Es war das erste Konzert der Initiative „Kultur im Dorf“ nach der langen Corona-Pause

HAUENSTEIN. Es war eine runde „Deutschstunde“, die Klaus Reiter (Gitarre), Barbara Wesely (Akkordeon) und Albert Koch (Mundharmonika) am Samstagabend im Hauensteiner Bürgerhaus hielten: Das Publikum dankte für eine eindrucksvolle Lektion deutschsprachiger Musik mit rhythmischem Klatschen.

Es war das erste Konzert der Initiative „Kultur im Dorf“ nach der langen Corona-Pause und wurde –passend-  eröffnet mit Waders „Gut, wieder hier zu sein“ und -ebenso stimmig- mit Meys „Gute Nacht, Freunde“ abgeschlossen. Und dazwischen gab’s wunderschön dargebotene Pretiosen aus der Liedermacherszene, aus dem -im guten Sinne- Volksliedfundus und dazwischen: eine Pirmasenser „Ecke“.

Das Programm basierte hauptsächlich auf Liedern der vier Liedermacher Klaus Hoffmann, Hannes Wader, Konstantin Wecker und Reinhard Mey. Zugegeben: Die „Barden“ sind in die Jahre gekommen. Ihre Songs aber sind so frisch wie eh und je. Die Botschaft ihrer Texte hat an Aktualität nicht einen Deut verloren, etwa, wenn Konstantin Wecker mit dem Text „Was keiner wagt“ des Theologen Lothar Zenetti zu Zivilcourage und selbstständigem Denken aufruft oder wenn Hannes Wader mit „Es ist an der Zeit“, seiner Version des Liedes „The green fields of France“, die Sinnlosigkeit jeden Krieges darstellt.

Eine bedrückende Aktualität hat auch das von Hein & Oss aus Spanien „importierte“ Lied „Der Pfahl“, das von dem katalanischen Liedermacher Lluís Llach 1968 als Hymne des Kampfes gegen die Franco-Diktatur verfasst worden war: Es ist in diesen Tagen auch das Lied der Menschen, die in Belarus auf die Straße gehen, wobei der „Pfahl“ als Metapher für den Unterdrückerstaat fungiert: “Siehst du den brüchigen Pfahl dort, mit unsern Fesseln umschnürt? Schaffen wir doch diese Qual fort, ran an ihn, dass er sich rührt.“

Daneben gab es auch die „Evergreens“ der Liedermacher: Reinhard Meys „Über den Wolken“ und „Ich wollte wie Orpheus singen“ etwa oder Waders schon zum geflügelten Wort gewordenes „Heute hier, morgen dort“ und Klaus Hoffmanns „Salambo“, es gab die wunderschöne musikalische Landschaftsbeschreibung in Konstantin Weckers „Mein Flandernland“ und Hannes Waders „Kleine Stadt“, eine poetisch-melodiöse Liebeserklärung an Weißenburg. Und es gab auch das klassische Volkslied wie „Die Gedanken sind frei“ und „Ade nun zur guten Nacht“. Ja: Und das war dann noch die kleine Pirmasenser Ecke mit Ralph Maxstadts „Bärmesens“ und Bernd Ernsts „G’Morche Bärmesens“, das das Hohe Lied auf die Schuhstadt zur Melodie von „City of New Orleans“ singt.

Dargeboten wurde das überaus abwechslungsreiche Programm von einem Trio: von Klaus Reiter, dem bestens und in viele Genres hinein vernetzten Gitarristen aus Rodalben,  dessen unprätentiöse Stimme, dessen variantenreiche Gitarre und dessen kenntnisreiche Moderation das Programm prägten, von der Akkordeonistin Barbara Wesely, die die Melodien sehr einfühlsam und subtil unterlegte, nie in den Vordergrund drängte und immer wieder einen spielerischen Hauch Musette einfließen ließ und von Albert Koch, dem Mundharmonika-Virtuosen aus Kaiserslautern.

Der „Paganini der Bluesharp“, wie die Süddeutsche Zeitung Koch einmal nannte, setzte ein ums andere Mal mit atemberaubenden Soli ganz besondere Akzente, wenn er die Melodie aufnahm und sie mal jazzig, mal rockig oder bluesig und immer virtuos verfremdete. Reiter und Wesely ließen Koch, der schon mit Pete York (Spencer Davies Group, Hardin and York) oder Chris Farlowe (Colosseum) auf der Bühne stand, immer Raum, sein Ausnahmekönnen mit dem kleinen Instrument auszuspielen.

Das Publikum ließ sich im Corona gerecht auf Abstand bestuhlten und fast ausverkauften Bürgerhaus (45 Gäste waren zugelassen, über 40 gekommen) gerne mitnehmen, hörte über fast 150 Minuten, die von einer „Lüftungspause“ unterbrochen waren, äußerst aufmerksam zu, sang oder summte manchmal leise mit und dankte den Interpreten schließlich mit lang anhaltendem Applaus: zwei Zugaben. (ran)