Ein Rückblick auf vier Jahrzehnte Weihnachtsdorf in der Schuhgemeinde.

11. Dezember 2020
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HAUENSTEIN. Das zweite Adventswochenende: Das ist seit vielen Jahren der feste Termin für den Hauensteiner Weihnachtsmarkt, der seit 1980 als einer der stimmungsvollsten Märkte der Pfalz tausende Besucher in den Wasgau lockt. Heuer musste er ausfallen: ein Rückblick auf vier Jahrzehnte Weihnachtsdorf in der Schuhgemeinde.

Vor allem in den Jahren vor und nach der Jahrtausendwende, als dem damaligen Ortsbürgermeister Willi Schächter keine Mühe zu viel war, um den Markt aufzuwerten, bot der „Weihnachtsmarkt wie vom Christkind“, wie die Rheinpfalz einmal titelte, unvergessene Höhepunkte. Aus dem ganz Südwestdeutschland reisten die Gäste an, um zeitweise 50 und mehr Kunsthandwerkern über die Schultern zu schauen. Bis zu 30 weitere Marktbeschicker sorgten für ein breites Angebot an Speis und Trank beispielsweise.

Der Markt war immer von der Mitwirkung von vielen Kunsthandwerkern geprägt, die vor dem Publikum ihre handwerkliche Kunst präsentierten: Glasbläser und Krippenbauer, Töpfer und Tiffanykünstler, Steinmetze und Schnitzer, Mario­nettenbastler, Zinngießer und Sattler waren da, Didgeridoos entstanden und Collagen oder Holzspielsachen in vielen Variationen, Silber­schmuck wurde kreiert. Korbflechter waren da und Krippenbauer, Lebkuchenhäuser wurden aufgebaut und große Modelleisenbahnanlagen. Weil so viele kamen, reichte der Platz in den malerischen Hütten, Buden und Zelten im Weihnachtsdorf an der Schulstraße nicht.

So zog sich das vorweihnachtliche Geschehen einige Jahre hin zur „Fabrik“, wo die Besucher in besonderem Ambiente des alten Hengen‘schen Fabrikgemäuers kunsthandwerkliche Aktivitäten verfolgen konnten. Und als die „Fabrik“ ab dem Jahr 2000 nicht mehr zur Verfügung stand, wurden auf dem Johann-Naab-Platz große Zelte aufgebaut, die zwar nie den Charme der Fabrik versprühten, aber in die mit viel Mühe vorweihnachtliches Ambiente gezaubert wurde.

Der Markt zog immer auch als deutsch-französischer Weihnachtsmarkt die Gäste in seinen Bann. Gäste aus Chauffailles waren regelmäßig dabei: 1995, als man die Silberhochzeit der Jumelage mit der südburgundischen Stadt feierte, brachten die Partner gar einen Nachbau der Prunkkarosse den Sonnenkönigs mit in die Pfalz, mit der dann der Nikolaus samt Knecht Ruprecht-Gefolge zu seinem Auftritt vor zahllosen Kindern chauffiert wurde. Auch zahlreiche Gäste durften mit der goldbesetzten Kutsche eine Runde im Dorf drehen.

Über viele Jahre ließ Jean-Charles Doyen aus der burgundischen Partnerstadt, ein begnadeter Künstler der traditionellen Glaszieherei, mit seiner farbenfrohen Kunst nicht nur die Kinderherzen höherschlagen. Und in seinem Gefolge kamen weitere „artisans d’art“ aus der Partnerstadt und auch aus Lothringen und dem Elsaß reisten Aussteller an.

Nicht zuletzt bereicherte auch Besuch aus Südtirol das Marktgeschehen, um bei den vielen Besuchern für ihre Heimat zu werben: Da war beispielsweise Karl, der Skilehrer aus Pfelders, den jeder dritte Hääschdner kannte, weil er als Schüler eben bei Karl im Passeiertal das Skifahren gelernt hatte. Und Karl hatte nicht nur viel zu erzählen, er hatte immer auch ein paar Flaschen „Roten“ und einen ausgezeichneten Parmesan mit Schüttel- oder Speckbrote dabei. Nicht anders war es in der Hütte bei den Mahlknechts aus Steinegg im Südtiroler Eggental, die ein fabelhaftes Speckbrot servierten und mit ihrer Musik alpenländische Stimmung ins Weihnachtsdorf zauberten. Stichwort Alpenland: Einige Jahre zog auch der Herrgottschnitzer Martin Müller aus Oberammergau die Blicke der Besucher auf sich.

Ein besonderer Höhepunkt war auch, als 2003 ein Krippenspiel im heimischen Dialekt aufgeführt wurde: Die verstorbene Hermine Seibel, damals 77 Jahr alt, hatte es verfasst, Kinder und Jugendliche aus der „Schola“ hatten es mehrfach und sehr zur Freude des Publikums aufgeführt. Schade, dass das herrliche Stück bisher keine Neuauflage erleben durfte.

Es gab und gibt viele lieb gewordene Traditionen, die das Marktgeschehen, das sich fast 15 Jahre lang und bis 2011 wegen des großen, auch überregionalen Publikumsinteresses an zwei Adventswochenenden öffnete, bestimmten: Die Kunstausstellung der einheimischen Künstler gehörte dazu ebenso wie das stets den Markt abschließende Konzert in der Alten Kirche. Es gab ungezählte musikalische Beiträge von Chören, Musikgruppen und den „Turmbläsern“. Und zum Weihnachtsmarkt zählte wie Tannengrün und Lichterglanz der Besuch des Heiligen Nikolaus, auf den viele Kinder ungeduldig warteten.

In den letzten Jahren hatte der Markt, nicht zuletzt auch wegen der vielen ähnlichen Veranstaltungen in der Region an Anziehungskraft verloren, zog aber immer noch tausende Besucher in die Wasgaugemeinde, die die nach wie vor besondere Atmosphäre des Marktes genossen. Mit dem Johann-Naab-Platz, auf den der Markt 2013 umzog, fremdeln freilich viele Hauensteiner. Sei’s drum: Im Corona-Jahr 2020 muss er ganz ausfallen. Das ist schmerzlich – auch für die Gruppen, die den Markt nutzten, um Mittel für Projekte in Südamerika und Afrika zu erwirtschaften oder die Vereinskasse aufzubessern. (ran)

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