Frauen nähen Mundschutz – Selbst genähten Masken seien „nahezu ebenso wirkungsvoll wie ein ,regulärer‘ MNS“

20. April 2020
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HAUENSTEIN. Gott sei Dank: In diesen schweren Zeiten werden immer wieder großartige Zeichen von Gemeinsinn sichtbar: In Hauenstein und Umgebung  –und sicher nicht nur dort- nähen zahlreiche Frauen Atemschutzmasken. Sie folgen damit verschiedenen Aufrufen aus medizinischen Einrichtungen, die mit den selbst genähten Masken den Bedarf an persönlicher Schutzausrüstung für das Personal decken wollen.

So heißt es in einem Aufruf des Landauer Vinzentius-Krankenhauses, dass die Vorräte an persönlicher Schutzausrüstung, „die üblicherweise für zwei Monate reichen, rasant verbraucht werden. Gleichzeitig bestehen die bekannten Lieferengpässe.“ Selbst genähte Masken könnten „zwar nicht bei allen Indikationen eingesetzt werden, sie helfen jedoch dabei, die Weiterverbreitung der Infektion durch symptomfreie Träger zu vermindern.“ Und der Deutsche Hausärzteverband formuliert: Die selbst genähten Masken seien „nahezu ebenso wirkungsvoll wie ein ,regulärer‘ MNS“.

In ihrem Aufruf hat die Pirmasenser Diakonie zunächst die „gute Nachricht“ parat, dass man „aktuell noch ausreichend versorgt“ sei. Indes: „Da aber niemand absehen kann, wie lange die Krise noch andauert und welche Entwicklung sie nehmen wird, wollen wir vorsorgen.“ Und da setze man auf Mithilfe: Wie das Krankenhaus in Landau und die Diakonie rufen bundesweit zahlreiche ähnliche Einrichtungen Personen, die mit einer Nähmaschine umgehen können, auf, „einfachen Atemschutz, der die Übertragung per Tröpfcheninfektion deutlich einschränkt“, herzustellen, wie es das Vinzentius-Krankenhaus formulierte.

Die Appelle, die sich auch im Netz dutzendfach und aus vielen Regionen finden, fielen in Hauenstein auf fruchtbaren Boden. Birgit Jessl, die die Näherei in guten Zeiten als Hobby betreibt, informierte sich bei Bekannten aus dem medizinischen Bereich, ob diese Form der Unterstützung tatsächlich hilfreich sei, ob wirklich Bedarf bestünde, sie studierte die zahlreichen Anleitungen und Schnittmuster, die im Netz kursieren, und fand das alles machbar. Und dann legte sie los. Zusammen mit ihrer Schwester Bettina und deren Tochter Amelie produziert sie nun arbeitsteilig Masken.

Die Schwester schneidet das Material zu, Amelie als Näh-Anfängerin näht die geraden Nähte, die geübte Birgit vernäht das Material in Falten, integriert einen Draht, mit dem der Mundschatz an der Nasenwurzel fixiert werden kann und befestigt die Bänder zum Verknoten der Maske. „Das Stoffmaterial fand sich in eigenen Beständen, Nachbarn haben bei uns welches abgeliefert, Hotelier Thomas Engel hat ideales Material gebracht“, berichtet sie. Jetzt wird genäht: „In jeder freien Minute und auch beim Fernsehen.“

Birgit Jessl kann mehrere andere Hauensteinerinnen nennen, die ebenfalls nähen. Isabella Seibel beispielsweise wurde von einer Bekannten, der Lembergerin Petra Kahle, auf den Appell aufmerksam gemacht und wurde tätig. Sie selbst stellt fertige Materialpakete mit bereits zugeschnittenen Textilien und dem notwendigen Zubehör zusammen: „Pro Maske werden ein Stoffquadrat von 20 mal 20 Zentimetern, zwei je zwei Zentimeter breite Bänder mit einer Länge von 90 Zentimetern und ein Drahtstück von etwa 13 Zentimetern Länge benötigt “, sagt sie.

Dabei kann sie auch auf Materialspenden zurückgreifen: Baumwollbänder und Nähseide spendete Familie Gabler aus Dahn, hochwertige Biobaumwolle kam von Susanne und Steffen Reeber aus Rodalben, Schuhbänder spendierten die Schuhunternehmer Willehad Bauer und Carl-August Seibel. Verarbeitet wird das so zusammengestellte Material von Gudrun Münch, Elke Giller und Sarina Hoffmann (Hauenstein), Lisa Zimmermann (Wilgartswiesen), Ursula Christmann (Schwanheim) und Sandra Leschok (Erlenbrunn), die nach Isabellas Anfrage sofort die Maschinen rattern ließen oder sich angeschlossen haben. Rund 400 Masken sind bei der „konzertierten Aktion“ in der vergangenen Woche entstanden. Unter Birgit Jessls Maschine entstanden über 100 Masken.  Die Diakonie in Pirmasens erhielt Masken, bedient wurden auch die Seniorenheime in Hauenstein, Hinterweidenthal und Annweiler sowie eine Außenwohngruppe des Förderzentrums St. Laurentius und St. Paulus in Gossersweiler und das Vinzentius-Krankenhaus in Landau.

Und die Masken sind willkommen und gefragt. Vor dem Hintergrund, dass „wir zwar ständig bestellen, aber nichts bekommen“, nennt Angelika Salignat, die Pflegedienstleiterin des Seniorenheims in Hauenstein, die Lieferungen der Näherinnen „sehr hilfreich“. 80 solcher Masken –zum Teil auch von Angehörigen der Heimbewohner genäht- seien bisher eingegangen. Weitere werden benötigt. Und so nähen die Näherinnen weiter – als „gemeinsame Mission gegen Corona“, wie Isabella Seibel sagt.

Info:

Eine Nähanleitungen findet sich beispielsweise unter

http://feuerwehr-essen.com/files/mns_naehanleitung_2020.pdf

Die Aufrufe des Vinzentius-Krankenhauses (https://www.vinzentius.de/pressenews/Hilfsaktion-Atemschutzmasken,58307) und der Diakonie Pirmasens (https://www.diakoniezentrum-ps.de/news/2035/gemeinsam-stark-gegen-corona-/) sind ebenfalls im Netz nachzulesen. (ran)

Schwerverletzter Motorradfahrer – Zeugen und Unfallbeteiligter gesucht
Rinnthal/ L490, 22.05.2020, 16:45 Uhr (ots) - Nachdem am Freitag 22.05.2020 um ca. 16:45 Uhr ein Motorradfahrer auf der L490 zwischen Rinnthal und der B48 schwer verletzt wurde, werden Verkehrsunfallzeugen und ein unfallbeteiligter PKW-Führer gesucht. Der 18-jährige Motorradfahrer befuhr die L490 von Rinnthal kommend in Fahrtrichtung B48. Nach derzeitigem Ermittlungsstand fuhr ein PKW von einem Feldweg auf die L490 ebenfalls in Fahrtrichtung B48 und übersah hierbei den Motorradfahrer. Der Motorradfahrer musste, um einen Zusammenstoß zu verhindern, ausweichen, kollidierte mit der Leitplanke und stürzte anschließend auf die Fahrbahn. Er erlitt durch den Sturz schwere, nicht lebensbedrohliche, Verletzungen und musste zur medizinischen Versorgung mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus verbracht werden. Bei dem gesuchten Fahrzeug handelt es sich um einen dunkelfarbenen PKW mit PS- Kennzeichen. Da es zwischen dem einbiegenden PKW und dem Motorradfahrer nach den bisherigen Ermittlungen zu keinem Zusammenstoß kam, ist unklar, ob der Fahrzeugführer den Verkehrsunfall überhaupt wahrgenommen hat. Der PKW- Führer und weitere Zeugen, die sachdienliche Hinweise zu dem Unfallgeschehen oder dem gesuchten PKW machen können, werden gebeten sich bei der Polizeiinspektion Landau zu melden. (Polizeidirektion Landau)

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