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„Streets of Verbandsgemeinde“

HAUENSTEIN. 165 Kilometer, 2.600 Höhenmeter, eine reine Fahrzeit von neun Stunden und 56 Minuten bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 16,6 Stundenkilometer. Das sind die Basisdaten einer ganz speziellen Fahrradtour, die die Hauensteiner Sebastian Haag, Alexander Memmer und Stephan Riffel unternommen haben: Das Trio befuhr alle Gemeindestraßen der Verbandsgemeinde Hauenstein – ausnahmslos und an einem Tag.

„Manchmal hat man verrückte Ideen“, sagt Stephan Riffel, mit 41 Jahren der Senior der Gruppe und Vater von drei Kindern. „Und manchmal sucht man verrückte Herausforderungen“, ergänzt Alexander Memmer. Und so kam man zusammen mit Sebastian Haag auf den Gedanken, doch mal alle Straßen Hauensteins in einem Rutsch abzufahren. Die Crux: Genau das hatte bereits der Hauensteiner Allrounder Wolfgang Seibel –unter anderem Senioren-Weltmeister mit dem Tretroller- gemacht und bei strava, einer App für Läufer und Radfahrer, dokumentiert. Da blieb nur, noch eins draufzusetzen: „Da fahren wir doch gleich die Straßen der gesamten Verbandsgemeinde ab“, war sich das Trio schnell einig und nannte die Tour „Streets of Verbandsgemeinde“.

Gesagt, getan: Zwar wurde kurz diskutiert, ob man die Aktion vielleicht ins Frühjahr verschieben sollte, wegen der Temperaturen und so, aber dieser Gedanke wurde schnell wieder verworfen. Und so schwang man sich am 09. Dezember morgens um halb sieben im noch dunklen und recht kalten Hauenstein auf die Gravelbikes, geländegängige Rennräder mit breiteren Reifen, die auch als Cycle-Cross-Bikes bekannt sind. „Kalt ist’s gewesen und regnerisch, richtig eklig“, beschreibt der dreißigjährige Alexander, der als Flugdatenbearbeiter bei der Deutschen Flugsicherung beschäftigt ist, die Witterung an jenem Morgen, dem dann aber auch noch sonnige Abschnitte folgen sollten.

Rund 42 Kilometer lang sind die Straßen der Schuhgemeinde, zwei Stunden und zwanzig Minuten waren die drei auf diesem „Marathon“ unterwegs und fuhren dabei auch unbekanntere Straßen wie den „Schellenjockel“ oder den Bypass in der Burgstraße ab. Einen vorher fest fixierten Plan hatten Sebastian, Alex und Stephan nicht. „Über die Grundzüge wie die Reihenfolge der Ortschaften waren wir uns einig, manches war dann vor Ort und spontan zu entscheiden“, beschreiben sie die großzügige Planung. „Wir wollten überall dorthin, wo ein Hausbriefkasten hängt“, nennt Stephan, der als Vertriebsleiter bei Interunion arbeitet, eine selbst gegebene Vorgabe.

Start war also in Hauenstein, von dort ging’s zunächst nach Wilgartswiesen, wo bereits ein Teil des Straßennetzes abgeklappert wurde, ehe der Aufstieg zum Hermersbergerhof folgte. „Das war für mich der schönste Abschnitt, als es wunderschöne Ausblicke ins noch nebelverhangene Tal gab“, berichtet der 31-jährige Klärmeister Sebastian Haag, der sich erst seit zweieinhalb Jahren intensiver sportlich betätigt und für den die „Streets of Verbandsgemeinde“ die bisher größte sportliche Herausforderung war.

Vom „Hof“ aus wurde auf Waldwegen Hofstätten angesteuert und die wenigen Gassen und Gässchen der Wilgartswiesener Annexe abgefahren. Über die B48 und den Queichtalradweg kam man wieder nach Wilgartswiesen, um dort die restlichen Straßen zu sammeln. Es folgten die Straßennetze in Spirkelbach, Lug, Dimbach, Darstein und Schwanheim. Und von dort ging’s über die Wasgauhütte, die „Hitt“ und die Vier Buchen –also durch den Wald- zur letzten Station, nach Hinterweidenthal.

„Wir sind in allen Ortschaften in Ecken gekommen, da waren wir noch nie…“, war die Tour für Alex Memmer auch eine besondere Erkundungsexkursion. Der Rückweg über den Fahrradweg nach Hauenstein schloss nach insgesamt zwölf Stunden die Strampelei um 18.30 Uhr ab. „Fix und fertig“ seien sie gewesen, weil es auf den 165 Kilometern ja „kaum Strecken gab, wo man einen Rhythmus finden und beibehalten konnte“, berichtet Alex, der sich seit einigen Jahren intensiv läuferisch betätigt und bei den Läufen in der Region immer mal wieder unter den Top Ten auftaucht. Es gab schwierige und lange Aufstiege, wie jene neun Kilometer vom 208 Meter über NN liegenden Wilgartswiesen hoch zum Hermersbergerhof, der mit 540 Metern höchst gelegenen Siedlung der Pfalz. Und es gab lange, rasante Abfahrten wie jene von Hofstätten über das Wellbachtal hinunter ins Queichtal. Und zwischendurch in den Dörfern: kurze, lange, steile und flache Straßen – abbremsen, anhalten, immer wieder abbiegen, beschleunigen…

Zwei Verpflegungspausen hatten die drei, die zusammen mit dem Roschbacher Bruno Lauth als „Trainer“ regelmäßig auf die Räder steigen, organsiert, eine in Wilgartswiesen nach 78 Kilometern, eine zweite nach 135 Kilometern in Hinterweidenthal. Freunde sorgten unter anderem mit Belegten und Kuchen, mit Malzbier und Säfte dafür, dass der Energiespeicher sich wieder aufladen konnte. Unterwegs war immer viel, viel Wasser geflossen.

„Es war eine witzige Idee und in der Coronazeit ein sehr gut genutzter Tag“, resümierte Stephan. „Und Spaß hat’s gemacht“, ergänzte Alexander, während Sebastian die Tour kurz und knackig mit „anstrengend“ kommentierte.

Die Tour „Streets of Verbandsgemeinde“ ist unter dem Link https://ayvri.com/scene/15y048n1jx/ckivgtjbm0000456io9k1028s anschaulich dokumentiert.