Das Kreuz mit den Gelben Säcken

Foto: Immer der gleiche Ärger: Die gelben Säcke reißen sehr schnell auf. (ran)

SÜDWESTPFALZ. Es ist schon ein Kreuz mit den Gelben Säcken, die derzeit im Landkreis Südwestpfalz im Umlauf sind. „Viel zu dünn, die reißen ja ständig auf“, ist eine immer wieder laut werdende Klage. In der Stadt Landau hat man jetzt die Reißleine gezogen: Ab Januar werden dort reißfestere Säcke –dreimal so dick wie die bisher verwendeten- zum Einsatz kommen. Im Landkreis Südliche Weinstraße hat man noch früher auf die Beschwerden von Bürgern reagiert: Schon seit vergangenem Jahr kann man in der Südpfalz auf die stabileren Säcke zurückgreifen.

Und bei uns? Wer mit dem „gelben Nichts“, wie ein Mittsechziger im Wertstoffhof im Hauensteiner Stopper die derzeit verwendeten Sammelsäcke ironisch bezeichnete, zu tun hat, kennt die Malaise: Mancher Gelbe Sack zerreißt schon beim Lösen von der Rolle, nur zu oft entstehen Risse,  wenn die Tüte mit etwas kantigerem Material gefüllt wird, nicht selten gibt das dünne Plastik nach, wenn der Sack zugeschnürt wird oder zum Abholen an die Straße getragen werden muss, oft mit dem Ergebnis, dass der gesammelte Verpackungsmüll sich auf dem Bürgersteig verteilt. Das tut er ohnehin dann, wenn heftiger Wind die Säcke packt und über Bürgersteig und Straße weht, was die „Problemsäcke“ in der Regel nicht unbeschadet überstehen.

Ja, auch in der Südwestpfalz habe es in der Vergangenheit Beschwerden wegen der Beschaffenheit der derzeit verwendeten Gelben Säcke gegeben, bestätigt Kreissprecher Thorsten Höh auf unsere Anfrage hin. Zuständigkeitshalber habe man die Klagen an die Firma Remondis, die mit der Abholung des Verpackungsmülls beauftragt ist, weitergegeben. Und: Partner für die Südwestpfalz sei im „Dualen System“ das Unternehmen „Interseroh“, das in Köln beheimatet ist und unter dem Dach der Alba-Gruppe zuhause ist.

Der Kreissprecher teilte mit, dass man in Gesprächen mit den Unternehmen sei, um die dünnen Säcke zu ersetzen. Man sei guter Dinge, dass auch für die Südwestpfalz eine Lösung gefunden werde, sagte Höh. „Wann es hier zu Ergebnissen kommt, ist aber offen“, führte er weiter aus. Die Gespräche mit der Kreisverwaltung bestätigte Susanne Jagenburg, die Pressesprecherin der Alba-Group: „Die Gespräche laufen gerade an.“, schreibt sie und ergänzt, dass „eine dickere Sackstärke für die kommende Ausschreibung (für die Entsorgungsverträge ab 2022 bis 2024) sicherlich verhandelt werden“ könne.

Dass das neue Verpackungsgesetz, wie aus Landau verlautete, den Kommunen die Möglichkeit einräume, per Verwaltungsakt vorzuschreiben, welche Säcke eingesetzt werden sollen, stellt Jagenburg in Abrede: „Es gilt nach wie vor die Regelung der Abstimmungsvereinbarung zwischen Kommune und dualem System.“

Beschwerden? Was die Beschaffenheit der Gelben Säcke angehe, „erreichen uns nur wenige Beschwerden, so vor allem bei ungünstigen Witterungsbedingen, wie starken Minusgraden oder hohem Windaufkommen“, schreibt sie weiter. Die Materialdichte sei aber „absichtlich dünner gewählt, damit ein Missbrauch der Säcke vermieden wird.“ Dies gelte bundesweit. „In den Gelben Säcken sollen ausschließlich so genannte Leichtverpackungen entsorgt werden. Das sind solche Verkaufsverpackungen, die aus Kunststoff, Metall oder Verbundstoff bestehen.“

Die Säcke würden aber zweckentfremdet genutzt: „Im Herbst zur Laubsammlung, zur Leergutsammlung, zum Schutz von Fahrradsätteln vor Regen oder aber – und das sehr häufig – zur Entsorgung von Restabfällen (die sperriger und schwerer sind, so dass die Säcke reißen).“ Dies verursache Mehrkosten, „die am Ende zu Lasten aller gehen.“ Für einen sicheren Umgang mit den Gelben Säcken empfehle das Unternehmen, „diese ausschließlich mit restentleerten Leichtverpackungen zu befüllen und nicht zu überladen, sondern sie am besten locker zu befüllen“. Außerdem sollten die Verpackungen nicht fest ineinander gestopft werden, was die spätere automatische Sortierung und das Recycling erleichtere. „Und besser erst morgens früh (6 Uhr) am Abholtag rauslegen als abends, damit sie nicht über Nacht draußen liegen und so verweht werden oder Tiere anlocken“, empfiehlt die Pressesprecherin abschließend.

Die Frage, ob die dünnen Säcke auch aus Kostengründen die früher verwendeten stabileren Tüten ablösten, verneinte Jagenburg. Das sei „keine Kostenfrage“. Die jeweiligen Säcke würden auch von den beauftragten Entsorgungsfirmen bestellt. Deshalb könne Interseroh/Alba „keine Auskunft zu genauen Preisen geben“. Unsere Anfrage dazu bei Remondis blieb bisher unbeantwortet. (ran)




Bau noch „vor Weihnachten unter Dach“

HAUENSTEIN. „Sehr zufrieden“ mit dem Baufortschritt und mit der Zusammenarbeit mit den am Bau beteiligten Firmen, Architekten und Behörden ist man beim Hauensteiner Technischen Hilfswerk (THW), für das derzeit mit einem Investitionsvolumen von insgesamt rund 3,2 Millionen Euro in der Pirminiusstraße eine neue Unterkunft errichtet wird.

Wie Peter Jost, der stellvertretende Ortsbeauftragte, auf Anfrage mitteilte, lägen die Arbeiten –trotz einiger Tage Zeitverzug- weitestgehend im Bauzeitenplan. Man habe seitens der Bau-Verantwortlichen signalisiert, dass der Bau noch „vor Weihnachten unter Dach“ gebracht werden könne und dass noch vor dem Jahreswechsel die Rolltore für die Garagen installiert werden könnten. Zeitig im neuen Jahr werde mit den Elektro- und Sanitärinstallationsarbeiten begonnen. Der Bauzeitenplan sehe einen Abschluss der Bauarbeiten zum 31.07.2020 vor. Der Umzug ins neue Gebäude solle dann bis zum 31. Oktober nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Derzeit sind die Katastrophenhelfer in einem Ausweichquartier in einem ehemaligen Getränkemarkt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Neubau untergebracht, den die Helfer weitgehend selbst für ihre Zwecke umgebaut haben: Dort sind neben den notwendigen Büroräumen und der Funkzentrale auch ein Lehrsaal, Werkstatt, Lager- und Umkleideräume sowie Küche und Kantine untergebracht. „In Anbetracht der Tatsache, dass diese Unterkunft ein Provisorium darstellt, können wir auch damit sehr zufrieden sein“, konstatiert Jost.

Beim THW in Hauenstein sind derzeit 50 Helferinnen und Helfer aktiv. Unterbau ist eine Jugendgruppe mit 15 Jugendlichen im Alter von 10 – 17 Jahren sowie seit ein paar Jahren auch eine „Minigruppe“ mit rund zehn Kindern im Alten von 6 – 10 Jahren. Beim Schnuppertag Ende Oktober, bei dem das THW im gesamten Regionalbereich Neustadt um neue Mitarbeiter warb, konnten vier neue Aktive –darunter eine Frau- gewonnen werden. Zusammen mit zwei „Aufrückern“ aus der THW-Jugend und zwei Minigruppen-Leiterinnen werden sie nun in einer neuen Ausbildungsgruppe auf die Aufgaben im THW vorbereitet.

Zur Bewältigung ihrer Aufgaben stehen den Hauensteinern im Moment acht Fahrzeuge und sechs Anhänger mit entsprechender Ausrüstung –unter anderem eine Netzersatzanlage sowie ein Werkstattanhänger- zur Verfügung. Wie berichtet, erfährt der Standort Hauenstein eine Aufwertung: Die Landesleitung Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland hat die Wasgaugemeinde als Standort der für Rheinland-Pfalz zuständigen Einsatzeinheit „Unbemannte Luftfahrtsysteme (UL)“ –sprich Drohnen- ausgewählt. (ran)




Ehrung bei der Freiwilligen Feuerwehr Hauenstein

Foto: Beim Kameradschaftsabend der Hauensteiner Feuerwehr ehrten VG-Beigeordneter Herbert Schwarzmüller (links) und Wehrführer Sascha Brunner (rechts) Carmen Kämmerer (2.v.l.) für 20 Jahre und Christian Draxl (2.v.r.) für 30 Jahre aktiven Dienst in der Wehr. (ran)

HAUENSTEIN. „Feuerwehr ist mehr als ein Hobby. Feuerwehr prägt das ganze Leben“, konstatierte beim Kameradschaftsabend der Freiwilligen Feuerwehr Hauenstein Wehrführer Sascha Brunner. Traditionell zieht bei dieser vom Förderverein ausgerichteten Veranstaltung die Wehr ihre Jahresbilanz, sie ehrt verdiente Wehrleute und nennt Schwerpunkte ihrer Arbeit.

Wie sehr die Feuerwehr ins Leben ihrer Mitglieder eingreift, zeigte Brunner an zwei Beispielen auf: „Wenn es nachts um drei Alarm gibt oder wenn du im Garten mit deinen Kindern spielst und der Alarm geht ein – dann bist du da! Und jeder von uns übt sein Ehrenamt mit Überzeugung und Herzblut aus. Keiner muss, aber alle machen.“

Dass die Feuerwehr das Leben prägt, machte Brunner unter anderem am Beispiel von Carmen Kämmerer und Christian Draxl fest, die der Wehr seit zwanzig bzw. dreißig Jahren angehören und die der Wehrführer und der erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde, Herbert Schwarzmüller (FWG), mit einem Präsent und herzlichen Worten des Dankes ehrten. Die „großen Ehrungen“ finden seit einigen Jahren bei einem eigenen Ehrenabend für die Wehren der VG statt.

Dass dieses Ehrenamt, das an 365 Tagen jeweils über 24 Stunden ausgeübt wird, gar nicht hoch genug einzuschätzen ist, das machte Ortsbürgermeister Michael Zimmermann in seinem Grußwort deutlich. Und der VG-Beigeordnete führte aus, dass es bei allen Überlegungen zur Digitalisierung „am Ende auf den Menschen ankommt. Ohne euch geht bei aller technischen Ausstattung nichts!“

Sascha Brunner berichtete von 63 Einsätzen, die die Wehr zu bewältigen hatte. Sie rückte 25 Mal zu Bränden aus und wurde 38 Mal wegen notwendiger technischer Hilfe –bei Unfällen auf der B10 ebenso wie bei Unwetterlagen- alarmiert. Alleine bei der Entschärfung der Fliegerbombe im Baugebiet am Sonnenhang waren die Wehrleute 715 Stunden im Einsatz.

Um für die Anforderungen der Einsätze gewappnet zu sein, finden alle vierzehn Tage Übungen statt, bei denen man sich im vergangenen Jahr unter anderem gezielt mit den neu angeschafften Ausrüstungsgegenständen -beispielsweise dem neuen Waldbrandsatz- vertraut machte. Dass die Wehr immer auf aktuellem Stand agieren kann, dafür sorgt auch die Teilnahme der Wehrleute an Fortbildungsangeboten auf Kreis- und Landesebene. Nicht zuletzt die „Super-Zusammenarbeit“ in der Wehr sei Grundlage für die erfolgreiche Arbeit im Einsatz für die Gemeinschaft.

Brunner dankte allen Wehrleuten für ihre Einsatzbereitschaft und dankte auch der Verwaltung, mit der „die Zusammenarbeit aber nicht immer einfach“ sei. Er appellierte an die Verantwortlichen, das Ehrenamt zu stärken und deshalb bei Entscheidungen „mehr auf das Wissen der Feuerwehr zurückzugreifen“ und „fachliche Kritik aus der Wehr wahrzunehmen“.

Für die Jugendfeuerwehr berichtete Nicolas Engel von 39 Übungsabenden, bei denen der Wehrnachwuchs mit den Grundlagen der Feuerwehrarbeit vertraut gemacht werde, aber auch beim Schulfest der Grundschule sein Können demonstrieren konnte. Eine gemeinsame Fahrt führte die Jugendlichen nach Mainz, wo sie Gast des Landtagsabgeordneten Christof Reichert waren.

Carmen Kämmerer referierte als Vorsitzende des Förderkreises, der 2019 25 Jahre alt wurde und in diesem Vierteljahrhundert 83.000 Euro aufgebracht hat, um die persönliche Ausrüstung und die Gerätschaften zu komplettieren und die Kameradschaft innerhalb der Wehr –„Sie ist die Basis unserer Arbeit“-zu pflegen. Gerne unterstütze man auch die Jugendfeuerwehr: Das seien „Investitionen in die Zukunft der Wehr“. (ran)




Hochwertige Kunst bekannter pfälzischer Künstler an “Aktion-Afrika” gespendet

HAUENSTEIN. Hochwertige Kunst bekannter pfälzischer Künstler kaufen – und dabei Gutes tun. So lässt sich eine Initiative der Hauensteiner „Aktion Afrika“ überschreiben.

Zur Finanzierung der Arbeit des Vereins in Kenia und Tansania hat ein Hauensteiner Mitbürger mehrere Werke namhafter pfälzischer Künstler zur Verfügung gestellt. „Für diese großherzige Geste danken wir von Herzen“, stellt die „Aktion Afrika“ fest. Und: „Wir wollen nun diese Bilder gegen Gebot verkaufen und den hoffentlich namhaften Erlös für unsere Projekte verwenden.“

Bei den gespendeten Bildern handelt es sich zum einen um eine Radierung von Werner Brand mit dem Titel „Die Prozession“ (e.A., entstanden 1969 in Salzburg). Werner Brand gilt als einer der renommiertesten pfälzischen Künstler der vergangenen Jahrzehnte. Zahlreiche Auszeichnungen wie der Purrmann-Preis begründeten Brands Ruf als „Pfalzklassiker“.

Ein Pfalzklassiker ist sicher auch Gerhard Messemer, der mit dem Kunstpreis der Südlichen Weinstraße und dem Pfalzpreis für Grafik ebenso ausgezeichnet wurde wie mit dem Preis des Landes Rheinland-Pfalz. Seine Bilder sind nicht nur in bekannten Galerien europaweit präsent, sondern schmücken auch zahlreiche Landesregierungen, Ministerien und Museen.
Messemer betreibt in Saulheim eine eigene Galerie. Aus seinem Oeuvre wurde den Afrikahelfern die Grafik „Wintersaat“ (5/60 von 1989) zur Verfügung gestellt.

Außerdem erhielten sie zwei expressionistische Aquarelle pfälzischer Landschaften und zwei botanische Zeichnungen. Alle Bilder sind hochwertig gerahmt. Interessenten können unter der Email-Adresse helfen@aktion-afrika.de weitere Infos einholen und ein Gebot für die Bilder abgeben.  (ran)




Gemeinsame Erklärung zu den Gesprächsergebnissen im Mainzer Innenministerium

HAUENSTEIN. Betont nüchtern und ohne jede Wertung war die angekündigte gemeinsame Erklärung aller Fraktionen zu den Gesprächsergebnissen im Mainzer Innenministerium formuliert. Die Stellungnahme zur Kommunal- und Verwaltungsreform wurde in der Sitzung des Verbandsgemeinderats am Mittwochabend von Bürgermeister Werner Kölsch verlesen, der er sich ebenfalls ausdrücklich angeschlossen hatte.

Im Kern wiederholt der „Sachstandbericht“ die Aussagen der wortgleichen Pressemitteilung, die vor zwei Wochen sowohl die VG-Verwaltung als auch die Pressestelle des Ministeriums abgegeben hatten: Auch wenn die Verbandsgemeinde Hauenstein in den letzten Jahren eine positive wirtschaftliche Entwicklung genommen habe, werde sie „gleichwohl nicht aus dem Gebietsänderungsprozess entlassen“, wird das Gesprächsergebnis beschrieben.

Die VG Hauenstein werde bis Ende 2022 „in eigener Zuständigkeit und eigener Verantwortung mit den Ortsgemeinden“ in Richtung einer „einvernehmlichen Lösung gehen, indem sie nun Möglichkeiten für interkommunale Kooperationen mit den am besten geeigneten Partnern anstrebt“, formulieren Bürgermeister und Fraktionen nun die weitere Vorgehensweise. Wobei: In der Pressemitteilung vom 18. Oktober war in Bezug auf mögliche Partner noch ausdrücklich von einer „Priorität innerhalb des Landkreises Südwestpfalz“ die Rede gewesen. Insofern bleibt die neue Erklärung offener.

Die Landesregierung werde 2022 –also nach den für das Frühjahr 2021 angesetzten Landtagswahlen- die „Situation der VG Hauenstein neu bewerten und über einen Gebietsänderungsbedarf befinden“, heißt es in dem Sachstandsbericht weiter. Die Erklärung schließt mit der Aussage: „Mit diesem Gesprächsergebnis erklären sich alle Fraktionen im Verbandsgemeinderat einverstanden.“

Diese Aussage wurde in der Sitzung dadurch unterstrichen, dass ohne jede Diskussion und einstimmig der Beschluss vom 07.05.2019 „als erledigt erklärt“ wurde. Im Mai hatte der Rat gefordert „bis auf Weiteres, mindestens jedoch für die Dauer der Kommunalperiode 2019-2024, von einer Fusionsverpflichtung abzusehen, um die Verbandsgemeinde Hauenstein zu erhalten“. Dieser Forderung kam Mainz nun zumindest zum Teil nach. (ran)

 

 




Verbandsgemeindeumlage auf 25 Prozentpunkte gesenkt

HAUENSTEIN. Der Verbandsgemeinderat Hauenstein hat in seiner Sitzung am Mittwochabend die Verbandsgemeindeumlage auf 25 Prozentpunkte gesenkt und damit einen „historischen Tiefstand“ erreicht, wie Hermann Rippberger (FWG VG) betonte. Durch die Reduzierung werden die Kassen der Ortsgemeinden um 276.000 Euro entlastet.

Dass der Verbandsgemeinderat in die Lage versetzt wurde, die Umlage, die bereits im März von 29 auf 28 Punkte reduziert worden war, erneut um drei Prozent zu drücken, ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass Kämmerer Roger Hammer, der einen Zwischenbericht über die Haushaltslage des laufenden Jahres abgab, über namhafte „außerplanmäßige Einzahlungen“ berichten konnte.

So flossen aus der Integrationspauschale 2018, aus Sondermitteln des Bundes aus dem Jahr 2018, aus Erstattungen aus dem Jahr 2018 und als Abschlagszahlung aus der Integrationspauschale 2019 insgesamt 534.000 Euro in den VG-Säckel. Dieser Betrag macht zum einen die Umlagesenkung möglich. Er sorgt zum anderen aber auch dafür, dass die freie Finanzspitze, die im Haushalt 2019 noch mit 3.140 Euro ausgewiesen war, auf nunmehr 261.000 Euro steigt.

Während Markus Pohl vor dem Hintergrund satter Überschüsse anregte, auch über eine Umlagesenkung um vier Punkte nachzudenken, konstatierte Manfred Seibel (Grüne), dass man „angesichts anstehender Projekte“ –er nannte Radwege, Feuerwehrgerätehäuser und Hochwasserschutz- „nicht die Kasse leeren und den Spielraum behalten“ sollte, den die neuen Zahlen ergäben. Auch Hermann Rippberger (FWG VG) plädierte dafür, die freie Finanzspitze ins Haushaltsjahr 2020 zu überführen.

Die Senkung der Umlage wurde von Sprechern aller Fraktionen begrüßt und schließlich einstimmig beschlossen. Der Vollständigkeit halber sei ergänzt, dass zur allgemeinen Umlage die Schulumlage von rund 4,5 Prozent addiert werden muss, die alle Ortsgemeinden außer Hinterweidenthal, wo die Ortsgemeinde selbst Trägerin der Grundschule ist, zu leisten haben. (ran)




Bauarbeiten im Interkommunalen Baugebiet gehen in die Zielgerade

HAUENSTEIN. Die Bauarbeiten im Interkommunalen Baugebiet Wilgartswiesen/Hauenstein biegen auf die Zielgerade ein: Die Straßenbauarbeiten gehen auf ihr Ende zu, die Vermarktung läuft, wie der Hauensteiner Ortsbürgermeister Michael Zimmermann auf Anfrage mitteilte. Er ist Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Interkommunales Gewerbegebiet.

Die Trassierung der sich von West nach Ost –von der B10-Brücke bis zum Bahnhaltepunkt Hauenstein Mitte- und entlang der Bahnstrecke durch das Gelände ziehenden „Hauptstraße“ und der beiden Stichstraßen ist abgeschlossen, der Unterbau weitgehend erledigt. „Wenn das Wetter mitspielt, wird in der 51. Kalenderwoche die erste Schwarzdecke aufgetragen“, teilte Zimmermann weiter mit. Die Grundstücke seien vorparzelliert, können aber vom Zuschnitt her noch verändert werden.

Die recht hohen Böschungen im Süden des Geländes –zum Mischberg hin- sind angelegt und „angespritzt“, damit noch erstes Grün sprießen und den Hang halten kann. Im Süden des Geländes am Waldrand verläuft ein neu angelegter Weg. Die rund 700.000 Euro teure Verlegung der NATO-Pipeline ist abgeschlossen, die Leitungen sind wieder in Betrieb genommen.

Die Vermarktung der rund 65.000 Quadratmeter großen Nutzfläche läuft. „Es liegen interessante Anfragen vor: Grundstücke werden nachgefragt in Größen von 1000 bis 10.000 Quadratmetern“, berichtet Zimmermann. Kriterium der Vergabe sei, dass möglichst viele Arbeitsplätze geschaffen werden. „Wir werden also keine Flächen vergeben, wenn lediglich eine Lagerhalle erstellt werden soll“, so Zimmermann weiter. Deshalb werde es „auch Absagen geben“. Die Grundstücke in dem Gewerbegebiet sind zu einem „All inclusive“-Preis von 50 Euro auf dem Markt, den die Verbandsversammlung im Dezember 2018 festgelegt hatte.

Der Verbandsvorsteher betonte aber: „Es ist noch kein Quadratmeter vergeben. Und bei der Vergabe werden wir völlig transparent vorgehen: Alle Grundstücke werden in der Verbandsversammlung vergeben.“ Zimmermann berichtet davon, dass man unter anderem in sehr aussichtsreichen Verhandlungen mit einem großen Logistikunternehmen sei, das rund 40 Arbeitsplätze schaffen wolle.

In die Erschließung des interkommunalen Baugebiets fließen rund 9 Millionen Euro. Dafür hat das Land einen Zuschuss in Höhe von 6,3 Millionen Euro gegeben, den Staatssekretär Andy Becht (FDP) beim Spatenstich vor Jahresfrist als „gut angelegtes Geld“ bezeichnet hatte. Dass die beiden Gemeinden Wilgartswiesen und Hauenstein diese Kooperation eingegangen sind, hat eine einfache Bewandtnis: Hauenstein verfügt wohl über das Recht, aber nicht über den Platz, weiteres Gewerbegebiet zu erschließen. Und Wilgartswiesens Gemarkung konnte in der Gewanne Neufeld jenes geeignete Gelände bieten, wo sich nun das „Interkommunale“ erstreckt.   (ran)




Die „Pfälzer Kastanientage“

HAUENSTEIN. Bis zum 15. November dauerten die „Pfälzer Kastanientage“ an, zu der die Urlaubsregion Hauenstein gemeinsam mit acht Tourismusbüro aus dem Kreis SÜW seit dem 1. Oktober eingeladen hatten. Fast 60 Restaurants, Cafés und weitere Anbieter boten eine breite Palette von „Keschdlichkeite“ an, Köstlichkeiten also aus „de Keschde“, die sich bei Einheimischen und Gästen großer Beliebtheit erfreuten. Dass die Castanea sativa, wie die Keschde mit lateinischem Namen heißt, seit Jahrhunderten auch als Heilpflanze bekannt ist und geschätzt wird, ist indes weniger geläufig.

„Wenn jemand am Magen/Darm leidet, dann koche er die Kerne der Kastanienfrucht (fünf bis zehn Stück) stark in Wasser und zerquetsche die gekochten in diesem Wasser zu Brei. Dann klopfe er in einer Schüssel Dinkelfeinmehl mit Wasser zu einem dünnen Teig und füge zu diesem Teig eine Pulvermischung aus Süßholzpulver (1 gehäufter Teelöffel) und Engelsüßpulver (1 gestrichener Teelöffel). So koche er den Teig noch einmal mitsamt dem vorerwärmten Kastanienbrei und mache so ein Mus daraus. Das soll er essen und es reinigt seinen Magen und macht ihn warm und kräftig.“

So beschrieb Hildegard von Bingen (1098 bis 1179), die Heilige und Kirchenlehrerein, Äbtissin, Dichterin, Komponistin und Universalgelehrte, schon vor fast tausend Jahren, wie man mit der Frucht der Kastanie Probleme im Verdauungstrakt bekämpfen kann. Geröstete und „mäßig warm“ gegessene Kastanien helfen nach Hildegard bei Milzschmerzen, gekochte Kastanien helfen bei Kopfschmerzen und lassen die Nerven „stark werden“, und „wer im Herzen Schmerzen leidet, sodass seines Herzens Stärke keine Fortschritte macht, sondern traurig ist, esse oft die rohen Kerne und das gießt seinem Herzen gleichsam einen Schmelz ein und er gelangt zu Stärke und Frohsinn.“

Hildegards Zusammenfassung: Die Edelkastanie sei in jeder Form, ob gekocht oder roh, gesund für den Körper: „Die Kastanie ist ihrer Natur nach sehr warm, hat eine große Kraft in sich, die der Wärme beigemischt ist, und bezeichnet die Weisheit. Und alles was in ihm ist und auch seine Frucht, ist sehr nützlich für den Menschen.“

Was Hildegard vor vielen Jahrhunderten beschrieb, findet sich ähnlich auch auf aktuellen Homepages, die sich mit Heilkräutern und Naturheilmitteln befassen: So heißt es auf www.Pflanzenfreunde.com, dass Kastanien nicht „nur gut schmecken, sondern für uns insgesamt 100 %ig gesund sind“. Und auf der Seite www.hausmittel.de lesen wir: „Ob gekocht oder roh verzehrt, ihre Heilwirkung auf den Körper ist unumstritten.“ Die Seite www.heilkräuter.de beschreibt ihre Wirkung als „adstringierend, entzündungshemmend,
schleimlösend“ und nennt als Anwendungsgebiete „Bronchitis, Keuchhusten, Durchfall,
Rheuma, Hexenschuss…“

Dass die Früchte positiv auf den Körper wirken, dafür sorgen die Inhaltsstoffe der Kastanie:  Die Literatur nennt unter anderem Kohlenhydrate, Stärke, Vitamin A, B1, B2, B3, B5, B6, C und E. Die Keschde beinhalteten wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente wie Eisen, Zink, Kupfer, Mangan, Magnesium, Kalzium und Kalium. (ran)




„Dass misst mer in äm Buuch lääse kinne!“

HAUENSTEIN. „Dass misst mer in äm Buuch lääse kinne!“ Dem Wunsch, schon bei der ersten Lesung mit Texten des verstorbenen Autors Bernd Hecktor geäußert, wurde bereits vor vier Jahren mit dem Band „Dass lossen mer“ entsprochen. Jetzt, posthum und ein Jahr nach dem plötzlichen Tod des „Schwaben aus Hääschde“, ist die Fortsetzung erschienen: „Joh kumm, geh ford“ heißt der Band, der bei einer überaus gut besuchten Buchvorstellung im „Ochsen“ (wir berichteten am 02. Oktober) präsentiert worden war.

350 Seiten hat das Buch und sie sind gefüllt mit über 120 Texten. Fast alle sind in der unvergleichlichen Hääschdner Mundart verfasst, die Bernd Hecktor so originär bewahrt und in manchmal origineller Schreibweise aufgeschrieben hat. „Ehr lossen eijch uff was Schweres ie: Dialekt“, lesen wir schon auf der ersten Seiten. Sein Tipp an die Leser: „Am beschde eschs, ehr lääsens laud orrer noch besser, ehr lääsens eich gecheseidich vor.“

„Iwwers Pälzische unn iwwers Hääschdnerische“ ist das erste der 15 thematisch gegliederten Kapitel überschrieben. Und da findet sich dann eine köstliche Einführung in den Dialekt der Hääschdner, etwa wenn Hecktor unter der Überschrift „Hääschdnerisch Gebabbel“ typische „Lääwensweisheide“ -„Bevor ich mich eijcher, esch mers egal“ beispielsweise- oder einzigartige Begrifflichkeiten aus der Schuhgemeinde –„Miggebadscher“, „Hellbeereschleggsel“ oder „Bäämschdorze“- auflistet, „Iewunge ferd Zung“ anbietet oder sich über die die vielseitige und vielfältige Bedeutung des Wörtchens „Jooh“ auslässt.

Ob er denn ein Heimatdichter war? Bernd Hecktor, der seiner wehenden Mähne wegen als „de Leeb“ bekannt war, beantwortete die Frage so: „Injer, die Texte unn die Theme sinn aus meijnrer Hämed Häschde. Awwer sie sinn nidd souw midd Herschgeweih, Ächelääb unn Goordezwerch.“ Und so ordnet er das kleine Dorf- und manchmal auch das große Weltgeschehen mit einem Blick auf das besondere Detail, sehr oft mit einem Augenzwinkern, und ab und an sehr kritisch ein.

Er tut das in zumeist einer Sprache, die er liebgewonnen und bewahrt hat, obwohl er mehr als fünf Jahrzehnte nicht mehr in Hauenstein „dehääm“ war. Abert: Einige seiner Texte, hat er auch in der Hochsprache verfasst: „Toleranz – die Seele der Heimat“ oder „Zwischen Glaubenszwang und Prügelstrafe“, in dem er seine Zeit im katholischen Internat aufarbeitet: „Vebei, awwer nit vegesse!“, schreibt Bernd.

In dem Buch geht es unter anderem auch um die „Pälzer unn die Welt“, es geht ums „Esse unn Dringge“, um „Moderne Zeide“ und darum, dass es „annerschdwu“ halt „annerschd“ esch. Dass Bernd Hecktor die Pfalz liebte, dokumentiert die Überschrift „In de Palz eschs am scheinjnschde“, dass er sich gerne an der Kirche und ihren Protagonisten rieb, das belegen die Texte im Kapitel „Heilich, heilich“, und dass er zeitlebens ein Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit war, das belegen im Kapitel „All sinn gleich, awwer manche sinn gleicher“  Texte wie „Dreidausendäähunnert“, wo er das Monatsgehalt einer Erzieherin mit der Tages-„Rente“ des ehemaligen VW-Bosses Winterkorn vergleicht, oder „Gewisst wie“, wo er die europäische Flüchtlingspolitik unter die kritische Lupe nimmt.

Leicht zu lesen ist das Buch nicht, aber es bietet Seite für Seite viel Anlass zum Schmunzeln und zum herzhaften Lachen. Zum Lachen über manchen Wortwitz, wie ihn nur der farbige Dialekt zustande bringt, zum Lachen über manch urkomische Situation aus Hääschde, zum Schmunzeln über manche Anekdote rund um Hääschdner. Manchmal aber bleibt das Lachen auch im Hals stecken, wenn der Autor Nachdenkliches, Kritisches und Hintergründiges in die Texte einwebt.

Bernd Hecktor stammte aus Hauenstein, ist nach Stationen in Freiburg, in Amerika und in Frankfurt in der Nähe von Backnang, im „schwäbischen Exil“, wie er sagte, heimisch geworden, war Berufsschullehrer und mischte dort bis zu seinem Tod im September vergangenen Jahres –kurz nach seinem 70. Geburtstag- in der Kommunalpolitik mit. Er war, wie er immer wieder sagte, „im Härz immer Hääschdner geblewwe“. Das Buch hat er selbst noch vorbereitet, seine Frau Margrit hat es zusammen mit Freunden abschließen und druckfertig machen können.

Großen Anteil daran hat der Hauensteiner Künstler Christoph Seibel, der es mit vielen kolorierten Bildern und Collagen illustriert hat: Sie sind eine stimmige Augenweide. Das Layout des Buches besorgte Christoph Seibels Sohn Joachim. Das Buch (ISBN 978-3-00-06386-8) kostet 24,50 Euro und ist in Hauenstein in der Postfiliale (Marktplatz), im Weinlädchen (Gartenstraße), im Deutschen Schuhmuseum (Turnstraße), beim Autohaus Hecktor (Marktplatz) und in der Musikschule Mansmann (Bahnhofstraße) erhältlich.

(ran)




Der Schusterbrunnen – ein Sorgenkind

HAUENSTEIN. Der Schusterbrunnen am Zwickerdenkmal auf dem Johann-Naab-Platz ist und bleibt ein Sorgenkind: Eine zwischen dem 04. September und dem 04. Oktober durchgeführte Messung ergab, dass der Brunnen binnen eines Monats rund 46 Kubikmeter Wasser verlor, was Kosten in Höhe von rund 240 Euro verursachte, wie Ortsbürgermeister Michael Zimmermann mitteilte: „Das ist sowohl ärgerlich als auch völlig unwirtschaftlich.“

„Der Brunnen macht uns Sorgen“, stellt auch Helge Schneider von der VG-Verwaltung fest. Erst vor zwei Jahren waren die Becken von einer saarländischen Fachfirma saniert worden, wofür rund 12.000 Euro aufgewendet worden waren. Jetzt also ist der Brunnen erneut „inkontinent“. Deshalb sei man mit Firma, die vor zwei Jahren die Brunnenkammer und die Wasserläufe mit einem kunststoffvergüteten PCC-Estrich versiegelt hatte, erneut in Kontakt getreten. Als erste Maßnahme wolle man nun die Fugen mit einer anderen Füllung erneuern.

Auch nach weiteren Ursachen wird gefahndet. Die Leitungen, die den Brunnen speisen, habe man abgedrückt, habe dabei aber keine Undichtigkeiten feststellen können. Jetzt werde überlegt, ob eventuell an der Technik, die die Höhenstandmessung und die Nachspeisung steuert, ein Defekt aufgetreten sein könnte. Um an den Technikschacht und zu Ergebnissen zu kommen, müsse eine Sandsteinplatte am Zwickerdenkmal aufgenommen werde, was einigen Aufwand erfordere.

Der Brunnen war 1998 im Zuge der Sanierung des Wingerter-Platzes gebaut worden und umfließt das 1986 zum Schuhjubiläum aufgestellte Zwickerdenkmal des Luger Künstlers Franz Leschinger. Wie Dieter Seibel vom gemeindlichen Bauhof mitteilte, laufe der Brunnen jährlich vom 1. Mai bis zum „Keschdemarkt“, also bis in den Oktober. (ran)