Papa Christof und Tochter Julia Feith aus Hauenstein haben ein Backbuch mit 20 süßen Keschderezepten geschrieben

HAUENSTEIN. Sie lieben die Keschde. Und sie lieben das Backen. Und deshalb haben sie ein Backbuch mit 20 süßen Keschderezepten geschrieben. Sie: Das sind Papa Christof und Tochter Julia Feith aus Hauenstein. Sie sind seit 2018 mit einem eigenen Foodblog im Netz unterwegs sind und stellen dort zahlreiche Rezepte rund ums Kochen und Backen vor. Jetzt also: Keschde! Dass sie sich mit der „castanea sativa“ auseinandersetzen, das ist, so sagen sie, „kein Wunder, sind die Keschde doch eine unvergleichliche Delikatesse“.

„Extrem vielseitig“ sei die Stachelfrucht. Sie überzeuge mit „feinem Aroma und nussigem Geschmack“. Und das biete unendlich viele Möglichkeiten: „Wir meinen: Sie verfeinert jedes Rezept auf besondere Weise“, betonen Julia und Christof. Und so haben sich Vater und Tochter zu süßen Kastanienrezepten inspirieren lassen. Sie basieren sowohl auf traditionellen Rezepten, die über Generationen überliefert wurden und die sie weiterentwickelt haben. Aber sie haben auch neue, moderne Rezepte kreiert. In der Summe stellen so sie in ihrem Buch zwanzig herrliche Kuchen, Torten und Desserts vor.

Auf 64 Seiten werden –begleitet von überaus ansehnlichen und anregenden Fotos- die Rezepte beschrieben: von der „Kastanien-Linzertorte“ und dem „Kastanien-Haselnusskuchen“ über die „Kastanien-Topfenknödel“ und die „Kastanien-Zwetschgendatschi“ bis hin zu „Kastanien-Vermicelles“ und „Kastanien-Cake Pops“.

Alle Rezepte sind mit der manchmal recht umfangreichen Zutatenliste versehen, es gibt Hinweise zur Zubereitungszeit und eine detaillierte Beschreibung der Zubereitung.

In dem handlichen Buch gibt es zudem botanische Hinweise zur „Keschd“. Sie sei eigentlich keine Frucht des Baumes, sondern dessen Samen, wie der Leser erfährt. Die Inhaltsstoffe der Kastanie werden ebenso aufgezählt wie die Vitamine, die sich unter der braunen Schale finden. Der Leser wird auch informiert über die verschiedenen Arten, wie Kastanien zu verarbeiten sind: Kochen und Rösten, das Trocknen und Einfrieren werden als Verarbeitungsoptionen erklärt.

Es geht –auch historisch- um „Kastanien in der Pfalz“, ob als Keschdeplantage, als Handelsgut oder in der Küche des Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg, dessen Frau sich, wie es die Zeitschrift „Der Pfälzerwald“ 1915 überlieferte, „alljährlich einen ganzen Zentner Edelkastanien aus Haardt bei Neustadt“ anliefern ließ. Und es wird nicht zuletzt an Ratschläge der Heiligen Hildegard von Bingen erinnert, die den Verzehr von Kastanien bei Kopfschmerzen ebenso empfahl wie bei Nervenleiden, Leberbeschwerden und Milzschmerzen.

Die Autoren -dad and daughter Feith- sind, wie sie berichten, mit den Keschde großgeworden.

„Schon als Kind sammelte ich Kastanien im Pfälzer Wald, zum einen, um sie in Salzwasser zu kochen oder im Backofen zu rösten. Und sie halfen mir, mein Taschengeld aufzubessern, indem ich im Herbst die Kastanien am Straßenrand verkaufte“, sagt Julia, die seit Jahren auch auf dem Hauensteiner „Keschdemarkt“, dessen „Miterfinder“ vor 20 Jahren Papa Christof war, Kastanienwaffeln backt und offeriert. Das Rezept findet sich selbstverständlich im Buch, zu dem Julia als gelernte Grafikdesignerin das Layout und auch die Fotos besorgte.

Auch „Dad“ Christof hat frühe Erinnerungen an die Kastanienzeit: „In meiner Kindheit sammelte ich mit meinen Geschwistern im Herbst regelmäßig Kastanien, die wir abends kochten und zu frisch gekeltertem Apfelsaft –die Großen bevorzugten neuen Wein- aßen.“ Oder: Sie wurden geschält und anschließend auf dem Kachelofen getrocknet. „Dadurch hatten wir Vorrat für den ganzen Winter.“

Alle Rezepte des Buches hat Christof kreiert, ausprobiert, verfeinert und „das Ergebnis mit Wonne“ genossen. Er ist ein „Fan“ der Kastanie: 1997 eröffnete er mit seiner Frau Julia das „Weinlädchen“ in Hauenstein und dabei lag ein Schwerpunkt immer auf Spezialitäten rund um die Kastanie. Er „erfand“ den Kastanienlikör oder bot und bietet unter anderem Kastanienbier, Kastaniennudeln und eine breite Palette von weiteren Köstlichkeiten rund um die Kastanie an. Im „Weinlädchen“ in der Gartenstraße finden sich übrigens alle Backzutaten wie Kastanienmehl oder Kastaniencreme, die der „normale“ Handel nicht vorhält. (ran)




Droht den „Needingsterzern“ nach 18 Jahren das Aus?

HAUENSTEIN. „Hääschde helau!“ Die Mitteilung der „Needingsterzer“ endet zwar mit dem närrisch-fröhlichen Schlachtruf des Hauensteiner Fastnachtsvereins. Die Informationen, die der Verein aber öffentlich machte, sind alles andere als erfreulich: Droht den „Needingsterzern“ nach 18 Jahren das Aus?

Die Nachrichten aus der Generalversammlung sind vor allem von „Enttäuschung“ geprägt, Enttäuschung zunächst und unter anderem darüber, dass lediglich die Vorstandschaft und wenige ehemalige Vorstandsmitglieder anwesend waren. Tiefer allerdings sitzt die Enttäuschung darüber, dass es nicht gelang, eine neue Vorstandschaft zu wählen. „Das tut in der Seele weh“, kommentierte der bisherige Vorsitzende Wilfried Heinrich die gescheiterte Wahl.

Er hatte seinen Rückzug vom Amt des ersten Vorsitzenden erklärt. Und mit ihm zogen sich auch der zweite Vorsitzende Gerd Schöffel und die Schriftführerin Franziska Schöffel von ihren Ämtern zurück. Und auch der Kassenführer Stefan Merkel stellte sein Amt zur Verfügung. Eine neue Mannschaft fand sich nicht, sodass die Versammlung ohne Neuwahlen enden musste. Ein neuer Versuch soll nun bei einer weiteren Mitgliederversammlung im November gestartet werden.

Dabei hatte der Vorsitzende auf ein durchaus „erfolgreiches Jahr“ zurückblicken können: mit ausverkaufter Prunksitzung, die „nach Einschätzung aller ein großer Erfolg“ gewesen sei, mit einem trotz schlechten Wetters gut besuchten Umzugs, einer allerdings nur „mäßig“ frequentierten „Dschungelparty“ und nicht zuletzt einer Kasse mit positivem Saldo.

Wilfried Heinrich hat indes die Hoffnung auch noch nicht aufgegeben und hat sich mit einem Brief an „alle Mitglieder, Förderer und Fastnachtsfreunde“ gewandt und appelliert an sie, „sich an der Vereinsarbeit aktiv in der Vorstandschaft zu beteiligen“. Er beklagt, dass „im Laufe der Jahre die Anzahl der Personen, die Verantwortung übernahmen“, immer geringer geworden sei, sodass jedes einzelne Vorstandsmitglied „zusätzliche Aufgaben übernehmen musste, denn die Arbeit wurde nicht weniger.“

„Ich hoffe, dass es weitergehen kann“, sagte Wilfried Heinrich im Gespräch mit der Rheinpfalz. Und er ist auch nicht abgeneigt, weiter in der engeren Vorstandschaft mitzuarbeiten: „Aber wir brauchen junges Blut“, sagte er. Und in dem Brief an die Mitglieder heißt es folgerichtig: „Wären einige von euch bereit, diesem Aufruf Folge zu leisten, und nur dann, sehen sich Mitglieder der jetzigen Vorstandschaft imstande, ihre Arbeit fortzusetzen.“ Aber aus dies gilt: „Es sollte uns allen bewusst sein, dass der Verein ,Hääschdner Needingsterzer‘ und das Brauchtum Hääschdner Fasnacht vor dem Aus stehen, wenn sich keiner bereit erklärt, diesem Aufruf zu folgen.“

Abgesehen von der „Vorstandskrise“: Die Needingsterzer haben Corona bedingt die Prunksitzung und andere Veranstaltungen bereits abgesagt. Ob der Umzug stattfinden kann, das sei „noch offen“. (ran)




Hauenstein möchte auch „Coworking Spaces“ im Dorfbüro einrichten

HAUENSTEIN. Auch Hauenstein hat –wie Dahn- Interesse, mit Unterstützung des Landes Rheinland- Pfalz in einem „Dorfbüro“ sogenannteals temporäre Büros einzurichten. Der Ortsgemeinderat fasste in seiner Sitzung am Mittwochabend den Grundsatzbeschluss, sich an dem Wettbewerb um eine entsprechende Förderung zu beteiligen.

Der Tagesordnungspunkt, den der Beigeordnete Andreas Wilde (SPD) vorstellte, war kurzfristig auf die Agenda gesetzt worden. Darum geht es: Ein Dorf-Büro ist nichts anderes als ein Gemeinschaftsbüro, in dem zeitlich flexibel einzelne Arbeitsplätze und Besprechungsräume –sogenannte „Coworking Spaces“- angemietet werden können. Der neudeutsche Begriff (übersetzt: „Räume fürs Zusammenarbeiten“) ist im Zuge der Digitalisierung und neuer Arbeitsformen populär geworden. Die Einrichtung von Dorfbüros kann über die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz mit bis zu 100.000 Euro gefördert werden.

Solche Gemeinschaftsbüros, wie sie in manchen Städten bereits existieren, seien auch für viele Dörfer eine Chance, die Lebensqualität zu verbessern und die Arbeit zurück ins Dorf zu holen. Sie bieten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und Selbstständigen, Start-Ups und auch Urlaubsgästen einen komplett ausgestatteten Arbeitsplatz, der temporär gegen Entgelt genutzt. Sie seien eine Möglichkeit für das in Coronazeiten verbreitete „Home-Office, trennt aber Arbeitsplatz und Wohnung.

Wie Andreas Wilde ausführte, müsse der Antrag auf Förderung bis zum 16. Februar von der Verbandsgemeinde gestellt werden. Als räumliche Ressource stünden Räume im Bürgerhaus zur Verfügung, wo bis zu fünf solcher Arbeitsplätze eingerichtet werden könnten. „Wir sollten einen Fuß in die Tür bekommen und über unseren Grundsatzbeschluss den Antrag der Verbandsgemeinde auf den Weg bringen“ meinte der Beigeordnete.

Im Rat war man sich über den grundsätzlichen Nutzen solcher Einrichtungen einig. Manfred Seibel (Grüne) regte sogar an, auch über eine große Lösung („think big“) und eine mögliche Neubaulösung im Interkommunalen Gewerbegebiet nachzudenken. Patrick Stöbener und Simone Schenk (beide FWG Schöffel) rieten jedoch, vor einem Grundsatzbeschluss noch offene Fragen zu klären, ein Vorschlag, dem die Ratsmehrheit allerdings nicht folgte.

Sorgen bereitet der Ortsgemeinde die Abwasserproblematik im gemeindeeigenen Anwesen Hauptstraße 4, in dem die Gaststätte „Zickerstubb“ untergebracht ist. Hier bestehe, wie Ortsbürgermeister Michael Zimmermann ausführte, „dringender Handlungsbedarf für eine dauerhafte Lösung“ – sprich: für einen neuen Abwasseranschluss samt Fettabscheider . Die Werke hatten zwei Alternativen vorgeschlagen: Zum einen eine Lösung, die die Abwässer über eine Hebeanlage hin zum Rathausplatz entsorgt (Kostenprognose: 21.500 Euro), und zum anderen eine neue Abwasserleitung mit natürlichem Gefälle über die vorgelagerte Wiese zur Hauptstraße hin (24.000 Euro).

Im Rat war man einer Meinung: Eine Hebeanlage sei störanfällig und verursache Folgekosten, sodass sich der Rat für die finanziell aufwendigere Lösung entschied. Der Rat ermächtigte den Bürgermeister mit den Beigeordneten, die weiteren Schritte in die Wege zu leiten. Der Beigeordnete Stefan Kölsch (Grüne) regte an, für das Gebäude insgesamt ein „große Lösung“ anzustreben, um das unter Denkmalschutz stehende Gebäude „zeitgemäß herzurichten und dauerhaft zu erhalten. Wir müssen hier in den nächsten Jahren investieren“, stellte er fest.

Aufträge für die Rohbauarbeiten am Museum konnte der Rat nicht wie vorgesehen vergeben. Die notwendigen Unterlagen waren noch nicht soweit gediehen, dass Beschlüsse gefasst werden konnten. Wie Ortschef Michael Zimmermann mitteilte, laufe das Projekt „Schuhweg“, das bis zum 15.11. abgerechnet sein muss, „planmäßig“. Der Planer werde in der Sitzung des Hauptausschusses am 29.10. ausführlich berichten. (ran)




Corona hat auch das Gelöbnisfestes „Mariae Herzeleid“ verändert

HAUENSTEIN. Corona hat auch die Tradition des Hauensteiner Gelöbnisfestes „Mariae Herzeleid“ verändert. Seit 101 Jahren feiert die katholische Pfarrei das „Fest der sieben Schmerzen Mariens“ mit Gottesdiensten und vor allem mit einer Lichterprozession durch die mit hunderten Lichtern geschmückten abendlichen Straßen der Gemeinde. Im Corona-Jahr 2020 musste die Lichterprozession, in deren Zentrum traditionell die Hauensteiner Pieta mitgetragen wird, aber ausfallen.

Es gab lediglich eine Andacht in der leider nur spärlich besuchten Christkönigskirche, wo vor dem uralten Holzbildnis der schmerzensreichen Mutter Gottes gebetet wurde. Pfarrer Ulrich Nothhof führte in seiner Predigt mit Blick auf die Pieta aus, dass man „Heil und Trost findet“, wenn man sich in das Leid Mariens vertiefe: „Im Leid ist man nicht allein.“

Eine kleine Schola des Kirchenchores begleitete den Gottesdienst mit Gesang. In den Gebeten und den Liedern wurde Maria immer wieder als Fürsprecherin der Bedrängten, der Menschen in Not und Leid angerufen. Nach den dreimal wiederholten Zeilen des Liedes „Verleih’ uns Frieden!“, das den Grundgedanken des Gelöbnisfestes aufgriff, zog die kleine Gemeinde mit der Pieta vor das Gotteshaus, wo die Feier mit Abstand und mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Segne du, Maria“ ihren Abschluss fand.

Die Tradition des Festes reicht ins Jahr 1919 zurück: Damals, als die Wunden, die der 1. Weltkrieg geschlagen hatte, noch lange nicht verheilt waren, wollte die Gemeinde als Dank für die Unversehrtheit des Dorfes und zum trauernden Gedenken an die Gefallenen des Krieges das Gelöbnisfest einführen, das immer auch als Mahnung zum Frieden verstanden werden sollte. Der erste Weltkrieg hatte 47 jungen Hauensteinern das Leben gekostet. Das Votivfest war von Speyer genehmigt worden „zum Dank für den Schutz der Heimat, zur Bitte um ferneren Schutz, zur Sühne für die Gefallenen”, wie es im Schreiben des Bischofs Ludwig Sebastian hieß. (fjs)




Slackline-Künstler aus ganz Deutschland beim „SlackGuru – Festival“

HAUENSTEIN. Für die Gäste des „Grumbeerebroore“ des Pfälzerwaldvereins Hauenstein  gab’s am Samstag spektakuläre Unterhaltung: Auf dem weitläufigen Jugendzeltplatz im Stopper, wo die „Grumbeere“ in der Glut garten, fand nämlich zeitgleich das „SlackGuru – Festival“ statt, bei dem Slackline-Künstler aus ganz Deutschland zeigten, was an „Moves“ auf dem zwischen zwei Bäumen gespannten flexiblen Band –der Slackline eben- alles möglich ist.

Ausgerichtet hatte das Festival, dessen Teilnehmerzahl Corona bedingt auf 30 beschränkt war, das Naturerlebniszentrum (NEZ) von Selina und Simon Liebel, das im Schützenhaus eine Heimat gefunden hat. Sie hatten mit Oliver „Ohli“ Schmidt aus Hamburg und Tobias „Tobie“ Rückert aus Heppenheim vom Team „SlackGuru“ professionelle Experten und Ansprechpartner gewonnen, die deutschlandweit Workshops sowohl für Anfänger als auch für Slackline-Freaks anbieten und die das Slacklining, das vor allem in Städten zunehmend Begeisterte findet, als Breitensport etablieren wollen.

Ohli und Tobie verwiesen darauf, dass beim Slacklining „jeder Muskel des Körpers im Einsatz“ ist, dass der Trendsport also „den ganzen Körper fordert, den Gleichgewichtssinn, die Körperbeherrschung und die Konzentrationsfähigkeit schult und vor allem enormen Spaß macht“. Auffallend sei, dass vor allem naturverbundene Personen, darunter viele Kletterer, zu dem Sport fänden. Und das Slacklining fände zunehmend Anhänger, weil Kurse in Kitas ebenso wie in Schulen und in Vereinen verstärkt nachgefragt würden und auch, weil sich Lehrkräfte und Übungsleiter ausbilden ließen.

Während die Einsteiger zunächst mühsam das Aufspringen auf die Line, das Gehen, Stehen, Sitzen und vielleicht auch eine 180-Grad-Wende üben müssen, wie die Slack-Gurus erklärten, gehören das Springen, das Rückwärtsgehen, das Liegen und Aufstehen, das Sliden, bei dem mit Anlauf auf die Line gesprungen und dann entlang gerutscht wird, und der Schneidersitz auf der Line zum Repertoire der Fortgeschrittenen.

Im Stopper waren freilich wahre Könner am Start. Wie Julius aus Gießen, der trotz der schwankenden Line seine Fähigkeiten in der Jonglage zeigte. Andere zauberten tolle Figuren auf das schmale Band, schlugen das Rad oder Salti über die Slackline, „surften“ auf der dabei extrem schwingenden Line, machten hohe Sprünge mit Drehungen, zeigten Grabs und Flips – und das alles auch im Tandem, also zu zweit auf der Line.

Dabei stelle die Länge der Lines unterschiedliche Herausforderungen, wie Julius erklärt: Kürzere Slacklines seien eher für Anfänger gedacht. Die längeren Slacklines –die längste im Stopper war 67 Meter lang- „entwickeln ihre eigene Dynamik, geraten schnell in Schwingungen und verlangen dann schon einiges an Können“, sagte der Hesse im Gespräch mit der Rheinpfalz.

Das Gelände auf dem Zeltplatz bot den Gästen aus ganz Deutschland viel Raum und Zeit, um sich während der drei Festival-Tage rund um ihr Sportgerät auszutauschen, miteinander zu fachsimpeln und voneinander zu lernen. Es blieb aber nicht beim „Tanz“ auf den gespannten Lines, es gab zudem Workshops und Wanderungen, veganes Essen, Lagerfeuer und Musik, wofür die Liebels vom Naturerlebniszentrum (NEZ) verantwortlich zeichneten.

Im NEZ wird übrigens immer was geboten, am kommenden Wochenende beispielsweise und unter anderem ein Workshop zu Naturkosmetik, Klangmeditation und Live-Rockmusik mit „A Forest Fight for Sunlight“. Nähere Infos unter www.naturerlebniszentrum.com.   (ran)




Generalversammlung des SC Hauenstein brachte keine Veränderung

HAUENSTEIN. Nach dem tragischen Tod von Steffi Dums und Christoph Kellers bereits 2019 angekündigtem Rückzug ist nur noch Udo Memmer als einer von ehemals drei Vorsitzenden des SC Hauenstein im Amt. Die Generalversammlung am Freitagabend brachte keine Veränderung. Wie geht es weiter beim Traditionsverein aus dem Wasgau?

Als „richtungsweisend“ war die Generalversammlung angekündigt worden und mit der Hoffnung, dass sich „engagierte und verantwortungsvolle Personen“ fänden, um die Vakanzen beseitigen. Fest stand, dass Udo Memmer die Vereinsgeschäfte bis zur turnusmäßigen Neuwahl im Frühjahr 2021 weiterführen würde – über diesen Zeitpunkt hinaus aber nicht alleine. Der Versuch, mit Ergänzungswahlen das Vorstandstrio zu komplettieren, scheiterte: Es gab keine Vorschläge, keine Kandidaten, ergo keine Wahlen.

Dennoch: Es war eine letztlich –zumindest in Ansätzen- positiv stimmende Sitzung. Denn: Der Verein sei –trotz der durch Corona bedingten Einbußen- zum einen „finanziell kerngesund“, wie Christoph Keller ausführte. Er verfüge über die notwendige Liquidität und über ein beachtliches Vereinsvermögen, dessen Pflege „kosten- und zeitintensiv“ sei, wofür man unter anderem auf das große Engagement der Dienstagsoldies bauen könne.

Zum anderen verfolge man nach dem „Riesenumbruch“ mit den Abstiegen aus der Ober- und Verbandsliga sportlich ein tragfähiges Konzept: Mit möglichst „vielen jungen Spielern aus der eigenen Jugend“ wolle man in der Landesliga bestehen. Man brauche dabei „längeren Atem und Geduld“. Aber es deute sich an, dass sich unter anderem mit zuletzt sechs Jungen, die gerade der A-Jugend entwachsen sind, und einigen Routiniers eine „hungrige, homogene und echte Mannschaft“ für die Landesliga entwickle, sagte Keller.

Und Udo Memmer ergänzte: „Wir wollten diesen Umbruch, der nicht nur finanziellen Zwängen geschuldet ist.“ Er sei überzeugt, dass das „der einzig gangbare Weg für den SCH“ darstelle. Deswegen investiere man auch weiterhin in die Jugend, bei der man im A-Jugendbereich eine Spielgemeinschaft mit Fehrbach, in allen anderen Altersstufen mit dem ASV Lugs/Schwanheim gebildet habe.

Der SCH, der im vergangenen Jahr mit großem Aufwand und hervorragender Resonanz seinen Hundertsten feiern konnte, verfügt derzeit über insgesamt 359 Mitglieder. Freilich mache, wie Christoph Keller ausführte, alleine die Mitgliederstruktur deutlich, woran es kranke: Nur ein gutes Drittel der Mitglieder seien länger als zehn Jahre dabei. „Uns fehlen fördernde Mitglieder, erst recht fehlen uns junge Mitglieder, die sich länger an den Verein binden.“ Und –mit Blick auf die künftige Vorstandschaft: „Wir können nur überleben, wenn sich Jüngere engagieren und einbringen.“

Hier setzte dann eine intensive und engagierte Diskussion unter den rund 30 anwesenden Mitgliedern ein: Thomas Schächter, langjähriger Jugendleiter, verwies auf ein Gruppenbild der SCH-Jugendmannschaften vergangener Jahre, die allesamt Meisterschaften feiern durften. Aber: „Von diesen vielen Spielern ist keiner mehr da.“ Der SCH habe „viele Jahre zu hoch gespielt“, weshalb viele auswärtige Spieler gewonnen werden mussten, die „keine Bindung zum SCH aufgebaut“ hätten. Ein Fehler sei auch gewesen, die 1b aufzugeben mit der Folge, dass sich einheimische Spieler anderen Vereinen anschlossen. Und deshalb sei es jetzt schwierig, „Leute zu finden, die für den SCH eintreten“ wollten.

Hans-Peter Mayer, ebenfalls ehemaliger Jugendleiter beim SCH, konstatierte, dass es „andere Vereine gibt, denen es noch deutlich schlechter geht“. Der Staffelleiter für die A- und B-Junioren im Fußballkreis Pirmasens wies darauf hin, dass am Spielbetrieb gerade noch sieben A-Jugend-Teams teilnähmen. Und auch das sei nur möglich, weil pro Team vier U21-Kicker eingesetzt werden können. „Vor diesem Hintergrund stehen wir ja noch gut da“, sagte er. A-Junioren- Coach Heini Grünfelder regte an, die „Gemeinschaft im Verein“ mehr zu betonen, den Verein mehr als „Familie“ erleben zu lassen.

Thematisiert wurde auch die gesamtgesellschaftliche Entwicklung, dass immer weniger bereit zum Ehrenamt seien. Er bekomme oft Angebote zur Mithilfe: „Aber keiner will letztlich Verantwortung übernehmen“, berichtete Udo Memmer. Er betonte, dass er bis zur Generalversammlung 2021 im Amt bleibe: „Aber bis dahin müssen wir junge und engagierte Mitarbeiter finden. Wenn uns das nicht gelingt, dann geht es um die Existenz unseres Vereins.“  Christoph Keller, der dem Verein weiter als Rechner zur Verfügung steht und dem Memmer mit herzlichen Worten dankte, zeigte sich schließlich zuversichtlich, dass es so weit nicht kommen werde. „Denn wir haben ja einen intakten Verein zu bieten.“ (ran)




Gratulation für den Wahlsieger Patrick Weißler

HAUENSTEIN. Gratulation für den Wahlsieger Patrick Weißler, Respekt für den unterlegenen Kandidaten Thomas Weisgerber, der Wunsch nach fairer und offener Zusammenarbeit über alle Fraktionsgrenzen hinweg und die Betonung der anstehenden Aufgaben unter anderem mit dem Ziel der Erhaltung der VG Hauenstein und nicht zuletzt die Enttäuschung über die geringe Wahlbeteiligung – diese Aussagen prägen die Stellungnahmen der Fraktionssprecher der im Verbandsgemeinderat vertreten Gruppen. Was erwarten sie von dem neuen Verbandsbürgermeister Patrick Weißler?

Die größte Fraktion im Rat stellt die CDU, die von der FWG VG – SPD- Grüne – Koalition 2019 in die Opposition geschickt worden war. „Wir sagen Patrick Weißler offene und faire Zusammenarbeit zu, die er auch uns im Vorfeld der Wahl zugesichert hat“, formuliert Fraktionssprecher Norbert Meyerer. Die „zentrale Aufgabe“ sei nun der Erhalt der VG Hauenstein: Dies könne nur gelingen, wenn es Weißler verstehe, „alle Kräfte einzubinden und jegliche Spaltung im Rat zu verhindern“. Meyerer wünscht sich „eine Balance in der Mitte und keine Einseitigkeit“. Es müsse gelingen, die „Begeisterung für den Erhalt der VG zu wecken“.  Eine „tüchtige, funktionsfähige Verwaltung“ sei ein wichtiger Aspekt: „Wir würden uns wünschen, wenn er sich hier von seinem Mitkonkurrenten Thomas Weisgerber inspirieren lässt.“

Hermann Rippberger, Sprecher der mit fünf Sitzen im Rat vertretenen FWG VG, spricht zunächst von einem „tollen Ergebnis“ für Weißler, den die FWG ja auch unterstützte. Der neue Verwaltungschef bringe, so Rippberger, „die Dynamik und Motivation mit, um unser Hauptziel -Erhaltung der VG Hauenstein -zu realisieren“. Dazu müsse die Verwaltung „zukunftsfähig“ gemacht werden. Weißler habe den Umgang „mit den digitalen Medien erlernt“ und bringe durch seine Tätigkeit in der Erwachsenenbildung auch das „Fingerspitzengefühl und die Fähigkeit mit, seine Mitarbeiter zu begeistern und mitzunehmen“.

Für die SPD (vier Mandate) äußerte sich Andreas Wilde: Der neue Verwaltungschef habe viele bereits im Rat getroffene Entscheidungen umzusetzen. „Vor allem müssen wir unsere Hausaufgaben in Bezug auf die Kommunal- und Verwaltungsreform machen.“ Gerade hier „gibt es viel zu tun“. Wilde, der auch als Beigeordneter fungiert, betont, dass „in vielen Bereichen die Einbindung der Beigeordneten zwingend geboten (ist), um die vielen Aufgaben meistern zu können“. Und er schließt: „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren!“ Der Koalitionspartner Bündnis 90/Die Grünen ließ unsere Bitte um eine Stellungnahme unbeantwortet.

Bernhard Rödig, Sprecher der dreiköpfigen FDP-Fraktion stellt zunächst fest, dass der neue Verwaltungschef einer der Kandidaten gewesen sei, „die die FDP im Vorfeld der Wahl für das Amt des Bürgermeisters als geeignet angesehen hat“. Und er hat eine klare Ansage an ihn: „Es bleibt zu wünschen, dass er sich nicht zum Werkzeug anderer machen lässt und eine eigene Position aufbaut, die eine gute Zusammenarbeit möglich macht.“

„Spannende Sitzungen unter der neuen Führung“ erwartet Helmut Disque, der Sprecher der FWG Hinterweidenthal, die zwei Ratsmitglieder stellt. „Gespannt darf man sein, wie schnell er sich den anstehenden Problemen widmen kann und in welche politische Richtung es geht“, stellt Disque fest. Es sei zu wünschen, dass Weißler „seine bisherigen Erfahrungen aus seiner beruflichen Tätigkeit gewinnbringend für alle, für alle Ortsgemeinden und ihre Bürger, in die Verwaltung und die Ratsarbeit einbringen kann“.

Und er nimmt dezidiert Stellung zu der geringen Wahlbeteiligung, die auch von allen anderen Fraktionssprechern thematisiert worden war und in Hinterweidenthal mit gerade 22,9 Prozent nach unter ausschlug. „Liegt es an der Politikverdrossenheit, an der Glaubwürdigkeit von Entscheidungen, am Verhalten von Mandatsträgern?“, fragt Disque und antwortet selbst: „Der Wähler hat sich, so hat man es in vielen Gesprächen erfahren, bewusst so verhalten.“ Das „Hin- und Her – Erhalt der VG, Auflösung der VG, Luger Tal nach Annweiler, Hinterweidenthal auf jeden Fall nach Dahn“ sei dem Wähler „zu viel“. Der hätte seiner Meinung nach eine konkrete Entscheidung des Landes gewünscht: „Das Hinauszögern von Entscheidungen bis Ende 2022 ist dem Wähler nicht mehr zu vermitteln.“

Auch Hauensteins Ortsbürgermeister Michael Zimmermann bedauert die geringe Wahlbeteiligung: Der neue Bürgermeister könne sich lediglich auf das Votum von 30,7 Prozent aller Wahlberechtigten stützen. „Dies ist nicht der beste Start, vor allem, wenn man bedenkt, dass er eigentlich für den Erhalt der VG angetreten ist und hierfür eine starke Unterstützung benötigt. Zimmermann merkt an, dass „alle Dörfer inklusive Hauenstein“ noch nicht verstanden hätten, „dass sie, egal bei welcher VG sie landen, massiv an Bedeutung und Mitsprachemöglichkeiten verlieren. Hoffentlich geling der Erhalt der VG trotz aller Widrigkeiten.“




Ein deutliches Wahlergebnis – 69,7 Prozent für Patrick Weißler

HAUENSTEIN. Die Entscheidung ist gefallen. Und sie ist deutlich: Patrick Weißler, der 37-jährige Studienrat aus Schwanheim, ist der nächste Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hauenstein. Für ihn entschieden sich 69,7 Prozent und damit mehr als zwei Drittel der Wähler. Der Außenseiter Thomas Weisgerber aus Kaiserslautern kam auf achtbare 30,3 Prozent. Ernüchternd die Wahlbeteiligung: Nachdem vor zwei Wochen noch 51 Prozent der Wahlberechtigten abstimmten, kamen bei der Stichwahl gestern nur noch 44,1 Prozent in die Wahllokale.

Das Ergebnis war so erwartet worden, hatte doch beim ersten Wahlgang Patrick Weißler mit über 40 Prozent der Stimmen einen Vorsprung von 22 Prozent vor Thomas Weisgerber. Weißler konnte diesen Vorsprung nun auf annähernd 40 Prozent ausbauen und damit fast verdoppeln, was in dieser Deutlichkeit nicht zu erwarten war. Für ihn stimmten in absoluten Zahlen 2.228 der insgesamt 3255 Wähler und damit mehr als doppelt so viel wie für Weisgerber, der 967 Stimmen sammelte.

Der neue Verbandsbürgermeister verfolgte die Auszählung der Stimmen sichtlich angespannt. Bei den recht schnell eingehenden Ergebnissen aus den einzelnen Stimmbezirken, die auf der Leinwand im Sitzungssaal des Rathauses öffentlich gemacht wurden, zeichnete sich aber sehr schnell ab, dass der Kandidat aus Schwanheim, den die FWG VG unterstützte, die Wahl mit großem Vorsprung gewinnen würde. Als das Endergebnis gegen 18.45 Uhr feststand, gab’s unter den rund 30 Interessierten spontanen Beifall.

Weißler lag in allen Ortsgemeinden in Front. Sein bestes Ergebnis erzielte er in Darstein mit 92,5 Prozent. In Dimbach, Lug, Schwanheim und Spirkelbach lag er zum Teil deutlich über 80 Prozent. Weisgerber erzielte seine besten Ergebnisse in Hinterweidenthal (39,9 Prozent) und Hauenstein (38,4 Prozent).

Im Gespräch mit der Rheinpfalz zeigte sich Weißler zunächst „überrascht über den großen Vorsprung“, auch wenn das Endergebnis der Stichwahl „stimmig“ zum ersten Wahlgang passe. Thomas Weisgerber zollte er seinen „großen Respekt“ und dankte für den „immer fairen, eigentlich freundschaftlichen Wahlkampf“. Dank richtete er auch an die Wählerinnen und Wähler für das „übergroße Vertrauen“. Er werde alles daransetzen, dieses Vertrauen im neuen Amt, das er „spätestens zum 1. November“ antreten werde, zu rechtfertigen.

Thomas Weisgerber nahm das Ergebnis sportlich: „Der Wähler hat entschieden. Das ist Demokratie“, sagte er. Und: „Wer bei Wahlen antritt, muss auch mit einer Niederlage leben können“, kommentierte er das Wahlergebnis. Seinem Konkurrenten gab der bei der VG-Verwaltung als Bautechniker tätige Lauterer freilich eine Aufgabe mit auf den Weg ins Amt: „In meinem Tätigkeitsbereich muss sich zeitnah etwas ändern, um die permanente Arbeitsüberlastung des Personals zu beenden.“

Der bisherige Rathauschef Werner Kölsch, der aus gesundheitlichen Gründen Ende Juli aus dem Amt geschieden war, bestätigte Weisgerber „ein sehr achtbares Ergebnis“. Der Wahlsieg Weißlers aber sei nach dem ersten Urnengang zu erwarten gewesen. Er wünsche seinem Nachfolger eine „glückliche Hand“ und bot ihm seinen Rat an, „wenn der gewünscht sein sollte“.

Auch bei der Stichwahl enttäuscht die Wahlbeteiligung. Sie lag mit 44,1 Prozent noch einmal um sieben Punkte unter der des ersten Urnengangs. Und wieder fällt Hinterweidenthal aus dem Rahmen. Gerade mal 22,9 Prozent gingen in der Teufelstischgemeinde zur Wahl.

Dass die Wahlbeteiligung eher schwach ausfallen würde, das hatte sich in den beispielsweise in den Hauensteiner Stimmbezirken schon früh angedeutet: Etwa zur Hälfte der Öffnungszeit, kurz nach 13 Uhr, zog man in der Marienschule ein fast ernüchterndes vorläufiges Fazit. „Sehr, sehr ruhig“, sagte Gemeindemitarbeiter Bernhard Seibel, der die Wähler am Eingang zur Schule an die Corona-Regeln erinnerte. Aus einem der vier Stimmbezirke war zu hören, dass zur „Halbzeit“ gerade mal vierzig Wähler erschienen waren. „Zum gleichen Zeitpunkt vor vierzehn Tagen hatten bereits über hundert Personen abgestimmt“, meinte ein Wahlhelfer. Am Nachmittag zog die Wahlbeteiligung etwas an.

Über die Gründe der geringen Wahlbeteiligung lässt sich nur spekulieren. Ob das zunächst eher unfreundliche, später etwas bessere Wetter eine Rolle spielte, wer weiß? Mancher Weißler-Wähler könnte davon ausgegangen sein, dass sein Favorit eh die Wahl gewinnen würde, und blieb deshalb fern. Andere mögen mit der Position „Mir ist jeder recht“ daheim geblieben sein. Andere, und auch das war im Vorfeld der Wahl zu hören, mögen mit keinem der beiden Stichwahl-Kandidaten einverstanden gewesen sein und verzichteten deshalb auf die Ausübung ihres Wahlrechts. So oder so: Die geringe Wahlbeteiligung ist –man muss es so deutlich sagen- kein Argument für den Erhalt der Verbandsgemeinde Hauenstein und schwächt bei allen anstehenden Verhandlungen in Mainz und anderswo die Position der Verantwortlichen. (ran)




Es war das erste Konzert der Initiative „Kultur im Dorf“ nach der langen Corona-Pause

HAUENSTEIN. Es war eine runde „Deutschstunde“, die Klaus Reiter (Gitarre), Barbara Wesely (Akkordeon) und Albert Koch (Mundharmonika) am Samstagabend im Hauensteiner Bürgerhaus hielten: Das Publikum dankte für eine eindrucksvolle Lektion deutschsprachiger Musik mit rhythmischem Klatschen.

Es war das erste Konzert der Initiative „Kultur im Dorf“ nach der langen Corona-Pause und wurde –passend-  eröffnet mit Waders „Gut, wieder hier zu sein“ und -ebenso stimmig- mit Meys „Gute Nacht, Freunde“ abgeschlossen. Und dazwischen gab’s wunderschön dargebotene Pretiosen aus der Liedermacherszene, aus dem -im guten Sinne- Volksliedfundus und dazwischen: eine Pirmasenser „Ecke“.

Das Programm basierte hauptsächlich auf Liedern der vier Liedermacher Klaus Hoffmann, Hannes Wader, Konstantin Wecker und Reinhard Mey. Zugegeben: Die „Barden“ sind in die Jahre gekommen. Ihre Songs aber sind so frisch wie eh und je. Die Botschaft ihrer Texte hat an Aktualität nicht einen Deut verloren, etwa, wenn Konstantin Wecker mit dem Text „Was keiner wagt“ des Theologen Lothar Zenetti zu Zivilcourage und selbstständigem Denken aufruft oder wenn Hannes Wader mit „Es ist an der Zeit“, seiner Version des Liedes „The green fields of France“, die Sinnlosigkeit jeden Krieges darstellt.

Eine bedrückende Aktualität hat auch das von Hein & Oss aus Spanien „importierte“ Lied „Der Pfahl“, das von dem katalanischen Liedermacher Lluís Llach 1968 als Hymne des Kampfes gegen die Franco-Diktatur verfasst worden war: Es ist in diesen Tagen auch das Lied der Menschen, die in Belarus auf die Straße gehen, wobei der „Pfahl“ als Metapher für den Unterdrückerstaat fungiert: “Siehst du den brüchigen Pfahl dort, mit unsern Fesseln umschnürt? Schaffen wir doch diese Qual fort, ran an ihn, dass er sich rührt.“

Daneben gab es auch die „Evergreens“ der Liedermacher: Reinhard Meys „Über den Wolken“ und „Ich wollte wie Orpheus singen“ etwa oder Waders schon zum geflügelten Wort gewordenes „Heute hier, morgen dort“ und Klaus Hoffmanns „Salambo“, es gab die wunderschöne musikalische Landschaftsbeschreibung in Konstantin Weckers „Mein Flandernland“ und Hannes Waders „Kleine Stadt“, eine poetisch-melodiöse Liebeserklärung an Weißenburg. Und es gab auch das klassische Volkslied wie „Die Gedanken sind frei“ und „Ade nun zur guten Nacht“. Ja: Und das war dann noch die kleine Pirmasenser Ecke mit Ralph Maxstadts „Bärmesens“ und Bernd Ernsts „G’Morche Bärmesens“, das das Hohe Lied auf die Schuhstadt zur Melodie von „City of New Orleans“ singt.

Dargeboten wurde das überaus abwechslungsreiche Programm von einem Trio: von Klaus Reiter, dem bestens und in viele Genres hinein vernetzten Gitarristen aus Rodalben,  dessen unprätentiöse Stimme, dessen variantenreiche Gitarre und dessen kenntnisreiche Moderation das Programm prägten, von der Akkordeonistin Barbara Wesely, die die Melodien sehr einfühlsam und subtil unterlegte, nie in den Vordergrund drängte und immer wieder einen spielerischen Hauch Musette einfließen ließ und von Albert Koch, dem Mundharmonika-Virtuosen aus Kaiserslautern.

Der „Paganini der Bluesharp“, wie die Süddeutsche Zeitung Koch einmal nannte, setzte ein ums andere Mal mit atemberaubenden Soli ganz besondere Akzente, wenn er die Melodie aufnahm und sie mal jazzig, mal rockig oder bluesig und immer virtuos verfremdete. Reiter und Wesely ließen Koch, der schon mit Pete York (Spencer Davies Group, Hardin and York) oder Chris Farlowe (Colosseum) auf der Bühne stand, immer Raum, sein Ausnahmekönnen mit dem kleinen Instrument auszuspielen.

Das Publikum ließ sich im Corona gerecht auf Abstand bestuhlten und fast ausverkauften Bürgerhaus (45 Gäste waren zugelassen, über 40 gekommen) gerne mitnehmen, hörte über fast 150 Minuten, die von einer „Lüftungspause“ unterbrochen waren, äußerst aufmerksam zu, sang oder summte manchmal leise mit und dankte den Interpreten schließlich mit lang anhaltendem Applaus: zwei Zugaben. (ran)

 

 




Der Hungermarsch „Wandern für die andern – Kindern eine Zukunft geben“ konnte 20.000 Euro verbuchen

Markus Kördt, der “Spendenspeed” aus Menden im Sauerland (Mitte), übergab wieder eine Spende von fast 5.000 Euro für chilenische Kinder an Karl Meyerer,den Sprecher des Hauensteiner Freundeskreises. Links im Bild ist Pastoralassistentin Melanie Müller.

HAUENSTEIN. Der Mut, trotz Corona-Einschränkungen den Hungermarsch „Wandern für die andern – Kindern eine Zukunft geben“ nicht ausfallen zu lassen, und die Beharrlichkeit, mit der der Hauensteiner Freundeskreis dieses Ziel verfolgte, haben sich gelohnt: „Wir haben bisher Spenden in Höhe von 20.000 Euro erhalten – viel mehr als erwartet und ein richtig tolles Ergebnis“, konnte der Sprecher des Freundeskreises, Karl Meyerer, am Sonntagabend nach einem ersten Kassensturz feststellen.

Der Erlös des Hungermarsches fließt seit mehr als 40 Jahren an die Kinderheimstiftung in Chile und macht dort einen maßgeblichen Teil des Budgets aus. Deshalb war es „mehr als wichtig“, so Meyerer, den Hungermarsch auch in etwas anderer Form durchzuführen. Man traf sich nicht wie in den vergangenen Jahrzehnten am Winterkirchel, sondern feierte den Gottesdienst, der im Zentrum des Hungermarsches steht, auf dem Vorplatz der Christkönigskirche.

Dort hatten unter Einhaltung der Abstands- und sonstigen Hygieneregeln rund 250 Teilnehmer Platz. Sie erlebten einen beeindruckenden Gottesdienst, den Pfarrer Ulrich Nothhof zelebrierte, bei dem die Kommunionkinder Liselotte, Jule, Feline, Josha und Luis die Fürbitten vortrugen und den Instrumentalisten des Dahner Generationenchors musikalisch begleiteten.

Im Gottesdienst berichteten zwei Spendensammler über ihre Motivation, alljährlich für die Kinder in den chilenischen Kinderheimen zu „betteln“: Da war zum einen Helga Grunwald aus Dahn, die in den Achtzigerjahren, als der Hungermarsch noch mehr als heute eine Gemeinschaftsaktion Dahn/Hauenstein war, auf die große Hilfsaktion aufmerksam geworden war und seither „mitmacht“.

Helga Grunwald berichtete während des Hungermarsch-Gootesdienstes von ihren Erlebnissen und ihrer Motivation, alljährlich für Kinder in Chile Spenden zu sammeln.

Sie lebte einige Jahre in Chile, habe dort die Heime besucht und gesehen, „wie groß die Not dort ist“ und dass die Spenden dort sinnvoll verwendet würden, berichtete sie. Nicht weniger als 25 Spendenkarten mit jeweils 13 Spendern hat sie in den letzten vier Wochen in Dahn füllen können. Insgesamt rund 5.000 Euro konnte sie so für die gute Sache sammeln. „Ich muss ja nicht nur betteln“, erzählte sie, „manche stecken mir einfach einen Geldschein zu, weil sie wissen, wofür ich stehe“.

Ebenfalls fast 5.000 Euro hatte Markus Koerdt aus Menden im Siegerland dabei. Er berichtete über seine seit Jahren geübte Praxis, über Sponsoren Spendengeld bei Langstrecken- und Ultraläufen zu sammeln. Nun fielen ja heuer diese Laufevents weitgehend Corona zum Opfer. Die regionale Presse habe deshalb Kontakt mit ihm aufgenommen und gefragt, wie denn bei allen Absagen das „Seelenleben“ des „Spendenspeeds“, wie Koerdt im Sauerland genannt wird, aussehe.

Es erschien ein großer Artikel, in dem Markus Koerdt unter anderem so zitiert wird: „Ich denke an die Kinder in Chile, die nicht ein paar Wochen lang auf etwas verzichten, sondern mehrere Jahre.“ Der Artikel hatte Wirkung, machte Geld bei Sponsoren locker, Freunde unterstützten ihn, beim Stammgriechen wurde eine Spendenbox aufgestellt. So kamen zunächst 1.980 Euro zusammen. Nicht genug für Markus Koerdt: „Du kannst Pater Raphael und die Kinder nicht im Stich lassen. Du musst dir was einfallen lassen“, sagte er sich.

Beim Hungermarsch-Gottesdienst trugen Kommunionkinder unter der Leitung von Pastoralassistentin Melanie Müller die Fürbiotten vor.

Und er ließ sich etwas einfallen: Er plante einen Ultralauf von Winterberg nach Menden, 110 Kilometer lang. Die Presse unterstützte ihn, es gab Spendenzusagen über 3.000 Euro. Im Juni lief er die Strecke, die Sponsoren spendeten, sodass sich seine Spendensumme auf 4.980 Euro erhöhte, die er während des Gottesdienstes übergeben konnte: „Meine Laufaktionen funktionieren nur, weil mir die Menschen vertrauen, dass ihr Geld ankommt“, sagte er.

Vor dem Gottesdienst hatte Karl Meyerer berichtet von „anderen Sonnenstrahlen, die glücklich machen“: So hat eine Hauensteiner Läufergruppe 300 Euro gespendet, weil der „Lebenslauf“ ausfiel. Kinder aus der Grundschule spendeten weitere 330 Euro. „Gerade jetzt in der Corona-Zeit, die alles verändert hat, ist Hilfe besonders nötig“, stellte er fest. Meyerer  grüßte die Teilnehmer von Pater Raphael, den Präsidenten der Kinderheimstiftung: „Wir sind dankbar, dass wir euch als Partner haben, an die wir uns anlehnen können“, habe Pater Raphael dankbar per Mail geschrieben.

Die Folkband „Folks of Glen Queich“ aus der Wasgaugemeinde spielte nach dem Gottesdienst ohne Gage, sie spielte irische Lieder für chilenische Kinder und unterhielt damit die Teilnehmer des Hungermarschs, die noch bei einem kleinen Imbiss und guten Gesprächen verweilten. (fjs)