dem der Krieg seine tödliche Fratze in Hauenstein zeigte: Am 10. März 1945 flogen alliierte Bomber einen Angriff auf das damals als Lazarett dienende Jugendheim unterhalb des Neding. Die blutige Bilanz: Mindestens 17 Tote, einige Vermisste und ungezählte Verletzte.

Eugen Klein, der gerade 90 Jahre alt gewordene Chronist Hauensteins und unermüdliche Heimathistoriker, hat das Geschehen dokumentiert. Überliefert ist auch der bewegte Bericht des verstorbenen Augenzeugen Heinrich Feith, der die Dramatik des Geschehens greifbar macht. „Ich warf mich sofort zu Boden. Den Kopf nahm ich zwischen die Arme, und presste mich auf die Steinplatten. Ich hatte nur einen Gedanken: Jetzt ist es aus!”

Es war ein Samstag, kurz nach Mittag: In der Küche des Lazaretts hatte Elfriede Braun, als Küchenhilfe zwangsverpflichtet, gerade das Geschirr vom Mittagessen weggeräumt. Gegen 13.30 Uhr hörte sie schwaches Motorengeräusch, das schnell näherkam, eigentlich nichts Neues für die Bevölkerung, denn schon seit Monaten überflogen Bomber in großen Pulks den Ort, um ihre tödliche Fracht über den Zentren am Rhein abzuladen. Aber: Diesmal kamen die Flugzeuge tiefer als sonst, das Motorengeräusch schwoll schneller an, ein Rauschen setzte ein, Bomben fielen.

Wie „große Regentropfen fielen sie aus den Wolken”, berichtet Eugen Klein, ein erster Bombenteppich fällt in die Bruchwiesen – südlich der heutigen Sommerstraße – und erfüllt die Luft mit fürchterlichem Getöse. Die Erde bebt, Häuser zittern, Menschen geraten in Panik. In der Sommerstraße wird das Haus Zöller getroffen, Frauen und Kinder werden in den Trümmern begraben.

„Unter den Trümmern hörte man Hilferufe“, erinnerte sich der damalige Feuerwehrkommandant Otto Ritter, der mit vielen anderen vor Ort geeilt war. „Jeder half, wo es notwendig schien. Man versuchte verzweifelt, die begrabenen Frauen und Kinder zu retten.” Für die beiden Kinder Karl Emrich (4), der unter den Haustrümmern begraben wurde und erst Wochen später geborgen werden konnte, und Inge Leyendecker (6), die von einem Splitter getroffen wurde, kam jede Hilfe zu spät.

Und noch während viele Helfer zu dem zerbombten Haus eilten, kündigte Motorenbrummen neues Unheil an. Ein zweiter Bombenteppich fiel, und der traf dann auch jenes Ziel, das der erste Bombenhagel wohl verfehlt hatte: Neben dem Jugendheim, von der DJK als „Kreislehrstätte” errichtet und jetzt als Lazarett fungierend, stand ein Barackenlager (übrigens der Schauplatz des Romans „Maria von Hauenstein” von Walter Nutz), dem wohl die Bombenangriffe galten. Dicht an dicht fielen die Bomben, trafen Baracken und – obwohl mit dem roten Kreuz als Lazarett ausgewiesen -auch das Jugendheim. Das Lazarett wurde bei dem Angriff fast völlig zerstört, nur der linke Seitenflügel, wo zahlreiche verwundete Soldaten untergebracht waren, blieb zum Teil stehen.

Von der zweiten Angriffswelle ist eine bemerkenswerte Rettungstat überliefert. Der in dem damaligen Wehrmachtslazarett tätige Zahnarzt Dr. Hans Piller war wie viele andere zum Haus Zöller geeilt, um dort Hilfe zu leisten. Als die Bomber erneut näherkamen, deckte er den damals zweijährigen Günther Emrich, der lebend aus dem zerstörten Haus geborgen wurde, mit seinem Körper ab. Während der Arzt von Bombensplittern tödlich getroffen wurde, überlebte das Kind.

Zwei Ärzte und eine nie ganz sicher verifizierte Anzahl von Soldaten kamen ums Leben. Neben den beiden Kindern mussten auch weitere Hauensteiner ihr Leben lassen: Karl Betz, damals 34 Jahre alt, Eugen Kleins Bruder Alois (13) und Anneliese Gerstle (14) sind sofort tot, die 26-jährige Monika Burkhard, die wie Elfriede Braun als Küchenhilfe im Lazarett tätig war, stirbt siebzehn Tage später an den Folgen ihrer Verletzungen.

Der Schrecken überwältigt die Helfer: „Der Anblick der toten und verwundeten Soldaten, die wir in den Schützengräben hinter dem Jugendheim fanden, war grauenhaft”, erinnerte sich Otto Ritter und Heiner Feith mutmaßte ähnlich wie Elfriede Braun: „Viel mehr Soldaten, als bekannt ist, kamen unter dem Bombenhagel ums Leben.”

Bei den Fundamentierungsarbeiten für die Wasgauschule fand man im Jahr 1973 das Skelett eines unbekannten Soldaten, der wohl ebenfalls dem Bombenangriff zum Opfer gefallen war. Die Toten wurden zunächst auf einem kleinen Soldatenfriedhof in der Nähe des früheren „Bildstockes” bestattet. Sie wurden später auf den Friedhof unterhalb der Dahner Michaelskapelle umgebettet. An sie und alle Opfer des Bombenangriffs vom 10. März 1945 erinnert seit 2005 ein kleiner Gedenkstein an den Parkplätzen in der Speyerstraße.

Schwerverletzter Motorradfahrer – Zeugen und Unfallbeteiligter gesucht
Rinnthal/ L490, 22.05.2020, 16:45 Uhr (ots) - Nachdem am Freitag 22.05.2020 um ca. 16:45 Uhr ein Motorradfahrer auf der L490 zwischen Rinnthal und der B48 schwer verletzt wurde, werden Verkehrsunfallzeugen und ein unfallbeteiligter PKW-Führer gesucht. Der 18-jährige Motorradfahrer befuhr die L490 von Rinnthal kommend in Fahrtrichtung B48. Nach derzeitigem Ermittlungsstand fuhr ein PKW von einem Feldweg auf die L490 ebenfalls in Fahrtrichtung B48 und übersah hierbei den Motorradfahrer. Der Motorradfahrer musste, um einen Zusammenstoß zu verhindern, ausweichen, kollidierte mit der Leitplanke und stürzte anschließend auf die Fahrbahn. Er erlitt durch den Sturz schwere, nicht lebensbedrohliche, Verletzungen und musste zur medizinischen Versorgung mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus verbracht werden. Bei dem gesuchten Fahrzeug handelt es sich um einen dunkelfarbenen PKW mit PS- Kennzeichen. Da es zwischen dem einbiegenden PKW und dem Motorradfahrer nach den bisherigen Ermittlungen zu keinem Zusammenstoß kam, ist unklar, ob der Fahrzeugführer den Verkehrsunfall überhaupt wahrgenommen hat. Der PKW- Führer und weitere Zeugen, die sachdienliche Hinweise zu dem Unfallgeschehen oder dem gesuchten PKW machen können, werden gebeten sich bei der Polizeiinspektion Landau zu melden. (Polizeidirektion Landau)

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