Das „Aktiv-Reisebüro“ zieht sich aus Hauenstein zurück.

HAUENSTEIN. Das „Aktiv-Reisebüro“ zieht sich aus Hauenstein zurück. Welche Gründe dazu geführt haben, wie es am Stammsitz weitergeht und welche Lehren aus der Malaise zu ziehen sind, erläutert Inhaber Alfons Kissel.

Foto: Das Aktiv-Reisebüro, vermittelte 23 Jahre lang am Hauensteiner Marktplatz Reisen in alle Welt (ran)

„Danke, Hääschde“, so verabschiedet sich das Aktiv-Reisebüro, das 23 Jahre lang am Hauensteiner Marktplatz Reisen in alle Welt vermittelte, von seiner Kundschaft in der Schuhgemeinde. Alfons Kissel, der Inhaber des Reisebüros mit Stammsitz in Dahn, bleibt aber zuversichtlich: „Es geht weiter! Unser Reisebüro im Dahner SBK-Markt bleibt geöffnet.“

Im Gespräch mit der Rheinpfalz erläutert Kissel die Gründe der Schließung am Standort Hauenstein, der etwa ein Viertel zum Gesamtumsatz seines Unternehmens beitrage: „Seit 15. März wird unsere Arbeit nicht bezahlt. Bereits erhaltene Provision über Reisen ab März dieses Jahres mussten wir zurückzahlen“, beschreibt er die wirtschaftliche Situation des Büros. Man sei seither damit beschäftigt, die Rückabwicklung bereits gebuchter Reisen kundenfreundlich zu bearbeiten.

„Unser Personal war in den letzten sieben Monaten damit befasst, dabei zu helfen, dass unseren Kunden die bereits bezahlten Urlaubs- und Flugkosten erstattet werden. Und diese Rückabwicklung haben wir kostenlos erledigt“, berichtet er. Die Malaise der Branche: Neue Buchungen habe es kaum gegeben, hier und da „einzelne Deutschlandurlaube“. Die verschiedenen Corona-Hilfen, die Bund und Land Unternehmern angeboten haben, habe er in Anspruch genommen. Die Beschäftigten seien in Kurzarbeit, Aushilfen musste gekündigt werden. Ein Antrag auf die Überbrückungshilfe II, die sich auf die Monate September bis Dezember 2020 bezieht, werde noch gestellt.

Um aber bei Fixkosten von vier- bis fünftausend Euro über die Runden zu kommen und auch den Betrieb für 2021 zu sichern, habe er einen KfW-Kredit über 100.000 Euro aufgenommen, was die Ruhestandspläne des 63-Jährigen natürlich auf den Kopf stellte: „Der Kredit muss ja zurückgezahlt werden.“ Dabei seien die Geschäfte „richtig gut“ gelaufen“ – bis Corona kam. Jetzt aber stelle er fest, dass die Menschen wegen der Pandemie auch „wenig Sinn fürs Reisen“ hätten.

Alfons Kissel, der Inhaber des Reisebüros mit Stammsitz in Dahn, bleibt zuversichtlich: „Es geht weiter! Unser Reisebüro im Dahner SBK-Markt bleibt geöffnet.“ (ran)

Wobei: „Das Reisen ist ja nicht verboten“, sagt Kissel und verweist auf eigene Erfahrungen. Er habe Anfang Oktober eine Kreuzfahrt im Mittelmeer unternommen und sei „beeindruckt“, wie man an Bord ein „tolles Sicherheitskonzept“ umsetze: Das Schiff sei nur zu einem Drittel der Kapazität zu buchen, alle Passagiere seien in Außenkabinen untergebracht, Es gäbe Service am Tisch statt Buffets. „ich habe mich keinen Moment auch nur ansatzweise unsicher gefühlt“, berichtet der Reisekaufmann.

Generell gelte: „Reisen ist, wenn der derzeitige Teil-Lockdown überstanden ist und Europa wieder zum eingeschränkten Normalbetrieb wie im Sommer zurückkehrt, möglich, man kann, wenn auch mit Einschränkungen, Urlaub machen“, konstatiert Alfons Kissel. Bei der Planung könnten die Fachleute aus dem Reisebüro wichtige Hilfestellung geben: „“Wir kennen uns mit den oft wechselnden Bestimmungen aus und sind immer auf dem aktuellen Stand.“ Und weil „jeder Krise ja eine Chance innewohnt“, verstärke sein Büro sein Angebot bei sich abzeichnenden neuen Trends. So reagiere man auf die verstärkte Nachfrage nach Ferienwohnungen, nach Wander- und Radfahrreisen. Auch Anbieter wie booking.com oder Expedia könnten über das Aktiv-Reisebüro gebucht werden.

Auch eine weitere Lehre aus der Pandemie zieht Kissel: „Wir werden Veranstalter, die sich bei der Rückabwicklung von bereits gebuchten Reisen sehr kundenunfreundlich verhalten haben, künftig nicht mehr empfehlen“, sagt er und meint Unternehmen, die die Verfahren „sehr zum Nachteil der Kunden und der Reisebüros“ abgewickelt hätten. So habe er erst im Oktober die Rückerstattung eines geplanten Abfluges aus dem März verbuchen können. „Das ist schlicht illegal, denn die Rückzahlung eines ausgefallenen Fluges muss nach sieben Tagen erfolgen.“

Er habe das Verhalten der Anbieter „vor, während und nach der Krise“ kritisch beobachtet, und dabei hätten Veranstalter –er nennt als Beispiel den Branchenriesen Tui- massiv Vertrauen verspielt. So habe er für sich eine „Negativliste“ jener Unternehmen erstellt, mit denen „eine Zusammenarbeit weder für den Kunden noch für uns gut ist“. So werde er jetzt noch mehr auf „Qualität und Sicherheit“ setzen. Und dabei hofft er, dass bei künftigen Reisevorhaben „die Kunden in guten Zeiten an den Reisepartner denken, der in schlechten Zeiten für sie da war“. (ran)