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Ein Amselpaar brütete auf der Leiter

HAUENSTEIN. Da hat sich das Amselpaar wohl den passenden Gastgeber ausgesucht. Die Singvögel, auch unter dem Namen Schwarzdrossel bekannt, haben sich für ihr Brutgeschäft ausgerechnet bei einem „schwarzen Mann“ eingenistet. Auf der Terrasse des Hauensteiners  Martin Würz, der das ehrbare Handwerk des Schornsteinfegers in dritter Generation ausübt, haben sie ihr Nest gebaut, gleich vier Eier gelegt und ziehen nun den hungrigen Nachwuchs groß.

Und es gibt noch einen Bezug von diesen „Schwarzdosseln“ zum Schornsteinfegerhandwerk: Als Reminiszenz an die Kaminkehrer-Tradition der Familie hat Martin Würz die Leiter, die der Großvater von Haus zu Haus getragen hatte, unter dem Dach des Freisitzes als Dekoration drapiert. Und auf den Sprossen liegt das Kehrbesteck, die Kehrleine und der Leinstern, der den Ruß von den Kaminwänden fegt. Und genau dorthin hat das Pärchen aus Ästen und Moos sein Nest gebaut.

„Wir waren zunächst überrascht, weil auf dem Boden der eigentlich geschützten Terrasse immer mal wieder Material lag, das dort nicht hingehörte“, berichten Martin und Michaela Würz. Bis man den Flugverkehr des Amselpaares bemerkte, mal genauer nachforschte und dann das Nest auf Leiter und Kehrbesteck entdeckte. Als das schwarzgefiederte Männchen und das braune Weibchen ausgeflogen waren, schaute man einmal nach, was sich im Nest getan hatte.

Das füllte sich, wie Martin und Michaela entdeckten, nach und nach und mit einigem Abstand mit letztlich vier der grünen und mit schwarzen Punkten gefleckten Eier. Das Amselpaar bebrütete fleißig und mit großem Eifer die Eier, bis schließlich vier zunächst noch nackte Amselkinder geschlüpft waren. Nach und nach wuchs der Flaum, dann die Federn und der Hunger, der sich in weit aufgesperrten Schnäbeln äußert und die Vogeleltern zu ständiger Futtersuche zwang und zwingt. Und so wachsen die Jungvögel heran – und der Tag, an dem sie flügge werden und das Nest verlassen können, scheint näher zu rücken.

Noch einmal zurück zu den Gastgebern: Martin Würz übt –wie gesagt- sein Handwerk schon in dritter Generation aus, ist Meister seines Fachs und seit 2013 als Bezirksschornsteinfeger in seinem Kehrbezirk im Dahner Tal unterwegs. Dort war auch schon sein Großvater Alois, der in Münchweiler zuhause war, tätig gewesen. Auch Martins jung verstorbener Vater Franz war Teil der schwarzen Zunft, die seit alters her auch den Ruf eines Glücksbringers genießt. Franz Würz war in der Region auch als engagierter Georgspfadfinder bekannt. Sein Sohn Martin erlernte das Handwerk bei seinem Vater und erwarb nach dessen Tod den Gesellenbrief bei Meister Jakob Wenrich.