Miteinander auf pfälzisch

HAUENSTEIN. „Kampfszenen unter der Fichte“ oder „Wanderer attackiert Mountainbiker“ und „Rabiater Mountainbiker schlägt Wanderer ins Gesicht“ – nur drei von vielen Schlagzeilen aus Schwarzwald und bayrischen Alpen, unter denen über handgreifliche Konflikte zwischen Wanderern und Zweiradfahrern berichtet wird. Dass es auch anders geht, wenn Wanderer und Biker sich im Wald begegnen, zeigt ein Beispiel aus Hauenstein: Die Wanderer vom PWV und das Trail-Guide-Team „Quäl dich, du Sau“ laden gemeinsam zum „Trail-Camp uff de Hitt“ ein.

„Miteinander auf pfälzisch“ lautet denn auch der doppeldeutige Untertitel des Programms: Man will den Teilnehmern –bis zu 35 Biker können teilnehmen-  zum einen typisch pfälzische Geselligkeit bieten, zum anderen aber auch Beispiel dafür geben, dass die Erlebniszone Wald keineswegs ein Ort „des gegenseitigen Bekriegens zwischen Wanderern und Montainbikern darstellt“ wie es Raymund Burkhard, der Vorsitzende des PWV Hauenstein formuliert und „ein Miteinander“ fordert. „Es fällt keinem Wanderer ein Zacken aus der Krone, wenn er einen Schritt auf die Seite geht und Platz für einen Biker macht“, fährt er fort. Er mache das so und ernte dafür immer ein freundliches „Dankeschön“.

„Trailcamp uff de Hitt“

Das „Trailcamp uff de Hitt“ verspricht von Freitag, 05. Juni, bis Sonntag, 08. Juni, „Mountainbike- und Hüttenfieber“, „drei geile Tage im Herzen der Pfalz“ und „feine Trails im Überfluss“.  Es wird vom Pfälzerwald-Verein Hauenstein veranstaltet, „Base-Camp“ ist folgerichtig das Wanderheim „Dicke Eiche“ des Vereins. Für das Programm zeichnen die MTB-Spezialisten vom Team „Quäl dich du Sau“ verantwortlich.

Nach einer rund zweistündigen „Kennenlerntour“ am Freitag, können sich die Teilnehmer samstags und sonntags für je eine der vier angebotenen Tagestouren, die von den Trail-Guides begleitet werden, entscheiden: „Genussbiker“ sind dann auf einer 45 Kilometer langen Tour mit rund 900 Höhenmetern unterwegs, ein „Marathon“ führt über 65 Kilometer und 1.500 Höhenmeter und bei der „Quäl dich, du Sau“-Tour werden 90 Kilometer und rund 2.500 Höhenmeter unter die Stollen der MTB-Reifen genommen. Ansonsten bietet das Camp viel Hüttenleben, eine Grillparty mit der „Sau vom Spieß“, einen Pfälzer Abend mit Live-Musik und nicht zuletzt viel Fachsimpelei unter Fachleuten.

215 Euro kostet das verlängerte Wochenende für Frühbucher, Buchungen nach dem 01.Februar kosten 240 Euro. Nähere Informationen unter E-Mail martin@trail-guides.de oder auf der Homepage www.trail-guides.de (ran)

Aus der Sicht der Mountainbiker sieht das Martin Kunz aus Hauenstein, einer der Trail-Guides, ganz ähnlich und plädiert für „leben und leben lassen: Einmal machen Wanderer Platz, einmal halte ich an. Und das ist gut so“, sagt er und betont, dass der Wald bei „gegenseitiger Rücksichtnahme und Toleranz von beiden Seiten“ sowohl für Wanderer als auch für Biker genügend Platz und Raum für die je eigene naturnahe sportliche Betätigung bietet. Und er hat Tipps für Biker parat: „Man sollte Wanderer nicht erschrecken, sollte also sein Kommen ankündigen, sollte bei der Begegnung entsprechenden Abstand halten, sollte keine Spuren hinterlassen und von Wanderern stark frequentierte Wege meiden.“ Und nicht zuletzt meint er: „Ein freundlicher Gruß hat noch nie geschadet.“

Im Wanderplan des PWV Hauenstein ist Kunz, der als Übungsleiter Mountainbike von der Alpenverein-Akademie zertifiziert ist, nicht nur als „Tourenführer“ einer „Wasgau-MTB-Tour“, die am 29. März 2020 über 60 Kilometer und 1.200 Höhenmeter gehen wird, genannt. Er zählt zusammen mit Norbert Böhm (Bundenthal), Peter Breitsch (Schindhard), Horst Coreßel (Ludwigswinkel), dem Team Tom Leidner (Bundenthal), Christoph Riemeyer (Erfweiler) und Frank Schmidt (Spirkelbach) auch zu den Trail-Guides von Team „Quäl dich du Sau“, die das „Trailcamp uff de Hitt“ zusammen mit dem PWV Hauenstein organisieren und begleiten.

Auch Bernd Wallner, Geschäftsführer des PWV in Neustadt, unterstreicht die guten Beziehungen, die in der Pfalz zwischen Wanderern und Mountainbikern bestehen, und berichtet „von sehr guten Kontakten“, die der Hauptverein zu pfälzischen Mountainbike-Gruppen unterhalte. Wichtig sei, dass die gesetzlichen Regelungen eingehalten werden, die das Radfahren im größten Teil des Pfälzerwaldes erlaubten. Er verweist aber auch auf Einschränkungen, die „zum Schutz der Wege und der Flora und Fauna auch Sinn“ machten.