„Dass misst mer in äm Buuch lääse kinne!“

19. November 2019
By
image_pdf

HAUENSTEIN. „Dass misst mer in äm Buuch lääse kinne!“ Dem Wunsch, schon bei der ersten Lesung mit Texten des verstorbenen Autors Bernd Hecktor geäußert, wurde bereits vor vier Jahren mit dem Band „Dass lossen mer“ entsprochen. Jetzt, posthum und ein Jahr nach dem plötzlichen Tod des „Schwaben aus Hääschde“, ist die Fortsetzung erschienen: „Joh kumm, geh ford“ heißt der Band, der bei einer überaus gut besuchten Buchvorstellung im „Ochsen“ (wir berichteten am 02. Oktober) präsentiert worden war.

350 Seiten hat das Buch und sie sind gefüllt mit über 120 Texten. Fast alle sind in der unvergleichlichen Hääschdner Mundart verfasst, die Bernd Hecktor so originär bewahrt und in manchmal origineller Schreibweise aufgeschrieben hat. „Ehr lossen eijch uff was Schweres ie: Dialekt“, lesen wir schon auf der ersten Seiten. Sein Tipp an die Leser: „Am beschde eschs, ehr lääsens laud orrer noch besser, ehr lääsens eich gecheseidich vor.“

„Iwwers Pälzische unn iwwers Hääschdnerische“ ist das erste der 15 thematisch gegliederten Kapitel überschrieben. Und da findet sich dann eine köstliche Einführung in den Dialekt der Hääschdner, etwa wenn Hecktor unter der Überschrift „Hääschdnerisch Gebabbel“ typische „Lääwensweisheide“ -„Bevor ich mich eijcher, esch mers egal“ beispielsweise- oder einzigartige Begrifflichkeiten aus der Schuhgemeinde –„Miggebadscher“, „Hellbeereschleggsel“ oder „Bäämschdorze“- auflistet, „Iewunge ferd Zung“ anbietet oder sich über die die vielseitige und vielfältige Bedeutung des Wörtchens „Jooh“ auslässt.

Ob er denn ein Heimatdichter war? Bernd Hecktor, der seiner wehenden Mähne wegen als „de Leeb“ bekannt war, beantwortete die Frage so: „Injer, die Texte unn die Theme sinn aus meijnrer Hämed Häschde. Awwer sie sinn nidd souw midd Herschgeweih, Ächelääb unn Goordezwerch.“ Und so ordnet er das kleine Dorf- und manchmal auch das große Weltgeschehen mit einem Blick auf das besondere Detail, sehr oft mit einem Augenzwinkern, und ab und an sehr kritisch ein.

Er tut das in zumeist einer Sprache, die er liebgewonnen und bewahrt hat, obwohl er mehr als fünf Jahrzehnte nicht mehr in Hauenstein „dehääm“ war. Abert: Einige seiner Texte, hat er auch in der Hochsprache verfasst: „Toleranz – die Seele der Heimat“ oder „Zwischen Glaubenszwang und Prügelstrafe“, in dem er seine Zeit im katholischen Internat aufarbeitet: „Vebei, awwer nit vegesse!“, schreibt Bernd.

In dem Buch geht es unter anderem auch um die „Pälzer unn die Welt“, es geht ums „Esse unn Dringge“, um „Moderne Zeide“ und darum, dass es „annerschdwu“ halt „annerschd“ esch. Dass Bernd Hecktor die Pfalz liebte, dokumentiert die Überschrift „In de Palz eschs am scheinjnschde“, dass er sich gerne an der Kirche und ihren Protagonisten rieb, das belegen die Texte im Kapitel „Heilich, heilich“, und dass er zeitlebens ein Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit war, das belegen im Kapitel „All sinn gleich, awwer manche sinn gleicher“  Texte wie „Dreidausendäähunnert“, wo er das Monatsgehalt einer Erzieherin mit der Tages-„Rente“ des ehemaligen VW-Bosses Winterkorn vergleicht, oder „Gewisst wie“, wo er die europäische Flüchtlingspolitik unter die kritische Lupe nimmt.

Leicht zu lesen ist das Buch nicht, aber es bietet Seite für Seite viel Anlass zum Schmunzeln und zum herzhaften Lachen. Zum Lachen über manchen Wortwitz, wie ihn nur der farbige Dialekt zustande bringt, zum Lachen über manch urkomische Situation aus Hääschde, zum Schmunzeln über manche Anekdote rund um Hääschdner. Manchmal aber bleibt das Lachen auch im Hals stecken, wenn der Autor Nachdenkliches, Kritisches und Hintergründiges in die Texte einwebt.

Bernd Hecktor stammte aus Hauenstein, ist nach Stationen in Freiburg, in Amerika und in Frankfurt in der Nähe von Backnang, im „schwäbischen Exil“, wie er sagte, heimisch geworden, war Berufsschullehrer und mischte dort bis zu seinem Tod im September vergangenen Jahres –kurz nach seinem 70. Geburtstag- in der Kommunalpolitik mit. Er war, wie er immer wieder sagte, „im Härz immer Hääschdner geblewwe“. Das Buch hat er selbst noch vorbereitet, seine Frau Margrit hat es zusammen mit Freunden abschließen und druckfertig machen können.

Großen Anteil daran hat der Hauensteiner Künstler Christoph Seibel, der es mit vielen kolorierten Bildern und Collagen illustriert hat: Sie sind eine stimmige Augenweide. Das Layout des Buches besorgte Christoph Seibels Sohn Joachim. Das Buch (ISBN 978-3-00-06386-8) kostet 24,50 Euro und ist in Hauenstein in der Postfiliale (Marktplatz), im Weinlädchen (Gartenstraße), im Deutschen Schuhmuseum (Turnstraße), beim Autohaus Hecktor (Marktplatz) und in der Musikschule Mansmann (Bahnhofstraße) erhältlich.

(ran)

Zwei Einbrüche in Firmengebäude
Hauenstein (ots) - In der Nacht von Montag auf Dienstag, zwischen 18:00 Uhr 07:00 Uhr, brachen unbekannte Täter in zwei benachbarte Firmen in der Industriestraße ein. Es wurde jeweils ein Fenster eingeschlagen. Die Täter suchten offensichtlich gezielt nach Bargeld. Schränke wurden nicht durchwühlt. In einem Fall entnahmen die Täter das Bargeld aus einer Geldkassette, die in einem Schreibtisch aufbewahrt wurde. Hier wurde der Gesamtschaden auf 500 Euro taxiert. Im anderen Fall deuteten ein geöffneter Schuhkarton und eine offenstehende Schranktür auf die Suche der Täter hin. Entwendet wurde hier nichts. Der Sachschaden liegt bei circa 250 Euro. Zeugen, die im Zusammenhang mit den Einbrüchen Beobachtungen gemacht haben oder sonst sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich mit der Polizeiinspektion Pirmasens unter der Telefonnummer 06331-520-0 oder per E-Mail pipirmasens@polizei.rlp.de in Verbindung zu setzen. (Polizeidirektion Pirmasens)

Anzeige