Nach Homeschooling endlich Ferien

17. April 2020
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Foto: Nach fast drei Wochen Homeschooling heißt es jetzt für (v.l.) Silas, Selina und Elias erst mal: Endlich Ferien! (ran)

HAUENSTEIN. Geschafft! Fast drei Wochen „Homeschooling“ liegen hinter Selina, Silas und Elias Pust aus Hauenstein. Jetzt sind erst mal Ferien. „Endlich“ kommt es wie aus einem Mund von den Geschwistern, die gerade noch die letzten Aufgaben aus ihren Arbeitsplänen abarbeiten. „Endlich“, sagt auch ihre Mutter Heike, die das Lernen ihrer Kinder begleitet hat.

Sie hat für klare Strukturen gesorgt: Morgens wurde gearbeitet, mittags wurde gespielt. Gegen neun versammelten sich die Geschwister am Tisch im Esszimmer. „Alleine im Zimmer wollte ich nicht arbeiten“, sagt Silas. „Zusammen macht’s auch mehr Spaß“, ergänzt Elias. Selina findet die Arbeit an einem Tisch, den viele Bücher, Hefte, Mappen und zwei Laptops füllen, und in der Familiengruppe „ganz praktisch: Die großen Brüder konnten mir immer mal wieder helfen.“

„Ganz schön stressig“ erlebte Mama Heike vor allem die erste Woche der verordneten Heimarbeit, als „Moodle“, die Lehr- und Lernplattform, die in Rheinland-Pfalz von vielen Schulen genutzt wird, um ihre Schüler in der „schulfreien“ Corona-Zeit mit Arbeitsmaterialien und Aufgaben zu versorgen, völlig überlastet schien. „Da ging über Moodle ja in den ersten Tagen morgens und mittags gar nichts“, berichtet Heike Pust. Erst am Abend sei die Plattform annähernd so gelaufen: „Da hatte ich aber oft keine Lust mehr zum Lernen“, gibt Silas zu und lacht.

Selina, Silas und Elias haben es beim „Homescooling“ richtig gut. Sie haben Struktur, haben Platz, haben geschwisterlichen Kontakt und immer jemanden, der weiterhilft, wenn’s mal schwerfällt, an den Aufgaben zu bleiben. Und nach der Arbeit haben sie als „Dorfkinder“ Platz zum Spielen im Garten oder im Wald, um sich auszutoben. So gut haben es beileibe nicht alle. Wo die Wohnung klein ist, wo rechts, links, oben und unten ein Nachbar wohnt, wo die „Heimschüler“ auf sich alleine gestellt sind und die Wohngegend keinen Platz zum Abschalten beim Spiel lässt, da ist „Homeschooling“ eine Herausforderung, die Nerven kostet.

Im Netz kursiert derzeit eine Audiodatei, in der ein Vater (fiktiv?) in schönstem kurpfälzisch gegenüber der Lehrerin Luft ablässt: „Do de Goethe, dort de Goethe, Goethe in Ich-Form unn Goethe als Rap… Des is alles e bissel viel“, beschwert er sich bei der Lehrerin. „Mei Fau unn mei Dochter unn ich hocken von morchens zehne bis owends viere/fünfe am Disch unn sinn mit denne Scheiß-Aufgaawe beschäftigt“, fährt er fort und beschreibt die Folgen so: „Mir sinn nur am Streite, mir hawwen nur Krach“, klagt er. Nach dieser „Quarantäne“ sei die „Ehe kaputt, mein Kind hockt im Heim unn ich unner de Brück.“ So schlimm muss es ja nicht kommen. Aber die Klage macht deutlich: Homeschooling ist alles andere als heile Welt.

Selina, Viertklässlerin der Hauensteiner Grundschule, war freilich auf Moodle gar nicht angewiesen. Sie bekam ihre Wochenpläne und Lernaufgaben von der Klassenlehrerin ganz klassisch auf Papier. Im Fach Deutsch übte Selina über Arbeitsblätter etwa die Rechtschreibung von Wörtern mit „f – v – ph“, sie las und beschäftigte sich mit Märchen und schrieb Fortsetzungen zu Märchen-Klassikern: „Drei Seiten habe ich zu ,Der gestiefelte Kater‘ geschrieben“, berichtet sie nicht ohne Stolz.

„In Mathe war’s nicht immer leicht“, erzählt sie. „Da gab neuen Stoff. Bis ich das mit dem Flächeninhalt drauf hatte, das hat schon etwas gedauert.“ An manchen Tagen sei sie fast vier Stunden über den Aufgaben gesessen. Aber –auch mit der Hilfe von Mama und Papa- habe sie die Schwierigkeiten in den Griff gekriegt. „Jetzt geht’s“, lacht sie und zeigt die vielen Blätter, auf denen gerechnet, gezeichnet und geübt wurde. Für das Sachunterrichtsthema „Wasser“ habe sie nicht nur über Arbeitsblätter und Bücher, sondern auch über die von der Lehrerin empfohlene Lern-App „Anton“ lernen können.

„Das macht richtig Spaß“, sagt sie. Mit der Anton-App habe sie zum „Wasser“-Thema Infos und kleine Filme aufrufen sowie Tests machen können. „Ist alles richtig, dann bekomme ich Münzen. Und dafür darf ich dann Spiele machen.“  Anton ist für Schüler der ersten bis zur zehnten Klasse angelegt. Und so bewegen sich auch Silas und Elias, die das Trifelsgymnasium in Annweiler besuchen, ab und an auf dieser Plattform, um weiteren Stoff für ihre Fächer zu „tanken“ – und zu spielen.

Silas, der Fünftklässler, arbeitet im Fach Deutsch über die Brockhaus-Lernplattform an Nacherzählungen, in Mathe ist er mit Zeichnungen und Figuren im Koordinatensystem beschäftigt, wobei hier die Lösungen gescannt und über Moodle dem Mathelehrer zugeschickt werden müssen. „Bei manchen Aufgaben werden auch Lösungsblätter mitgeliefert“, berichtet der Elfjährige. „Das schreiben dann manche einfach ab.“ Das aber wolle er nicht, er beißt sich lieber durch: „Dann kapiere ich es auch.“

In die achte Klasse geht Elias. Vor ihm auf dem Tisch liegt auch der größte Materialstapel und zwischendrin der Laptop, mit dessen Hilfe die meisten Arbeiten erledigt werden. In Geschichte etwa, wo ein Wochenplan abzuarbeiten ist: Filme sind anzuschauen sind, Texte zu erarbeiten und Fragen zu beantworten. In Deutsch steht Theodor Storms Novelle „Schimmelreiter“ im Mittelpunkt mit Lesetagebuch, Charakteristiken und „Personenkonstellation“.

In Mathe sind zeichnerische und rechnerische Lösungen zu antiproportionalen Funktionen zu finden. „Die Hefte werden voll“, sagt Heike Pust. Auch hier gilt: einscannen und verschicken. Die Lösungen zu den Aufgaben im Fach Chemie gehen dem Lehrer per E-Mail zu. In Latein werden Übungen über eine Learning App aufgegeben. „Das ist cool“, kommentiert Elias, der sehr froh darüber ist, dass die Lehrer für Fragen zur Verfügung stehen und auf verschiedenen Wegen –über Moodle, per Email oder auch per Telefon- erreichbar sind. Nicht zuletzt: Unter anderem hat auch der Sportlehrer Aufgaben gegeben: Dehnübungen, Sprints etwa sind zu machen. Und ab und zu geht Elias mit dem Papa auch zum Joggen in den Wald.

„Schule ist besser als Homeschooling“, sind sich die Geschwister einig. Silas meint, dass im Unterricht „besser erklärt werden kann“, Elias ergänzt, dass man in der Schule „sofort nachfragen kann, wenn man etwas nicht versteht.“ Das gehe über Moodle zwar auch, aber im direkten Kontakt im Klassensaal laufe das einfach besser. Selina vermisst vor allen Dingen, dass sie „die Freundinnen nicht sieht“. Gut am Homeschooling aber sei, und da sind sich die drei ebenso einig, „dass man morgens länger schlafen kann“.

Heike Pust verbringt viel Lernzeit mit ihren Kindern. Und das sei nicht immer problemlos. Manche Aufgabenstellung sei nicht durchdacht und für die Kinder –und auch manchmal für die erwachsenen Lernbegleiter- schwer zu verstehen. Auch die Materialflut sei gewaltig: Elias habe für ein Fach nicht weniger als 36 Arbeitsblätter ausdrucken müssen. Dass Homeschooling ein Thema ist, das die Familien schwer beschäftigt, das werde auch in einer What’s App-Gruppe deutlich, wo sich Eltern über Freud und Leid der Heimarbeit austauschen… (ran)

Schwerverletzter Motorradfahrer – Zeugen und Unfallbeteiligter gesucht
Rinnthal/ L490, 22.05.2020, 16:45 Uhr (ots) - Nachdem am Freitag 22.05.2020 um ca. 16:45 Uhr ein Motorradfahrer auf der L490 zwischen Rinnthal und der B48 schwer verletzt wurde, werden Verkehrsunfallzeugen und ein unfallbeteiligter PKW-Führer gesucht. Der 18-jährige Motorradfahrer befuhr die L490 von Rinnthal kommend in Fahrtrichtung B48. Nach derzeitigem Ermittlungsstand fuhr ein PKW von einem Feldweg auf die L490 ebenfalls in Fahrtrichtung B48 und übersah hierbei den Motorradfahrer. Der Motorradfahrer musste, um einen Zusammenstoß zu verhindern, ausweichen, kollidierte mit der Leitplanke und stürzte anschließend auf die Fahrbahn. Er erlitt durch den Sturz schwere, nicht lebensbedrohliche, Verletzungen und musste zur medizinischen Versorgung mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus verbracht werden. Bei dem gesuchten Fahrzeug handelt es sich um einen dunkelfarbenen PKW mit PS- Kennzeichen. Da es zwischen dem einbiegenden PKW und dem Motorradfahrer nach den bisherigen Ermittlungen zu keinem Zusammenstoß kam, ist unklar, ob der Fahrzeugführer den Verkehrsunfall überhaupt wahrgenommen hat. Der PKW- Führer und weitere Zeugen, die sachdienliche Hinweise zu dem Unfallgeschehen oder dem gesuchten PKW machen können, werden gebeten sich bei der Polizeiinspektion Landau zu melden. (Polizeidirektion Landau)

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