Kunstrasen in der Schulsportanlage „Wasgaustadion“

HAUENSTEIN. Weil im Ort die „Emotionen hochkochen“, appelliert der Hauensteiner Ortsbürgermeister Michael Zimmermann (CDU) an die Mitglieder des Kreistags: Sie sollten die „bedauerliche Entscheidung“ des Kreis-Bauausschusses, der den Einbau eines Kunstrasens in der Schulsportanlage „Wasgaustadion“ vor allem aus ökologischen Gründen abgelehnt hat (Rheinpfalz vom 17. November), noch einmal überdenken. Der Beschluss wird im Ort ausführlich diskutiert und in den sozialen Medien heftig kritisiert.

Zum Hintergrund: Zwar war seit 2007 in Hauenstein immer wieder ein Kunstrasenfeld für das Hauensteiner Wasgaustadion gefordert worden. Seit aber im Sommer 2018, als der Bauausschuss des Kreises einen Antrag der Kreis-Grünen (!), das Naturrasenspielfeld des Stadions in einen Kunstrasen umzuwandeln, einstimmig abgelehnt hatte, war das Thema eigentlich „gegessen“. Ökologische Gründe waren damals angeführt worden und vor allem gab’s keine Perspektive zur Finanzierung des Projekts.

Jetzt ist die Diskussion wieder da, weil sich die finanziellen Voraussetzungen geändert haben. Wie der Kreisbeigeordnete Christof Reichert (CDU) betonte, könnte ein Kunstrasen aus dem neu aufgelegten Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen“ –unter anderem für Sportstätten- mit einer Quote von 55 Prozent gefördert werden. Aus Fördertöpfen des Landes könnten weitere 25 Prozent fließen, sodass der Kreis mit einer Gesamtförderung von 80 Prozent rechnen könne. Wobei schon erwähnenswert sei, so Reichert, dass die Grünen den Antrag auf Kunstrasen vor zwei Jahren eingebracht hatten und ihn nun mit abschmetterten. Denn die neue finanzielle Perspektive reichte den Ausschussmitgliedern nicht, um einem Kunstrasenplatz zuzustimmen: Grüne, FWG, AfD und ein Teil der SPD stimmten mit 5:6 Stimmen gegen den Beschlussvorschlag der Verwaltung.

Das sorgt in der Schuhgemeinde für heftige Diskussionen. Ortschef Zimmermann bezieht sich in seiner Stellungnahme auf den Leserbrief von Markus Kuntz, der zur ökologischen Begründung der Entscheidung des Bau-Ausschusses überaus kritisch Stellung bezogen hatte (Rheinpfalz vom 20. November): „Dieser ausführlichen Stellungnahme des langjährigen SCH-Geschäftsführers ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen“, führt Zimmermann aus.

Kuntz‘ Ausführungen machten deutlich, dass es „deutlich stärkere Argumente für Kunstrasen als gegen einen solchen“ gebe. Zimmermann weist auch auf einen ökologischen Aspekt hin, der für den Kunstrasen spricht: Er konstatiert, dass ein Naturrasen enormen Wasserverbrauch fordere. Das müsse gerade bei den zunehmend trockenen Sommern, in denen ein Stadionrasen ohne regelmäßige Wässerung zur braunen Wüste verkomme, berücksichtigt werden.

Unabhängig davon sei auch zu beachten, dass zukünftig vielleicht „nicht mehr die Manpower zur Pflege des Naturrasens gewährleistet werden kann“, für die derzeit der SCH sorgt. Seine „Dienstagsoldies“ zeichneten dafür verantwortlich, dass sich der Naturrasen in „gutem Zustand“ befinde, wie ihn Bauamtsleiter Peter Martini in der Sitzung beschrieben hatte. Der aktiven Rentnertruppe sei es auch zu verdanken, dass sich die Unterhaltungskosten für den Kreis als Träger des Stadions in Grenzen hielten.

Der Ortsbürgermeister gibt schließlich zu bedenken, dass mit einer Revision des Beschlusses „ein starkes Signal nach Hauenstein“ ginge, das auch „bei möglicherweise noch anstehenden Entscheidungen in der der Zukunft – Stichwort Kommunalreform – sehr positiv gewertet werden könnte.“

Auch Andreas Wilde (SPD), Mitglied des Kreis-Bauausschusses und Beigeordneter sowohl der Orts- als auch der VG Hauenstein, kritisiert den Beschluss des Gremiums, den er im Unterschied zum Fraktionskollegen Heino Schuck nicht mitgetragen habe: Er verweist auf den hohen Aufwand, den der SCH in die Pflege des Naturrasens gesteckt habe. Wilde weist auch darauf hin, dass der Naturrasenplatz für einen geregelten Sportbetrieb nicht mehr geeignet sei, weil er „zu schwammig“ sei. Es müsste dringend ein Kunstrasenplatz geschaffen werden, von dem „Vereine aus der ganzen Verbandsgemeinde mit ihren vielen Jugendmannschaften profitieren“ könnten.

Auch der SCH-Vorsitzende Udo Memmer will die im Ausschuss geäußerte Bewertung der Rasenqualitätist nicht gelten lassen: „Der Platz ist nur optisch einwandfrei. Das liegt zum einen an der Corona-Pause und zum anderen an der intensiven Pflege durch unsere Dienstags-Oldies, deren Arbeit eigentlich unbezahlbar ist“, konstatiert er und stellt zugleich fest, dass der Naturrasen „eigentlich ein Sanierungsfall“ sei: „Die Drainage in der dem Dorf zugewandten Hälfte funktioniert nicht mehr. Dort wird das Oberflächenwasser kaum mehr abgeführt mit der Folge, dass der Rasen tief, weich und schwammig, damit auch schwer bespielbar und verletzlich ist.“ Ein Kunstrasen wäre „eine gute Lösung, nicht nur für uns, sondern für alle Vereine der Verbandsgemeinde“, schließt Memmer.

Und dann war da noch…

die Aussage im Bauausschuss, dass die Pflege des Platzumfeldes den Kreis im Jahr gerade mal 5.000 Euro kostete. Das sei doch schlicht eine Milchmädchenrechnung, wird in Hauenstein kritisiert. Andreas Wilde beispielsweise nimmt darauf Bezug: Er habe in den Bauausschusssitzungen immer wieder darauf hingewiesen, dass der Kreis seinen Verpflichtungen zu Pflegemaßnahmen an den leichtathletischen Anlagen und im Umfeld nicht nachgekommen sei: „Ab und zu wurden ein paar Hecken geschnitten, das war’s aber auch.“

Und aus den Reihen der Dienstagsoldies, die den Rasen in Schuss halten, wird im Übrigen regelmäßig darauf verwiesen, dass der Kreis das Stadionumfeld nur sehr nachlässig pflege: Unkraut wuchere aus den Gehwegplatten, in der Sprunggrube stehe kniehoch das Unkraut, Herbstlaub liege monatelang auf der Laufbahn. Nur so lasse sich der im Ausschuss genannte Pflegeaufwand des Kreises in Höhe von jährlich 5.000 Euro erklären…