Die „Kleiderstube“ wurde 25 Jahre alt

Foto: Das Team der Kleiderstube, die am 11. April ihr 25-jähriges Bestehen feiern kann: (v.l.) Anni Benz, Susanne Tausendfreundt-Pohl ,Viola Braun-Reichstätter, Maria Danner, Christine Memmer, Brigitte Gieger, Eva Welsch und Ulrike Ruppert. Beim Fototermin fehlten Edith Kurz, Marga Schmitt und Uta Winter. (ran)

HAUENSTEIN. Eine gleichermaßen segens- und hilfreiche Einrichtung feiert Jubiläum: Am 11. April 1994 –vor 25 Jahren- öffnete zum ersten Mal die „Kleiderstube“ im ehemaligen Bibliothekssaal des Pfarrhauses ihre Pforten. Und seither haben dort ungezählte Menschen Hilfe gefunden. Und beileibe nicht nur, wenn es um Kleidung ging.

Ein Team von 11 Frauen –zuletzt sind auch einige jüngere Mitarbeiterinnen dazu gestoßen- schultert mit vielen Ideen, großem Zeitaufwand, viel Herzblut und ausschließlich im Ehrenamt die anstehende Arbeit: Sie alle und die „Ehemaligen“ tragen mit der tatkräftigen Hilfe von Paul Deny und von dem einen oder anderen Ehemann, der sie bei handwerklichen Aufgaben unterstützt, zu einer nun ein Vierteljahrhundert währenden Erfolgsgeschichte bei. „Und wir können auf diese 25 Jahre mit Stolz schauen“, sagen die Frauen – mit Recht.

Das Prinzip, nach dem die Kleiderstube arbeitet, ist sehr einfach. Gespendete und gut erhaltene Kleidungsstücke – von der Säuglingsausstattung und Oberbekleidung über Schuhe, Wäsche, Handtücher, Mäntel und Jacken bis hin zum Hausrat- werden gegen einen kleinen Obolus abgegeben. Manch einer der 40 bis 50 „Kunden“, die montags zwischen 14.30 Uhr und 17 Uhr zur Kleiderstube kommen, hat über das schwarze Brett ein Fahrrad gefunden. Auch Möbel oder andere sperrige Gegenstände konnten so vermittelt werden. Die Kleiderstube ist offen für alle, Flüchtlinge und sozial Benachteiligte finden hier immer wieder Hilfe.

Es sind zum Teil „hochwertige Sachen“, die aus Hauenstein, aber auch aus anderen Orten der Region in der Kleiderstube angeliefert werden. Oft stammen sie, wie die Mitarbeiterinnen erzählen, aus  Haushaltsauflösungen, oft kommen Kleider, weil im modisch orientierten Kleiderschrank kein Platz mehr war. „Die Leute haben Vertrauen zu unserer Einrichtung“, stellt Anni Benz fest, bei der die organisatorischen Fäden zusammenlaufen: „Sie wissen, dass die Kleider hier am richtigen Ort sind und sinnvoll weiterverwendet werden.“ Die Preise sind niedrig und so festgesetzt, dass „deutlich wird, dass die angebotenen Sachen einen Wert haben und die Besucherinnen und Besucher sich nicht als Almosenempfänger fühlen müssen“.

Trotz der sehr moderaten Preise kommt einiges zusammen. Und jeder Euro, der sich in den Kassen sammelt, kommt wieder Bedürftigen zugute. Zum Teil namhafte Spenden flossen und fließen an Menschen in Not. Alle vier Wochen trifft sich das Team, um über  Organisatorisches zu sprechen und regelmäßig auch darüber zu diskutieren, wie die Gelder verwendet werden: Nutznießer sind einheimische Einrichtungen wie die Kindergärten, die Jugendarbeit der Pfarrei oder der Hauensteiner Chile-Freundeskreis und die Aktion Afrika.

Auch die Frauenhäuser in Pirmasens und Landau und der Klosterhof Pirmasens oder eine in Kalkutta wirkende Ärztin, die Aktion „Mütter in Not“ und Kinder aus Tschernobyl konnten sich schon über Spenden und Unterstützung aus der Kleiderstube freuen. Wichtig sei aber auch: „Wenn wir von einer Notsituation im Ort oder in der Umgebung hören, hat das immer Vorrang“, berichtet Marga Schmitt. Dass man immer in der Lage ist zu helfen, dazu tragen auch der große Flohmarkt zum Pfarrfest und die beiden „kleinen aber feinen Basare“ zu Ostern und Weihnachten bei.

Wichtig ist dem Team die „Nähe zur Kirche“. Die räumliche Nachbarschaft –die Kleiderstube liegt im Schatten der Christkönigskirche- sei hier durchaus als Zeichen zu verstehen: Die Einrichtung, die aus dem Caritas-Ausschuss des damaligen Pfarrgemeinderates hervorgegangen ist, kann Menschen, die oft „kirchenfern“ aufgewachsen sind, Kirche und Glauben an einem ganz konkreten Beispiel erfahren lassen.

Und die Besucherinnen und Besucher wissen das auch zu schätzen: Für sie ist auch wichtig, dass sie mit der Kleiderstube einen Ort der Begegnung vorfinden, wo Erfahrungen ausgetauscht werden, Tipps weitergegeben, stolz Neugeborene gezeigt und –manchmal- auch das Heimweh der ausländischen Besucher gemildert wird, weil sie hier mit Landsleuten zusammentreffen können. Manchmal gibt’s als kleines Dankeschön einen Blumenstrauß, manchmal einen selbstgebackenen Kuchen. Und: Manche Besucher, die aus Hauenstein weggezogen sind, schauen nach Jahren mal wieder in der Kleiderstube vorbei.

 

Wie gesagt: Montags zwischen 14.30 Uhr und 17 Uhr hat die Kleiderstube geöffnet: Dann können auch saubere und tragbare Kleidungsstücke gebracht werden. „Und da sind wir sehr dankbar, dass uns die Bevölkerung so großzügig unterstützt und uns hilft, anderen Menschen das Leben leichter zu machen“, sagen die Frauen.

Zum Team der Kleiderstube zählen Anni Benz, Viola Braun-Reichstätter, Maria Danner, Brigitte Gieger, Edith Kurz, Christine Memmer, Ulrike Ruppert, Marga Schmitt, Eva Welsch, Susanne Tausendfreundt-Pohl und Uta Winter. Für die regelmäßige tatkräftige Unterstützung sind die Aktiven auch Paul Deny dankbar, der immer da ist, wenn kräftige Arme gebraucht werden.

Und da war noch…

…die Geschichte vom Mantel der Helferin. Sie hatte ihn zu Beginn der Öffnungszeiten abgelegt. Eine Kundin fand Gefallen und wollte das gute Stück gerade bezahlen, als die eigentliche Besitzerin aufmerksam wurde und den Deal gerade noch verhindern konnte. Nicht mehr rückgängig zu machen war aber der Verkauf des Rucksacks, den eine Kundin abgestellt hatte. Das praktische Teil gefiel einer anderen Kundin, die ihn im Eifer des Gefechts bezahlte und mitnahm. Aber auch hier konnte die die Situation bereinigt werden: Für das versehentlich verkaufte Teil konnte schöner Ersatz –sogar aus echtem Leder- besorgt werden.