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Renate Burkard zeigt Werke von Christoph Seibel

HAUENSTEIN. Ein viel versprechender Start gelang der neuen Hauensteiner Galerie „kunst-werk-vier“. Ausschließlich dem Blick des einheimischen Künstlers Christoph Seibel in die Natur und Landschaft des Wasgau ist die Ausstellung gewidmet, mit der sich Renate Burkards Galerie der Öffentlichkeit vorstellt. Sie zeigt neue Nuancen im Oeuvre Seibels.

Es sind annähernd zwei Dutzend Landschaftsansichten im Format 70 (resp. 80) mal 100 Zentimeter, die alle in den letzten zwölf Monaten entstanden sind und sich wie ein Fries um das Rechteck der Galeriewände ziehen. Die Motive fanden sich allesamt in und um Hauenstein und der näheren Umgebung des Schuhdorfs. Spektakuläre Ansichten sind dabei, wie der Blick vom Kleinen Rauhberg nach Südosten auf die gegliederten Felder der Spirkelbacher Höhe oder wie der von morgendlichem Rauhreif überpuderte Blick von den Feldern oberhalb der Steinbach über ein Birkenwäldchen hin zum Bergrücken des Rauhberg mit seinen spektakulären Felsen und dem Otto-Wendel-Turm.

Auch weniger Spektakuläres wird geboten: Etwa ein von Nebelfetzen umhauchter Berg bei Völkersweiler, ein Blick, auf dem der Blick des Betrachters deshalb haften bleibt, weil man meint, dass sich die Fetzen jetzt gleich lichten müssten. Überhaupt: Christoph Seibel spielt auf seinen Bildern gerne mit dem Nebel –wie auch bei einem „Waldweg im Nebel“- oder unterschiedlichem Licht, mit der Dämmerung etwa („Weg in der Winterdämmerung“), dem Vollmond („Vollmond über Obstbäumen“) oder mit dem besonderen Licht der Morgensonne („Morgensonne über Stoppelfeld“).

Es ist ein Gang durch die Jahreszeiten, wie sie in der Natur und in der Landschaft erlebbar werden. Und das ist dann auch ein Spiel der Farben – etwa, wenn am “Maimorgen im Buchenwald“ zartes Maiengrün der Blätter hinter noch kahlen Stämmen auftaucht, wenn der Blick auf einen leuchtend-blühenden Birnbaum pralles Frühjahr verspricht, Erdtöne vom Herbst erzählen oder winterliches Weiß den Frost erahnen lässt. Freilich: Der Versuchung, die Farben explodieren und Kontraste knallen zu lassen, dieser Versuchung widersteht Christoph Seibel, bleibt bei der Colorierung ruhig, zurückhaltend, still.

Die Arbeiten scheinen von leichter Hand hingezaubert. Sind sie aber nicht: Aus der Skizze vor Ort entsteht auf Papier zunächst ein kleiner Aufriss, der aquarelliert wird. Auf dieser Grundierung arbeitet Seibel sehr intensiv, um durch neue Farbaufträge, durch Wischen, durch Arbeit mit dem Farbstift auch kleinste Farbnuancen auf kleinster Fläche herauszuarbeiten. Bis zu acht, manchmal zehn Schichten folgen aufeinander, schwimmen ineinander und geben den Blätter eine besondere Plastizität.

So geht von den Bildern eine fast meditative Ruhe aus, weil es Christoph Seibel bei der Impression belässt, nicht zu sehr ins Detail geht, von schmückendem Beiwerk absieht. Es ist die pure Natur, nur hier und da mal belebt: ein paar Pferde vor dem Birkenwald, ein Schwarm Vögel, nicht mehr. Das ist eine andere Sichtweise, als man sie von ihm gewohnt ist. Viele seiner Bilder strotzen vor Leben, erzählen die Geschichte der Menschen und Dörfer –wie seine wunderschönen Farbradierungen zu Hauenstein- oder Geschichten, wofür exemplarisch seine Illustrationen zu den Bernd-Hecktor-Büchern stehen.

Von Bildern der Ausstellung ist übrigens ein Jahreskalender für 2022 in Vorbereitung, der –möglicherweise- schon am Wochenende in der Galerie und auch in der Postfiliale am Marktplatz angeboten werden kann. Die Ausstellung hat donnerstags, samstags und sonntags von 16 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung (Telefon 0178 3040522) geöffnet. Die Finissage ist für Sonntag, 21. November, 16 Uhr geplant.