Es geht um die Zukunft der Friedenskirche

26. März 2019
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HAUENSTEIN. Bei der Pfarrversammlung, die sich am Sonntag in der Bartholomäuskirche mit der Zukunft der Friedenskirche befasste, schlossen sich die anwesenden Pfarrangehörigen weitgehend jener Meinung an, die Pfarrer Gerhard Kästel einleitend formuliert hatte: „Wenn wir eine Kirche aufgeben, um die beiden anderen in die Zukunft zu retten, dann haben wir Großes getan.“

Der Pfarrversammlung, der rund 80 Interessierte beiwohnten, hatte der Ortspfarrer zunächst deutlich gemacht, dass dieses Gremium selbst keine Entscheidung über die künftige Verwendung des 1972 eingeweihten Gotteshauses treffen könne. Die Beschlüsse müssten im Verwaltungsrat getroffen werden. Bei der Pfarrversammlung wolle man „die Gemeinde hören“, man wolle „wichtige Informationen geben, damit sich jeder ein eigenes Bild machen kann“.

Der Pfarrer informierte zunächst darüber, dass der Verwaltungsrat bereits vor fünf Jahren beschlossen habe, außer „Notmaßnahmen“ keine „größeren finanziellen Aufwendungen für die Friedenskirche“ zu genehmigen. Seit zwei Jahren finden nun, weil sich der bauliche Zustand rapide verschlimmerte, in dem Gotteshaus im Wohngebiet Hinter dem Felsen keine Gottesdienste mehr statt.

Über die Schäden berichtete Alexandra Ruffing, die stellvertretende Leiterin des Bischöflichen Bauamts: Das Blechdach weise durch immer wieder entstehendes Kondensat „unterseitig Weißrost auf, sodass ständig neue Löcher entstehen“. Sie seien in den vergangenen Jahren regelmäßig notdürftig mit Folien überklebt worden. Das habe aber nicht verhindern können, dass zunehmend Wasser in den Kirchenraum eindrang. Zweiter Schadensschwerpunkt ist die Sichtbetonfassade und besonders der Turm: Hier reiche die Überdeckung der Stahlarmierung nicht aus, sodass die Bewehrung rostet, Betonteile abplatzen und Risse entstehen. Aus Sicherheitsgründen sind deshalb die Zuwegung und der Zugang zur Kirche abgesperrt.

Eine Sanierung sei grundsätzlich machbar, konstatierte Alexandra Ruffing, sie sei aber mit einigem finanziellen Aufwand verbunden. Bei einer Kostenermittlung vor anderthalb Jahren habe man einen Sanierungsaufwand von 500.000 Euro errechnet. Bei den zuletzt rasant gestiegenen Baupreisen müsse man davon ausgehen, dass für die akuten Maßnahmen jetzt rund 600.000 Euro aufzuwenden wären. Der Regelzuschuss des Bistums liege bei 60 Prozent (360.000 Euro), sodass die Pfarrgemeinde selbst noch rund 240.000 Euro zu stemmen hätte.

Ruffing geht zudem davon aus, dass pro Jahr im Durchschnitt zwischen 15.000 und 20.000 Euro zur baulichen Unterhaltung aufzubringen wären. Walter Schmitt, langjähriger Kirchenrechner und Mitglied des Verwaltungsrats, informierte, dass an fixen Kosten für das Gotteshaus –auch ohne gottesdienstliche Nutzung- pro Jahr rund 8.000 Euro aufzubringen seien. Er bezifferte die Rücklagen für das Gotteshaus auf einen Betrag zwischen 60.000 und 70.000 Euro.

Vor diesem Hintergrund wollte Patrick Stöbener den Anwesenden und den Entscheidungsträgern „ans Herz legen, das Gebäude aufzugeben“. „Wir können der nächsten Generation nicht noch weitere Kosten aufbürden“, sagte er und plädierte für einen Abriss der Kirche. Auf dem frei werdenden Gelände sollte Baugelände für junge Familien bereitgestellt werden.

Dass eine mögliche Aufgabe der Friedenskirche auch Wehmut aufkommen lässt, auch das machten Wortmeldungen in der von Jutta Schwarzmüller und Klaus Scheunig vom Bischöflichen Ordinariat Speyer moderierten Aussprache deutlich. Anne Riegel fragte nach, ob nicht ein Abtragen des Turms die Problematik reduziere, wozu die Architektin bemerkte, dass „das baulich schon, aber architektonisch eben nicht machbar“. Riegel regte auch an, mit der Gründung eines Fördervereins zum Erhalt der Kirche beizutragen.

Johannes Seibel sprach die Weiterverwendung der monumentalen Kreuzigungsgruppe im Chorraum der Kirche, die sein Vater Franz Seibel geschnitzt hatte. Die Figuren sollten, so seine Meinung, „ihren liturgischen Dienst weiterverrichten können, vielleicht in einer anderen Kirche, vielleicht an einem anderen öffentlich zugänglichen Ort“. Man habe sich durchaus Gedanken über die künftige Verwendung der sakralen Gegenstände gemacht, habe aber noch kein „konkretes Ergebnis“, sagte Pfarrer Kästel. Für die Orgel habe man bereits überprüft, ob sie nicht in der alten Kirche installiert werden könne, ergänzte Walter Schmitt. Die Orgel sei freilich zu groß und zu voluminös für den Bartholomäus-Kirchenraum.

Das weitere Procedere sieht nun so aus, wie Pfarrer Kästel ausführte, dass nun umgehend der Verwaltungsrat die Frage der Aufgabe der Kirche per Beschluss lösen müsse. Entscheidet man sich für die Aufgabe, werde die Kirche in einer gottesdienstlichen Feier vom Bischof „profaniert“. Erst dann werden „die weiteren Schritte der Verwertung von Gebäude, Gelände und Inventar“ zu klären sein. Der Pfarrer abschließend: „Ich hätte mir am Ende meiner Zeit in Hauenstein eine andere Aufgabe gewünscht.“ Klaus Scheunig tröstete: „Sie schließen ja nur ein Gebäude, nicht die Gemeinde.“ (ran)

Strafbarer Schuhtausch
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