Nur noch Stehplätze bei der Buchvorstellung „Jooh kumm, geh ford“

HAUENSTEIN. Wer zu spät kam, musste mit einem Stehplatz vorliebnehmen: Auf überaus großes Interesse stieß am Freitagabend die Vorstellung des Buches „Jooh kumm, geh ford“ des vor einem Jahr verstorbenen Bernd Hecktor, des Urhääschdners aus Schwaben. Rund hundert Zuhörer füllten den Saal im „Ochsen“ bis auf den letzten Platz. Und um es vorwegzunehmen: Die Lesung machte mächtig neugierig auf das 350-Seiten-Buch.

Einen Wermutstropfen freilich gab’s: Wie Margrit Hecktor, die das von ihrem Mann begonnene Buchprojekt zu Ende geführt hatte, in ihrer Begrüßung mitteilte, musste der Abend als „Bobb“ –als „Buchvorstellung ohne Bernds Buch“- über die Bühne gehen, hatte die Druckerei doch ihre Zusage nicht eingehalten, das Buch rechtzeitig fertigzustellen. Es soll nun am 07. Oktober auf den Markt kommen und im Handel erhältlich sein.

Was die Leser in dem Buch erwartet, dafür gab’s köstliche Appetithappen: Patrick Stöbener und Franz-Josef Schächter lasen als „native speaker“ und im feinsten „Hääschdnerisch“ jene Texte, die „de Leeb“, wie der Autor in seiner Heimatgemeinde genannt wurde, über Hääschdner, über Hääschde und die Welt verfasst hatte.

Es waren Texte aus dem Familienleben („Gebortsdaach heit“) und aus Hääschde („Aadächtich Fußball schbeele“). Es waren wunderschöne Naturschilderungen dabei („Baggelschdää“) und semantische Analysen beispielsweise über die vielseitige Einsatzmöglichkeit des Dialektwortes „Jooh“. Und es gab Deftiges wie die Aufzählung von „Schejne Piss-Orde“ und von „Schejne unn wieschde Werder“ und nicht zuletzt auch Kritisches wie jenen Text, der unter dem Titel „Gewissd wie“ mit Trumps Mauer und der europäischen Flüchtlingspolitik abrechnet.

Es fällt auf, dass Bernd Hecktor, der wenige Tage nach seinem Siebzigsten plötzlich verstorben war, ein feiner Beobachter vielfältigster Situationen war. Immer blitzt seine herzliche Zuneigung zur alten Heimat auf. Und es ist bemerkenswert, wie er mit der Sprache spielt, wie er mit Wortwitz und unvergleichlichen Wendungen aus dem Repertoire des unverfälschten „Hääschdnerisch“ schreibt.

Das Publikum verfolgte die Texte sehr aufmerksam, reagierte mit viel Beifall, manchmal mit lautem Lachen, manchmal mit nachdenklichem Nicken, etwa, wenn der Autor Kritisches und Hintergründiges einwebt und dabei den Blick auf das besondere Detail lenkt, sehr oft mit einem Augenzwinkern, und ab und an sehr kritisch. Denn ein kritischer, engagierter Kopf war „de Bernd“ ja von Jugend auf und zeitlebens.

Dass es ein überaus runder Abend im „Ochsen“ wurde, daran hatte auch Werner Mansmann, ein Jahrgangskollege von Bernd Hecktor, maßgeblichen Anteil. Zusammen mit jungen und auch mit erwachsenen Schülern lockerte der Musikus das Programm auf – überaus gekonnt und stilistisch überaus vielseitig. Zum Abschluss des Abends wurde auch per Video ein Ausschnitt aus einer Lesung von und mit Bernd gezeigt. In der Pause und nach der Lesung fand die Ausstellung der großartigen Illustrationen Christoph Seibels, die im Buch die Texte begleiten, großes Interesse.

„Im Bernd hett’s sicher g’falle. `S wor orich, orich schej“, so kommentierte ein Besucher den Abend, der fast 150 Minuten lang richtig Spaß gemacht hat. Wie gesagt: Das Buch, ein würdiger Nachfolger des 2016 erschienenen Bandes „Dass lossen mer“, erscheint am 7. Oktober. Die 350 Seiten werden 24 Euro kosten. (ran)