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Musikgeschichte, die Situation in Hauenstein der frühen 90er

HAUENSTEIN. Am Anfang war der Frust. Der Frust darüber, dass in Hauenstein keine Live-Musik mehr zu hören war. Zu den örtlichen Festen kam eine „Rolling Disco“. „Öde Musik aus der Konserve, keine Stimmung unter den Fans. Das war nicht das, was wir suchten“, beschreibt Christof Feith die Situation im Hauenstein der frühen 90er.

„Es war nichts los, also machten wir was los“, ergänzt er. Zusammen mit den Freunden Jürgen Sauer, Andreas Ferber, Jochen Althoff und Stefan Stöbener stampfte der damals 21-Jährige eine Serie von Livekonzerten aus dem Boden, die die Fans fünf Jahre lang nach „Hääschde“ trieb. Regionale Bands kamen gerne in den Wasgau, aber auch die eine oder andere Größe der Szene gastierten bei den „Hääschdner Live Concerts“, wie sich die Gruppe bald nannte und sich als GbR organisierte.

Und es war richtig was los zwischen 1991 und dem Finale fünf Jahre später. Und so begann‘s: Christof Feith, der damals mit Freunden und seiner heutigen Ehefrau Petra kaum ein großes Rockfestival ausließ und beispielsweise 1990 mit 150.000 anderen Fans beim großen Knebworth-Festival Paul McCartney, Pink Floyd, Eric Clapton, Jethro Tull und andere erlebte, hatte mit Jens Vollmer, dem Saxophonisten und Mitbegründer der Lauterer Band „Peppermint Patty“, seinen Zivildienst abgeleistet und damit die Brücke zur Band gebaut. Das Quintett aus der Schuhgemeinde hatte sich ein Konzert der Band, die damals als „eine der besten Partybands Deutschlands“ firmierte, angehört und beschlossen: „Die holemer uff Hääschde“.

Gesagt, getan: Als Peppermint Patty am 25. Mai 1991 zum ersten Mal in der Wasgaugemeinde gastierte, kamen gleich 1000 Besucher in die die Hauensteiner Kultlocation Jubo-Ranch. Aber es gab Anlaufschwierigkeiten: Die Verbandsgemeinde wollte die transportable Bühne aus der Wasgauhalle nicht rausrücken, also musste eine Bühne aus Kaiserslautern herangekarrt werden. Papierkrieg –Versicherungen, Gema, Genehmigungen- war auszufechten.

Und da war der so nicht erwartete Ansturm der musikhungrigen und vor allem durstigen Fans: Der eigene Wirtschaftsbetrieb, rekrutiert aus Freunden und Verwandten, war dem Geschäft nicht gewachsen. Lange Schlangen an den Ständen waren die Folge: Und weil’s gar zu schleppend voranging, schnappte sich Ochsenwirt Thomas Engel kurzerhand Biergarnitur, ein paar Kästen Bier und schon war ein weiterer Stand aktiv. „Das half“, erinnert sich Christof Feith heute an die spontane Hilfe.

Und die Erfahrungen vom ersten Konzert halfen auch, die Herausforderungen der nächsten Konzerte zu bestehen. Wieder kamen „Peppermint Patty“. Und zunächst 1200 und dann annähernd 2000 Besucher wollten die Covers der Partyband hören. Man war umgezogen: raus aus der zugigen Juboranch und rein in die Wasgauhalle, die mehr Platz und mehr Komfort bot. Mittlerweile zählten nur noch Feith, Sauer und Ferber zum „Concerts“-Team, aus dem Veranstalter-Quintett war ein Trio geworden.

Und das hatte zu tun: „Freitagsabends um 22 Uhr, nach dem letzten Training in der Halle, begann die Schufterei: Der Sportboden musste ausgelegt werden, die Bühne aufgebaut, die Technik installiert, die Verpflegungsstände vorbereitet werden“, berichtet Christof Feith. Samstagsmorgens um neun ging’s weiter, um 20 Uhr war das Konzert. Und danach, spät in der Nacht, hieß es Aufräumen: „Morgens um 11 Uhr musste die Halle geräumt sein, denn dann stand mehr als einmal ein Handballspiel auf dem Programm. „Es war stressig, aber es hat immer geklappt. Und der Erfolg hat Spaß gemacht.“

Und er machte Mut. Weil deutlich wurde, dass das finanzielle Risiko vertretbar war, ging man dazu über, auch überregional bekannte Bands in den Wasgau zu holen. Tribute Bands füllten die Halle: 1992 kam mit der „Beatles Revival Band“ aus Frankfurt das „zweitbeste Original“ und das „perfekte musikalische Double“ in die Wasgauhalle, um den „Fab Four“ aus Liverpool zu huldigen. „Abba 99“ aus München, die „Queen Revival Band“ aus Düsseldorf und „The Blues Brother’s Band Project“ aus Deutschlands Südwesten traten in der immer bestens gefüllten Wasgauhalle auf.

Und dann gab’s die Bands, die querbeet coverten, wie die „Revival Group“ und die „Beat Brothers“ beispielsweise oder „Bobbin‘ B.“, eine Rockabilly-Gruppe aus Aschaffenburg. Die Gagen hatten da schon andere Dimensionen: War Peppermint Patty noch für einen unteren vierstelligen Betrag zu haben, so ging’s jetzt schon über fünf Stellen hinaus. „Trotz hoher Zahlen: Es blieb finanziell recht wenig hängen, gemessen an den rund 100 Stunden, die jeder von uns in ein Konzert investierte“, erinnert sich Christof Feith. Aber auch dieser Schritt ging gut.

Und der nächste Step konnte folgen: Über eine Agentur in Hamburg verpflichteten die „Hääschdner Live Concerts“ schließlich einen besonderen Kracher. Die britische Rockband „Smokie“, die mit ihren Hits „Livin‘ Next Door to Alice“, Needles and Pins“ und „Oh Carol“, weltweit reüssiert hatte, flog am 6. November 1993 aus England ein. Zwar waren aus den großen Tagen der Band in den Siebzigern nur noch Leadgitarrist Alan Silson und Bassist Terry Uttley übriggeblieben und auch der charismatische Sänger Chris Norman hatte eine Solokarriere gestartet, aber die Band aus Bradford rockte vor 2000 Zuhörern, was das Zeug hielt.

Wie alle Dokumente aus jenen bewegten Jahren bewahrt Christof Feith auch noch den Vertrag mit den Briten in seinem Archiv auf, das zwei prall gefüllte Ordner und zwei großformatige Kartons füllt. 35.000 Mark mussten überwiesen werden, hinzu kamen diverse Nebenkosten. Unter anderem war in der „Smokie backline specification“ festgelegt, was da alles auf der Bühne installiert sein sollte, denn die Band brachte nur die Gitarren mit über den Kanal. Verpflegt wurden die Musiker und ihr Tross in einer Kabine, die zur Garderobe umfunktioniert war und „very british“ dekoriert war. „Was Betreuung und Verpflegung anging, haben wir keine Kosten gescheut. Die Künstler sollten sich wohlfühlen“, sagt Christof Feith heute: „Und das ist uns, wie immer wieder bestätigt wurde, gelungen.“

Smokie fühlte sich in Hääschde sogar so wohl, dass die Band nach dem Gig in der Wasgauhalle gleich noch ein Privatkonzert gab. Die Musiker und ihre Roadies waren im Wasgauland-Hotel untergebracht. Im „Pilskeller“ des Hotels, wo sich die Musiker aus England noch einen Absacker genehmigen wollten, unterhielt an jenem Novemberabend die Hausband die Gäste. Smokie kam, hörte kurz zu, enterte kurzerhand die Bühne und spielte für die Gäste noch einmal ihre Setliste runter. Man hat lange von diesem Spontankonzert erzählt…

Um den Erfolg mit den Engländern zu toppen, ließen sich Christof Feith und Jürgen Sauer ein Jahr später überreden, nun auch noch Dieter Bohlen zu verpflichten, der sich später als Juror bei „Deutschland sucht den Superstar“ einen zweifelhaften Ruf erarbeiten sollte. Damals war er –nach dem Scheitern von „Modern Talking“- mit „Blue System“ unterwegs und hatte einige Songs, die es in die Charts schafften. Weil für Bohlen die Wasgauhalle zu klein schien, wich man für dieses Konzert in die größere TSR-Sporthalle nach Rodalben aus … und floppte. Nur 800 Besucher wollten Bohlen am 18. November 1994 erleben. Weil nochmals deutlich mehr als bei Smokie zu zahlen war, habe man „ganz schön geschluckt. Und Bohlen hat nicht mit sich reden lassen. Aber sonst war er ganz normal“, erinnert sich Feith lachend an seine Begegnung mit dem exzentrischen „Pop-Titanen“.

Trotz dieses finanziellen Fiaskos: Man ließ sich nicht entmutigen und verpflichtete für einen Auftritt im Oktober 1995 SWF3-Kult-Moderator Elmar Hörig und seine Band „Too Moon“ sowie die regionale Größe „Hobo“ mit dem Lokalmatadoren Oli Dums, dem späteren FDP-Staatssekretär Andy Becht, Charlie Brechtel und dem so früh verstorbenen Geiger Ulli Degenhardt. Wieder war die Halle proppenvoll.

Das war sie auch im März 1996, als –diesmal mit Albert Gomille als Mitveranstalter- die SWF3 „Gagtory Lateneid“ ihr Programm aus Comedy, Satire und Nonsens präsentierte. Mit dabei bei diesem Abend, bei dem der einheimische Künstler Christof Seibel die Halle mit Graffiti herausgeputzt hatte: Comedy-Star und Schauspielerin Anke Engelke, die sich freilich gar nicht so lustig gab, wie sie sonst so wirkt. Christof Feith: „Erst mokierte sie sich darüber, dass die Park-Brauerei Plakatsponsor war, dann mäkelte sie auch noch am Veranstaltungsbeginn 20.15 Uhr herum. Zickig halt!“. Eine andere Erinnerung: Die Crew der Show litt just an diesem Tag geschlossen an Brechdurchfall. „Und der Beleuchter konnte nicht mehr anders und erbrach sich voll auf die Bühne.“

Danach war aber auch bald Schluss. Die Veranstaltungsreihe, für die man 1993 mit einer „Silvester-Cocktail-Night“ mit drei Bands und einem warm-kalten Buffet eine etwas aus dem Rahmen fallende Veranstaltung organisiert hatte, endete am 2. November 96 mit „Highlights der Rockstimmen“. Noch einmal gab’s Riesenstimmung, noch einmal gab’s ein volles Haus.

„Wenn’s keinen Spaß gemacht hätte, hätten wir das nicht gemacht“, sagt Christof Feith heute. Und seine Frau Petra, die wie viele andere Freunde und Verwandte vor und hinter den Kulissen in die aufwendige Organisation eingebunden war, stimmt zu: „Es war anstrengend, aber immer schön. Und es gibt so viele schöne Erinnerungen an diese Zeit.“