Mit Zertifikat „Barrierefreiheit geprüft“ ausgezeichnet

HAUENSTEIN. Das Tourist-Info-Zentrum (TIZ) Pfälzerwald, das die Urlaubsregion Hauenstein in der Schuhmeile unterhält, wurde unter dem Label „Reisen für alle“ mit dem Zertifikat „Barrierefreiheit geprüft“ ausgezeichnet. Das Zertifikat bestätigt, dass das TIZ barrierefrei sowohl für Menschen mit Gehbehinderung als auch für Rollstuhlfahrer ist.

Wie Bürgermeister Patrick Weißler und Sonja Spieß, die Leiterin des TIZ, erläuterten, sei der Zertifizierung eine externe Überprüfung vor Ort vorausgegangen, die von speziell geschultem Personal durchgeführt wurde: „Es ist also absolut keine Selbsteinschätzung aus unserem Haus“, unterstreicht Sonja Spieß. Die Daten zur Barrierefreiheit lägen im Detail vor und könnten von Gästen bei Bedarf eingesehen werden. Zudem hätten auch zwei Mitarbeiter an einer Schulung zum Thema „Barrierefreiheit als Komfort- und Qualitätsmerkmal“ des Deutschen Seminars für Touristik erfolgreich teilgenommen.

Der Prüfbericht stelle, so der Bürgermeister, alle relevanten Bereiche vor und attestiere dem TIZ, dass „alle Qualitätskriterien der Kennzeichnung ,Barrierefreiheit geprüft‘“ erfüllt würden. So werden Ausführungen über gekennzeichnete Parkflächen für Menschen mit Behinderung etwa ebenso gemacht wie über die stufenlose Erreichbarkeit des Gebäudes über eine Rampe mit einer maximalen Neigung von drei Prozent, über die Erreichbarkeit aller für den Gast nutzbaren Räume und Einrichtungen sowie über die behindertengerechte Toilette des Hauses.

Das Zertifikat nennt außerdem detaillierte Informationen und weitere Anregungen für Menschen mit Hörbehinderung, für gehörlose Menschen und Personen mit Sehbehinderung und für Blinde und auch für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. So wird beispielsweise ausgeführt, dass „der Eingang visuell kontrastreich gestaltet“ sei, dass alle „für den Gast nutzbaren Bereiche hell und blendfrei ausgeleuchtet“ seien und dass Lesehilfen zur Verfügung stünden.

Sonja Spieß erinnerte daran, dass die Kennzeichnung „Barrierefreiheit geprüft“ in Deutschland, wo rund zehn Millionen Menschen mit einer Behinderung lebten, durchaus „ein wesentliches Kriterium für eine Reiseentscheidung“ darstelle. Vor diesem Hintergrund werde das TIZ auch bei den touristischen und gastronomischen Leistungsträgern der Urlaubsregion dafür werben und sie entsprechend beraten, damit die Einrichtungen möglichst barrierefrei aufgestellt werden.  (ran)

 

 




Spenden mit Lkw auf der Reise nach Siebenbürgen

HAUENSTEIN. Einen 20-Tonner-LKW bestückten Helfer aus der Pfarrei St. Katharina Hauenstein mit Lug und Schwanheim mit Sachspenden, die in der vergangenen Adventswoche für eine Gemeinde in Rumänien gesammelt worden waren. Die Spenden hatten den Raum unter der Empore der großen Christkönigskirche gefüllt.

Die Pfarrei hatte um Spenden für die Pfarrei von Pfarrer Mutius in dem zwischen Timisoara und Arad gelegenen Städtchen Faget gebeten. Und die Pfarrangehörigen ließen sich nicht zweimal bitten: Mehrere hundert Plastiksäcke und große Kartons, gefüllt mit Kleidung, Schuhen, Decken, Spielwaren, haltbaren Lebensmitteln und auch mit Süßigkeiten, wanderten wie auch mehrere Fahrräder in den LKW. Auch 500 Euro Spenden gingen mit auf die Reise nach Siebenbürgen.

Der ehemalige Ortspfarrer Gerhard Kästel hatte den Pfarrer aus dem Banat 2013 im niederösterreichischen Wallfahrtsort Maria Taferl getroffen. Man war ins Gespräch gekommen und dabei hatte sich herausgestellt, dass Pfarrer Mutius von Bischof Sebastian Kräuter im Dom zu Timisoara zum Priester geweiht worden war. Von jenem Bischof, dessen Vorfahren einst aus Hauenstein in das Banat ausgewandert waren. Und: Pfarrer Mutius hatte über die Probleme seiner Pfarrei berichtet, aus der in den letzten 30 Jahren 90 Prozent der deutschstämmigen Banater Schwaben Rumänien verlassen haben.

Das Treffen mit dem Amtsbruder hatte die Konsequenz, dass in Hauenstein eine Spendenaktion zugunsten der rumänischen Pfarrei von Pfarrer Mutius, zu dem auch Kästels Nachfolger, Pfarrer Ukrich Nothhof Kontakt hält, ins Leben gerufen und nun bereits zum achten Mal durchgeführt wurde. der LKW umgehend auf die lange Strecke nach Faget geschickt werden konnte.

Die Kosten für den Transport ins 1750 Kilometer entfernte Faget übernahm wie in den vergangenen Jahren Willehad Bauer, der Inhaber der Lugina-Schuhfabrik in Schwanheim, die mit ihrer Marke „Waldläufer“ am Markt bestens eingeführt ist. Die Waldläufer-Schuhe werden an mehreren europäischen Standorten produziert, unter anderem auch im rumänischen Hermannstadt (Sibiu). Und von da ist es nicht weit nach Faget. Die Pfarrei ist für diese Unterstützung sehr dankbar: „Ohne diese Hilfe wäre die Unterstützung für Pfarrer Mutius‘ Pfarrei nicht möglich.“ (ran)




Der Hauensteiner Marko Martin – Ich wollte einmal in meiner Altersklasse aufs Treppchen

HAUENSTEIN. Er ist einer, der bei den Läufen in der Region beharrlich sein Ding durchzieht und in den Ergebnislisten ganz oft unter den Top-Ten und sehr oft unter den Top-Five gelistet ist. Und ab und an setzt sich der Hauensteiner Marko Martin auch gegen die Lauf-Konkurrenz durch und springt auf die oberste Stufe des Treppchens.

„Gewinnen kann ich aber nur, wenn die Topstars der Region nicht am Start sind“, sagt der 46-jährige Hauensteiner bescheiden mit Blick auf Weidler, Lehmann, Könnel und Co. „Sie  spielen in einer anderen Liga“, merkt er an. Und um mit der Heltersberger Laufgarde mitzuhalten, da müsste er weit mehr trainieren. Und so setzte er sich ein eher bescheidenes Ziel, als er vor knapp sieben Jahren den Laufsport intensivierte, den er zuvor immer mal wieder sporadisch pflegte: „Ich wollte einmal in meiner Altersklasse aufs Treppchen. Und das habe ich dann auch sehr schnell geschafft“, erinnert er sich.

Das Laufen habe ihm schon immer Spaß gemacht. Gerne habe er in der Schulzeit an der Dahner Realschule die bei den Mitschülern eher ungeliebten Waldläufe unter dem Hochstein absolviert. Und er war zwölf, als er bei Petra und Thomas Memmer das Laufabzeichen –zwei Stunden Dauerlauf- ablegte. „Mir wurde Talent bestätigt. Aber damals hat mir die gezielte Förderung in einem Verein gefehlt“, berichtet er.

So gab’s Umwege. Zunächst den zum Jugendfußball beim TVH. „Am Ball war ich aber absolut talentfrei. Aber ich war der Dauerläufer im Team“, erinnert er an seinen Ausflug auf den grünen Rasen, dem von 1998 bis 2015 lange 18 Jahre Badminton im TVH folgten. Sie wurden gestoppt durch einen Achillessehnenabriss und den damit verbundenen Problemen bei dem schnellen Sport mit dem „Federball“. Und so begann: der intensive Laufsport.

Die Initialzündung war, so berichtet er, „am 1. Januar 2014 eine Runde um den Hauensteiner Dümpel mit meinem Neffen Tobias. Da fand ich Spaß am Laufen.“ Und seither ist er auf den Strecken in der Pfalz ständiger Gast. Nur in der Pfalz? „Es gibt bei uns so viele tolle Stecken und so viele schöne Wettbewerbe, da muss ich nicht stundenlang in andere Regionen anreisen“, sieht er sich in der Heimat gut aufgehoben.

Indes: 2015 hat er in Frankfurt in einen Stadtmarathon reingeschnuppert, den er in 3:15 Stunden absolvierte. „Und weil ich den Marathon einmal unter drei Stunden schaffen wollte, bin ich 2018 in Karlsruhe an den Start gegangen und wurde in 2:58 Stunden gestoppt.“ Bei diesen beiden 42-Kilometer-Läufen blieb’s. „Der Marathon ist nicht mein Ding. Da bin ich lieber auf den ,Mittelstrecken‘ unterwegs.“ Dazu zählt auch mal ein Halbmarathon, den er in 1:16 Stunden in Kandel bestritt. Seine Bestzeit über zehn Kilometer liegt bei 35:30 Minuten.

Marko Martin, der in „normalen“ Jahren an rund zwei Dutzend Wettbewerben am Start ist, findet sich in den Ergebnislisten immer weit vorne: Gewonnen hat er beispielsweise den Kurstadt-Lauf 2017 in Bad Bergzabern, 2017 war er in der AK 40 Bester beim Pfälzer Berglauf-Pokal, 2018 war er Erster beim „Lebenslauf“ in der Heimatgemeinde, 2019 gewann er die AK 45 bei der Winterlaufserie in Rheinzabern.

Und beim Wasgau-Cup hat er in den letzten sechs Jahren keinen der Läufe ausgelassen und beispielsweise 2019 die AK 40 gewonnen. Im Corona-Jahr 2020 wurden von den geplanten sieben Läufen vier abgesagt, und einer verlegt. Nach dem Wilgartswiesener Deichenwand-Trail und dem Birkweiler Hohenberg-Trail liegt Martin in der Gesamtwertung auf Rang 3.

Dreimal pro Woche schnürt Marko Martin, der als Beamter bei der Telekom mit Dienststelle und zwei wöchentlichen Präsenztagen in Darmstadt tätig ist, die Trainingsschuhe, am Wochenende absolviert er in der Regel 30-Kilometer-Distanzen, während der Woche ist er zweimal rund um Hauenstein zehn bis 15 Kilometer unterwegs. Bevorzugt am frühen Morgen schnürt er die Laufschuhe: „Je früher, desto lieber“, sagt er, geht oft schon morgens um sechs aus dem Haus und berichtet begeistert von „einem herrlichen Herbst-Sonnenaufgang“, den er unlängst auf der Trainingsrunde zum Lindelbrunn erlebte.

Eine besondere Trainingseinheit zog er übrigens heuer mit dem Dahner Lauftalent Anne Meier durch: Zusammen absolvierten sie einen olympischen Triathlon: 1,5 Kilometer Schwimmen, vierzig Kilometer auf dem Rad und zehn Kilometer Laufen. „Es war ein beeindruckendes Erlebnis.“  Einen „Trainingsleitfaden“, wie sie als Wegbegleiter auf dem Markt sind, habe er nie benutzt: „Ich höre mir an, wie die erfahrenen Läufer ihr Training angehen und organisieren. Damit bin ich bis jetzt gut gefahren.“ (ran)

 




Zwanzig Jahre „Kultur im Dorf“

HAUENSTEIN. Vor zwanzig Jahren, am 10. Dezember 2000 startete mit einem Konzert des Bläser-Ensembles „Sans frontieres“ in der Alten Kirche die Hauensteiner Reihe „Kultur im Dorf“. Es ist eines jener Jubiläen, die im Corona-Jahr 2020 unter den Tisch fielen. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr mussten sieben der geplanten zehn Veranstaltungen ausfallen. Wie geht es weiter?

Seit 20 Jahren organisiert die Initiative Jahr für Jahr Konzerte mit breiter stilistischer Streuung, Lesungen, Comedy-Abende, Ausstellungen und immer wieder auch Veranstaltungen, die Kinder ansprechen. Deutlich über 150 Veranstaltungen gingen seit dem Jahr 2000 über die Bühne. 2020 waren wegen der Corona-Einschränkungen aber nur drei Veranstaltungen möglich, das schon zur Tradition gewordene Neujahrskonzert des Musikvereins im wie immer proppenvollen Saal des Bürgerhauses, die „Deutschstunde“ mit Klaus Reiter und Barbara Wesely und ein Abend, den Wolfgang Spitz und Wolfgang Sobiraj dem Dichter Wilhelm Busch widmeten.

Seit 20 Jahren wird die Veranstaltungsreihe fast im Alleingang und mit viel Herzblut von dem mittlerweile 80-jährigen Karl Bärmann getragen. Er stellt das Jahresprogramm zusammen und stellt es dem Ortsgemeinderat vor. Für 2021 freilich gilt: „Es ist noch nichts geplant, weil wegen Corona alles offen ist. Vor Ostern ist wohl nicht mit der Möglichkeit, kulturelle Veranstaltungen durchzuführen, zu rechnen“, sagt er im Rheinpfalz-Gespräch.

Zwar habe er mit allen Künstlern, deren Auftritt in den zurückliegenden Monaten abgesagt werden musste, abgesprochen, dass die Veranstaltung nachgeholt werden soll. „Aber das waren lose Absprachen. Wie es tatsächlich weitergeht, ist völlig offen.“ Denn auch die finanzielle Zukunft ist unsicher. „Ein Teil unseres Etats stammt aus der Kulturstiftung der Sparkasse Südwestpfalz. Ob diese Mittel auch 2021 fließen, ist nach den letzten Verlautbarungen mehr als fraglich.“

Und dann bleibe auch noch die Unwägbarkeit, wie sich die Gemeindefinanzen entwickeln. Aus dem Gemeindesäckel kommt nämlich die zweite Säule der Finanzierung der Veranstaltungen. „Natürlich werden wir die Veranstaltungsreihe im Rahmen unserer Möglichkeiten weiter finanziell mittragen“, sagt dazu Ortsbürgermeister Michael Zimmermann. Und: „Wir hoffen vor allem auch darauf, dass sich die Sparkasse Südwestpfalz, trotz möglicherweise ungünstigerer Bilanzzahlen, weiterhin bei uns engagiert“, baut der Ortschef auch auf Unterstützung von außen.

Dritte Finanzsäule sind die Eintrittsgelder, die das Publikum beiträgt. Und da hat der Ortsgemeinderat eine „Hauensteiner Lösung“ beschlossen: Seit 2018 wird kein fester Eintrittsobolus erhoben. Die Gäste werden um eine Spende gebeten: „Im Durchschnitt der beiden letzten Jahre wurden pro Besucher und Veranstaltung fünf Euro in die Spendenkasse gegeben. Das deckt natürlich nicht die Kosten“, berichtet Karl Bärmann. Er hat beobachtet, dass die Spendenbereitschaft mit der Art der Veranstaltung zusammenhängt: „Am spendenfreudigsten sind Gäste bei Klassik-Konzerten, am wenigsten kommt bei Veranstaltungen für Kinder in die Kasse.“

Karl Bärmann, der selbst gerne und rege das kulturelle Angebot der Region nutzt, ist der Macher der Veranstaltungsreihe. Er stellt die Kontakte zu den Künstlern her, sorgt für den Druck der Plakate, die seit zwanzig Jahren das gleiche Logo –eine stilisierte Ansicht der Alten Kirche, die der einheimische Künstler Christoph Seibel geschaffen hat- trägt, er hängt sie selber aus, organisiert den Veranstaltungsraum, den dann Mitarbeiter der Ortsgemeinde vorbereiten. Karl Bärmann ist bei den Veranstaltungen mit der Spendenkasse präsent und sorgt dafür, dass die Künstler mit einem kleinen Präsent verabschiedet werden – kurz: Er ist Herz und Motor der Initiative.

Und es ist ihm in den vergangenen zwanzig Jahren gelungen, mit bescheidenen finanziellen Mitteln kleine Traditionen wie das alljährliche Adventskonzert zum Abschluss des Weihnachtsmarktes zu begründen und vielfältige kulturelle Akzente zu setzen. Höhepunkte aus zwei Jahrzehnten „Kultur im Dorf“, die Ortschef Zimmermann „höchst verdienstvoll“ nennt, waren mit Sicherheit die Konzerte, die unter dem Label „Barock an der Kapelle“ liefen und die hochklassigen Klassikkonzerte mit dem Ensemble „Concerto Spirensis“, die Bärmann selbst zu den Pretiosen der Reihe zählt.




Kunstrasen in der Schulsportanlage „Wasgaustadion“

HAUENSTEIN. Weil im Ort die „Emotionen hochkochen“, appelliert der Hauensteiner Ortsbürgermeister Michael Zimmermann (CDU) an die Mitglieder des Kreistags: Sie sollten die „bedauerliche Entscheidung“ des Kreis-Bauausschusses, der den Einbau eines Kunstrasens in der Schulsportanlage „Wasgaustadion“ vor allem aus ökologischen Gründen abgelehnt hat (Rheinpfalz vom 17. November), noch einmal überdenken. Der Beschluss wird im Ort ausführlich diskutiert und in den sozialen Medien heftig kritisiert.

Zum Hintergrund: Zwar war seit 2007 in Hauenstein immer wieder ein Kunstrasenfeld für das Hauensteiner Wasgaustadion gefordert worden. Seit aber im Sommer 2018, als der Bauausschuss des Kreises einen Antrag der Kreis-Grünen (!), das Naturrasenspielfeld des Stadions in einen Kunstrasen umzuwandeln, einstimmig abgelehnt hatte, war das Thema eigentlich „gegessen“. Ökologische Gründe waren damals angeführt worden und vor allem gab’s keine Perspektive zur Finanzierung des Projekts.

Jetzt ist die Diskussion wieder da, weil sich die finanziellen Voraussetzungen geändert haben. Wie der Kreisbeigeordnete Christof Reichert (CDU) betonte, könnte ein Kunstrasen aus dem neu aufgelegten Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen“ –unter anderem für Sportstätten- mit einer Quote von 55 Prozent gefördert werden. Aus Fördertöpfen des Landes könnten weitere 25 Prozent fließen, sodass der Kreis mit einer Gesamtförderung von 80 Prozent rechnen könne. Wobei schon erwähnenswert sei, so Reichert, dass die Grünen den Antrag auf Kunstrasen vor zwei Jahren eingebracht hatten und ihn nun mit abschmetterten. Denn die neue finanzielle Perspektive reichte den Ausschussmitgliedern nicht, um einem Kunstrasenplatz zuzustimmen: Grüne, FWG, AfD und ein Teil der SPD stimmten mit 5:6 Stimmen gegen den Beschlussvorschlag der Verwaltung.

Das sorgt in der Schuhgemeinde für heftige Diskussionen. Ortschef Zimmermann bezieht sich in seiner Stellungnahme auf den Leserbrief von Markus Kuntz, der zur ökologischen Begründung der Entscheidung des Bau-Ausschusses überaus kritisch Stellung bezogen hatte (Rheinpfalz vom 20. November): „Dieser ausführlichen Stellungnahme des langjährigen SCH-Geschäftsführers ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen“, führt Zimmermann aus.

Kuntz‘ Ausführungen machten deutlich, dass es „deutlich stärkere Argumente für Kunstrasen als gegen einen solchen“ gebe. Zimmermann weist auch auf einen ökologischen Aspekt hin, der für den Kunstrasen spricht: Er konstatiert, dass ein Naturrasen enormen Wasserverbrauch fordere. Das müsse gerade bei den zunehmend trockenen Sommern, in denen ein Stadionrasen ohne regelmäßige Wässerung zur braunen Wüste verkomme, berücksichtigt werden.

Unabhängig davon sei auch zu beachten, dass zukünftig vielleicht „nicht mehr die Manpower zur Pflege des Naturrasens gewährleistet werden kann“, für die derzeit der SCH sorgt. Seine „Dienstagsoldies“ zeichneten dafür verantwortlich, dass sich der Naturrasen in „gutem Zustand“ befinde, wie ihn Bauamtsleiter Peter Martini in der Sitzung beschrieben hatte. Der aktiven Rentnertruppe sei es auch zu verdanken, dass sich die Unterhaltungskosten für den Kreis als Träger des Stadions in Grenzen hielten.

Der Ortsbürgermeister gibt schließlich zu bedenken, dass mit einer Revision des Beschlusses „ein starkes Signal nach Hauenstein“ ginge, das auch „bei möglicherweise noch anstehenden Entscheidungen in der der Zukunft – Stichwort Kommunalreform – sehr positiv gewertet werden könnte.“

Auch Andreas Wilde (SPD), Mitglied des Kreis-Bauausschusses und Beigeordneter sowohl der Orts- als auch der VG Hauenstein, kritisiert den Beschluss des Gremiums, den er im Unterschied zum Fraktionskollegen Heino Schuck nicht mitgetragen habe: Er verweist auf den hohen Aufwand, den der SCH in die Pflege des Naturrasens gesteckt habe. Wilde weist auch darauf hin, dass der Naturrasenplatz für einen geregelten Sportbetrieb nicht mehr geeignet sei, weil er „zu schwammig“ sei. Es müsste dringend ein Kunstrasenplatz geschaffen werden, von dem „Vereine aus der ganzen Verbandsgemeinde mit ihren vielen Jugendmannschaften profitieren“ könnten.

Auch der SCH-Vorsitzende Udo Memmer will die im Ausschuss geäußerte Bewertung der Rasenqualitätist nicht gelten lassen: „Der Platz ist nur optisch einwandfrei. Das liegt zum einen an der Corona-Pause und zum anderen an der intensiven Pflege durch unsere Dienstags-Oldies, deren Arbeit eigentlich unbezahlbar ist“, konstatiert er und stellt zugleich fest, dass der Naturrasen „eigentlich ein Sanierungsfall“ sei: „Die Drainage in der dem Dorf zugewandten Hälfte funktioniert nicht mehr. Dort wird das Oberflächenwasser kaum mehr abgeführt mit der Folge, dass der Rasen tief, weich und schwammig, damit auch schwer bespielbar und verletzlich ist.“ Ein Kunstrasen wäre „eine gute Lösung, nicht nur für uns, sondern für alle Vereine der Verbandsgemeinde“, schließt Memmer.

Und dann war da noch…

die Aussage im Bauausschuss, dass die Pflege des Platzumfeldes den Kreis im Jahr gerade mal 5.000 Euro kostete. Das sei doch schlicht eine Milchmädchenrechnung, wird in Hauenstein kritisiert. Andreas Wilde beispielsweise nimmt darauf Bezug: Er habe in den Bauausschusssitzungen immer wieder darauf hingewiesen, dass der Kreis seinen Verpflichtungen zu Pflegemaßnahmen an den leichtathletischen Anlagen und im Umfeld nicht nachgekommen sei: „Ab und zu wurden ein paar Hecken geschnitten, das war’s aber auch.“

Und aus den Reihen der Dienstagsoldies, die den Rasen in Schuss halten, wird im Übrigen regelmäßig darauf verwiesen, dass der Kreis das Stadionumfeld nur sehr nachlässig pflege: Unkraut wuchere aus den Gehwegplatten, in der Sprunggrube stehe kniehoch das Unkraut, Herbstlaub liege monatelang auf der Laufbahn. Nur so lasse sich der im Ausschuss genannte Pflegeaufwand des Kreises in Höhe von jährlich 5.000 Euro erklären…




Ich kääf dehääm

HAUENSTEIN. „#Ich kääf dehääm“ – unter diesem Slogan wirbt die Gemeinde Hauenstein dafür, bei den anstehenden Weihnachtseinkäufen den örtlichen Handel zu berücksichtigen. An rege frequentierten Stellen im Ort wurden Banner mit diesem Slogan verteilt. „Weihnachtseinkauf? Unterstützt unsere lokale Geschäftswelt!“ heißt es zudem auf dem roten Banner. Begleitet wird die Aufforderung vom „Hauensteiner Glückspilz“, dem „Maskottchen“ des Werbekreises, der vor vielen Jahren in der Wasgaugemeinde für Furore gesorgt hatte, aber längst seine Aktivitäten eingestellt hat.

„Unsere Infrastruktur ist intakt und bietet unseren Bürgern noch viele Möglichkeiten“, kann Ortsbürgermeister Michael Zimmermann, der die Initiative angeschoben hat, feststellen. Es folgt freilich ein „Aber“: In den letzten Jahren breche punktuell immer mal wieder ein Geschäft weg, wie zuletzt das „Aktiv-Reisebüro“ am Marktplatz und hinterlasse eine schmerzliche Lücke. Um eine weitere Ausdünnung des Angebots zu verhindern, müsse der lokale Handel unterstützt werden, „nicht nur, aber gerade in diesen Coronazeiten, wo mancher Gewerbetreibende um seine Existenz kämpft“. Und das geht nur, wenn „wir statt bei Amazon und Co. lokal bei unseren Geschäften einkaufen“. (ran)




Adventliche Stimmung trotz des Virus

HAUENSTEIN. Der Pandemie musste in diesem Jahr mancher liebe Adventsbrauch   geopfert werden. Weihnachtsmärkte entfielen, Nikolaus kam nicht leibhaftig zu unseren Kleinen, Advents- und Benefizkonzerte mussten und müssen ebenso wie lebendige Adventskalender abgesagt werden. Trotz des Virus aber gibt es eine Reihe von Zeichen, die adventliche Stimmung aufkommen lassen. Einige Beispiele aus Hauenstein.

Da ist zunächst die “Musik quer durchs Dorf”, für die der Musikverein verantwortlich zeichnet. An den Adventssonntagen pünktlich mit dem letzten Schlag der Kirchenglocke um 18 Uhr spielen Instrumentalisten des Blasorchesters an verschiedenen Stellen im Dorf –solo oder in Kleingruppen- adventliche Musik, die über das Dorf schallt. So erklangen am vergangenen Sonntag alte Adventsweisen beispielsweise von der Kapelle aus, in der Landauer Straße, in den Kirchäckern, in der Burgstraße und hinter dem Felsen.

Der Bach’sche Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ war ebenso zu hören wie das Friedrich Spee zugeschriebene „Oh Heiland, reiß die Himmel auf“ und die wohl im Eichsfeld entstandene Weise „Maria durch den Dornwald ging“. Rochus Schwarzmüller, der in der Landauer Straße mit seinem Tenorhorn musizierte, gab als Zugabe noch –dem Nikolaustag geschuldet- die Lieder „Lasst uns froh und munter sein“ und „Morgen, Kinder, wird’s was geben“.

Die Aktion des Musikvereins, der damit die bereits beim Lockdown an Ostern und im Frühjahr begeistert aufgenommenen Balkonkonzerte wiederaufleben lässt, kommt bei den Zuhörern ausgesprochen gut an, wie Kommentare auf Facebook deutlich machen. In der Landauer Straße sagte eine Zuhörerin bei den zu Herzen gehenden Melodien: „Diese kleinen Konzerte, das ist doch jetzt mal etwas Gutes, was Corona verursacht hat…“

Auch ansonsten gibt es in der Schuhgemeinde Anstrengungen, um mit kleinen Gesten die Einschränkungen der Pandemie etwas abzumildern. So hat sich die Ortsgemeinde heuer besonders ins Zeug gelegt, um vorweihnachtliche Stimmung ins Dorfbild zu zaubern. An allen Ortseingängen stehen mit großen roten Kugeln geschmückte Bäume. Und erstmals leuchtet vom Kreuzel aus ein großer Tannenbaum über das Dorf. In den Blumenrabatten finden sich aus Holzstämmchen gefertigte „Wichtelmänner“, die von Schülerinnen und Schülern der Realschule plus im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft hergestellt wurden.

Die Schule bietet auf ihrer Homepage für jeden Adventstag eine „Weihnachtliche Überraschung“ als Video oder als pdf-Datei: Da öffnet sich also täglich ein Adventstürchen, es erscheint ein Bild des verschneiten Schulgebäudes und dann findet sich zum Beispiel ein bebildertes Rezept für Bratäpfel, das Romy aus der 5b auch noch mit einem Gedicht garniert, „Rudolf, the red nosed reindeer“ wird in bestem Englisch beschrieben, mehr als ein Dutzend Weihnachtsmänner mit Mundschutz aus der 6a laden am Nikolaustag zum Mitsingen ein. Und es gibt auch -mit fettem Weihnachtsrock unterlegt- ein Rückblick auf die Weihnachtsmärkte der Schule aus den letzten 10 Jahren.

Weihnachtsmarkt 2020 war zwar nicht, und damit entfiel auch der Besuch des Heiligen Nikolaus auf dem Markt, bei dem der Heilige aus Myra immer ein kleines Präsent für die Kinder dabeihatte. Freilich werden die Kleinen 2020 nicht leer ausgehen: Für die Kinder in den beiden Kitas Kinder und in der Grundschule spendierte die Gemeinde einen Schoko- Weihnachtsmann.

Auch die Fußballsenioren des SCH haben in Zusammenarbeit mit Christoph Feith vom „Weinlädchen“ einen kleinen Rest der Weihnachtsmarktfreuden in die Coronazeit gerettet. Die AH-Kicker waren bei allen 40 bisherigen Märkte dabei und ihr Stand war in all den Jahren immer ganz besonders gut frequentiert, denn dort gab es die besonderen „Nikolausbratwürste“ aus der örtlichen Metzgerei Braun. Die Freunde dieser speziell für den Weihnachtsmarkt gewürzten Wurst gehen auch 2020 nicht leer aus, denn bis zum 31.12. kann diese Bratwurst am Weihnachtsautomat des „Weinlädchens“ gezogen werden. Ein Teil des Verkaufspreises geht als Spende an die Jugendabteilung des SCH.

Nicht zuletzt: Den „Zündkatzen“, der weiblichen Mofagang, ist in diesen Tagen ein besonderer Adventskalender eingefallen. Im Amtsblatt haben sie QR-Codes abdrucken lassen, hinter denen sich für „jeden Daa e Iwwerraschung“ finden lässt.




Ein Rückblick auf vier Jahrzehnte Weihnachtsdorf in der Schuhgemeinde.

HAUENSTEIN. Das zweite Adventswochenende: Das ist seit vielen Jahren der feste Termin für den Hauensteiner Weihnachtsmarkt, der seit 1980 als einer der stimmungsvollsten Märkte der Pfalz tausende Besucher in den Wasgau lockt. Heuer musste er ausfallen: ein Rückblick auf vier Jahrzehnte Weihnachtsdorf in der Schuhgemeinde.

Vor allem in den Jahren vor und nach der Jahrtausendwende, als dem damaligen Ortsbürgermeister Willi Schächter keine Mühe zu viel war, um den Markt aufzuwerten, bot der „Weihnachtsmarkt wie vom Christkind“, wie die Rheinpfalz einmal titelte, unvergessene Höhepunkte. Aus dem ganz Südwestdeutschland reisten die Gäste an, um zeitweise 50 und mehr Kunsthandwerkern über die Schultern zu schauen. Bis zu 30 weitere Marktbeschicker sorgten für ein breites Angebot an Speis und Trank beispielsweise.

Der Markt war immer von der Mitwirkung von vielen Kunsthandwerkern geprägt, die vor dem Publikum ihre handwerkliche Kunst präsentierten: Glasbläser und Krippenbauer, Töpfer und Tiffanykünstler, Steinmetze und Schnitzer, Mario­nettenbastler, Zinngießer und Sattler waren da, Didgeridoos entstanden und Collagen oder Holzspielsachen in vielen Variationen, Silber­schmuck wurde kreiert. Korbflechter waren da und Krippenbauer, Lebkuchenhäuser wurden aufgebaut und große Modelleisenbahnanlagen. Weil so viele kamen, reichte der Platz in den malerischen Hütten, Buden und Zelten im Weihnachtsdorf an der Schulstraße nicht.

So zog sich das vorweihnachtliche Geschehen einige Jahre hin zur „Fabrik“, wo die Besucher in besonderem Ambiente des alten Hengen‘schen Fabrikgemäuers kunsthandwerkliche Aktivitäten verfolgen konnten. Und als die „Fabrik“ ab dem Jahr 2000 nicht mehr zur Verfügung stand, wurden auf dem Johann-Naab-Platz große Zelte aufgebaut, die zwar nie den Charme der Fabrik versprühten, aber in die mit viel Mühe vorweihnachtliches Ambiente gezaubert wurde.

Der Markt zog immer auch als deutsch-französischer Weihnachtsmarkt die Gäste in seinen Bann. Gäste aus Chauffailles waren regelmäßig dabei: 1995, als man die Silberhochzeit der Jumelage mit der südburgundischen Stadt feierte, brachten die Partner gar einen Nachbau der Prunkkarosse den Sonnenkönigs mit in die Pfalz, mit der dann der Nikolaus samt Knecht Ruprecht-Gefolge zu seinem Auftritt vor zahllosen Kindern chauffiert wurde. Auch zahlreiche Gäste durften mit der goldbesetzten Kutsche eine Runde im Dorf drehen.

Über viele Jahre ließ Jean-Charles Doyen aus der burgundischen Partnerstadt, ein begnadeter Künstler der traditionellen Glaszieherei, mit seiner farbenfrohen Kunst nicht nur die Kinderherzen höherschlagen. Und in seinem Gefolge kamen weitere „artisans d’art“ aus der Partnerstadt und auch aus Lothringen und dem Elsaß reisten Aussteller an.

Nicht zuletzt bereicherte auch Besuch aus Südtirol das Marktgeschehen, um bei den vielen Besuchern für ihre Heimat zu werben: Da war beispielsweise Karl, der Skilehrer aus Pfelders, den jeder dritte Hääschdner kannte, weil er als Schüler eben bei Karl im Passeiertal das Skifahren gelernt hatte. Und Karl hatte nicht nur viel zu erzählen, er hatte immer auch ein paar Flaschen „Roten“ und einen ausgezeichneten Parmesan mit Schüttel- oder Speckbrote dabei. Nicht anders war es in der Hütte bei den Mahlknechts aus Steinegg im Südtiroler Eggental, die ein fabelhaftes Speckbrot servierten und mit ihrer Musik alpenländische Stimmung ins Weihnachtsdorf zauberten. Stichwort Alpenland: Einige Jahre zog auch der Herrgottschnitzer Martin Müller aus Oberammergau die Blicke der Besucher auf sich.

Ein besonderer Höhepunkt war auch, als 2003 ein Krippenspiel im heimischen Dialekt aufgeführt wurde: Die verstorbene Hermine Seibel, damals 77 Jahr alt, hatte es verfasst, Kinder und Jugendliche aus der „Schola“ hatten es mehrfach und sehr zur Freude des Publikums aufgeführt. Schade, dass das herrliche Stück bisher keine Neuauflage erleben durfte.

Es gab und gibt viele lieb gewordene Traditionen, die das Marktgeschehen, das sich fast 15 Jahre lang und bis 2011 wegen des großen, auch überregionalen Publikumsinteresses an zwei Adventswochenenden öffnete, bestimmten: Die Kunstausstellung der einheimischen Künstler gehörte dazu ebenso wie das stets den Markt abschließende Konzert in der Alten Kirche. Es gab ungezählte musikalische Beiträge von Chören, Musikgruppen und den „Turmbläsern“. Und zum Weihnachtsmarkt zählte wie Tannengrün und Lichterglanz der Besuch des Heiligen Nikolaus, auf den viele Kinder ungeduldig warteten.

In den letzten Jahren hatte der Markt, nicht zuletzt auch wegen der vielen ähnlichen Veranstaltungen in der Region an Anziehungskraft verloren, zog aber immer noch tausende Besucher in die Wasgaugemeinde, die die nach wie vor besondere Atmosphäre des Marktes genossen. Mit dem Johann-Naab-Platz, auf den der Markt 2013 umzog, fremdeln freilich viele Hauensteiner. Sei’s drum: Im Corona-Jahr 2020 muss er ganz ausfallen. Das ist schmerzlich – auch für die Gruppen, die den Markt nutzten, um Mittel für Projekte in Südamerika und Afrika zu erwirtschaften oder die Vereinskasse aufzubessern. (ran)




Die neue Kita St. Elisabeth bekommt eine Lüftungsanlage mit Einzelraumsteuerung und raumabhängiger CO2 – Messung

HAUENSTEIN. Die neue Kita St. Elisabeth, die derzeit in der Dahner Straße erbaut wird, wird mit einer Lüftungsanlage mit Einzelraumsteuerung und raumabhängiger CO2 – Messung ausgestattet. Diese Maßnahme soll, so das Votum einer knappen Mehrheit, neu ausgeschrieben werden. Das beschloss der Hauptausschuss der Ortsgemeinde in seiner jüngsten Sitzung – ohne neue Diskussion.

Diskussionen hatte es im Vorfeld und in früheren Sitzungen bereits sehr ausführlich gegeben. In der Ratssitzung am 28. September hatte man die Materie –nicht öffentlich- sehr breit debattiert. Und bei einer weiteren Sitzung des Hauptausschusses am 15. Oktober hatte es bei der Abstimmung ein Patt gegeben. Wobei: Umstritten war nicht, dass die aufwendigere, raumgesteuerte Variante eingebaut werden sollte. Man war sich über die Fraktionen hinaus einig, dass sie dem aktuellen Stand der Technik entspreche, gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und der als unumgängliche Hygienemaßnahme geforderten intensiven Raumlüftung.

Das Problem: Die bisherige Ausschreibung sah lediglich eine zentral geregelte Lüftung vor. Und in der Frage, wie man nun die neuere Variante dennoch realisieren könnte, war man sich uneinig. „Wir wollen alles das Gleiche, nur über den Weg dahin sind wir uneins“, sagte Ortbürgermeister Michael Zimmermann (CDU) vor dem Ausschuss. Die CDU favorisierte einen Nachtrag zum Angebot des Bieters, der aus der Ausschreibung das wirtschaftlichste Angebot abgegeben hatte. Damit wolle man, so war zu hören, eine zeitaufwendige neue Ausschreibung umgehen.

In der Sitzung des Hauptausschusses folgten diesem Antrag lediglich die vier Mitglieder aus der CDU, alle anderen stimmten dagegen. Sechs Stimmen dagegen gab es für die Alternative, nämlich den gesamten Lüftungsumfang noch einmal grundsätzlich neu auszuschreiben. Dafür stimmten die Ausschussmitglieder aus der FWG Schöffel, aus der SPD und den Grünen. Die CDU enthielt sich bei dieser Abstimmung komplett der Stimme.

Mit dieser Entscheidung gehe ein Zeitverlust von „mindestens 10 Wochen“ einher, mutmaßte im Nachgang der Sitzung Ortschef Zimmermann auf Anfrage. Architektin Claudia Hensel vom Planungsbüro hort + hensel bestätigte auf Anfrage, dass durch die Neuausschreibung „mit circa drei Monaten Verzögerung zu rechnen“ ist. Das Büro arbeite derzeit zusammen mit der Gemeinde mit Hochdruck an der Neuausschreibung. Es müssten jedoch die „im öffentlichen Vergabeverfahren vorgegebenen Abläufe und Fristen eingehalten werden“. Zudem habe die Hauptkomponente, also das Lüftungsgerät, drei Monate Lieferzeit.

Von der Verschiebung seien auch andere Gewerke betroffen: „Wir wissen aktuell noch nicht, ob alle Firmen den neuen Bauzeitenplan so umsetzen können.“ Das Büro befinde sich deshalb in Gesprächen mit den betroffenen Firmen. Ob es wegen der zeitlichen Verzögerung zu einer Kostenerhöhung kommen könnte, dazu lägen „aktuell keine Reaktionen der schon beauftragten Firmen vor“.

Sie gehe jetzt von einer Eröffnung der Kita im Januar 2022 aus, hatte die Architektin beim Spatenstich am 23. Oktober gesagt und fragende Blicke geerntet, war doch im Bauzeitenplan ursprünglich eine Eröffnung zum Beginn des Kindergartenjahres 21/22 vorgesehen. Das verschiebe sich nun um drei Monate. Die komplette Fertigstellung, der Umzug und die Eröffnung Ende Dezember gestalte sich aber „wegen der Feiertage aus unserer Erfahrung heraus immer sehr schwierig“. Aus diesem Grund habe sie beim Spatenstich „sicherheitshalber“ den Januar 2022 als Bezugstermin genannt.

Das Planungsbüro setze aber alles daran, das Projekt so schnell als möglich fertig zu stellen: „Wenn die Abläufe an der Baustelle ideal funktionieren, kann auch eine Eröffnung in 2021 gelingen. Dies ist das Ziel und wird mit Nachdruck verfolgt.“ (ran)




Das „Aktiv-Reisebüro“ zieht sich aus Hauenstein zurück.

HAUENSTEIN. Das „Aktiv-Reisebüro“ zieht sich aus Hauenstein zurück. Welche Gründe dazu geführt haben, wie es am Stammsitz weitergeht und welche Lehren aus der Malaise zu ziehen sind, erläutert Inhaber Alfons Kissel.

Foto: Das Aktiv-Reisebüro, vermittelte 23 Jahre lang am Hauensteiner Marktplatz Reisen in alle Welt (ran)

„Danke, Hääschde“, so verabschiedet sich das Aktiv-Reisebüro, das 23 Jahre lang am Hauensteiner Marktplatz Reisen in alle Welt vermittelte, von seiner Kundschaft in der Schuhgemeinde. Alfons Kissel, der Inhaber des Reisebüros mit Stammsitz in Dahn, bleibt aber zuversichtlich: „Es geht weiter! Unser Reisebüro im Dahner SBK-Markt bleibt geöffnet.“

Im Gespräch mit der Rheinpfalz erläutert Kissel die Gründe der Schließung am Standort Hauenstein, der etwa ein Viertel zum Gesamtumsatz seines Unternehmens beitrage: „Seit 15. März wird unsere Arbeit nicht bezahlt. Bereits erhaltene Provision über Reisen ab März dieses Jahres mussten wir zurückzahlen“, beschreibt er die wirtschaftliche Situation des Büros. Man sei seither damit beschäftigt, die Rückabwicklung bereits gebuchter Reisen kundenfreundlich zu bearbeiten.

„Unser Personal war in den letzten sieben Monaten damit befasst, dabei zu helfen, dass unseren Kunden die bereits bezahlten Urlaubs- und Flugkosten erstattet werden. Und diese Rückabwicklung haben wir kostenlos erledigt“, berichtet er. Die Malaise der Branche: Neue Buchungen habe es kaum gegeben, hier und da „einzelne Deutschlandurlaube“. Die verschiedenen Corona-Hilfen, die Bund und Land Unternehmern angeboten haben, habe er in Anspruch genommen. Die Beschäftigten seien in Kurzarbeit, Aushilfen musste gekündigt werden. Ein Antrag auf die Überbrückungshilfe II, die sich auf die Monate September bis Dezember 2020 bezieht, werde noch gestellt.

Um aber bei Fixkosten von vier- bis fünftausend Euro über die Runden zu kommen und auch den Betrieb für 2021 zu sichern, habe er einen KfW-Kredit über 100.000 Euro aufgenommen, was die Ruhestandspläne des 63-Jährigen natürlich auf den Kopf stellte: „Der Kredit muss ja zurückgezahlt werden.“ Dabei seien die Geschäfte „richtig gut“ gelaufen“ – bis Corona kam. Jetzt aber stelle er fest, dass die Menschen wegen der Pandemie auch „wenig Sinn fürs Reisen“ hätten.

Alfons Kissel, der Inhaber des Reisebüros mit Stammsitz in Dahn, bleibt zuversichtlich: „Es geht weiter! Unser Reisebüro im Dahner SBK-Markt bleibt geöffnet.“ (ran)

Wobei: „Das Reisen ist ja nicht verboten“, sagt Kissel und verweist auf eigene Erfahrungen. Er habe Anfang Oktober eine Kreuzfahrt im Mittelmeer unternommen und sei „beeindruckt“, wie man an Bord ein „tolles Sicherheitskonzept“ umsetze: Das Schiff sei nur zu einem Drittel der Kapazität zu buchen, alle Passagiere seien in Außenkabinen untergebracht, Es gäbe Service am Tisch statt Buffets. „ich habe mich keinen Moment auch nur ansatzweise unsicher gefühlt“, berichtet der Reisekaufmann.

Generell gelte: „Reisen ist, wenn der derzeitige Teil-Lockdown überstanden ist und Europa wieder zum eingeschränkten Normalbetrieb wie im Sommer zurückkehrt, möglich, man kann, wenn auch mit Einschränkungen, Urlaub machen“, konstatiert Alfons Kissel. Bei der Planung könnten die Fachleute aus dem Reisebüro wichtige Hilfestellung geben: „“Wir kennen uns mit den oft wechselnden Bestimmungen aus und sind immer auf dem aktuellen Stand.“ Und weil „jeder Krise ja eine Chance innewohnt“, verstärke sein Büro sein Angebot bei sich abzeichnenden neuen Trends. So reagiere man auf die verstärkte Nachfrage nach Ferienwohnungen, nach Wander- und Radfahrreisen. Auch Anbieter wie booking.com oder Expedia könnten über das Aktiv-Reisebüro gebucht werden.

Auch eine weitere Lehre aus der Pandemie zieht Kissel: „Wir werden Veranstalter, die sich bei der Rückabwicklung von bereits gebuchten Reisen sehr kundenunfreundlich verhalten haben, künftig nicht mehr empfehlen“, sagt er und meint Unternehmen, die die Verfahren „sehr zum Nachteil der Kunden und der Reisebüros“ abgewickelt hätten. So habe er erst im Oktober die Rückerstattung eines geplanten Abfluges aus dem März verbuchen können. „Das ist schlicht illegal, denn die Rückzahlung eines ausgefallenen Fluges muss nach sieben Tagen erfolgen.“

Er habe das Verhalten der Anbieter „vor, während und nach der Krise“ kritisch beobachtet, und dabei hätten Veranstalter –er nennt als Beispiel den Branchenriesen Tui- massiv Vertrauen verspielt. So habe er für sich eine „Negativliste“ jener Unternehmen erstellt, mit denen „eine Zusammenarbeit weder für den Kunden noch für uns gut ist“. So werde er jetzt noch mehr auf „Qualität und Sicherheit“ setzen. Und dabei hofft er, dass bei künftigen Reisevorhaben „die Kunden in guten Zeiten an den Reisepartner denken, der in schlechten Zeiten für sie da war“. (ran)