Corona hat’s verhindert die Einweihung der neuen THW-Unterkunft

HAUENSTEIN. Corona hat’s verhindert: Der 14. November wäre ein großer Tag für den Ortsverband Hauenstein des Technischen Hilfswerks (THW) gewesen. Denn er hätte seine neue Unterkunft, auf die er anderthalb Jahrzehnte hingearbeitet hat, einweihen können. Daraus wurde nichts. Die 100 geladenen Gäste der Einweihungsfeier mussten wieder ausgeladen werden. Was der 21. Januar 2016 mit dem Bau zu tun hat, wie es im neuen Gebäude aussieht und warum man im Ortsverband von der Champions League spricht…

Seit 2006 wurde im Ortsverband Hauenstein des THW ein An- und Umbau der in die Jahre gekommenen Unterkunft in der Pirminiusstraße diskutiert und schließlich verworfen. Seit 2010 stand ein Neubau im Raum. Die Notwendigkeit eines Neubaus war bald auch an der Spitze des THW bekannt: Der damalige Präsident der Bundesanstalt des THW, Albrecht Broemme, besuchte erstmals im September 2012 den Ortsverband und resümierte nach einer Besichtigung der Immobilie: „Die Dringlichkeit eines Neubaus ist offensichtlich. Ich werde mich vehement für eine schnelle Umsetzung der Baupläne einsetzen“.

Schnelle Umsetzung war nicht. Es waren zunächst Fragen: Wie und wo sollte/konnte gebaut werden? Und die Kosten? Es dauerte… bis die Bundestagsabgeordnete Anita Schäfer (CDU), die sich immer wieder für das Hauensteiner THW ins Zeug gelegt hat, eine große Runde zusammentrommelte. Am 21. Januar 2016 kam Albrecht Broemme wieder nach Hauenstein, der Landesverband des THW war vertreten, die Orts- und Verbandsgemeinde und vor allem auch Vertreter der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima), die den Bau finanzieren und realisieren sollte, saßen am runden Tisch. Und sie stellten die Weichen für den Neubau, sodass im August 2016 der offizielle „Beschaffungsauftrag“ an die Bima ging. Sie ging von Kosten in Höhe von 3,2 Millionen Euro aus.

Jetzt also ist der Bau fertig. Im Mai vorigen Jahres hatte der Abriss der alten Unterkunft begonnen, an deren Stelle in den vergangenen Monaten ein schmucker und funktionaler Neubau entstand. Er katapultierte den Ortsverband baulich „aus der Kreisklasse in die Champions-League“, wie der Ortsbeauftragte Klaus Schwarzmüller feststellte, als er zusammen mit seinem Stellvertreter Peter Jost die Rheinpfalz durch die Räumlichkeiten führte. Der Umzug aus der provisorischen Unterkunft, einem ehemaligen Getränkeshop, ist weitgehend vollzogen, auch wenn hier und da noch Möbel fehlen und noch nicht alles seinen Platz gefunden hat. „Da hat uns Corona gebremst. Seit der Landkreis auf Rot gesprungen ist, sind alle Dienste abgesagt, sodass manches liegengeblieben ist, was längst erledigt wäre“, berichtet Peter Jost.

Der Rundgang lässt staunen. Wo in der alten Unterkunft Enge herrschte, beeindruckt jetzt Großzügigkeit, wo Provisorien herhalten mussten, besticht jetzt durchgeplante Funktionalität, wo auch die Haustechnik in die Jahre gekommen war, ist nun neuester Stand. Beispiel: Das 52 mal 13 Meter große Gebäude wird mit Wärme versorgt, die aus der Holzhackschnitzelheizung des benachbarten Feuerwehrgebäudes in die Fußbodenheizung der Räume fließt, Photovoltaik sorgt für erneuerbare Energie, ein „grünes Dach“ macht deutlich, dass auch andere Umweltaspekte eine Rolle spielten.

Im Erdgeschoß, das über die Pirminiusstraße erreicht wird, stehen vier Büros mit einer Größe von 18 und 14 Quadratmetern zur Verfügung, größere Teams können sich in einem teilbaren Saal mit einer Grundfläche von 60 Quadratmetern treffen. Der Nachwuchs verfügt über einen großzügigen Jugendraum, der im Falle eines Großschadensereignisses auch als Einsatzzentrale für den Krisenstab genutzt werden könnte. Auf dieser Ebene befinden sich unter anderem auch eine Küche und die Umkleide- und die Sanitärräume für die Frauen und Männer, die in einem Zugtrupp, in zwei Bergungsgruppen und in den Fachgruppen Elektroversorgung, Logistik und „Unbemannte Luftfahrtsysteme“ Dienst tun.

Insgesamt elf Frauen oder Mädchen sind im Hauensteiner THW aktiv und nicht weniger als 88 Männer und Buben. 67 Aktive -darunter vier Frauen- bilden den Kern. Die Altersstruktur kann sich sehen lassen: 34 der Helferinnen und Helfer sind zwischen 18 und 25 Jahre alt, weitere 32 zwischen 26 und 35. Dass das Hauensteiner THW so jung aufgestellt ist, rührt von der überaus rührigen Jugendarbeit: „75 bis 80 Prozent unserer Aktiven stammen aus der eigenen Jugend“, stellen Schwarzmüller und Jost fest. Derzeit zählen 17 Jugendliche –darunter drei Mädchen- zur THW-Jugend, zu den Gruppenstunden der sechs- bis zehnjährigen Minis kommen elf Buben und vier Mädchen.

Den Katastrophenschützern steht ein umfänglicher Fuhrpark zur Verfügung, der in zehn Garagen im Untergeschoß, das auch Lagerkapazitäten bietet, untergebracht ist. Erst jüngst konnte man einen neuen LKW-Kipper mit Ladekran übernehmen, der auch als Zugfahrzeug für den ebenfalls neuen Werkstattanhänger der Fachgruppe Logistik dienen kann. Für beide Fahrzeuge wurden 380.000 Euro aufgewendet, die aus Bundesmitteln finanziert werden.

„Wir sind auch damit gut aufgestellt“, sagt Klaus Schwarzmüller. Dennoch: Der Fuhrpark habe Baustellen: „Einige Fahrzeuge sind in die Jahre gekommen und gerade ihnen ist die Unterbringung im Freien während der Bauphase nicht gut bekommen.“ An den Garagen befindet sich auch ein Waschplatz, den auch die benachbarte Feuerwehr nutzen wird. Im Gegenzug kann das THW auf die Fahrzeuggrube der Wehr zurückgreifen – Synergien also nicht nur bei der Heizung.

Zur vorgesehenen Einweihung, bei der man auch die „hervorragende Arbeit aller am Bau Beteiligten“ feiern wollte, hatte man rund 100 Gäste ein- und wieder ausgeladen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Wenn es die Zeitläufte erlauben, soll nun im Frühjahr gefeiert werden. (ran)