Lesen wirkt wie eine gute Medizin

9. November 2020
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HAUENSTEIN. „Lesen wirkt wie eine gute Medizin. Nebenwirkungen sind nicht bekannt“ und „Bücher sind fliegende Teppiche ins Reich der Phantasie“ und „Ein Kind, das liest, wird zum Erwachsenen, der denken kann.“ Diese und weitere Aphorismen finden sich auf kleinen Plakaten in der Hauensteiner Bücherei. Und die Mitarbeiterinnen tun alles dafür, dass das Lesen zum geliebten Hobby werden und seine so beschriebenen Wirkungen entfalten kann. Wegen Corona ist die Bücherei aber bis zunächst Ende November geschlossen.

Zwölf Frauen im Alter zwischen vierzig und 75 Jahren kümmern sich darum, dass die „Pfarr- und Gemeindebücherei“ mit ihren rund 10.000 Büchern, darunter 3.500 Kinder- und Jugendbücher, mit 288 Spielen, mit Hörbüchern, Zeitschriften und mit 22 „Tonies“ regelmäßig geöffnet werden kann. Zum Team, das von Silke Franz geleitet wird, zählen Esther Keiser, Rosemarie Lerchenmüller, Simone und Elke Rödig, Meike Hinnersmannn, Marion Engel, Birgit Dickes und Verena Leidner. Die Leiterin und die Mitarbeiterinnen  Karin Falkenhain, Maria Rödig und Stephanie Baron erläuterten der Rheinpfalz die gegenwärtige Situation der Einrichtung, deren schmuckes Interieur maßgeblich von Christoph Seibel entworfen wurde.

Viermal pro Woche stehen die Medien zur Ausleihe bereit – eigentlich. Wegen Corona –die Pandemie machte auch eine zwei Monate andauernde Schließung notwendig- ist freilich nur noch dienstags und freitags von 17.30 bis 19.30 Uhr geöffnet. Jeweils drei Mitarbeiterinnen bilden ein festes Team, das die Medienrückgabe, die Beratung, die Ausleihe und das Einräumen der zurückgegebenen Bücher managt.

„Schade, dass die Vormittagstermine mittwochs und sonntags vorübergehend wegfallen müssen“, berichtet Silke Franz. „Da kommen gerne Mütter mit ihren Kindern und lesen ihnen in der Leseecke vor, es kommen Ältere, die sich gerne beraten lassen“, beschreibt Maria Rödig die besondere Atmosphäre am Vormittag. Und: Man habe auch ältere Leserinnen und Leser, denen man den Lesestoff ins Haus liefert, informiert sie über einen besonderen Service des Teams.

Um künftige Leser zu gewinnen, arbeitet die Bücherei mit den beiden Kitas und der Grundschule zusammen. Die Vorschulkinder nehmen an dem Programm „bibfit“ teil, an dessen Ende es den Bibliotheksführerschein gibt. Es „geht darum, den Kindern den Umgang mit Büchern und Bibliotheken vertraut zu machen. Und dabei stehen die Freude am Lesen und das spielerische Kennenlernen unserer Bücherei im Vordergrund“, erzählt Stephanie Baron. Jeden ersten Montag im Monat machen sich auch die Kinder der Klassen zwei bis vier der Grundschule auf den Weg zur Bücherei, wo die Neulinge zunächst mit einer Büchereirallye die Einrichtung kennenlernen und dann regelmäßig Bücher ausleihen können.

Einen Boom erlebte der Lesesommer 2020 in und rund um die Sommerferien: 50 Kinder nahmen heuer teil, lasen mindestens drei Bücher, über die sie in einem „Buch-Check“ berichten konnten. Die meisten Bücher lasen Noah Grasse, Peninah Brunner, Isabella Eichberger, Sophie Otto und Karolin Sauer gelesen, wobei der Spitzenreiter 30 Bücher mit insgesamt 4000 Seiten verschlang. Auf das sonst übliche Abschlussfest musste man verzichten. Für alle Teilnehmer gab’s aber die Urkunde und eine „Überraschungstüte“. Über den Lesesommer informierte sich übrigens auch Staatsminister Konrad Wolf bei einem Besuch in der Bücherei Mitte August.

Lesesommer, „bibfit“ und regelmäßige Büchereistunden für die Grundschüler sind nur ein Teil der vielfältigen Aktivitäten der Bücherei: An Allerheiligen lädt sie regelmäßig zu einem Spielenachmittag ein, bei dem neue Spiele getestet werden können, zum „Keschdemarkt“ bietet man einen Bücherflohmarkt, zum Weihnachtsmarkt einen Tag der Offenen Tür. Und um das Bücher- und Medienangebot auszuweiten, macht die Bücherei auch von der Blockausleihe Gebrauch, mit der die Staatliche Büchereistelle Medienpakete zu bestimmten Themenbereichen zusammenstellt und zeitlich begrenzt zur Verfügung stellt. Zur Finanzierung neuer Bücher Zuschüsse aus dem Gemeindesäckel und als Gemeinde- und Pfarrbücherei auch aus kirchlichen Mitteln. Um Kosten zu sparen, übernimmt das Team das aufwendige „Foliieren“ der Medien selbst und „baggert“ damit Mittel frei zur Anschaffung neuer Bücher.

244 Erwachsene und 342 Kinder und Jugendliche sind als Leser registriert, darunter auch zahlreiche Personen aus den umliegenden Gemeinden, wie Silke Franz berichtet. Eifrige Leser seien vor allem Kinder. „Allerdings wird es ab der 5. Klasse, ab etwa 10 Jahren, schwerer“, hat Karin Falkenhain beobachtet. Auch dass deutlich weniger Buben als Mädchen das Angebot der Bücherei nutzen, sei deutlich. Für das Angebot der „Onleihe“, über die für einen Jahresbeitrag von zwölf Euro eine Unzahl von Büchern digital entliehen werden können, sind 180 Nutzer registriert.

Corona hat –außer den eingeschränkten Öffnungszeiten- der Bücherei besondere Aufgaben gestellt: So musste ein möglichst begegnungsfreies Wegesystem erarbeitet werden, Mund- und Spuckschutz, Händedesinfektion von „Kind und Kegel“ sind obligatorisch, die zurückgegebenen Bücher „ruhen“ drei Tage, ehe sie wieder in die Ausleihe aufgenommen werden können. „Die Einschränkungen und Regeln werden akzeptiert. Da hat es bisher keine Probleme gegeben“, berichten die Mitarbeiterinnen.

 

Büchereien in der Südwestpfalz

Die Bücherei in Hauenstein ist eine von insgesamt 34 öffentlichen Bibliotheken im Landkreis Südwestpfalz, wie Angelika Hesse von der Staatlichen Büchereistelle in Neustadt auf Anfrage mitteilte. 15 Bibliotheken stehen unter kommunaler Trägerschaft, 19 werden als katholische öffentliche Bibliotheken geführt. Hauenstein ist eine kombinierte öffentliche und katholische Bücherei.

In den Bibliotheken des Landkreises stehen knapp 130.000 Medien bereit. Sie wurden im vergangenen Jahr rund 166.000 Mal ausgeliehen. Zudem wurden aus dem Kreis 18.570 digitale Medien entliehen – entweder über die Onleihe RLP (www.onleihe-rlp.de), die 100.000 Medien zur Verfügung stellt, oder über die Onleihe des Bistums Speyer vorgenommen.

Die größte Bücherei ist die Zentralbücherei der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben mit über 28.000 Medien, die als Pilotprojekt zur Förderung des Bibliothekswesens im ländlichen Raum aufgebaut wurde. Sie ist die einzige hauptamtlich-fachlich geleitete Bibliothek im Landkreis. Die meisten Büchereien werden ausschließlich im Ehrenamt betreut.

Angelika Hesse weist auch darauf hin, dass die Stadtbücherei Pirmasens eine große Ausstrahlung auch in den Kreis hinein hat. Sie erzielte 2019 mit 89.755 Medien insgesamt 157.595 Entleihungen und 25.307 Entleihungen von digitalen Medien. (ran)

 

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Betrunken und berauscht mit dem Auto unterwegs
Dahn (ots) - In der Nacht von Freitag, den 02.10.20, auf Samstag, den 03.10.20, gegen 01:00 Uhr kontrollierten Polizeibeamte der Dahner Polizei einen 20-jährigen Fahrzeugführer in seinem Mercedes-Benz. Der junge Fahrer war in Dahn unterwegs, als die Beamten bei der Verkehrskontrolle deutlichen Alkoholgeruch wahrgenommen hatten. Ein freiwilliger Atemalkoholtest ergab einen Wert von 1,12 Promille. Zudem stellten die Beamten fest, dass der 20-jährige offensichtlich unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln stand. Dem Fahrer wurde daraufhin eine Blutprobe entnommen. Der Führerschein und Fahrzeugschlüssel wurden sichergestellt. Der Fahrer muss sich nun wegen Trunkenheit im Verkehr verantworten. Daneben kommen weitere Ermittlungen wegen dem Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz auf ihn zu. //pidn (Polizeidirektion Pirmasens)