Müssen wir Angst vor China haben?

27. Mai 2019
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HAUENSTEIN. Einen Parforceritt durch Geschichte und Kultur, durch Politik und Wirtschaft Chinas und durch Mentalität und Psyche der Chinesen bot am Dienstagabend der aus Hauenstein stammende Wirtschaftswissenschaftler und –journalist Stefan Baron.  Rund 150 Zuhörer im Hauensteiner Bürgerhaus erlebten 120 prall mit Informationen und Einschätzungen des China-Experten gefüllte Minuten. Sie in 150 Zeitungszeilen zu packen, schier unmöglich. Trotzdem: ein Versuch.

Grundlage des Abends war hinter der plakativen Frage „Müssen wir Angst vor China haben?“ das Buch „Die Chinesen – Psychogramm einer Weltmacht“, das der 70-Jährige zusammen mit seiner Frau Guangyan Yin-Baron verfasst hat und das im vergangenen Jahr mit dem „Deutschen Wirtschaftsbuchpreis“ ausgezeichnet worden war. Ortsbürgermeister Bernhard Rödig lotste im Stil eines Interviews mit Fragen durch den Abend und gab die inhaltliche Richtung vor.

Nehmen wir das Fazit vorweg: Stefan Baron warnte vor einer „falschen Angst“ vor China, vor einem „falschen Bild“ des asiatischen Riesen, wie es in vielen Veröffentlichungen gezeichnet werde. Deutschland  müsse „seine Hausaufgaben machen“, müsse sich auf seine Stärken besinnen, müsse die eigene Infrastruktur stärken, die internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern: Dann werde es bestehen können. Und es sollte sich „am Beginn eines kalten Krieges zwischen Amerika und China als Brückenbauer“ verstehen.

Deutschland und der Westen –den es nicht erst seit Trump so einheitlich ja nicht mehr gebe- müssten „Geschichte und Kultur Chinas intensiv studieren“, und begreifen, „wie wichtig China ist und werden wird“. Letztlich seien im Verhältnis zu China die „Chancen größer als die Risiken“. Keinesfalls dürfe der Westen den untauglichen Versuch unternehmen, „China kleinzuhalten“.

Das werde auch nicht gelingen: Ziel der chinesischen Führung sei es, China nach einer langen „Zeit der Demütigung“ wieder zur „Nummer eins der Welt“ zu machen und den Schwerpunkt der Weltwirtschaft „weg vom Atlantik hin nach Eurasien“ zu verlagern. Längst sei China über die Phase hinweg, die Welt mit billigen Massenprodukten zu überschwemmen, längst sei die „Zeit der Plagiate“, womit die Chinesen nie ein „moralisches Problem“ gehabt hätten, vorbei: Man habe sich auf hochwertige Produkte und modernste Technik umgestellt und tue alles, um die eigenen Entwicklungen zu schützen.

Zur Person
Den Abend in Hauenstein verbuchte der 1948 geborene Stefan Baron als „etwas ganz Besonderes“. Die große Besucherschar überrasche ihn, hieße es doch gemeinhin, dass der „Prophet im eigenen Land“ nichts gelte. Baron wuchs in Hauenstein auf und besuchte das Dahner Otfried-Gymnasium. Nach dem Studium in Köln und in Paris war er zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, ehe seine journalistische Karriere begann. Er war unter anderem Wirtschaftsredakteur und internationaler Finanzkorrespondent beim „Spiegel“, war 16 Jahre lang Chefredakteur der Wirtschaftswoche in Düsseldorf und zuletzt   Leiter der Abteilung für Kommunikation und gesellschaftliche Verantwortung der Deutschen Bank und in dieser Funktion enger Mitarbeiter von Bankchef Josef Ackermann. Seit 2012 ist er selbstständiger Autor und Kommunikationsberater. Er lebt in Köln.

Die wirtschaftliche Stärke Chinas sei, so Baron, differenziert zu betrachten: Das Reich der Mitte sei wohl die größte Volkswirtschaft der Welt, betrachte man aber den „Wohlstand pro Kopf“, liege das Reich der Mitte unter ferner liefen auf Rang 80. China sei das Land mit den meisten Milliardärinnen, aber auch das Land, in dem nach internationalen Maßstäben in Teilen noch bittere Armut herrsche. Und: Der große wirtschaftliche Erfolg werde auch „kleiner“, wenn man die „immensen Schäden für Umwelt und Gesundheit“ berücksichtige.

Auf dem Weg zur Nummer eins sei die chinesische Führung, die sich zwar „kommunistisch“ nennt, aber alles andere als kommunistisch agiere, „ohne Sendungsbewusstsein“ unterwegs, strebe weder ein „Regime Change“ an, noch wolle es seine Kultur exportieren. Baron, der mit einer Chinesin verheiratet ist, gab tiefe Einblicke in diesen Aspekt chinesischer Wirklichkeit: Sie sei von Konfuzius geprägt, der eine „strenge Morallehre“ vertreten habe, weiche aber, „wenn es schwierig wird“, auch mal zu dem „individualistischen“ Laotse aus, dem „ersten Grünen“. „Chinesen können mit solchen Widersprüchen leben.“

Das A und O für die Chinesen sei die Familie: Hier erlebe man die Menschen „freundlich und zuvorkommend“, außerhalb der Familiengrenze erlebe man aber einen Menschen „ohne jeden Gemeinsinn“ und im Geschäftsleben „gewieft, listig, ja, auch schlitzohrig.“ Ganz wichtig sei auch hier der konfuzianische Ansatz, dass der Mensch „durch Bildung und Lernen ein guter Mensch werden kann“. Nicht umsonst geben chinesische Familien 30 Prozent ihres Einkommens für die Ausbildung ihres Kindes aus. „Nach der Familie besitzen Bildung und Leistung den höchsten Stellenwert“, konstatierte Baron.

„China wird sich ändern“, ist er sich sicher, „aber nur von den Rändern her, nicht im Kern“. Das gelte auch für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit: „Sie werden es in ihrer Geschwindigkeit tun und nur so weit, wie es mit ihrer Kultur vereinbar ist“, meint der Chinaexperte. „Die Hoffnung, dass sich China in dieser Beziehung so entwickelt, wie wir uns das vorstellen, die können wir uns abschminken!“

Die Veranstaltung schloss mit einer Fragerunde ab. Unter anderem wurden die neuen Atomkraftwerke in China, eine drohende Immobilienblase, das Sozialpunktesystem und das Thema Tibet angesprochen. Veranstalter war die Ortsgemeinde und die Bücherei. Die IHK-Tischrunde hatte sich angeschlossen, deren Pfalz-Vizepräsidentin Birgit Neuhard, eingangs die Bedeutung Chinas für die pfälzische und rheinland-pfälzische Wirtschaft unterstrichen hatte.

B10 – Lkw in die Leitplanken gefahren
Hauenstein (ots) - Am Donnerstagnachmittag gegen 15.45 Uhr befuhr ein Sattelzug mit Auflieger die B 10 zwischen Hauenstein und Hinterweidenthal in Richtung Pirmasens. Kurz vor der sog. "Felsnase" verlor der Fahrzeugführer des Sattelzuges aufgrund eines heftigen Niesanfalles die Kontrolle über sein Fahrzeug und kam nach links von der Fahrbahn ab. Hierbei beschädigte er ca. 100 m Schutzleitplanke und riss sich den Tank auf, bevor er entgegen der Fahrtrichtung stehen blieb. Der Fahrzeugführer blieb unverletzt. Glücklicherweise kamen durch das Unfallgeschehen auf der vielbefahrenen Bundesstraße keine Personen oder weitere Fahrzeuge zu Schaden. Durch den ausgelaufenen Treibstoff wurden jedoch Fahrbahn und Straßenbankette verunreinigt. Ob Erdreich ausgetauscht oder abgetragen werden muss, ist bislang unklar. Die untere Wasserbehörde ist verständigt worden. Der Sattelzug musste abgeschleppt werden. Nach ersten Schätzungen dürfte der Gesamtsachschaden rund 40.000 Euro betragen. Zur Unfallaufnahme und Bergung des Lkw musste die B 10 voll gesperrt werden. Die Sperrung dauert noch bis voraussichtlich 21.00 Uhr an. Der Verkehr wird ab Hinterweidenthal bzw. Annweiler abgeleitet. Die Feuerwehren Hauenstein und Wilgartswiesen sowie der Gefahrstoffzug des Landkreises Südwestpfalz waren mit 30 Kräften und 8 Fahrzeugen imEinsatz. (Polizeidirektion Landau)

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Trunkenheit im Verkehr
Am Freitag, den 09.08.2019 gegen 18:15 Uhr wurde ein 52-jähriger Mann aus dem Raum Köln mit seinem Fahrzeug auf der B10 bei Hinterweidenthal einer Verkehrskontrolle unterzogen. Da aus dem Fahrzeuginneren frischer Marihuanageruch wahrgenommen werden konnte und der Fahrzeugführer sichtlich unter Drogeneinfluss stand, wurde ihm die Abgabe eines Urintests angeboten. Dieser verhärtete den Verdacht einer Trunkenheitsfahrt, so dass ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann eingeleitet und dementsprechend eine Blutprobe entnommen wurde. Bei der Durchsuchung des Mannes wurden ca. 5 Gramm Marihuana aufgefunden. Sein Führerschein sowie das Betäubungsmittel wurden sichergestellt. (Polizeidirektion Pirmasens)