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Aktion Afrika stellt Soforthilfe für Hospital zur Verfügung

HAUENSTEIN. Ein dringender Hilferuf aus Kenia erreichte am Wochenende den Hauensteiner Verein „Aktion Afrika“: Schwester Genovefa aus dem Zentrum „St. Joseph Shelter of Hope“ schilderte Probleme, die derzeit dem zu dem Zentrum gehörenden Hospital zu schaffen machen. In einem „Umlaufbeschluss“ einigte sich der Vorstand der „Aktion Afrika“, sofort 5.000 Euro als Soforthilfe zur Verfügung zu stellen, die dabei helfen sollen, die größten Löcher zu stopfen.

„Die Situation ist schlimm. Wir sind mit vielen Problemen konfrontiert“, schrieb Schwester Genovefa. Und die Herausforderungen seien deshalb besonders groß, weil es in den staatlichen Krankenhäusern seit jetzt vier Monaten Streiks gibt. Das habe zur Folge, dass zahllose Kranke im Hospital im „Shelter of Hope“ Hilfe suchen: „Die Zimmer sind alle voll belegt, die Patienten liegen auf den Fluren und sogar in einem Zelt“, berichtete die Ordensfrau in einem Telefonat am Samstag.

Viele Patienten werden wegen Corona behandelt. Viele Betten seien aber auch mit Verletzten und Schwerverletzten belegt, die auf der wegen ihrer dramatischen Unfallträchtigkeit berüchtigten und an Voi vorbeiführenden Nationalstraße A 109 zwischen Mombasa und Nairobi verunglückt sind. „Jeden Tag werden drei bis vier Patienten in kritischem Zustand eingeliefert“, berichtet Schwester Genovefa.

Die Crux: Viele der Kranken und der Unfallopfer besäßen keine Versicherung, seien „arm und hilfsbedürftig“ und könnten „nicht einmal einen Cent bezahlen“, wie die Schwester mitteilte. „Also geben wir am Ende Geld aus, ohne Einnahmen zu haben.“ Und so falle der Kauf von Medikamenten und medizinischen Hilfsmitteln und auch die Bezahlung der Mitarbeiter zunehmend schwer.

Vertieft wird die finanzielle Misere dadurch, dass die Filteranlage des Brunnens im „Shelter of Hope“ defekt ist. „Der Brunnen liefert nur sehr wenig Wasser. Es reicht für das Hospital und die weiteren Einrichtungen des Zentrums bei weitem nicht aus“, berichtet Schwester Genovefa. Deshalb müsse man derzeit Wasser in großen Tanks hinzukaufen. „Und das ist sehr teuer“, heißt es in einer Email der Ordensfrau.

Bei der sehr kostspieligen Behebung der Filterprobleme will die „Aktion Afrika“ zusammen mit dem Landauer Hungermarsch helfen. „Aber jetzt gilt es erst einmal, die aktuellen Probleme zu lösen“, sagen die Verantwortlichen des Vereins, die sich am Samstag sehr schnell über die Hilfe einig werden konnten. Am Montag wurde die Überweisung beauftragt. „Ihr seid unsere Engel. Möge euch Gott eure Hilfe tausendfach vergelten“, antwortete Genovefa auf die Nachricht aus Hauenstein.

Ansonsten berichtet Schwester Genovefa über schöne Fortschritte beim „Gääße unn Hiehner“-Projekt. „Dies ist ein fortlaufendes und sehr gutes Projekt, das vielen armen Menschen helfen kann, sich selbst zu helfen.“ Auch für sie persönlich habe das Projekt positive Folgen: „Ich mache es gerne. Wenn ich mit den Hühnern zusammen bin, fühle ich mich gut und habe keinen Stress“, schrieb sie in einem ausführlichen Rechenschaftsbericht über das Projekt.

„Wir sind sehr froh, dass wir der Schwester in dieser Notsituation spontan helfen können“, sagt Alfred Busch, der Vorsitzende des Vereins. Man sei überaus dankbar, dass sich auch während der Corona-Pandemie viele bereitfanden, für die Menschen in Afrika zu spenden. Auch wenn die Pandemie manches Projekt ausbremse, sei man „durch die Hilfe vieler Mitmenschen in die Lage versetzt, zumindest dabei zu helfen, die laufenden Kosten für Schulen, im Gesundheitswesen, für Stipendien und anderes aufzukommen.“ Und da sei man immer auf Spenden angewiesen, zumal im vergangenen Jahr alle eigenen Aktionen wie der Weihnachtsmarkt oder das Benefizkonzert, die helfen, Gelder zu erlösen, ausfallen mussten.

 

Info: Spendenkonto, Volksbank Südliche Weinstraße – Wasgau,

IBAN DE86 5489 1300 0071 8473 06    

 




Sowas ärgert den Bürger

HAUENSTEIN. Am Dienstagabend hatte sich ein Hauensteiner bei der Presse gemeldet: Seit 14 Tagen läge an der L495 zwischen Hauenstein und Lug, ein totes Wildschwein – unmittelbar am Straßenrand.

„Und seither versuche ich, Zuständige zu erreichen, die dafür sorgen, dass der Tierkörper beseitigt wird“, klagte er. Und plötzlich ging es ganz schnell: Am Mittwochmorgen begann unsere telefonische Recherche, gegen Mittag war die Sau geborgen. Zufall? Oder hat die Pressenachfrage den Zuständigen Beine gemacht? Egal! Hauptsache: Die tote Sau ist weg.

Der Hauensteiner, der in der Zeitung nicht genannt werden will, berichtete über seine vergeblichen Mühen der vergangenen Tage: Er habe mit einem Jäger gesprochen, habe eine Polizeistreife auf den Tierkadaver aufmerksam gemacht, habe bei der Kreisverwaltung angerufen. „Alles ohne Erfolg, das Tier wurde nicht abgeholt und liegt immer noch da“, sagte er am Dienstagabend. Auf der Landesstraße unweit der Kuppe am Luger Stich sei auch ein gelber Pfeil aufgezeichnet, der wohl die Lage des Kadavers markiert. Mittlerweile war das Tier am Hals aufgebrochen und –wohl von einem anderen Wildtier- auch mehrfach bewegt worden, hatte der Rheinpfalz-Leser beobachtet.

Erster Ansprechpartner sei am 23. Februar ein ihm bekannter Jäger gewesen. Ihm habe er die Umstände geschildert. „Er teilte mir mit, dass die Pfeilmarkierung auf der Straße deutlich mache, dass der Fall in Arbeit sei.“ War er aber nicht. Die Sau lag auch noch eine Woche später. Er habe deshalb am 02. März einer dreiköpfigen Polizeistreife im Ort die Geschichte erklärt. „Man werde das klären“, habe er erfahren. „Geschehen ist aber erneut nichts. Deshalb habe ich mich bei der Kreisverwaltung gemeldet.“

Die Auskünfte von dort am vergangenen Freitag: Es sei ja momentan recht kalt, sodass der Verwesungsprozess nicht sehr schnell einsetze und deshalb kein akuter Handlungsbedarf bestehe. Aber: Wenn das Tier am Wochenende noch liege, solle er sich erneut melden. Das hat der verärgerte Bürger dann doch nicht getan, sondern hat sich an die Presse gewandt: „Vielleicht kommt man dann in die Spur.“

Es folgte am Mittwochvormittag unser Anruf bei der Dahner Polizei: Das übliche Procedere sei, dass bei einem Wildunfall mit einem toten Tier der Jagdpächter und/oder die Straßenmeisterei verständigt würde, damit das Tier abgeholt werden kann, stellte Polizeihauptkommissar Walter Dezember zunächst fest. Das Einsatztagebuch der Inspektion weise am fraglichen Datum und am fraglichen Ort auch einen nächtlichen Wildunfall aus. Die Beamten hätten am Morgen den „Fall“ an die Frühschicht übergeben. Was dann geschehen sei, ließ sich am Mittwoch nicht rekonstruieren. Die betreffenden Beamten seien in der Freischicht.

PHK Dezember führte auch aus, dass auch das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde in solchen Fällen zuständig sei. Dort sei aber bisher keine Meldung über einen Kadaver an der L495 eingegangen, teilte der zuständige Mitarbeiter Thomas Walter auf Anfrage mit. Er werde sich sofort mit der für die Beseitigung zuständigen Straßenmeisterei in Dahn in Verbindung setzen, um die Angelegenheit voranzubringen. Auch dort hatten wir schon den Fall geschildert: Eine Mitarbeiterin teilte mit, dass sie zwar einen Auftrag zur Beseitigung eines Tierkörpers herausgegeben habe, der betreffe aber nicht die L495. Das werde sie sofort veranlassen. Gegen 14 Uhr meldete unser Informant Vollzug: „Das Wildschwein ist abgeholt.“

Die Vorgehensweise und die Zuständigkeiten bei der Beseitigung und Entsorgung von Wildkadavern sind übrigens in einem „Leitfaden“ des Landesuntersuchungsamtes haarklein beschrieben. Demnach gehört der Kadaver eines „Fallwildes“ dem Jagdpächter, der allerdings nicht verpflichtet sei, den Kadaver zu entfernen. Die Rückfrage bei mehreren Jägern ergab, dass gerade im Kreis Südwestpfalz die Jäger die Beseitigung von bei Unfällen getöteten Wildtieren nicht mehr übernähmen. Das habe man lange aus Kulanzgründen getan. Weil der Kreis aber auf die Jagdpacht eine Jagdsteuer erhebe, habe man diesen Service eingestellt, war aus Jagdkreisen zu hören.




Der Umlagesatz in der Verbandsgemeinde Hauenstein soll um vier Punkte gesenkt werden

HAUENSTEIN. Der Umlagesatz in der Verbandsgemeinde Hauenstein für das Jahr 2021 soll in einem Nachtragshaushalt von bisher 28 Prozent um vier Punkte auf 24 Prozent gesenkt werden. Diese Empfehlung an den Verbandsgemeinderat, der darüber letztlich zu befinden hat, sprach der Hauptausschuss am Dienstagabend bei einer Enthaltung aus. Was macht diesen Schritt, der die Umlage auf ein historisches Tief senkt und die Handlungsspielräume der Ortsgemeinden erweitert, möglich?

Im Ausschuss hatte Kämmerer Roger Hammer über die maßgeblichen Finanzdaten aus dem abgelaufenen Jahr 2020 informiert. War man bei Planerstellung noch von einem Finanzfehlbetrag in Höhe von 111.000 Euro ausgegangen, so errechnete der Kämmerer nach den vorläufigen Abschlussdaten für das Jahr 2020 bei den ordentlichen Zahlungen einen Überschuss. Das verbesserte Ergebnis sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass wegen der zum Teil noch unbesetzten Stellen deutlich geringere Personalkosten anfielen. Auch unter Berücksichtigung der Tilgungsleistungen aus Darlehensverpflichtungen weist der Abschluss eine freie Finanzspitze von rund 445.000 Euro aus.

Zusammen mit Kassenbestandsmitteln von Ende 2019 über 525.000 Euro ergab das für 2021 einen positiven Kassenbestand von 970.000 Euro, von dem allerdings noch zweckgebundene Leistungen, Rück- und Ausgleichszahlungen abzuziehen sind. Letztlich blieben, so der Kämmerer, freie Mittel in Höhe von 753.000 Euro zur Verfügung. Bürgermeister Patrick Weißler konstatierte, dass diese Zahlen eine Senkung des Umlagesatzes „problemlos um zwei und maximal um vier Punkte“ möglich machten. Freilich sollte man im Auge behalten, dass Ende 2021 ein positiver Saldo erreicht werden sollte.

Markus Pohl (CDU) stellte fest, dass vor dem Hintergrund freier Mittel in Höhe von über 750.000 Euro und in Anbetracht der Tatsache, dass ein Prozentpunkt rund 99.000 Euro ausmache, eine Senkung um vier Punkte „nicht weh tut“. Damit würden die Ortsgemeinden, aus denen ja der Großteil der Gelder stamme, um 400.000 Euro entlastet. Es sei „recht und billig“, diese Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Ortsgemeinden auch Planungssicherheit zu geben.

Pohls Antrag schloss sich auch der Beigeordnete Manfred Seibel (Grüne) an: Die Verbandsgemeinde müsse „nicht Kohle bunkern“. Eine Senkung um vier Punkte mache die VG „finanziell nicht platt“, signalisiere aber auch nach außen die „eigene Wirtschafts- und Finanzkraft“. Bernhard Rödig (FDP) betonte, dass man sich im Rat grundsätzlich einig sei, dass bei Ergebnissen, die besser als der Haushaltsplan ausfielen, Gelder zurück an die Ortsgemeinden fließen sollten. Auch er stimmte zu: „Wir können uns die vier Prozent zutrauen, müssen aber weiter solide und vernünftig haushalten.“

Der erste Beigeordnete Herbert Schwarzmüller (FW) zeigte sich „als Ortsbürgermeister froh über die Umlagereduzierung“, merkte aber vor dem Hintergrund der noch nicht ausgestandenen Pandemie auch an, dass „für die Kommunen noch harte Zeiten kommen werden“. Auch er sieht in der Senkung die „Botschaft, dass die VG leistungsstark“ sei, während Herbert Rippberger (FW) einwarf, dass für das Jahr 2022 wieder eine höhere Umlage möglich werde.

Die angestrebte Umlagesenkung sorgt in den Ortsgemeinden für deutlich größeren finanziellen Spielraum: So muss Hauenstein 180.000 Euro weniger an die Verbandsgemeindekasse überweisen, in Schwanheim bleiben ebenso wie in Hinterweidenthal rund 60.000 Euro mehr im Gemeindesäckel, in Wilgartswiesen sind‘s 37.000 Euro, in Spirkelbach 25.000 Euro, in Lug 21.000 Euro und Darstein und Dimbach können knapp 7.000 Euro mehr in der Kasse behalten.

Im Verlauf der Debatte hatte unter anderen der Beigeordnete Andreas Wilde (SPD) darauf hingewiesen, dass beschlossene und im jeweiligen Haushalt abgebildete investive Maßnahmen schneller umgesetzt werden müssten. „Wir brauchen für vieles zu lange“, sagte er und verwies darauf, dass der Aussichtspunkt Hermersbergerhof vor drei Jahren beschlossen, aber immer noch nicht realisiert sei. Der Verwaltungschef gab ihm Recht: „Manches muss schneller realisiert werden. Auch ich bin an einer schnellen Umsetzung von Beschlüssen interessiert.“ (ran)




Der Lorenz-Wingerter-Platz im Hauensteiner Ortskern soll saniert werden

HAUENSTEIN. Der Lorenz-Wingerter-Platz im Hauensteiner Ortskern soll, wie es der Hauptausschuss dem Gemeinderat einstimmig empfiehlt, saniert werden: Zu reden war über platzendes Pflaster, einen undichten Brunnen und ein Telefon ohne Hörer.

Er ist optisch sicher ein Aushängeschild der Schuhgemeinde: Mit dem Zwickerdenkmal, das der Luger Künstler Franz Leschinger aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Schuhindustrie 1986 geschaffen hatte, mit dem die Bronzefiguren umfließenden Brunnen und mit seiner großflächigen Porphyr-Pflasterung gibt der Lorenz-Wingerter-Platz einiges her. Sein Name erinnert an den ersten Hauensteiner Apotheker, der in den Fünfzigerjahren auch als Autor von Gedichten und als Verfasser von heimatgeschichtlichen Beiträgen in der gesamten Pfalz einen besonderen Ruf genoss.

Der ihm gewidmete Platz ist seit Jahren ein Sanierungsfall. Das im Jahr 1999 im Zuge der Ortskernsanierung verlegte vulkanische Pflaster hielt nicht, was das Material eigentlich verspricht. Einzelne Steine platzen in Schichten ab, andere zeigen tiefe Risse. Das sorgt für Unebenheiten und für Stolperfallen, vor allem, wenn man mit Rollator oder mit eleganterem Schuhwerk unterwegs ist. Und nicht nur dies: Wie Ortschef Michael Zimmermann vor dem Hauptausschuss ausführte, brächten die Vertiefungen „neben der schlechten Begehbarkeit auch Probleme bei der Reinigung des Platzes“ mit sich.

In der Vergangenheit war diese Malaise immer mal wieder ein Thema im Gemeinderat. Geschehen ist – nicht zuletzt wegen der zu erwartenden Kosten: nichts. Jetzt unternimmt die Gemeinde einen neuen Anlauf: Wie der Ortsbürgermeister mitteilte, liege nun ein Angebot einer Spezialfirma für Verfugungstechnik vor: Danach käme die Reparatur auf 28.000 Euro, In dem Angebot enthalten seien das Ausräumen der alten Fugen, die Reinigung des Platzes, ein Austausch der defekten Steine –rund  zwei Tonnen wären notwendig- sowie eine neue Verfugung mit einem Zwei-Komponenten-Material und die  Imprägnierung der Fläche.

Im Ausschuss war man sich einig, dass man das Angebot wahrnehmen sollte: Man müsse an diesem zentralen Punkt des Dorfes handeln, könne nicht noch Weiteres „kaputtgehen lassen“, meinte Manfred Seibel (Grüne), auch wenn man, wie Daniel Meyerer (CDU) anmerkte, „dem neuen Verfahren vertrauen und hoffen muss, dass es gut wird“. Die Firma hat ebenfalls angeboten, für weitere 500 Euro am Schusterbrunnen eine neue Verfugung anzubringen, um die seit Jahren auflaufenden beträchtlichen Wasserverluste zu stoppen. „Das soll ein letzter Versuch sein, bevor wir die Probleme des Brunnens, das Wasser zu halten, mit einer teuren Edelstahlwanne lösen“, sagte Michael Zimmermann.

Die Diskussion betraf dann auch noch den öffentlichen Fernsprecher am Lorenz-Wingerter-Platz. Der solle demontiert werden, weil ihn eh keiner mehr brauche, weil ja (fast) jeder über ein Handy verfüge. Dass diese Säule ohne Nutzen ist, hat auch einen anderen, einen einfachen Grund: An der Fernsprechsäule der Telekom, die 2017 eine völlig versiffte Telefonzelle ersetzte, fehlt schlicht der Hörer. (ran)

 

 

 




Zehn „Spazierwanderwege“ rund um Hauenstein

HAUENSTEIN. Der Hauptausschuss der Ortsgemeinde Hauenstein gab grünes Licht für eine Broschüre, die insgesamt zehn „Spazierwanderwege“ rund um die Wasgaugemeinde vorstellt. Sie werden als Ergänzung zu den sieben Premiumwanderwegen verstanden, die in der Urlaubsregion Hauenstein zertifiziert sind. Was hat es mit den „Spazierwanderwegen“ auf sich?

Mit der Liste der Rundwanderwege greift man in Hauenstein einen Trend auf, der innerhalb der vielen Spielarten des Wanderns von Touristikern als „Spazierwandern“ bezeichnet wird und als „das kleine Wandererlebnis zwischendurch“, als „anspruchsvolle Alternative für Spaziergänger“ und als „kurze Rundwanderwege mit besonders hohem Erlebniswert“ beschrieben wird. Das Deutsche Wanderinstitut bietet bereits eine Zertifizierung für „Premium-Spazierwanderwege“ an. Darauf allerdings wird man in Hauenstein wegen der mit der Zertifizierung verbundenen Kosten verzichten.

Dass man in Hauenstein nun „Spazierwanderwege“ ausweist, geht zurück auf eine Initiative von Walter Meyer, der unter anderem auch schon mit verantwortlich zeichnete für den Flurkreuzeweg und der immer wieder aktiv wird, um das touristische Angebot Hauensteins aufzufrischen. Bereits im Sommer 2018 hatte er im Tourismusausschuss seinen Vorschlag in die Gremien eingebracht und begründet: „Es gibt eine deutliche Nachfrage nach solchen Wegen“, hatte er festgestellt.

Denn: „Die Premiumwege sind oft sehr schwierig und herausfordernd“, sagte er und nannte als Beispiel den Dimbacher Buntsandsteinweg: „Da geht’s dreimal steil hoch und dreimal steil runter. Das ist nicht jedermanns Sache.“ In seinen Gesprächen mit Wanderern sei immer wieder der Wunsch nach kürzeren und weniger fordernden Wegen geäußert worden. Ähnlich argumentierte Bürgermeister Michael Zimmermann am Donnerstag vor den Mitgliedern des Hauptausschusses.

Mehr als ein Dutzend Wege hatte Meyer 2018 vorgestellt. Letztlich zehn Wege wurden nun ausgewählt und finden sich in der Broschüre, die –so die einstimmige Empfehlung des Hauptausschusses- in einer Auflage von 7.500 Exemplaren gedruckt werden soll. Damit folgt man in der Gemeinde Hauenstein einem Beispiel aus dem Dahner Felsenland, wo in der gesamten Verbandsgemeinde gleich 43 Rundwanderwege ausgewiesen wurden.

In Hauenstein sind’s nun zehn Wege – fast alle sind Rundwege, die zwischen 2,1 Kilometer und 10,2 Kilometer lang sind und eine Gehzeit zwischen 60 Minuten und vier Stunden beanspruchen, wobei man offensichtlich vom eher gemächlichen „Spaziertempo“ ausgeht. Sie führen über bestehende Waldwege und werden meist mit einem an Fels- oder Gewannenamen orientierten Namen vorgestellt und markiert.

Alle Wege werden auf einer Seite beschrieben: Außer über Länge und Gehzeit gibt die Broschüre Auskunft über die zu bewältigenden Höhenmeter, sie zeigt das Höhenprofil auf und macht mit blauen, roten und schwarzen Schuhen Angaben zum Schwierigkeitsgrad (leicht, mittel, schwer). Wege, die gut mit Rollstuhl oder Kinderwagen zu bewältigen sind, sind in der Broschüre besonders gekennzeichnet.

In der 16-seitigen, bebilderten Broschüre finden sich beispielweise der „Queichquellenweg“, der völlig eben und bequem über vier Kilometer durch das Tal der jungen Queich führt, neben dem durch das Paralleltal verlaufenden und gleich langen „Dümpeltalweg“, es gibt den „Panoramaweg“, der über neun Kilometer rund um die Wasgaugemeinde führt und mit vielen Aussichten gespickt ist, den „Rauschlochweg“, der am Rauschlochfelsen, am Maifels und am Steinbruch vorbeiführt, und den Hülsenbergweg, der an der Lourdesgrotte vorbei zum Schnapspfad führt.

Nicht zuletzt weist die Broschüre auch auf das hin, was Hauenstein sonst zu bieten hat – vom Schwimmbad über das Deutsche Schuhmuseum und die Schuhmeile bis hin zum Jugendzeltplatz. Und ganz besonders wirbt die Broschüre für einen weiteren Spaziergang: für jenen nämlich, der auf dem neuen Themenweg „Auf Schusters Rappen“ Einblicke in die Dorf- und Schuhgeschichte Hauensteins geben. (ran)




Seit 2015 beobachtet Tante Paula das Leben auf der Straße

HAUENSTEIN. Sie sitzt Tag für Tag, Jahr für Jahr auf ihrer blauen Bank vor einem Haus in der Dahner Straße in Hauenstein, sie trotzt Schnee und Wind und Regen, trägt derzeit –wie es sich gehört- eine medizinische Maske, über der runden Brille thront eine dicke, fellbesetzte Mütze, Schal und Stola sowie eine über die Knie gebreitete Decke halten Tante Paula auch bei unwirtlicher Witterung warm. Auch die Handtasche darf nicht fehlen.

Tante Paula – das ist die viel bewunderte und oft fotografierte Tonfigur, die von der Würzburger Künstlerin Hilde Würtheim geschaffen worden war und seit 2015 das Leben auf der Straße beobachtet und still genießt, wie es ihr verschmitzter Gesichtsausdruck vermuten lässt. Tante Paula geht es gut. Sie wird immer entsprechend der Jahreszeit gekleidet, die Alltagsmaske mit weihnachtlichen Motiven ist durch die nun geforderten OP-Maske gewichen. Zu ihren Füßen sitzt der kleine Wuffi, eine Katze streicht um die kleine Bank.

Und eine kleine Notiz zu ihrer Linken erklärt, was es mit dieser so sympathischen alten Dame auf sich hat. Es ist ein liebenswerter Text über eine offenbar sehr liebenswerte und sehr reale Dame: „Tante Paula wohnte über 5 Jahrzehnte in diesem Haus und wurde 89 Jahre alt. Sie war ein guter Mensch, immer lustig und hilfsbereit, wo Hilfe nötig war. Mit den fröhlichen Menschen lachte sie gerne und den trauernden Menschen gab sie Trost. Abgewiesen wurde niemand. Tief im Glauben verwurzelt leistete sie so ihren Dienst am Menschen“, heißt es da.

Und weiter: Tante Paula sei jetzt im Ruhestand und habe ihre Hände in den Schoß gelegt. Aber nach wie vor habe sie „für jeden ein offenes Ohr“. Die Passanten werden aufgefordert, sich einfach neben Tante Paula zu setzen: „Lassen Sie sich von Ihrer Ruhe anstecken. Erzählen Sie ihr von Ihren Freuden und Sorgen oder was Sie sonst so bewegt. Sie ist eine geduldige Zuhörerin und hat Zeit für Sie.“

Dass an Tante Paula ein solches „Denkmal“ erinnert, dafür hat eine ihrer Großnichten gesorgt. Zum Fünfzigsten hatte sie sich die Tonfigur aus der Würzbürger Werkstatt gewünscht. Für die Verwandten war Paula einfach eine „wirklich gute Tante“ und eine stets „positiv denkende Frohnatur“. Sie war im Jahr 1900 geboren worden, war verheiratet, blieb aber kinderlos, sei „aber niemals einsam“ gewesen, weil sie für jeden ein gutes Wort gehabt habe. „Zu ihr konnte man kommen, wenn man als Kind oder Jugendlicher Sorgen hatte, sie wusste immer Rat“, erinnern sie sich an die 1989 gestorbene Tante. Und auch daran, dass Paula immer „mindestens zehn Tafeln Noisette im Schrank hatte, mit denen sie die Kinder aus der Verwandtschaft und der Nachbarschaft verwöhnte“.

Paula Meyer, eine geborene Hengen („Häänel“, wie das in der Wasgaugemeinde heißt) ist ein Beispiel für jene „Tanten“, die für zahllose (Groß-)Nichten und -Neffen, Enkel und Nachbarkinder einfach als gute Geister da waren. Wie beispielsweise die „Goode“ –Maria Braun war nur unter diesem Namen bekannt-, die etwas jünger als Tante Paula war und von ihrer schmalen Rente immer so viel abknapste, dass sie für die Kinder im Oberdorf außer einem guten Wort immer auch etwas Süßes in der Tasche der „Kittelschürze“ parat hatte: herzensgut, selbstlos und freundlich, wie es für sie und viele andere ihrer Generation selbstverständlich war und für manche Jüngere auch heute noch ist.




Pfälzerwaldverein Hauenstein investiert rund 200.000 Euro

HAUENSTEIN. Rund 200.000 Euro investiert der Pfälzerwaldverein Hauenstein in die Erneuerung der Wasserleitung und des Abwasserkanals zum Wanderheim Dicke Eiche, die in Höhe des Paddelweihers an das öffentliche Netz angeschlossen sind. Rund 2,6 Kilometer sind es von dort bis zur „Hitt“. Mit den Arbeiten hat das Schwanheimer Bauunternehmen Schwarzmüller in diesen Tagen begonnen.

Die Leitungen werden entlang des Queichtalwegs verlegt, von dem sie in Höhe der Fischweiheranlage auf den Fahrweg zur Dicken Eiche abzweigen. Von dort biegen sie auf den sogenannten „Elserweg“ ab. In Höhe des Zickzackpfades, der von „de Hitt“ zur Queichquelle führt, wird die Leitung in der Halde hoch zu einem Hochbehälter oberhalb des Wanderheims geführt. „Das sind zum Teil sehr aufwendige Arbeiten in schwierigem Gelände“, sagte PWV-Vorsitzender Raymund Burkhard auf Anfrage. Sie sollen, „wenn das Wetter mitspielt, bis Ende März“ abgeschlossen sein sollen.

Der Hochbehälter fasst rund 25.000 Liter, die bei Bedarf nachts aus dem Netz der Verbandsgemeinde zu dem auf rund 400 Meter über NN liegenden Speicher hochgepumpt werden. Mit den neuen Leitungen ist, wie Raymund Burkhard mitteilte, auch eine elektronische Steuerung verbunden, die den Wasserstand im Hochbehälter kontrolliert und Fehlermeldungen an die Verantwortlichen abgeben kann. Die Investition wird der Verein über ein zinsgünstiges Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanzieren. Die Ortsgemeinde hat einen Zuschuss in Höhe von 5.500 Euro zugesagt.

Die „Hitt” liegt am Kreuzungspunkt zahlreicher Wandermarkierungen nahe der namensgebenden „Dicken Eiche”, die längst nicht mehr steht. Der Verein hatte sich auf die Corona-Wintersaison vorbereitet, indem er sechs beheizbare Zelte rund um die Hütte aufgebaut hatte. Sie hätten rund 100 Gästen Platz mit Abstand geboten, wenn nicht der Lockdown die Gastronomie auch in der Wanderhütte gestoppt hätte. Damit ruht auch der Übernachtungsbetrieb in den sieben Mehrbettzimmern mit insgesamt 34 Betten. 2018 waren knapp 3.000 Übernachtungen registriert werden.

Burkhard bedauert, dass das Vereinsleben coronabedingt auch ansonsten völlig brachliegt. Die turnusmäßige Mitgliederversammlung wurde auf Ende März terminiert. „Ich bin allerdings skeptisch, dass wir den Termin halten können, und müssen notfalls halt verschieben“, meinte Burkhard. Die Pause nutzt der Verein, um seine Internetpräsenz neu aufzusetzen und „peu à peu“ zu ergänzen. Für Wanderferunde, die auf dem Laufenden bleiben wollen, hat der Verein einen Newsletter-Service eingerichtet, der unter waldnachrichten@pwv-hauenstein.de abonniert werden kann.

 




3000 Kilo Walnüsse täglich zu Walnussöl gepresst

HAUENSTEIN. Viel erfolgreicher als erwartet verlief die Aktion „Pfalz Walnuss“, die die Wasgau-Ölmühle in Hauenstein gemeinsam mit mehreren Partnern gestartet im Herbst hatte. Walnüsse aus der ganzen Pfalz waren angeliefert worden: „Wir hatten mit 500 bis 1.000 Kilogramm gerechnet, tatsächlich wurden es fast 3.000 Kilo“, berichtet Ölmüller Timo Keller. Was aus der Walnussflut wird und dass auch die Ölmüller immer dazulernen müssen: ein Besuch in der Ölmühle.

In Mengen von 20 Pfund bis zu 100 Kilo seien die Früchte aus der ganzen Pfalz angeliefert worden, blickt Keller zurück. Lieferanten wurden mit Naturalien –hier mit Walnussöl- oder mit Gutscheinen oder cash entlohnt. Geknackt wurden die Nüsse mit Hilfe einer „Knackmaschine“ von Mitarbeitenden der Lebenshilfe Südliche Weinstraße, einer Einrichtung für Menschen mit Handicap. Aus 100 Kilo Nüssen bleiben 30 Kilo Kerne: Aus einem Kilo Kerne kann etwa ein halber Liter Öl gepresst werden, rechnet der Ölmüller vor.

„Das Pressen von Walnussöl war auch für uns Neuland, wir haben ständig dazu gelernt, mussten immer wieder nachjustieren“, berichtet Keller über die Arbeit der letzten Wochen. Noch nicht alle Nüsse sind verarbeitet. Das gewonnene Öl aus Pfalz-Nüssen freilich erfreut sich bereits großer Nachfrage und erfährt viel Lob von Kunden: „Das beste Walnussöl, das ich je probiert habe”, urteilte eine Dame via Facebook, eine andere schrieb: „Intensiv und harmonisch zugleich!“

Das Walnussöl wird nicht in industriellem Maßstab gepresst: Aus der kleinen Presse, die über einen trichterförmigen Behälter „geladen“ wird, läuft in zwei dünnen Strahlen das Walnussöl in einen Edelstahlbehälter. Das gelbe Öl wandert aus dem Edelstahlbehälter zur Sedimentation in einen Glaszylinder und ruht dort. Dabei setzen sich die nach der Pressung noch im Öl befindlichen Trübstoffe ab.

Das klare Öl wird nach ein paar Tagen abgeschöpft und in Handarbeit abgefüllt. 15,90 Euro kosten 250 Milliliter des Öls, das, wie Timo en passant erzählt, viele Omega-3-Fettsäuren enthält, reich an Mineralstoffen wie Magnesium, Kalium und Calcium sei, und auch Fluor und Selen sowie Vitamin E und Biotin liefere. „Durch die von uns praktizierte Kaltpressung behält das Öl die wertvollen Nährstoffe der Walnuss und ihr nussig-mildes Aroma“, ist der Ölmüller begeistert von der Qualität dessen, was da langsam aus der Mühle läuft.

Auch das ist wichtig: Auch die Nebenprodukte des Pressverfahrens sind kein Abfall. Aus dem Presskuchen, wie das ausgepresste Nussmaterial heißt, entsteht Mehl, das zu Nudeln weiterverarbeitet werden kann. Aus dem sich bei der Sedimentation absetzenden Mus wird  mit Kakao und Zucker ein leckerer Nussaufstrich, es gibt Paprika-Dips, Schoko-Honig und Dark- Schokolade mit Walnussmus. Und in Zusammenarbeit mit dem „Bobremer Braukeller“ wird auch ein Walnussbier gebraut.

Bei dem bisherigen Erfolg kein Wunder: Die Aktion soll im nächsten Jahr wiederholt werden, sagt Timo Keller. Die Anlieferung wolle er etwas anders organisieren. „Generell“ trage er sich mit dem Gedanken, die Ölmühle zu vergrößern, eventuell eine weitere Ölpresse anzuschaffen. Zum Angebot der Ölmühle, die sich als „Gläserne Ölmanufaktur“ auch Besuchern bei Führungen öffnet, zählen übrigens Öle aus zehn verschiedenen Ausgangsprodukten. Sie werden unter anderem über den der Ölmühle angeschlossenen Feinkostladen „Hollerbusch“ vermarktet.

Info: http://www.wasgau-oelmuehle.deund https://hollerbusch-pfalz.de

 




„Auf Schusters Rappen“ durch die Hauensteiner (Schuh-)Geschichte

HAUENSTEIN. Als „Weg ins Dorf“, als „Schuhweg“ und als „Themenweg“ war er seit mehreren Jahren im Gespräch. Jetzt steht jener Weg, der die Schuhmeile mit dem Ortskern und dem Deutschen Schuhmuseum verbinden soll, vor der Vollendung. Und er hat einen Namen: „Auf Schusters Rappen“ heißt die 2.200 Meter lange Tour, die an mehreren Stationen die Hauensteiner (Schuh-)Geschichte veranschaulichen und Schuhkunden ins Dorf locken soll.

Der Weg führt von der Schuhmeile über die Bahnhof-, Pirminus- und Marienstraße zur Christkönigskirche und von dort über Kirchstraße, Marktplatz, Haupt-, Schul- und Burgstraße zum Endpunkt Schuhmuseum. Entlang des Weges sind an sieben Stationen bereits historische Schuhmaschinen installiert, an drei Stellen steht der viel diskutierte überdimensionale rote Pumps.

Es fehlen noch die Hinweisschilder, die die Maschinen erläutern und auch den einen oder anderen Ausflug in die spezielle Hauensteiner Schuhgeschichte, die nun 135 Jahre währt, unternimmt. Die etwa DinA4 großen Tafeln, die auf einem Edelstahlträger montiert sind, werden in den nächsten Tagen installiert werden. Darüber informierte Ortschef Michael Zimmermann. Die Entwürfe der Schilder waren den Mitgliedern des Ortsgemeinderates digital vorgestellt worden. Kritik daran habe es nicht gegeben.

Ein Blick auf die Info-Tafeln: Sie sind mehrfach gegliedert. Zunächst gibt es knappe Daten zu der ausgestellten Maschine. Baujahr, Hersteller und die Antriebstechnik werden genannt. Eine Zeitleiste verortet die Maschine dann im Ablauf der Schuhherstellung zwischen Modellieren, Zuschneiden, Steppen, Montieren und Fertigmachen. Ein knapper Text erläutert die Funktionsweise der Maschine. Die Reihenfolge der von einem Team aus Ratsmitgliedern und Schuhfachleuten ausgewählten Maschinen entlang des Weges sollen in etwa dem Produktionszyklus eines Schuhs folgen, ein anspruchsvolles Vorhaben, das aber nicht durchgängig gelingt.

Manche der Texte gehen über die Beschreibung der Maschinen hinaus, etwa, wenn auf die Auswirkungen der örtlichen Schuhindustrie auf die Entwicklung der Einwohnerzahlen verwiesen wird, wenn am Beispiel einer Steppmaschine auf die Bedeutung der zahllosen Heimarbeiterinnen hingewiesen oder an der Zwickmaschine die besondere Rolle der Zwicker in der Hierarchie der Fabrikarbeiter erläutert wird.

Alle Tafeln sind mit einem passenden historischen Foto versehen. Noch im Entstehen: Über einen QR-Code kann bald zu jeder Station ein Video abgerufen werden, das als „lebendige Schuhgeschichte“ über besondere Aspekte der Schuh- und Ortsgeschichte erzählt. So über die Gründer der Hauensteiner Schuhindustrie, Karl-August und Anton Seibel, über die nicht einfachen Arbeitsbedingungen in den Schuhfabriken, über die „Zwickergilde“ als „harte Arbeiter mit großem Durst und vielen Sonderrechten“ oder über das „ganze Dorf in Schrecken“, als es ein „Feuerteufel“ vor allem auf Schuhfabriken abgesehen hatte. Die Tafeln bieten auch per QR-Code eine Übersetzung ins Englische und Französische –bei den Videos mit Untertiteln- an.

Um den Weg zu komplettieren, werden zur Wegeführung auch noch Fußspuren auf den Bürgersteigen eingelassen. Dass „Auf Schusters Rappen“ keineswegs als statisches Projekt behandelt werden soll, bestätigte Ortschef Michael Zimmermann. Das sei schon ein Projekt, „das sich ständig weiterentwickeln kann und in das neue Ideen einfließen können“, unterstreicht Zimmermann. So wäre auch eine Verbindung mit den großen Fototafeln mit historischen Ansichten, die im Dorf zur Erinnerung an die früheren Gebäudeensembles aufgestellt wurden und werden, denkbar. (ran)




„Streets of Verbandsgemeinde“

HAUENSTEIN. 165 Kilometer, 2.600 Höhenmeter, eine reine Fahrzeit von neun Stunden und 56 Minuten bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 16,6 Stundenkilometer. Das sind die Basisdaten einer ganz speziellen Fahrradtour, die die Hauensteiner Sebastian Haag, Alexander Memmer und Stephan Riffel unternommen haben: Das Trio befuhr alle Gemeindestraßen der Verbandsgemeinde Hauenstein – ausnahmslos und an einem Tag.

„Manchmal hat man verrückte Ideen“, sagt Stephan Riffel, mit 41 Jahren der Senior der Gruppe und Vater von drei Kindern. „Und manchmal sucht man verrückte Herausforderungen“, ergänzt Alexander Memmer. Und so kam man zusammen mit Sebastian Haag auf den Gedanken, doch mal alle Straßen Hauensteins in einem Rutsch abzufahren. Die Crux: Genau das hatte bereits der Hauensteiner Allrounder Wolfgang Seibel –unter anderem Senioren-Weltmeister mit dem Tretroller- gemacht und bei strava, einer App für Läufer und Radfahrer, dokumentiert. Da blieb nur, noch eins draufzusetzen: „Da fahren wir doch gleich die Straßen der gesamten Verbandsgemeinde ab“, war sich das Trio schnell einig und nannte die Tour „Streets of Verbandsgemeinde“.

Gesagt, getan: Zwar wurde kurz diskutiert, ob man die Aktion vielleicht ins Frühjahr verschieben sollte, wegen der Temperaturen und so, aber dieser Gedanke wurde schnell wieder verworfen. Und so schwang man sich am 09. Dezember morgens um halb sieben im noch dunklen und recht kalten Hauenstein auf die Gravelbikes, geländegängige Rennräder mit breiteren Reifen, die auch als Cycle-Cross-Bikes bekannt sind. „Kalt ist’s gewesen und regnerisch, richtig eklig“, beschreibt der dreißigjährige Alexander, der als Flugdatenbearbeiter bei der Deutschen Flugsicherung beschäftigt ist, die Witterung an jenem Morgen, dem dann aber auch noch sonnige Abschnitte folgen sollten.

Rund 42 Kilometer lang sind die Straßen der Schuhgemeinde, zwei Stunden und zwanzig Minuten waren die drei auf diesem „Marathon“ unterwegs und fuhren dabei auch unbekanntere Straßen wie den „Schellenjockel“ oder den Bypass in der Burgstraße ab. Einen vorher fest fixierten Plan hatten Sebastian, Alex und Stephan nicht. „Über die Grundzüge wie die Reihenfolge der Ortschaften waren wir uns einig, manches war dann vor Ort und spontan zu entscheiden“, beschreiben sie die großzügige Planung. „Wir wollten überall dorthin, wo ein Hausbriefkasten hängt“, nennt Stephan, der als Vertriebsleiter bei Interunion arbeitet, eine selbst gegebene Vorgabe.

Start war also in Hauenstein, von dort ging’s zunächst nach Wilgartswiesen, wo bereits ein Teil des Straßennetzes abgeklappert wurde, ehe der Aufstieg zum Hermersbergerhof folgte. „Das war für mich der schönste Abschnitt, als es wunderschöne Ausblicke ins noch nebelverhangene Tal gab“, berichtet der 31-jährige Klärmeister Sebastian Haag, der sich erst seit zweieinhalb Jahren intensiver sportlich betätigt und für den die „Streets of Verbandsgemeinde“ die bisher größte sportliche Herausforderung war.

Vom „Hof“ aus wurde auf Waldwegen Hofstätten angesteuert und die wenigen Gassen und Gässchen der Wilgartswiesener Annexe abgefahren. Über die B48 und den Queichtalradweg kam man wieder nach Wilgartswiesen, um dort die restlichen Straßen zu sammeln. Es folgten die Straßennetze in Spirkelbach, Lug, Dimbach, Darstein und Schwanheim. Und von dort ging’s über die Wasgauhütte, die „Hitt“ und die Vier Buchen –also durch den Wald- zur letzten Station, nach Hinterweidenthal.

„Wir sind in allen Ortschaften in Ecken gekommen, da waren wir noch nie…“, war die Tour für Alex Memmer auch eine besondere Erkundungsexkursion. Der Rückweg über den Fahrradweg nach Hauenstein schloss nach insgesamt zwölf Stunden die Strampelei um 18.30 Uhr ab. „Fix und fertig“ seien sie gewesen, weil es auf den 165 Kilometern ja „kaum Strecken gab, wo man einen Rhythmus finden und beibehalten konnte“, berichtet Alex, der sich seit einigen Jahren intensiv läuferisch betätigt und bei den Läufen in der Region immer mal wieder unter den Top Ten auftaucht. Es gab schwierige und lange Aufstiege, wie jene neun Kilometer vom 208 Meter über NN liegenden Wilgartswiesen hoch zum Hermersbergerhof, der mit 540 Metern höchst gelegenen Siedlung der Pfalz. Und es gab lange, rasante Abfahrten wie jene von Hofstätten über das Wellbachtal hinunter ins Queichtal. Und zwischendurch in den Dörfern: kurze, lange, steile und flache Straßen – abbremsen, anhalten, immer wieder abbiegen, beschleunigen…

Zwei Verpflegungspausen hatten die drei, die zusammen mit dem Roschbacher Bruno Lauth als „Trainer“ regelmäßig auf die Räder steigen, organsiert, eine in Wilgartswiesen nach 78 Kilometern, eine zweite nach 135 Kilometern in Hinterweidenthal. Freunde sorgten unter anderem mit Belegten und Kuchen, mit Malzbier und Säfte dafür, dass der Energiespeicher sich wieder aufladen konnte. Unterwegs war immer viel, viel Wasser geflossen.

„Es war eine witzige Idee und in der Coronazeit ein sehr gut genutzter Tag“, resümierte Stephan. „Und Spaß hat’s gemacht“, ergänzte Alexander, während Sebastian die Tour kurz und knackig mit „anstrengend“ kommentierte.

Die Tour „Streets of Verbandsgemeinde“ ist unter dem Link https://ayvri.com/scene/15y048n1jx/ckivgtjbm0000456io9k1028s anschaulich dokumentiert.